Im Gespräch mit Prof. Jean Nordmann über humanitäre Arbeit

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Geboren in La Chaux-de-Fonds, einer kleinen Stadt in der Schweiz, in den Bergen des Juras, verbrachte Jean Nordmann eine behütete Kindheit. Zum Skifahren musste er lediglich vor die Tür seines Elternhauses treten. Sein Vater besaß – sehr klassisch – eine Manufaktur für Schweizer Uhren. Er wuchs mit einer älteren Schwester auf, die ihm bereits im Alter von fünf Jahren das Lesen beibrachte.

Er studierte eine Mischung aus Medizin und Biologie. Ein Studiengang, der darauf  abzielte, junge Forscher auszubilden. Da er sich während des Studiums recht schnell langweilte, fragte er den Laborleiter einer bekannten Abteilung der Medizinischen Fakultät, ob er in einem der Teams seiner Abteilung arbeiten könne. So landete er in der Neurobiologie. Nach einer bemerkenswerten Karriere als Laborleiter und Professor beschloss er im Alter von 44 Jahren sein Institut zu verlassen, um sich der humanitären Arbeit zu widmen. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete er als Delegierter und Missionsleiter für das Internationale Komitee des Roten Kreuz, für die UNO und verschiedene Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Er war in vielen afrikanischen Ländern sowie in Papua (Indonesien), Afghanistan und Ex-Jugoslawien stationiert. Heute betreibt er als Pensionär ein Bead & Breakfast in Basel. So haben wir uns kennengelernt. Ich verbrachte meinen Geburtstag bei ihm, den er in ein besonderes Erlebnis verwandelte.

Wir haben das Interview auf Englisch geführt, der Wissenschaftssprache die uns beide verbindet. Den Beitrag im Original kannst du dir als PDF hier ansehen.

ACHTUNG! Trigger-Warnung: Wir werden im Verlauf des Gesprächs mehrfach auf den Krieg zu sprechen kommen. Die Inhalte sind möglicherweise für sensible Menschen schwer zu verkraften.

Was haben Sie als Neurobiologe erforscht und hat es Sie fasziniert?

Wir wollten herausfinden, wie Nervenzellen miteinander und mit Zellen aus anderen Geweben kommunizieren. Man muss verstehen, dass die Menschen dazu neigen Wissenschaft in einem falschen Licht zu sehen. Neunundneunzig Prozent der Zeit macht man langweilige Arbeit, man muss ein Experiment immer und immer wieder wiederholen, und erst am Ende hat man das Vergnügen, die Daten zu analysieren. Erst dann wird die Arbeit wirklich interessant.

Ich hatte Glück, denn ich wurde schon in jungen Jahren zum Professor ernannt. Ich muss zugeben, dass ich liebte was ich tat, ich war praktisch mit meiner Forschung verheiratet. Zu meinen Aufgaben gehörte es, Doktoranden zu unterrichten, was ich als sehr lohnend empfand, denn diese jungen Leute waren wirklich an der Wissenschaft interessiert.

Was haben Sie bei ihrer Arbeit über das menschliche Gehirn gelernt?

Neben schönen und erstaunlichen Dingen habe ich verstanden, dass die Menschheit trotz ihres Gedächtnisses nicht viel darüber lernt, wie man Gewalt vermeiden kann.

Obwohl Sie ein erfolgreicher Forscher waren, haben Sie mit Mitte vierzig beschlossen, die Wissenschaft zu verlassen. Warum das?

Anfangs hat mir niemand geglaubt, als ich sagte, ich würde aufhören. Aber nach 24 Jahren, in denen ich mehr oder weniger im Labor gelebt habe, wollte ich einen Teil meiner Jahre den Kindern widmen, die in kriegsgebeutelten Ländern aufwachsen. Aber der Witz ist, dass ich immer Wissenschaftler geblieben bin, denn wenn ich im Urlaub war, habe ich einen Freund in den USA besucht, um in seinem Labor zu arbeiten (oder zu spielen). Man hört nie auf etwas zu lernen! Ich lerne auch heute noch etwas über die Wissenschaft, auch wenn ich schon lange im Ruhestand bin. Ich bin immer noch von Kopf bis Fuß Wissenschaftler.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen der Leitung eines Labors und der Rolle eines Missionsleiters?

Die Art und Weise wie man ein wissenschaftliches Projekt verteidigen muss, ist die gleiche wie die, seine Präsenz in einer Region zu verteidigen, wenn man es mit bewaffneten Soldaten oder dem Polizeichef oder dem Präsidenten zu tun hat. Man muss sein Denken erklären und überzeugende Argumente finden.

Was war Ihre Motivation, humanitäre Arbeit zu leisten, und warum haben Sie sich für Afghanistan und Afrika entschieden?

Am Anfang war die Hilfe für Kinder meine größte Motivation, aber im Laufe meiner Arbeit wurde mir klar, dass jeder froh ist, wenn ihm geholfen wird.

Ich habe mir meine Einsätze nie ausgesucht, sondern war immer bereit, dorthin zu gehen, wo die Organisation, für die ich arbeitete, mich hinschickte. Der Hauptunterschied zu anderen Orten ist der Krieg. In unseren Straßen gibt es keinen Krieg. Wenn man in einem Gebiet arbeitet, in dem Krieg herrscht, kann man nicht erwarten, dass man eine Entwicklung sieht, man muss schnell denken und handeln. Das entsprach meiner Arbeitsweise. Außerdem macht es mir nichts aus, unter Bedingungen zu leben, die sich von denen zu Hause unterscheiden, z.B. in Bezug auf die Wohnsituation oder das Essen.

Nomaden zogen trotz des Krieges mit ihren Tieren über das Land. Das Foto zeigt eine Nomadin aus der Provinz Badakhshan in Afghanistan (2003)

Wie hat Ihre Familie auf Ihre Ambitionen reagiert?

Meine Kinder waren bereits alt genug, um selbst an der Universität zu studieren. Sie verstanden meine Gründe für den Wechsel meines Berufsweges. Selbst meine Eltern, die anfangs nicht ganz begriffen, warum ich eine gut bezahlte Festanstellung aufgab, haben mich sehr unterstützt. Was mir sehr bald klar wurde war die Rolle der Medien bei Konflikten. Meine Mutter bewahrte alle lokalen Zeitungsartikel über die Kriege auf, in denen ich gewesen war, und ich war schockiert über das, was in diesen Artikeln stand. Die Hälfte davon stimmte aus meiner Sicht von den Fakten her nicht. Im Gegensatz zu dem, was meine Eltern in den Zeitungen lesen konnten, war unser Leben nicht jeden Tag gefährlich.

Was die Leute nicht wissen ist, dass selbst im Krieg nicht jede Sekunde gefährlich ist. Schwer zu verkraften ist hingegen, dass man nie weiß wann ein Angriff kommt oder ob er überhaupt stattfindet. Die Ungewissheit ist das Problem. Das heißt aber nicht, dass wir ständig unter Beschuss standen.

Wie haben Sie mit den Menschen in ihren Einsatzgebieten kommuniziert?

In Ländern, in denen ich die Sprache nicht beherrschte, hatte ich immer einen Dolmetscher. Das hat die Dinge manchmal komplizierter gemacht, denn wenn man zum Beispiel mit dem Anführer einer Rebellengruppe sprechen will, möchte man lieber mit dieser Person allein sein. Aber meine Erfahrungen mit den nationalen Mitarbeitern waren ausgezeichnet. Sie haben immer fantastische Arbeit geleistet. Ohne die nationalen Mitarbeiter könnten die humanitären Organisationen nicht arbeiten. Deshalb hätte es meiner Meinung nach keine Diskussion über den Abzug des einheimischen Personals aus Afghanistan geben dürfen. Sie hätten in unsere Länder geholt werden müssen. Ohne diese Menschen war unsere Arbeit nichts wert. Sie sind das Bindeglied zwischen den internationalen Organisationen, den NROs, den Behörden und der Bevölkerung.

Was waren Ihre Ziele bei der Arbeit in den Kriegsgebieten und was wollten Sie erreichen?

Wir hatten viele Ziele, z. B. Hilfe zu leisten für die Bevölkerung, Krankenhäuser, Kliniken und orthopädische Zentren. So haben wir zum Beispiel Menschen, die durch Landminen ein oder gar beide Gliedmaßen verloren haben, mit Prothesen versorgt. Wir haben auch Menschen geholfen, ihre Angehörigen zu finden, die sie im Krieg verloren hatten. Wir haben Gefangene besucht oder den Streitkräften das humanitäre Völkerrecht beigebracht und vieles mehr.

Werkstatt zur Herstellung von Prothesen. Hier aus Faizabad in Afghanistan (2004)

Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass alles was man tut letztendlich wenig ist. Als ich in der Wissenschaft gearbeitet habe, habe ich manchmal mit Elektronenmikroskopie gearbeitet. Bei allem was ich später tat stellte ich mir vor ich hätte ein Elektronenmikroskop, das die kleinen Dinge, die wir erreichten, zu etwas Großem machen würde! Weißt du, von außen betrachtet ist das was wir erreichen nichts, aber für die Menschen auf dem Land kann es eine ganze Menge sein. Ihr Lächeln ist für mich wichtig. Wir haben einmal ein Kind zu einer Mutter zurückgebracht, nachdem sie zwei Jahre voneinander getrennt waren. Beide dachten der andere sei umgekommen. Ihre Gesichter zu sehen, als sie wieder vereint waren, war eine große Freude für uns.

Wenn ein Dorf von bewaffneten Kämpfern angegriffen wird, flüchten die Menschen Hals über Kopf. Nicht selten werden dann Familien voneinander getrennt. Den internationalen Organisationen fällt die Aufgabe zu, diese versprengten Familienmitglieder wieder zu vereinen, wie hier in der östlichen Provinz der Demokratischen Republik Kongo. Mutter und Sohn hatten sich zwei Jahre nicht gesehen und jeder dachte, der andere sei ums Leben gekommen (1996).

Wie haben Sie diese Ziele denn erreicht?

Ich habe gelernt, dass man extrem geduldig sein muss, damit Dinge in Gang kommen. Um seine Ziele zu erreichen, muss man die Menschen kennen lernen, man muss mit ihnen reden. Manchmal dauert es sehr lange, bis man die Erlaubnis erhält in einem bestimmten Territorium zu arbeiten. Ich erinnere mich an einen Fall, in dem ich die Geduld aufbringen musste drei Monate zu warten, bis ich mich mit den hohen Behörden des Landes treffen konnte. Von diesem Zeitpunkt an war alles ganz einfach.

Diese Frauen sind mit ihren Kindern aus ihrer Heimat in Süd-Darfur in dieses Flüchtlingscamp geflohen und warten nun auf Lebensmittel und andere Güter, um sich zu versorgen. Sie sitzen seit Stunden in der Sonne. (Nyala, 2005)
Dieser Junge aus dem südlichen Darfur nimmt Gelegenheitsjobs in Nyala an, um sich über Wasser zu halten, weil seine Eltern beide umgekommen sind (2005).
Diesem Mann aus Mauretanien rannen Tränen über die Wangen, weil er zum ersten Mal in seinem Leben keinen einzigen Tropfen Tee mehr besaß, den er den Gästen anbieten konnte. (Hode ich Chargui, 2008)

Lassen Sie uns näher auf Ihre Lehrtätigkeit im Bereich des humanitären Völkerrechts eingehen, die Sie zuvor erwähnt haben. Wie hat das funktioniert?

Weißt du, viele Soldaten haben keine Ahnung vom humanitären Völkerrecht. Ich hätte in die Hauptstädte einiger bekannter Länder gehen sollen! Nein im Ernst, selbst in der Schweizer Armee wird die Grundausbildung ohne jeden Hinweis auf das humanitäre Völkerrecht durchgeführt. Und dabei wurde ein Teil davon bereits 1907 eingeführt. Dies konzentrierte sich auf die kämpfenden Soldaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es durch Gesetze zum Schutz der Zivilbevölkerung und der politischen Gefangenen ergänzt. Die Wahrheit ist jedoch, zumindest nach meiner Erfahrung, dass – selbst wenn die Menschen das Gesetz verstehen – kaum jemand diese Regeln befolgt. Schau dir nur den Vietnamkrieg an, oder das was jetzt in der Ukraine passiert, und du verstehst was ich meine.

Aber um es mal optimistisch auszudrücken: Manchmal funktioniert es! Bei einem Einsatz, zu dem ich abkommandiert wurde, änderten die kämpfenden Parteien ihr Verhalten völlig, nachdem sie etwas über das humanitäre Recht gelernt hatten, und sie betrachteten ihren Feind mit anderen Augen. Das war sehr interessant zu sehen.

Die größte Veränderung in den letzten 20 Jahren ist, dass die Taten nicht so schnell vergessen werden. Mit anderen Worten, es werden Untersuchungen angestellt, um herauszufinden, was während des Krieges wirklich passiert ist.

Waren Sie jemals versucht aufzugeben?

Nein! Ich habe einen ziemlichen Dickschädel. Wenn ich etwas erreichen will, gehe ich bis zum Ende. Es gibt nichts Schöneres, als den Menschen eine Perspektive zu geben. Wenn eine Familie nichts zu essen hat, der Vater umgekommen ist und man ihnen helfen kann, so dass sie überleben, dann ist das sehr befriedigend. Ich habe Häftlinge besucht, denen aufgrund unserer Besuche versichert wurde, dass sie nicht verschwinden werden. Ich habe immer noch einen Brief aus dieser Zeit, in dem sich Gefangene bei uns bedanken und erklären, dass sie ohne unsere Unterstützung Selbstmord begangen hätten.

Was war Ihr schwierigster Einsatz?

Vielleicht der in Bosnien-Herzegowina, denn wie die Menschen in der Ukraine jetzt, fühlte es sich an als wären sie Cousins. Es war ein Krieg nebenan. Als ich dort hinkam und all diese Gefangenen sah, war ich an den Zweiten Weltkrieg erinnert. Sie waren nur aus politischen Gründen eingesperrt worden. Erst waren die Kämpfenden Brüder und wurden plötzlich zu Feinden.

Für die Menschen dieser zerbombten Stadt in Ex-Jugoslawien wurde es zu einer der wichtigsten Aufgaben jeden Tag frisches Wasser zu holen. (1994)

Welche Eigenschaften sind für die humanitäre Arbeit wichtig?

Geduld und Beharrlichkeit sind meiner Meinung nach wichtig. Ich werde dir ein Beispiel geben: Ich habe in einer Region gearbeitet, in der wir für die Einreise ein Papier der Behörden benötigten. Es war schwierig diese Papiere zu bekommen. Der Kern des Problems war ein Wettbewerb zwischen zwei Ministern. Einer von ihnen bat mich irgendwann, in sein Büro zu kommen. Ich zog also meine Krawatte an und beeilte mich zu ihm zu kommen. Aber man ließ mich warten. Drei Stunden später ging sein Sekretär und ich fragte ihn, ob der Minister wisse, dass ich noch da sei. Er sagte, er nehme es an. Weitere zwei Stunden später verließ der Minister sein Büro und sah mich warten. Er fragte mich: “Was machen Sie hier?” und ich antwortete: “Nun, Sie haben mich für 12 Uhr einbestellt.” “Das habe ich völlig vergessen”, war seine ehrliche Antwort. Ich sagte ihm, dass ich dachte, er wolle ein Experiment durchführen, um zu sehen, ob weiße Menschen aus Europa das sehr heiße Klima fünf Stunden lang aushalten können, ohne zu trinken. Kurze Zeit später wurde ich nicht nur mit Essen und Trinken versorgt, sondern auch mit einem Papier, das uns erlaubte, in der oben genannten Region zu arbeiten. Wir waren die einzigen die jemals ein solches Papier erhalten haben und ich bin sicher, es lag nur daran, dass ich fünf Stunden lang gewartet hatte.

Persönlicher Kontakt, um Vertrauen aufzubauen, ist eine weitere hilfreiche Sache. In Afrika gibt es oft Kontrollpunkte, die von Kindersoldaten bewacht werden. Als Missionsleiter habe ich vor Ort immer mit diesen Kindern gesprochen. Ich habe mir die Zeit genommen ein richtiges Gespräch zu führen. Nach einer Weile kannten sie uns. Weil sie uns kannten und uns vertrauten, konnten wir jeden Kontrollpunkt passieren. Einmal rief mich der Präsident an, um mir mitzuteilen, dass einige seiner Leute von den Rebellen freigelassen worden waren. Sein Problem war, dass er niemanden schicken konnte, um sie zu holen, denn wir waren die Einzigen, die dieses Gebiet betreten durften. Wir nahmen also unsere drei Autos, um die Leute abzuholen. Wir passierten alle Kontrollpunkte ohne Probleme, denn die Kindersoldaten kannten uns aufgrund unserer zahlreichen vorherigen Gespräche.

Besser zu dritt auf dem Fahrrad als alleine zu Fuß. Soldaten der östlichen Provinz der Demokratischen Republik Kongo. (2010)
Freiheitskämpfer aus Süd-Darfur (Sudan, 2005)

Wie verarbeiten Sie das, was sie gesehen und erlebt haben?

Während des Einsatzes hatte ich nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken. Es kam erst alles zurück, als ich nach 22 Jahren aufhörte mit der humanitären Arbeit. Ich sah Weinende, Tote, Massengräber, Eingeweide von Menschen, die als Seile für Kontrollpunkte verwendet wurden und vieles mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals damit fertig werde.

Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die in Ihre Fußstapfen treten wollen?

Es ist ein Unterschied ob ich 25 oder 55 bin, wenn ich für eine humanitäre Organisation arbeite. In höherem Alter ist man vielleicht eher in der Lage Dinge zu akzeptieren, die man nicht ändern kann. Außerdem ist es wahrscheinlicher, dass man als Autorität akzeptiert wird.

Was ich jungen Menschen normalerweise sage, ist folgendes: Arbeitet zuerst in eurem eigenen Land, und geht dann in die schwierigen Länder. Und bleibt nicht zu lange an einem Ort. Wenn ihr das tut, besteht die Gefahr, dass ihr nie wieder weggeht. Wechselt also euren Einsatzort.

Wenn man sich aktiv für Hilfsbedürftige einsetzen möchte, sind NGOs dann ein guter Ausgangspunkt?

Das erste was ich immer dazu sage ist, dass es in unseren eigenen Ländern viel zu tun gibt. Bei uns leben Menschen auf der Straße, es gibt Kinder die nicht gut versorgt sind, es gibt viele alte Menschen die Hilfe brauchen, und natürlich haben wir Flüchtlinge. Man muss also nicht nach Afghanistan oder Afrika gehen, um zu helfen.

Sie haben ein Buch mit dem Titel “Beauty in Bitterness” veröffentlicht. Es enthält Bilder, die Sie bei Ihren Einsätzen gemacht haben, um sie Ihrer Familie zu zeigen. Wie ist aus der Sammlung ein Fotobuch geworden?

Eine Dame, die sich in der Basler Kultur engagiert, sah meine Bilder und überzeugte mich, sie der Öffentlichkeit zu zeigen. Es gelang ihr eine Ausstellung zu organisieren. Ich stellte die Bilder zur Verfügung und schrieb kurze Texte über die Geschichten der Menschen auf den Bildern. Nach der Ausstellung beschlossen wir, daraus ein Buch zu machen. Ich fand es interessant zu sehen, dass die Leute die Bilder schön fanden, bis sie den Text darunter lasen und so die Umstände erfuhren. Einige von ihnen fingen an zu weinen, als sie erkannten, welche Geschichte sich hinter dem Foto verbirgt.

Ich habe jedoch mit der Zeit verstanden, dass die Menschen schnell vergessen, weil sie es müssen. Wir können nicht ewig mit einer so harten Wahrheit leben. So war es auch, als ich nach dem Ende eines Einsatzes meine Geschichten erzählte. Freunde luden mich ein, um von meiner Arbeit zu hören, aber nach fünf Minuten ging das Gespräch zu sanfteren Themen über. Ich kann niemandem die Schuld dafür geben, aber das passiert uns allen, die in der humanitären Arbeit tätig sind. Es ist zu schwierig sich das anzuhören, weil es in erster Linie sehr schmerzhaft ist und weil die Menschen vielleicht erkennen, dass sie ein viel besseres Leben führen als Menschen in anderen Teilen der Welt. Sie fühlen sich dem gegenüber hilflos. Wir ziehen es vor zu vergessen, oder wir fragen nicht, weil wir Angst vor den Antworten haben.

Sind Sie heute eher optimistisch oder pessimistisch, was die Lage der Nationen angeht?

Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Ich betreibe jetzt ein Bed & Breakfast und treffe viele junge Leute die wunderbare Dinge tun. Wenn ich hingegen morgens in die Zeitung schaue, nichts als schlechte Nachrichten, keine positiven Geschichten!

Ich freue mich, dass es in der Schweiz eine große Welle der Unterstützung für ukrainische Flüchtlinge gibt. Aber seien wir ehrlich, sie haben glattes blondes Haar und einen hellen Hautton. Ich stelle jedoch fest, dass die Menschen langsam erkennen, dass wir einen Unterschied machen, je nachdem wo ein Flüchtling herkommt. Ich hoffe, dass wir bald auch Flüchtlingen aus anderen Teilen der Welt offener gegenüberstehen.

Sie verwenden Ihre Einnahmen aus dem B&B und sammeln Spenden, um verschiedene Projekte in der ganzen Welt zu unterstützen.  Mögen Sie uns diese Projekte vorstellen?

Ja, natürlich! Ich beschreibe sie am Besten der Reihe nach:

  1. Eine Schule für AIDS-Waisen im Busch von Zentralafrika, die zum Teil mit dem Geld des B&B gebaut wurde, wird weiter von uns unterstützt.
  2. Eine Familie in Afrika mit zwei eigenen Jungen hat sechs Waisenkinder adoptiert. Außerdem beherbergt sie eine Frau mit zwei kleinen Kindern, die ihr Dorf verlassen hat, nachdem ihr Mann ermordet wurde. Trotz eines Gehalts haben sie nicht genug, um diese große Anzahl von Menschen zu unterstützen. Wir versuchen daher, ihnen zu helfen.
  3. Wir finanzieren ein kleines Projekt, das es einem Jugendlichen ermöglicht, eine neue Beinprothese zu bekommen, nachdem auf ihn geschossen worden war. Er lebt in einem Dorf in einer Region, in der Boko Haram aktiv ist. Mit den Spendengeldern werden seine medizinische Behandlung und das Schulgeld bezahlt. Er ist inzwischen Klassenbester, muss aber alle zwei Jahre eine neue Prothese bekommen.
  4. Wir unterstützen die kleine Angel, die in den Slums von Kenia lebt, damit sie medizinisch versorgt werden kann. Sie wurde ausgesetzt als sie nur ein paar Stunden alt war. Anita fand sie und adoptierte sie. Dann zerstörte ein Feuer ihr Zuhause. Zu allem Überfluss wurde bei Angel wenige Monate nach ihrer Geburt eine autistische Störung diagnostiziert. Jetzt beginnt sie zu laufen und zu sprechen. Sie liebt es zu singen.
  5. Wir zahlen darüber hinaus die Studiengebühren für ein brillantes junges Mädchen in Polen (die Tochter eines erstaunlich sachkundigen Führers, den wir in Auschwitz kennengelernt haben) und für ihren Bruder sowie für die Tochter eines Kollegen von mir, der in Mostar (Bosnien) lebt und mit mir während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien zusammengearbeitet hat.

Diese Kosten belaufen sich in Summe auf 46.000 Euro pro Jahr.

Wie können die Menschen Ihre Wohltätigkeitsorganisation unterstützen?

Zunächst einmal möchte ich Folgendes sagen: Es stimmt, dass bei Nichtregierungsorganisationen eine große Lücke klafft, zwischen den Spendensummen und dem, was wirklich bei den Menschen ankommt. Aber ich bestehe darauf, dass wir internationalen Organisationen und NGOs helfen sollten.

In meinem Fall sind die Projekte viel kleiner. Ich habe die Familien ausgewählt, weil ich sie kenne. Sie sind also die Glücklichen. Ich weiß, dass es Millionen von anderen gibt, die nicht unterstützt werden. Man kann also über diesen Ansatz diskutieren, aber was die Spender an unseren Projekten schätzen ist, dass sie über eines sicher sein können: 100 Prozent der Gelder kommt bei den Bedürftigen an.

Wenn sich deine Leser direkt engagieren wollen, hier sind die Details für das Spendenkonto:

Bank Account
School Africa
Jean Nordmann
Hebelstrasse 85
4056 Basel

IBAN: CH81 0840 1000 0543 5183 9
SWIFT: MIGRCHZZ80A
Migros Bank AG
Aeschenvorstadt 72
4051 Basel, Schweiz
Clearing: 8401

Haben Sie noch eine Botschaft an meine Blogleser zum Abschluss?

Ich gebe eigentlich nicht so gerne Ratschläge. Ich hätte nie gedacht, welch großen Einfluss die Geschichte meines Lebens auf andere Menschen hat. Sie finden es erstaunlich, dass ich meine Arbeit als Professor und in der Forschung – die ich geliebt habe – aufgeben konnte, um humanitäre Arbeit in kriegsgebeutelten Ländern zu leisten. Manche Leute kommen also zu mir und bitten mich um Rat, wie sie ihr Leben leben sollen.

Mein Rat ist dieser: Solange du niemanden verletzt, tue was du willst! Und zweitens: Man muss nicht nach Afrika gehen, um etwas zu bewirken. Wir brauchen auch in unserer Gesellschaft Menschen die helfen.

Danke, dass Sie Ihre Geschichte mit uns geteilt haben Jean. Es bedeutet mir sehr viel!

Mein heutiger Interviewpartner war:

Jean Nordmann (geb. 1948) – Studium und Promotion in Neurobiologie in Genf, Schweiz, Postdoktorat in Cambridge und Göttingen. Trat 1992 als Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique in Frankreich zurück, um für internationale Organisationen und NGOs zu arbeiten. Er lebt heute in Basel. 

Wenn du Jean direkt kontaktieren möchtest,
schreib ihm eine E-Mail an: nordmannjj@yahoo.fr
Er ist auch per Telefon zu erreichen: (+41) 061 321 93 42

Jeans Buch “Beauty in Bitterness” gibt es im Handel leider nicht mehr, er verschickt auf Anfrage das PDF dazu aber gerne gegen eine kleine Gebühr. Die Aufnahmen in diesem Interview stammen alle aus diesem Bildband. Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Fotografen. Anfragen bitte direkt an Jean Nordmann.

Zum Schluss noch dies: Ich führe die Interviews im Rahmen der Gesprächsreihe mit großer Leidenschaft und stecke viel Energie hinein, weil es mir wichtig ist, dass Menschen die sich für die Gesellschaft engagieren, eine Stimme bekommen. Wenn du jemanden kennst, der hier unbedingt zu Wort kommen sollte, dann freue ich mich über deinen Hinweis.

Im Gespräch mit Alea Horst – Privileg verpflichtet

Ihre Eltern hatten zur Geburt ein zartes blondes Kind erwartet, so wie bei ihrer älteren Schwester. Zum Vorschein kam allerdings ein Baby das am ganzen Körper dunkel behaart war. Dem Krankenhauspersonal entfuhr der Ausruf: „Schon wieder ein Ausländerkind!“

Sie wächst in einem Dorf im Taunus, in der Nähe von Frankfurt, auf und liebäugelt bereits im Alter von 15 Jahren mit dem Beruf der Fotojournalistin, lässt sich aber von den angeblichen Voraussetzungen, die das Berufsinformationszentrum kommuniziert, abschrecken. Jahre später hilft der Zufall nach: Ihr Ehemann braucht eine Spiegelreflexkamera für seinen Job. Alea leiht sich diese aus und entdeckt die Fotografie als Hobby. Sie lädt ihre Schnappschüsse auf Social Media hoch und bekommt zahlreiche Anfragen. Zunächst meldet sie ein Nebengewerbe an. Dann wird die 3D-Softwareentwicklungsfirma in der sie in der Auftragsabwicklung hauptberuflich arbeitet verkauft und sie wird entlassen. Das ist der Schubs den sie braucht, um hauptberuflich in die Fotografie einzusteigen. Sie beginnt als Familien- und Hochzeitsfotografin. Ein Silvestervorsatz führt sie ins Flüchtlingslager auf Lesbos. Danach ist nichts mehr wie es war. Heute ist Alea Friedensaktivistin mit eigener Hilfsorganisation, Fotografin für Kriegs- und Krisengebiete und setzt sich mit ihren Ausstellungen und Vorträgen für Zukunftsbildung ein.

Deine Eltern mussten sehr schnell kreativ werden, nachdem der  dir ursprünglich zugedachte Name nicht mehr passend schien. Welche Bedeutung hat der Name Alea?

Im Lateinischen heißt Alea „Würfel“, was ich für mich ganz stimmig finde, wegen der verschiedenen Perspektiven die man betrachten kann. Ich habe definitiv viele verschiedene Seiten. Im Arabischen ist Alia außerdem diejenige, die auf dem Berg steht und in die Weite schaut.

Es geht dir bei deiner Fotografie darum ehrliche Bilder zu machen. Wie stellst du das Menschliche in deinen Motiven in den Vordergrund?

Am Anfang habe ich tatsächlich sehr viele andere Fotografen nachgeahmt. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich auf meine eigene Stimme hören muss. Mir ist dabei bewusst geworden: Je mehr ich auf mich selbst höre, je mehr ich auf meine innere Stimme vertraue, umso authentischer werden meine Fotos. Anfänglich dachte ich, dass zum eigenen Business eine kühle Distanziertheit gehört, aber das war ein Holzweg. Mir wurde über meine Arbeit klar: Je offener und authentischer ich selbst bin, je menschlicher ich mit den Personen vor der Kamera umgehe, desto besser werden meine Fotos. Im offenen Umgang mit der Situation finde ich meine Motive, kann die Personen anleiten, oder auch geschehen lassen, was gerade passiert. Meine Offenheit macht es den Menschen leichter sich zu entspannen und sich intimer zu zeigen. Fotografie ist etwas sehr intimes und je mehr Vertrauen ich in mein Gegenüber habe, umso besser funktioniert das Zusammenspiel.

Mir ist wichtig, dass ich die Menschen, die ich fotografiere, in ihrer Situation abhole und keine Aufsicht produziere. Deshalb schauen mir die Menschen in die Augen. Manche Betrachter verstört es, dass die Menschen die ich fotografiere lachen, auch wenn sie sich in einer extremen Lebenssituation befinden. Das kommt daher, dass die Menschen mit mir in der Interaktion sind, wir miteinander lachen.

Kinder bei einem Brunnenbauprojekt in Afghanistan

Du sprichst von einem Machtunverhältnis. Wie meinst du das?

Fotografie ist wie nackt machen. Als Fotografin ermächtige ich mich, denn ich kann denjenigen den ich fotografiere darstellen wie ich es möchte. Die Person die ich fotografiere kann hingegen das Ergebnis nicht beeinflussen. Mein Gegenüber muss mir also vertrauen. Das mache ich mir bewusst und mit dieser Verantwortung gehe ich achtsam um. Ich möchte Menschen nicht als Opfer darzustellen, oder sie klein machen. Es ist mir wichtig, sie so würdevoll wie möglich abzubilden.

Wie baust du den Dialog zu den Menschen auf, die du fotografierst?

Ich beginne immer mit einem Lächeln und gehe offen auf die Menschen zu. Wenn ich einen Übersetzer dabeihabe ist es einfach, dann stellt er mich vor und erklärt meine Arbeit. Aber auch wenn keine Person dabei ist die vermitteln kann, geht Kommunikation, dann eben in  Zeichensprache. Einfache Unterhaltungen mit Händen und Füßen sind immer möglich. Heute hilft natürlich auch ein Übersetzungsprogramm auf dem Mobiltelefon.

Ich versuche immer eine echte Begegnung mit den Menschen zu schaffen, weil mir Hintergrundinformationen über die Menschen, die ich fotografiere, wichtig sind. Wenn ich Bilder ausstelle gibt es zu jedem Foto einen Text, der die Person in ihrer Situation vorstellt. Ich beschreibe den Gesprächsverlauf, halte fest, was ich in dem Moment dachte. Erst dadurch bekommt meine Fotografie einen Sinn, denn mein Anliegen ist es, den Menschen die ich fotografiere, eine Stimme zu geben.

Du hast als Familien- und Hochzeitsfotografin begonnen. Dann hattest du ein Schlüsselerlebnis. Kannst du uns davon erzählen?

Ich hatte die Lage in Syrien verfolgt und meine innere Stimme ermahnte mich permanent etwas zu tun. Aber als Hochzeitfotografin fühlte ich mich relativ unnütz. Also traf ich die Entscheidung mich zu engagieren, es war einer dieser berühmten Silvestervorsätze. Ich wollte mir am Ende meines Lebens nicht vorwerfen müssen, nichts unternommen zu haben.

Vier Tage später flog ich zu meinem ersten Nothilfeeinsatz nach Lesbos, um mich einer sehr kleinen schwedischen Hilfsorganisation anzuschließen. Ich war vollkommen unvorbereitet und hatte keine Ahnung was mich erwartet. Ich war tagsüber dazu eingeteilt Nothilfe am Strand zu leisten. Ich habe Menschen die völlig dehydriert, durchnässt oder kraftlos waren, aus den Flüchtlingsbooten gezogen. Ich habe Kinder gesehen, die auf den Grund des Bootes gerutscht waren. Andere Flüchtende hatten auf ihren Gesichtern gestanden. Die Flüchtlinge waren durchgefroren und von Todesangst getrieben, das war in ihren Augen deutlich zu sehen. Viele waren erleichtert endlich in der EU anzukommen, sind in Tränen ausgebrochen, haben gebetet, manche sind ohnmächtig zusammengebrochen. Ich hatte noch nie zuvor Begegnungen wie diese.

Am Abend habe ich ein paar Stunden geschlafen und in der Nacht hatte ich Dienst im Flüchtlingslager Moria. Dort musste ich Menschen zusammenpferchen. Es gab nur 16 Container und damit niemand draußen bleiben muss und dort erfriert, mussten wir alle dazu anhalten zusammenzurücken. Trotzdem sind Kinder erfroren, weil nicht für alle Platz war. Ich habe noch versucht, Decken und Kleidung zu organisieren und habe mich die ganze Zeit überfordert gefühlt, weil ich nicht damit gerechnet hatte, welche Aufgaben mir als Anfängerin übertragen würden. Ich habe mich sogar bei der Lagerleitung beschwert, aber sie hat mich ausgelacht und gesagt, dass kein Lager auf der gesamten Balkanroute so gut sei wie dieses. Ich hatte vergleichbares noch nie erlebt.

Dann kam ich wieder nach Hause und hatte das Gefühl, dass unser Wohlstand in keinem Verhältnis steht zu der Ungerechtigkeit die den Flüchtlingen widerfährt. So war mir klar, dass ich längerfristig aktiv sein muss.

Im gleichen Jahr bin ich nach Jordanien gegangen und habe dort die Geschichten in Traumakindergärten einer deutschen Hilfsorganisation dokumentiert. Dann war ich bei der Seenotrettung und von da an ist die Liste der Hilfsorganisationen immer länger geworden. Ich habe mich immer als Helferin angeboten aber dazugesagt, dass ich eine gute Fotografin bin, die die Arbeit vor Ort in Bild und Text dokumentieren kann.

Ich habe die sozialen Projekte alle ehrenamtlich fotografiert und für die Reisen Urlaub genommen. Das Ganze war also unbezahlt, bzw. ich habe meine Ersparnisse angezapft. Auch die Ausstellungen die ich danach konzipiert habe, haben sehr viel Geld gekostet. Dies musste ich irgendwie querfinanzieren. Daher habe ich noch eine Weile lang Familien- und Hochzeitsfotografie gemacht. Nachdem ich aber Kinderarbeit, Hunger und alles andere mit meinen eigenen Augen gesehen hatte, war ich nicht mehr in der Lage Hochzeitstorten zu fotografieren. Kunden verdienen, dass die Fotografin ihre Wünsche und Träume wertschätzt. Das konnte ich emotional nicht mehr. Für mich war eine Grenze überschritten.

Du hast damit deine Einkommensquelle verloren. Wie hast du dich an diese veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst?

Grundsätzlich gilt, dass ich für vieles, das ich mir früher geleistet habe, heute kein Geld mehr ausgebe. Das liegt aber auch daran, dass sich meine innere Einstellung zu vielen Dingen geändert hat. Ich brauche sie heute nicht mehr. Ich war beispielsweise vor 5 Jahren zum letzten Mal im Urlaub.

Der andere Aspekt ist, dass es auch Hilfsorganisationen gibt, die Bilder abkaufen können. Inzwischen arbeite ich für einige von ihnen und habe dadurch geringe Einnahmen, die zumindest die Reisekosten decken. Die Ausstellungen versuche ich durch Fördergelder zu finanzieren. Ich bin da gerade in einer Transformationsphase.

Wie meinst du das genau?

Ich habe in den letzten Jahren eigene private Nothilfe geleistet und inzwischen einen eigenen Verein, Alea e.V. gegründet. Ziel ist es mit diesem Verein so viel Geld zu erwirtschaften, dass ich nicht nur die Sach- und Nahrungsmittelhilfen und meine Reisen in die Krisengebiete finanzieren kann, sondern meine Anstellung innerhalb dieses Vereins als Spendenkoordinatorin möglich ist. Das soll natürlich mit meiner freiberuflichen Tätigkeit als Fotografin kombinierbar sein, damit ich weiterhin im Auftrag anderer Hilfsorganisationen tätig sein kann.

Wie verarbeitest du denn, was du bei deiner Arbeit siehst und erlebst?

Ich werde darin immer besser, aber das war ein Prozess. Wenn ich von Projekten zurückkomme geht es mir schon ein paar Tage schlecht. Ich ziehe mich dann zurück und verbringen viel Zeit im Garten, weil ich festgestellt habe, dass es mich erdet, die Hände in den Boden zu stecken. Mir hilft dieser Bezug zur Natur auch, um mich abzugrenzen, mir bewusst zu machen, dass ich nur für die Konsequenzen meines eigenen Handelns verantwortlich bin. Ich kann Menschen nicht dazu zwingen, sich mit den Zuständen in Syrien oder andernorts zu beschäftigen. Denn was ich klar benennen kann ist, dass das was ich vor Ort sehe, die Bilder die ich mache, nicht das sind was mich belastet. Was mich wirklich belastet ist, dass das Interesse an meiner Arbeit in Deutschland sehr gering ist. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen desinteressiert sind daran, wie es Menschen geht, die weit weg leben. Sie fragen sich dann, was deren Schicksal mit ihnen zu tun hat. Mir tut das unglaublich weh, aber ich kann nicht für das Tun anderer Menschen verantwortlich sein.

Ich kann meine Fotos zeigen, um klar zu machen, wo Veränderung Not tut, aber ob Menschen sich davon beeinflussen lassen, das liegt nicht in meiner Hand. Hier habe ich dazugelernt, denn am Anfang verspürte ich einen unglaublichen Druck, dass meine Bilder etwas verändern müssen, das Handeln anderer Menschen beeinflussen müssen und das hat mich sehr belastet. Aber das ist nicht meine Verantwortung und das muss ich mir immer wieder bewusst machen.

Was mich auch hilft ist, dass ich während meiner Einsätze viele inspirierende Menschen treffe. Da sind die Menschen die ich fotografiere, die unglaubliches durchgemacht haben und trotzdem jeden Morgen aufstehen und mich mit einem freundlichen Lächeln begrüßen oder zum Tee einladen. Wenn diese Menschen nicht aufgeben, habe ich kein Recht zu klagen. Darüber hinaus gibt es tolle Menschen in Hilfsorganisationen, die – egal wie aussichtlos die Situation oder wie verrückt die Aufgabe ist – trotzdem die Ärmel hochkrempeln und die Herausforderung annehmen. In Begegnung zu gehen mit diesen Menschen gibt mir sehr viel Kraft.

Welche Haltung hast du zur Flüchtlingspolitik der Regierung?

Spätestens seit dem letzten September als die Bundesregierung menschenverachtend reagiert hat, als in Kabul beim Truppenabzug Menschen aus dem Flugzeug gefallen sind und Eltern ihre Kinder über den Zaun gehoben haben, empfinde ich eine große Frustration oder gar blankes Entsetzen.

Mit dem Krieg in der Ukraine hat sich das für mich noch zugespitzt. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, ich finde die Hilfsbereitschaft den Ukrainern gegenüber großartig. Ich stelle nur fest, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Ich wünsche mir eine Sensibilität allen Geflüchteten gegenüber die an unseren europäischen Außengrenzen unwürdig versterben.

Dieser tief verankerte Alltagsrassismus macht mich wütend und traurig zugleich. Eigentlich müssten alle Alarmglocken aufleuchten, wenn gesagt wird, dass es doch nur zu natürlich sei, dass man den europäischen Nachbarn hilft. Gerade mit unserer Geschichte wäre mehr Sensibilität allen Nationen gegenüber erforderlich. Man kann das ja durchaus fühlen, aber dann würde ich mir wünschen, dass Menschen dieses Empfinden kritisch hinterfragen. Da stimmt doch etwas nicht, wenn Hilfe für Europäer selbstverständlich ist und für Muslime nicht. Aber das Hinterfragen bleibt aus und die selektive Hilfe wird verteidigt. Das zeigt mir, dass wir noch weit weg sind von einer gesunden Gesellschaft.

Hat das vielleicht auch etwas mit unserer inneren Haltung den Geflüchteten – beispielsweise aus Afrika – gegenüber zu tun?

Das ist durchaus möglich. Ich denke, dass wir ein völlig falsches Bild von Menschen haben, die in Flüchtlingslagern, in Slums oder im Krieg leben. Da sind Narrative in unserem Kopf, die dringend aufgebrochen werden müssen. Diese sind aber auch entstanden, weil sie mit Filmen oder Fotos gefüttert wurden. So ist beispielsweise über die Afrikaner das Bild entstanden, dass sie nur zu Hause sitzen, die Hand aufhalten und auf Spendengelder warten.

Ich war in vielen Ländern als Fotografin unterwegs und konnte beobachten, dass die Menschen sehr hart arbeiten. Notsituationen haben nichts mit mangelndem Fleiß oder mit fehlender Kreativität zu tun. Gerade bin ich aus den Capverden zurückgekehrt. Die Menschen dort haben teilweise drei Jobs gleichzeitig. Während die Friseurin auf Kunden wartet strickt sie. Die Fischverkäuferin flicht Frauen die Haare. Am Willen oder der Kreativität mangelt es nicht, sondern an der Perspektivlosigkeit. Wir können das nur schwer nachvollziehen, weil wir dieses Problem bei uns nicht haben.

Ist es eine Zielstellung deiner Arbeit als Friedensaktivistin diese Narrative aufzubrechen?

Ich versuche ein Brückenbauer zu sein. Ich möchte Menschen in schwierigsten Situationen so darstellen, dass andere Menschen aus Wohlstandsgesellschaften sich in sie hineinversetzen können. Das gilt für meine Bilder und meine Texte. Ich versuche es, durch einen direkten Blick und eine klare Sprache, den Menschen so einfach wie möglich zu machen, zu verstehen was passiert.

Also ist die Fotografie nicht deine einzige Art dich auszudrücken?

Meine Fotografie ist meine größte Stärke. Früher waren meine Bilder der Zweck meiner Arbeit. Heute sind sie ein Mittel. Ich habe eine Botschaft, die ich transportieren möchte, dafür brauche ich auch Text. Meine Texte sind dabei mehr als reine Information. Sie geben den Menschen eine Stimme. Oft sind es die Erzählungen der Menschen, die ich fotografiert habe. Ich möchte zeigen, was die Situation in der sie sich befinden, mit ihnen macht. Zudem schreibe ich auch meine eigenen Gedanken und Eindrücke auf. Ich bin dabei die Brücke, weil ich mich selbst sehr stark öffne, mich verletzlich zeige. Durch mein Öffnen kann sich auch der Betrachter öffnen. Das wirkt wie eine Art Erlaubnis, denn es wird ja gesellschaftlich gerade eher uncooler sich emotional zu zeigen.

Das ist vielleicht, was meine Fotografie gegenüber anderen sehr talentierten Fotografen oder Journalisten einzigartig macht.

Der Schuster von Kabul

Erzähl uns noch ein bisschen mehr von deinem Verein: Welches Ziel verfolgst du mit dieser Arbeit?

Der Verein heißt Alea e.V. , die Gemeinnützigkeit ist seit dem letzten Jahr anerkannt. Spenden sind also steuerlich absetzbar. Die Arbeit des Vereins hat drei Säulen: Die erste ist die Nothilfe, wie etwa die Bereitstellung von Nahrungsmitteln oder die medizinische Versorgung für Menschen mit Behinderungen oder Kriegsverletzungen. Die Nothilfe bezieht sich immer auf kleine lokale Projekte die ich persönlich von meiner Arbeit vor Ort kenne. Es ist dadurch gesichert, dass das Geld auch wirklich ankommt. Die zweite Säule sind Aufklärungsprojekte z.B. in Form von Ausstellungen oder Vorträgen in Schulen. In dem Rahmen versorge ich die lokalen Hilfsorganisationen auch mit meinem Bildmaterial. Die dritte Säule ist die Zukunftsbildung. Hilfsprojekte und Entwicklungszusammenarbeit sind zwar wichtig, aber sie sind langfristig keine Lösung. Ich möchte hier Menschen mit guten Zukunftsvisionen Raum einräumen, diese zu präsentieren, z.B. im Rahmen meiner Ausstellungen. Das sind dann z. B. Gemeinwohlökonomen oder Menschen die die gesellschaftliche Teilhabe fördern. Mein Ziel ist ja, das was ich anprangere zu beseitigen. Ich möchte mich im Prinzip selbst überflüssig machen.

Welche Eigenschaften helfen dir, deinem Beruf nachzugehen?

Ich habe überhaupt keine Berührungsangst und Urvertrauen in mich und meine Fähigkeiten. Meine interkulturelle Kompetenz ist wichtig im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen. Ich habe eine gewisse Sensibilität, die ich bei anderen manchmal vermisse. Diese habe ich mir durch Zuhören und Beobachten angeeignet. Das Feingefühl nicht mit der Tür ins Haus zu fallen trägt zur Qualität meiner Bilder und meiner Texte bei und die Menschen können sich mir deshalb anvertrauen.

Du hast ein Buch über das Flüchtlingslager in Moria, mit Bildern und Texten, veröffentlicht. Es heißt „Manchmal male ich ein Haus für uns“. Wie ist es zu dieser Buchidee gekommen? Und wie hat sich die Umsetzung gestaltet?

Ich wollte schon länger ein Buchprojekt verwirklichen, dachte aber, dass es noch ein paar Jahre dauert, bis es soweit ist. Dann bin ich vom Klett Kinderbuchverlag angesprochen worden, die kritische Kinderbücher mit schwierigen Themen umsetzen. Sie wollten ein Buch über das Flüchtlingsthema machen und kannten meine Arbeit.

Ich bin erst einmal erschrocken, weil das Thema schon für Erwachsene sehr hart ist und ich mich gefragt habe, wie ich das kindgerecht umsetzen kann. Erschwerend kam hinzu, dass man in den Flüchtlingslagern zu der Zeit schon nicht mehr fotografieren durfte. Es herrscht ein absolutes Verbot. Ich war bereits einmal festgenommen worden, weil ich neben dem Lager Aufnahmen gemacht hatte. Es wird strukturell alles getan, damit keine Berichterstattung mehr nach außen dringt, weil der gesellschaftliche Druck so hoch ist, die Lager besser auszustatten. Weil das aber nicht umgesetzt wird, darf es eben keine Bilder mehr geben. Die offizielle Begründung ist natürlich, dass die Mensch geschützt werden sollen, aber de facto ist die Devise: „Was nicht im Bild festgehalten ist, existiert als Zustand nicht.“ Das schlimme ist, dass die Kriminalisierung von Helfern seit Jahren völlig normal ist. Ich bin beileibe nicht die einzige Aktivistin oder Fotografin, die festgenommen wurde. Es ist ein bisschen wie russisches Roulette. Irgendwann ist man eben dran. Der Grund für die Anzeige lautet dann übrigens „Spionage“, aber ich wusste ja, dass das bei mir nicht haltbar ist. Also bin ich ruhig geblieben und nach ein paar Stunden mussten sie mich wieder gehen lassen.

Die Vorgehensweise hat allerdings Methode. Das Gleiche passiert auch den Seenotrettern. Sie werden angeklagt, dann gibt es zähe Verfahren, die Geld und Zeit kosten und die Menschen einschüchtern, auch wenn sie am Ende vom Vorwurf freigesprochen werden. Das Ziel ist die Zermürbung.

Ich habe den Buchauftrag schließlich angenommen ohne zu wissen, ob ich die Geschichte auf Lesbos wirklich produzieren kann. Ich habe dann mit Kindern gesprochen, um eine Idee zu bekommen. Aber diese Interviews waren hart und beinhalteten viel Schmerz und Verzweiflung. Kinder haben normalerweise eine sehr hohe Resilienz. Egal in welchen Umständen ich Kinder bisher gesprochen hatte, haben sie immer etwas positives zu erzählen gewusst. In Moria war das anders. Diese Kinder haben keinerlei Perspektive und sind der Situation komplett ausgeliefert. So habe ich entschieden, dass das Buch ihre Geschichten erzählen wird, ungeschminkt und aus ihrer eigenen Perspektive heraus. Die Porträts dazu habe ich heimlich aufgenommen. Das war ein Risiko, aber diese Frage stelle ich mir bei jedem Einsatz am Anfang: Ist die Botschaft die ich mit meiner Arbeit erzählen kann den Einsatz wert? In dem Fall war die Antwort ein klares ja. Die Kinder haben auch bereitwillig mitgemacht und ich hatte das Einverständnis der Eltern, weil sie natürlich auf Veränderung hoffen. Diese Menschen im Lager sind meine Superhelden, weil sie das was ihnen dort täglich widerfährt aushalten. Ich könnte das für keine drei Tage, sie hingegen sind schon seit Jahren dort. Ich möchte also auch nichts mehr über Opfer hören, denen gegenüber wir großzügig sind. Das offenbart ein ganz schräges Menschenbild.

Weißt du wie es den Kindern inzwischen geht?

Ein Teil von ihnen ist tatsächlich raus aus dem Lager in anderen Unterkünften oder anderen Ländern, aber manche sind immer noch dort. Ein Kind ist mit seinen Eltern in Athen. Sie haben einen positiven Asylbescheid bekommen, aber erhalten keinerlei Unterstützung mehr. Für sie hat sich die Situation also dramatisch verschlechtert, wenn das überhaupt noch möglich ist. Kleine Hilfsorganisationen kümmern sich, so dass sie nicht obdachlos sind. Ihr Bedarf an Medikamenten wird über Spenden gedeckt, aber es ist ein täglicher Überlebenskampf. Eines ist klar: Hilfsorganisationen in Griechenland können das alleine nicht auffangen.

Du brauchst sehr viel Hoffnung, um deinen Job zu machen. Was lässt dich immer noch jeden Morgen aufstehen und die Ärmel hochkrempeln?

Egal wo ich hinkomme treffe ich auf Menschen, die den gleichen Wunsch nach Gemeinwohl haben und nach einem Leben im Einklang mit der Natur. Ich spüre eine universelle Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander und nach einem Umgang mit der Natur, der nicht ausbeuterisch ist. Das macht mir Hoffnung.

Wir können soziale Gerechtigkeit, Klimawandel und andere große Fragen nicht mehr als einzelne Themen betrachten. Es ist alles miteinander vernetzt. Mein Konsumverhalten hier beeinflusst auch Menschen in Bangladesch. Wir müssen aufhören, das alles voneinander losgelöst zu sehen.

Am Ende ist es für mich eine Frage der Abgrenzung. Ich muss in den Spiegel schauen können und mit mir zufrieden sein. Was andere machen, ist ihre Angelegenheit. Ich empfinde das was ich tue als Berufung und bin in Resonanz mit meiner Seele die sagt: „Alea, du bist genau richtig hier!“

Hast du Tipps für Menschen, die eine Berufung für eine persönliche Veränderung in sich fühlen, aber den Mut noch nicht haben, diese neue Tür aufzustoßen?

Ich habe da einen Vorschlag: Einen inneren Dialog zu führen mit dem jüngeren und dem älteren Ich, über die Frage, wie man das weitere Leben gestalten sollte. Das braucht ein bisschen Vorstellungskraft, aber bei mir kamen da sehr klare Antworten. Mein älteres Ich war überzeugt davon, dass ich – wenn ich so weitermache – meinen Enkeln niemals würde ohne Schuldgefühle in die Augen sehen können. Und mein jüngeres Ich ist sehr idealistisch. In den Antworten kann der Schlüssel liegen, sofern man bereit ist, ganz ehrlich mit sich selbst zu sein.

Was ist dir noch wichtig zu sagen, worüber wir noch nicht gesprochen haben?

Wir werden so sozialisiert, dass wir uns andere Lebensumstände nicht vorstellen und uns in die Situation anderer nicht mehr hineinversetzen können. Das gilt beispielsweise für die Perspektivlosigkeit die viele Flüchtlinge empfinden, aber auch für Hunger. Wir haben ein soziales Netz, niemand muss hier durchs Raster fallen. Man kann sich dagegen entscheiden, aber es ist eine Wahl. In vielen Ländern gibt es dieses Netz nicht und die Menschen haben keine Wahl. Wir gehören also zu einer Gruppe von Privilegierten. Wir sollten unsere Privilegien nicht einfordern oder uns darauf ausruhen – oder wie so gerne in der Flüchtlingspolitik geschieht – mit dem Finger auf andere zeigen. Ich finde dieses Privileg verpflichtet, dass wir uns für eine bessere Welt einsetzen.

Wir sollten gesellschaftlich darüber nachdenken was Privileg wirklich bedeutet. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass über die Auseinandersetzung damit, was ich im Leben  wirklich brauche und die aktive Veränderung des eigenen Verhaltens, die Zufriedenheit im Leben wächst. Nach dieser Form der Zufriedenheit zu suchen ist ein lohnendes Ziel.

Alea ich danke dir für dieses Interview!

Sehr gerne.

Alea mit gehörlosen Kindern in Namibia

Wer sich für Aleas Verein interessiert, dem empfehle ich ihren Internetauftritt unter: https://alea-ev.org

Sie ist auf Geldspenden angewiesen, sucht aber auch Helfer z.B. für die Veranstaltungsplanung zum Beispiel für Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und anderes.

Wer sich einbringen möchte kann direkt mit ihr Kontakt aufnehmen unter: alea@aleahorst.de

Unter diesem Link könnt ihr Aleas Kinderbuch „Manchmal male ich ein Haus für uns“ bestellen.

Kind im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland. Das Foto bildet das Cover zu Aleas Buch “Manchmal male ich ein Haus für uns”

 

 

Im Gespräch mit Dr. Stefan Gumbrich über Leben im Einklang mit der Natur

Mein Gesprächsgast wählt sich gut gelaunt in Zoom ein, denn gerade wurden auf seinen Wiesen zwei Ziegen geboren. Stefan Gumbrich hat in der Südpfalz mit seiner Partnerin Betti und einem befreundeten Paar einen Selbstversorgerhof aufgebaut und hat sich damit einem Lebenstraum erfüllt. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg.

Er wurde an der Fachhochschule in Bingen zum Ingenieurinformatiker ausgebildet, schloss in Paderborn ein Informatikstudium an und stieg bei IBM ein, wo er in den ersten Jahren berufsbegleitend seine Promotion absolvierte. Er war für den IT-Konzern 2o Jahre lang in der Unternehmensberatung als Führungskraft tätig, bevor er im Spätsommer 2013 ausschied. Wie es zu diesem Einschnitt kam, welchen Weg er danach nahm, was er dabei über sich und das Leben gelernt hat und warum er jetzt auf der Suche nach Menschen ist, die sich in sein Selbstversorgerprojekt einbringen  – darüber wollen wir reden. 

Stefan nimm uns doch mal mit in die Erfahrung die du gerade gemacht hast. Du sagst eure Ziegen haben Babys geboren?

Ja, insgesamt kamen in den letzten Tagen 6 Schaflämmer und 3 Zicklein zur Welt. Die beiden Ziegenmütter haben zum ersten Mal geboren, das ist immer ein bisschen aufregend: achtgeben, ob es Komplikationen bei der Geburt gibt; aufpassen, dass die Nachgeburt vollständig rauskommt; helfen wo nötig, aber auch nicht zu viel stören, da es sonst sein kann,  dass sie die Babys nicht annehmen. Ich schaue auch, ob sie Milch haben und die Kleinen trinken. Es hat diesmal  alles sehr gut funktioniert.

Ich habe die Ziegenmutter mit ihren zwei Babys, die vor zwei Stunden geboren wurden, gerade noch separiert. Sie sind jetzt in einen Raum im Stall, in dem sie sich ungestört aneinander gewöhnen können und sich nicht verlieren.

Dabei habe ich festgestellt, dass die Mutter einen zu dicken Euter hat, an dem die Babys bisher noch nicht richtig saugen können. Ich hoffe jetzt dass sie es schaffen. Ich gehe nachher nochmal kontrollieren. Wenn es nicht klappt ist die Alternative Sie mit der Flasche zu füttern. Dann muss ich alle zwei Stunden raus – auch nachts. Ich hoffe also, dass es nicht soweit kommt!

Die kleinen Ziegen sehen schon sehr erwachsen aus. Woher wusstest du denn, dass es heute soweit ist?

Sofort nach der Geburt versuchen die kleinen Ziegen aufzustehen und nach zwei Stunden können sie bereits gut laufen.
Ich beobachte die Muttertiere genau und so wusste ich, dass die Geburt heute passiert. Das gibt mir ein ganz warmes Gefühl. Das ist das Schöne am Selbstversorgerprojekt: Du bekommst den gesamten Kreislauf mit von der Schwangerschaft, über die Geburt, das Leben bis hin zum Tod.

Wenn das Neugeborene ein Böckchen ist, weißt du, dass du es leider schon in einem Jahr loslassen musst. Ich versuche es dann an einen anderen Hof zur Zucht abzugeben. Wenn das aber nicht klappt, muss ich es schlachten, denn für eine separate Bockherde ist unsere Herde zu klein und wenn ich die Böcke bei den Muttertieren lasse decken die Böcke ihre eigene Mutter und ihre Schwestern, was für die Zucht schlecht ist.

Wie geht es dir damit, wenn du eine Ziege die du zur Welt gebracht hast schlachten musst?

Das fällt mir sehr schwer, weil ich diese Tiere jeden Tag sehe, pflege, streichele, liebgewonnen habe. Ich mache das auch nur zu einem Zeitpunkt den ich als passend empfinde; an einem Tag an dem ich ausgeglichen und ruhig bin. Die Energie muss passen. Für mich ist das eine Handlung, bei der ich sehr behutsam mit dem Tier umgehe. Trotzdem töte ich es, daran werde ich mich nie gewöhnen. Aber die Alternative würde es nur mir leichter machen. Wenn ich das Tier in einen Anhänger verlade und zu jemandem hinbringe der es tötet, ist das für das Tier viel unangenehmer, weil es beim Transport Stress empfindet, an einen Ort gebracht wird den es nicht kennt. Daher töte ich die Ziege selbst, aus Respekt vor diesem Tier, auch wenn ich mich gerne davor drücken würde.

Bis zu diesem Punkt in deinem Leben war es ein weiter Weg. Nimm uns doch mal ein Stück mit in deine Vergangenheit.

Ich hatte eine schöne Kindheit, bin in behüteten Verhältnissen in einem kleinen Ort in Rheinhessen aufgewachsen. Ich bin sehr dankbar dafür, wie ich aufgewachsen bin, denn ich hatte alle Möglichkeiten. Das was ich heute tue ist ein Ergebnis des Lebenswegs den ich gehen konnte. Ich bin hervorragend ausgebildet, habe viel Geld verdienst, war erfolgreich in Unternehmensberatung und Management und haben dann festgestellt, dass das nicht alles ist. Die Wahl zu haben so weiterzumachen und Wohlstand anzuhäufen, oder den Lebensweg zu wählen, den ich jetzt gehe, empfinde ich als ein unglaubliches Privileg.

Was war denn der Auslöser für den Wandel?

Meine Triebfeder im Leben ist, dass das was ich tue spannend sein muss und mich fordert.

Ich hatte in der Unternehmensberatung bei IBM irgendwann das Gefühl, dass mich das nicht mehr weiterbringt. Ich hatte so viel Erfahrung in verschiedenen Projekten gesammelt, unterschiedlichste Methoden kennengelernt, und mich dabei auch immer wieder auf die unterschiedlichsten Menschen eingelassen. Neue Projekte konnten mich einfach nicht mehr herausfordern. Es hat sich auch kein WOW!-Gefühl mehr eingestellt, wenn ein Projekt erfolgreich, oder ein neuer Vertrag abgeschlossen war. Damit war für mich der Reiz weg und es musste etwas Neues kommen.

Der logische Schritt wäre gewesen das Unternehmen zu wechseln, eine Stufe höher zu steigen und mehr Geld zu verdienen – diverse Angebote dazu gab es. Mir war an dem Punkt klar, dass dieser Schritt nicht der richtige Weg wäre. Ich wollte ein anderes Gleichgewicht in mein Leben bringen. Da ich eher zu den Extremen als zu den kleinen Schritten neige, bin ich nach Afrika ausgewandert.

Dazu sollte ich an dieser Stelle vielleicht erklären, dass wir 25 Jahre ein Paar waren. In diesen Jahren haben wir mehrere Transafrikareisen zusammen unternommen und sind dabei unter anderem bei einem Projekt in Togo, Westafrika vorbeigekommen, das dich sehr fasziniert hat. Warum?

Ich bin als Naturwissenschaftler bzw. Informatiker in einer sehr faktenorientierten und wissensorientierten Welt groß geworden. Auf den Reisen durch Afrika ist mir bewusst geworden, dass es andere Aspekte gibt, die mir bis dahin fremd waren. Mich haben vor allem die vielfältigen Begegnungen mit Menschen fasziniert, die ein Urvertrauen in geistige Kräfte haben.

Insbesondere bei der Gruppe die wir in Togo kennenlernen durften, habe ich festgestellt, dass da etwas ist, was für mich wichtig ist und mich weiterbringen kann. Das war für mich der Moment als ich mich entschied, bewusst nach dem anderen Teil der Schöpfung zu schauen, den ich bisher wenig wahrgenommen hatte.

Es war aber nicht nur die spirituelle Entwicklung die mich angezogen hat, sondern auch die private Entwicklungshilfe. Die Gruppe hat beispielsweise ein Waisenhaus betrieben und sich um die Gesundheit der Lokalbevölkerung gekümmert. Das gepaart mit dem Aspekt der Selbstversorgung hat mich angesprochen. Im Endeffekt lief alles auf den nächsten Schritt der Persönlichkeitsentwicklung hinaus. Es gehört zu meiner Wesensart, dass ich nicht nach hinten sondern meist nach vorne schaue. Daher habe ich mich in Togo darauf konzentriert eine neue Welt zu entdecken und damit für mich persönlich einen großen Schritt vorwärts zu tun.

Beschreib doch mal, wie wir uns dieses Projekt vorstellen können

Innerhalb des Projektes haben wir sehr einfach gelebt. Ich hatte eine kleine Hütte mit einem Betonpodest als Bett für mich. Wir haben fast alles in der Gemeinschaft von über 70 Leuten gemacht. Ich habe den Umgang mit den 50 Waisenkindern geliebt. Zu sehen, dass ich ihnen etwas geben kann, an ihrer persönlichen Weiterentwicklung teilhaben kann, das war sehr schön. Das ging über den Schulunterricht hinaus, denn wir haben z.B. auch handwerklich gemeinsam gearbeitet. Ich war auch fasziniert davon, von den Kindern zu lernen. Einiges können sie besser als wir Erwachsene, vor allem in Bezug auf den Umgang mit Tieren.

Was mich auch erfüllt hat war die Arbeit mit der Buschambulanz. Wir sind mit Ochsenkarren in die Dörfer gefahren und haben eine mobile Krankenstation aufgebaut. Für mich war immer wieder faszinierend zu sehen, dass wir mit einfachen Medikamenten (konventionell und pflanzlich) Leben retten konnten. Würmer und Amöbenruhr waren sehr häufig, auch bei kleinen Kindern. Als wir kamen, waren sie apathisch, eine Woche später waren sie schon wieder aktiv. Das waren sehr einschneidende Erlebnisse für mich. Die Wirkung meines Tuns war dort eine ganz andere. Hier konnte ich helfen Leben zu retten, in meinem alten Job habe ich minimale Änderungen in Unternehmen hervorgerufen, die dazu führten, dass Umsatz und Profit gesteigert wurden.

„Die Energie die ich hier eingesetzt habe, hat zu einem größeren Nutzen geführt, ich hatte einen größeren Hebel. In Deutschland hat das gleiche Gefühl bestimmt jede Krankenschwester die auf der Intensivstation Corona-Patienten betreut. Man muss also nicht zwingen nach Afrika fahren, um die gleiche Erfahrung zu machen.“

Ich habe mich in der Gruppe auf der geistigen und auf der materiellen Ebene mit anderen Dingen beschäftigt als zu Hause und gesehen, dass das für mich funktioniert. Ich habe darüber auch eine gewisse Leichtigkeit entwickelt. Ich hatte kein Einkommen und keine Krankenversicherung. Mir hat das aber ein Gefühl von Freiheit gegeben, weil ich festgestellt habe, dass ich nichts tun muss, wovon ich nicht überzeugt bin, nur um wirtschaftliche Randbedingungen zu erfüllen. Mir hat das das Bewusstsein gebracht, dass ich immer zurechtkommen werde.

Aber du hast die Gruppe nach ein paar Jahren verlassen. Wie kam es dazu?

Ich bin mit der Gruppe nach zwei Jahren in Togo weiter nach Bulgarien umgezogen, wo wir als Selbstversorger gelebt haben. Wir waren 28 Erwachsene und da gibt es natürlich Prozesse und Gruppendynamiken und ich hatte nach vier Jahren das Gefühl, dass ich wieder etwas Eigenes machen muss, dass es mir zu eng wird. Aber ich habe gespürt: Diese Art zu leben, als Selbstversorger, ist für mich genau das Richtige, naturnahes Leben und eingeschränkter Konsum.

Die Rückkehr nach Deutschland war sicher nicht einfach. Wie hast du das erlebt?

Die Erfahrung in Togo und Bulgarien hat mir Freiheit im persönlichen Handeln gebracht, denn als ich nach Deutschland zurückkam, war zwar klar, dass ich wieder Geld verdienen muss, aber ich wollte zunächst nicht ins Büro, denn ich hatte ja vier Jahre am Stück nur draußen verbracht. Also habe ich erst im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet. In diesem Beruf konnte ich draußen sein und so viel verdienen wie ich brauchte, um leben zu können. Ich habe mich natürlich gefragt, was ich mache, wenn ich als Gartenbauer auf einen früheren Kunden treffe, aber dann habe ich mir gesagt, dass das bestimmt ein interessantes Gespräch wird und damit war es dann auch gut. Natürlich hat sich auch das Ego gemeldet und gefragt, ob ich wirklich als promovierter Naturwissenschaftler bei Leuten vor der Tür fegen kann. Die Antwort ist: „Ja, kann ich!“ Ich habe mit den Kunden immer wieder Gespräche geführt und Impulse gesetzt, welche kleinen Veränderungen möglich sind, um den Garten ökologisch sinnvoller zu gestalten. Insofern konnte ich auch hier etwas bewegen. Im Prinzip habe ich dabei nichts anderes gemacht als in der Beratung. Ich habe Einfluss genommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das in jedem Beruf möglich ist.

„Veränderung ist eine Frage der inneren Haltung. Ich muss mich frei machen von Standesdenken, von Zwängen und von dem was andere über mich denken mögen.“

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Aber es ist auch richtig, dass du nicht mit der Vorstellung nach Deutschland zurückgekehrt bist, ewig als Garten- und Landschaftsbauer zu arbeiten. Du wollest Selbstversorger werden. Wie hast du dieses Ziel weiterverfolgt?

Das stimmt, mein Ziel war in einer kleinen Gemeinschaft einen Selbstversorgerhof aufzubauen. Boris und Pialo, die ebenfalls Teil des Teams in Togo waren, haben damals entschieden mit mir nach Deutschland zu gehen und das Experiment Selbstversorgerhof mit aufzubauen.

So haben wir im April 2018 eine ehemalige Mühle in der Südpfalz nahe der französischen Grenze gekauft. Anfangs habe ich immer noch parallel im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet. Irgendwann war ich soweit, dass ich die körperliche Arbeit gerne wieder mit einem Job kombinieren wollte, in dem ich meine anderen Fähigkeiten und Soft Skills einsetzen kann.

Ich wünschte mir ein wissenschaftsnahes Betätigungsfeld, bei dem es nicht darum geht, den Gewinn und Umsatz zu maximieren, sondern ein Themenfeld das einen Sinn für die Gesellschaft hat. So bin ich schließlich – nach über 6 Jahren Pause – wieder zur IT zurückgekehrt. In dieser Zeit hat sich natürlich technisch sehr viel getan, aber ich war schon bei IBM nicht der technische Experte, sondern eher der Stratege und habe gelernt mich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Ich muss bei der Arbeit die ich jetzt tue technisch nicht im Detail sein, sondern in erster Linie die Zusammenhänge und Konzepte verstehen. Meine Aufgabe ist das Innovationsmanagement. Das geht von der Akquise von Partnern und Forschungsgeldern über Projektdefinition bis hin zur strategischen Planung der Unternehmensziele. Zunächst einmal kein so großer Unterschied zum Bereich Beratung und Management, wie zuvor.

Aber heute arbeite ich für HeiGIT, ein gemeinnütziges Unternehmen, ein Start-Up, das von der Klaus-Tschira-Stiftung finanziert wird und an die Universität Heidelberg angegliedert ist. Hier werden Geoinformatiklösungen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen generiert, die für humanitäre Organisationen von Nutzen sind, aber auch für Organisationen, die dem Klimawandel entgegenwirken. Um es einmal praktisch zu beschreiben: Wenn irgendwo eine humanitäre Katastrophe passiert, beispielsweise ein Erdbeben, dann unterstützen unsere Lösungen Hilfsorganisationen dabei, den Weg zu den Menschen zu finden, die Hilfe brauchen. Es geht aber auch um die Vorausplanung, also z.B. um die Frage wie viele Menschen in einem afrikanischen Land innerhalb von 60 Minuten eine Krankenstation erreichen können und wo bei einer Überflutung mit hoher Wahrscheinlichkeit die größten Lücken in der kritischen Infrastruktur entstehen. Alles Fragen, die mit Geoinformatik zu beantworten sind.

Mir macht diese Arbeit sehr viel Spaß, weil die Teams unglaublich motiviert sind. Jeder der sich in diesen Projekten engagiert hat den Willen etwas Sinnvolles zu tun. Mein Anspruch war immer, in der intensiven Zusammenarbeit mit Menschen Lösungen für Probleme zu finden. Das ist vielleicht das Verbindende zwischen meiner Karriere vor und nach dem Ausstieg.

Soft-Skills veralten nicht, habe ich festgestellt. Mir schwirrte eher der Kopf, weil ich es nicht mehr gewohnt war, viele Informationen in sehr kurzer Zeit zu verarbeiten. Aber daran habe ich mich schnell wieder gewöhnt. Ich habe heute eine 50-Prozent-Stelle. Das heißt ich arbeite von Montags bis Mittwochs im Unternehmen HeiGIT, so habe ich von Donnerstag bis Sonntag Zeit, mich auf unseren Selbstversorgerhof zu konzentrieren. Das fühlt sich für mich nach einer guten Teilung an.

Wie sieht euer Mühlenprojekt denn heute aus?

Außer den eingangs erwähnten Ziegen und Schafen haben wir Hühner, Laufenten, Gänse, Bienen und Anton, den Hofhund. Außer Anton sind alle Tiere von Nutzen für die Selbstversorgung. Die Ziegen produzieren Milch, die wir trinken und zur Herstellung von Frisch- und Hartkäse einsetzen. Auch die Schafe sind Milchtiere. Wir nutzen außerdem ihre Wolle zum düngen und mulchen im Garten. Wir haben die Vision sie auch einmal zu spinnen, aber dafür fehlt im Moment die Zeit. Die Hühner legen Eier, die Bienen schenken uns Honig. Die Laufente hält die Nacktschnecken vom Garten fern.

Der Hof ist nach Permakulturgesichtspunkten aufgebaut. Die Beete im Garten werden in jedem Jahr versetzt, damit sich ein Teil ausruhen kann, auf dem Klee wächst, der Stickstoff produziert. An der Stelle haben wir im nächsten Jahr wieder einen ausgeruhten Boden. Wir bauen viel Gemüse an, das eingekocht oder getrocknet wird. So verfügen wir auch im Winter über alles was wir brauchen. Wir bauen auf unserem Feld Kartoffeln, Mais, Bohnen und Getreide an.

Der ganze Hof hat vier Hektar, wovon nur ein kleiner Teil intensiv bewirtschaftet wird. Viel Land ist Weidefläche. Außerdem führt ein Bach und der Mühlgraben durch unser Grundstück. Es gibt naturbelassene Teile und einen Sumpf.

Auf unserer Streuobstwiese haben wir 20 Hochstammbäume zu 15 Obstbäumen aus altem Bestand gepflanzt. Das sind Apfelbäume, Birnen, Quitten, Pflaumen und Süßkirschen. Aus den Äpfeln machen wir Saft und dieses Jahr habe ich zum ersten Mal aus unserem Apfelwein Schnaps gebrannt, Pfälzer Calvados sozusagen.

Wie tastet ihr euch denn an die Selbstversorgung heran, oder habt ihr aus Bulgarien schon genug Erfahrung mitgebracht?

Wir haben in Bulgarien und Togo schon viel Erfahrung gesammelt, aber es gibt noch viel zu lernen und auszuprobieren. Wir experimentieren sehr viel und versuchen die Selbstversorgung immer ein Stück weiterzubringen. Es braucht Zeit und viel Geduld. Wir sprechen gerne mit alten Leuten, schauen Youtube-Videos etc. Was wir tun ist ja grundsätzlich nicht neu, unsere Großeltern haben das noch gemacht, aber vieles Wissen wir einfach nicht mehr.

Um ein Beispiel zu nennen: Wir hatten 6000 Quadratmeter, die mannshoch mit Adlerfarn bewachsen waren und somit unbrauchbar. Die Bauern aus der Umgebung waren sich einig, ebenso wie die Foren im Internet, dass man das nur wegbekommt, wenn man Gift ausbringt. Das war für uns natürlich keine Option. Einer der Alten hat uns dann den Tipp gegeben, das Feld regelmäßig zu mähen. Also sind wir zu viert mit der Handsense sieben Mal im Jahr über den Adlerfarn und haben ihn gesenst. Das haben wir zwei Jahre hintereinander gemacht. Damit haben wir ihn schon etwas geschwächt. Im Anschluss haben wir Mist auf dem Feld ausgebracht, um die Bodenkultur zu verändern und haben alles, vom Biobauern um die Ecke, einmal umpflügen lassen. Die Wurzeln haben wir herausgesammelt. Und siehe da: Jetzt ist das Ganze eine schöne Wiese die als Weide taugt. Das hat lange gedauert und viel Arbeit bedeutet, aber es hat geklappt. Alle unsere Flächen sind in den letzten 30 Jahren nicht bewirtschaftet worden und daher frei von Chemie. Wenn es nach uns geht, soll das auch so bleiben. Da um uns herum auch alle biologisch und kleinbäuerlich arbeiten, leben wir in unserem Mühlental eigentlich in einem Paradies.

Wir haben natürlich einen großen Luxus. Wir müssen nicht von dem leben, was wir anbauen. Wenn eine Ernte misslingt, wie z.B. im letzten verregneten Sommer die Tomaten, dann können wir Nahrungsmittel kaufen. Wir verhungern deshalb nicht. Es ist ein Experiment, das in erster Linie Spaß macht. Wir sind nicht so dogmatisch, dass wir sagen „wir essen nur das, was wir selbst angebaut haben“. Wenn ich im Winter Lust auf eine Bio-Orange habe, dann kaufe ich sie. Doch größtenteils leben wir von Obst, Gemüse oder Kartoffeln, kurzum von anderem, was wir selbst ernten.

Ihr seid jetzt auf der Suche nach neuen Mitgliedern für eure Selbstversorgergemeinschaft. Wen habt ihr euch denn vorgestellt?

Ja das stimmt. Boris und Pialo haben uns inzwischen verlassen, weil sie den Wunsch hatten, mit dem Segelboot eine Weltreise zu machen.

Wir haben von Anfang an das Ziel gehabt in einer kleinen Gruppe den Selbstversorgerhof zu betreiben, damit jeder seine Freiräume behält, man auch mal in Urlaub gehen oder über Nacht Freunde besuchen kann. Mit Tieren muss zumindest morgens und abends jemand da sein. Zu zweit würde das also nicht mehr gehen.

Daher ist unsere Idee, eine neue Gemeinschaft zu gründen, die gemeinsam das Projekt weiterentwickelt. Wir haben das Glück, dass wir noch ein zweites Haus auf dem Mühlengelände haben, das momentan leer steht, weil die Mieter ausgezogen sind. Wir haben also Wohnraum, den man entsprechend umgestalten kann, um weitere Mitglieder in die Gemeinschaft aufzunehmen. Platz wäre für 4 bis 5 Leute. Uns schwebt eine junge Familie vor und jemand mit etwas handwerklicher Erfahrung.

Wir suchen Menschen, die sich vorstellen können intensiv in die Selbstversorgung einzusteigen, die auch die Zeit, körperliche Fitness und Energie mitbringen dies umzusetzen, denn wir tun viel in Handarbeit und wenig mit Maschinen. Es gibt immer etwas zu tun, mit den Tieren, im Garten im Feld oder handwerklich. Das ist sehr vielseitig und macht Spaß. Wir sehen das nicht als Arbeit, sondern als unsere Art zu leben.

Ideen zur Fortentwicklung gibt es viele: Wir könnten zum Beispiel ein Wasserrad einbauen, um unseren eigenen Strom zu generieren. Wir könnten längerfristig einen Hofladen einrichten, in dem wir unsere Überschüsse verkaufen. Außerdem gibt es noch sehr viel brach liegende Wiesen in unserer direkten Umgebung. Da haben wir schon überlegt, Wasserbüffel anzuschaffen, dann könnten wir neben Ziegenkäse sogar Mozzarella herstellen!

Wir bauen auch gerade ein kleines Gästehaus am Bach, in das jemand einziehen kann, der für begrenzte Zeit in unserem Projekt arbeiten und sich zum Thema Selbstversorgung fit machen möchte.

Aber wir sind flexibel und gespannt welche Ideen die neuen Mitglieder mitbringenWir sind offen für neue Impulse. 

Wie sieht denn dein Tagesablauf im Moment aus?

Am Morgen versorge ich zuallererst die Tiere. Dann setze ich mich am Bach unter unsere drei großen, schönen Eichen und meditiere. Danach wird gefrühstückt und dann geht´s ins Home-Office an den Computer.

Auf diese Weise komme ich mit innerer Ruhe in den Tag und kann mich fragen, ob es für mich persönlich Dinge gibt, die anstehen. An meiner persönlichen Weiterentwicklung arbeite ich natürlich immer noch, das hört niemals auf. Über die Meditation kann ich mir Aspekte bewusst machen und schauen, wie ich diese im Alltag umsetzen kann. Nur so wird Veränderung tatsächlich sichtbar.

Du hast in deinem Selbstversorgerhof dein Herzensprojekt verwirklicht. Was möchtest du Menschen mitgeben, die sich in einer Lebenssituation gefangen fühlen, eigentlich aber etwas anderes wollen?

Mein Vorteil war, dass ich keine Zwänge hatte, ich hatte keine Kinder und keine wirtschaftlichen Verpflichtungen, das hat mir den Ausstieg natürlich leichter gemacht. Was jeder für sich selbst hinterfragen kann ist, wieviel Geld er wirklich braucht, um das Leben zu leben, das er wirklich leben will.

Viele Menschen versuchen den Lebensstandard den sie haben zu halten. Aber die Frage ist doch: Macht mich dieses Leben wirklich glücklich? Die Frage die für mich zentral war lautete: „Worauf kann ich verzichten, wenn ich dafür etwas anderes bekomme?“

Ich habe auf Weinreisen früher gerne mal 1000 Euro ausgeben. Heute kaufe ich keinen Wein mehr. Gute Freunde bringen eine Flasche mit, wenn sie mich besuchen, weil sie wissen, dass ich es schätze. Mir macht es dann viel mehr Spaß diesen Wein gemeinsam zu trinken bei einem guten Essen oder am Lagerfeuer. Ansonsten trinke ich Wasser und Apfelsaft und habe nicht das Gefühl etwas zu vermissen.

Dadurch, dass ich auf vieles verzichten kann, habe ich einen viel geringeren Bedarf an Geld. Ich habe meinen Konsum eingeschränkt, ohne dass es mir weh tut. Dadurch kann ich mit einem 50-Prozent-Job gut leben. Für andere Menschen ist der Teilzeitjob vielleicht auch eine Alternative, weil dann mehr Zeit bleibt, um einer Beschäftigung nachzugehen, die dir wichtig ist und dich erfüllt.

Eine Variante die ich auch empfehlen kann ist die Auszeit. Möglichkeiten gibt es genug. Das Ziel ist immer das Gleiche: sich Freiräume zu schaffen. Das ist bei uns in Deutschland angstbesetzt, weil uns das Sicherheitsdenken anerzogen ist. Daher ist das oft ein langer Weg, den man auch stückweise gehen kann. So hat es für mich funktioniert, erst Auszeit,  dann der Ausstieg und jetzt reduzierte Arbeitszeit.

„Ich denke man muss willens sein, sich von altem zu trennen. Ich kann nicht alles behalten wollen was ich habe und trotzdem etwas Neues wollen. Ich muss bereit sein etwas aufzugeben, um offen zu sein für etwas Neues, auch wenn das manchmal weh tut.“

Bei meinem ersten Sabbatical haben mir Kollegen und Peers abgeraten. Das sei ein Karriere-Killer, haben sie vorausgesagt. Aber es hat mir nicht geschadet, denn auch durch meine Erfahrungen auf Reisen in Afrika habe ich mich weiterentwickelt. Ich weiß heute beispielsweise mit Krisensituationen viel besser umzugehen. Denn „Krise“ hat für mich inzwischen eine andere Bedeutung. Selbst wenn ich im Job eine Fehlentscheidung treffe, dann stirbt niemand. So kann ich mich in diesen Situationen viel ruhiger und menschlicher verhalten.

Auf welche deiner Eigenschaften konntest du dich im Laufe dieses Prozesses verlassen?

Ich freue mich immer über neue Erfahrungen. Ich habe mir die kindliche Neugier erhalten, das ist sicher ein Punkt. Mir war auch immer klar, dass ich zurechtkomme. Ich habe dieses Bewusstsein, dass ich mich selbst über Wasser halten kann.

Als Garten- und Landschaftsbauer beispielsweise war ich ungelernte Kraft. Da habe ich 12,50 Euro/Stunde verdient. Jobs, mit denen man nicht auf das Sozialsystem angewiesen ist, lassen sich immer finden, sofern man gesund und leistungsfähig ist. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mir nicht zu schade dafür bin einen Job zu machen, der nicht auf dem gleichen Niveau ist wie der, den ich einmal hatte. Ich bin der Überzeugung, dass jede Arbeit ihren Wert hat.

Du musst an dir und deiner Umgebung arbeiten wollen, um etwas voran zu bringen bzw. eine Veränderung hervorzurufen. Dazu gehört Mut, denn du musst Entscheidungen treffen und diese umsetzen. Was daraus erwächst ist oft ungewiss. Vertrauen in sich selbst und das große Ganze ist hilfreich. Die Bereitschaft zu scheitern gehört auch dazu. Unsere Bienen sind ein Beispiel. Ich hatte mir ein Buch gekauft und danach bin ich vorgegangen. Die Bienenvölker sind leider gestorben. So haben wir uns einmal mehr Rat von außerhalb geholt, mit dem es jetzt hoffentlich besser klappt. Wichtig ist, sich von Fehlschlägen nicht entmutigen zu lassen, zu analysieren warum es schiefgegangen ist und daraus zu lernen. Und hinein zu fühlen, ob das Ziel das ich verfolge wirklich zum Projekt passt. Andernfalls muss ich mich von einer Idee auch verabschieden können.

Ich glaube nicht, dass es generell ein richtig oder falsch gibt, das muss jeder für sich herausfinden. Man muss aber eben die Bereitschaft haben sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Für mich ist das Wichtigste respektvoll miteinander umzugehen.

„Daher suchen wir jetzt auch nach Menschen für unser Projekt die offen sind und in Harmonie mit unserem Flecken Erde leben wollen.“

Verfolgst du mit deinem Selbstversorgerprojekt auch eine Art höheres Ziel?

Im Grunde möchte ich Menschen inspirieren, etwas in ihrem eigenen Leben zu ändern. Ich bin davon überzeugt, dass die Art und Weise wie wir heute leben, nicht langfristig tragfähig ist, weil wir über unsere Ressourcen leben. Die Lösung liegt sicher nicht darin, dass alle zu Selbstversorgern werden. Ich sage auch nicht, dass der Weg den wir gehen der einzig richtige ist. Er fühlt sich nur für mich gut an. Der Ansatz ist eher, bewusster mit der Natur umzugehen. Also: Wie kann ich mein Handeln verändern, damit es mehr in Einklang mit der Natur kommt?

Wenn jemand nach einem Besuch bei uns sein Verhalten anpasst, beispielsweise seinen CO2-Fußabdruck verkleinert, dann finde ich das super. Ich könnte mir auch vorstellen hier mit Kindern zu arbeiten, z.B. Wochenendfreizeiten mit Gruppen oder Familien. Es gibt viele spannende Möglichkeiten Menschen an das Leben im Einklang mit der Natur heranzuführen.

Die Natur ist für uns Menschen die Voraussetzung für ein lebenswertes Leben. Einige Wenige von uns könnten wahrscheinlich sogar in einer künstlichen Umgebung klarkommen, aber die Frage ist, ob das wirklich erstrebenswert ist.

Von der Politik würde ich mir wünschen, dass Entscheidungen nicht nur getroffen werden, sondern dass diesen Entscheidungen auch relevante Taten folgen. Aber mir ist auch klar, dass Politik immer Zwängen unterworfen ist. Außerdem kann Politik nur das umsetzen, was die Gesellschaft mitträgt. Daher ist unsere Gesellschaft zur Zeit sehr gefordert. Es kommt auf die Veränderungsbereitschaft und das Veränderungsbewusstsein jedes Einzelnen an. Wenn das angekommen ist, dann wird auch die Politik handeln.

Geduld ist nicht meine Stärke aber ich denke gesellschaftliche Änderungen lassen sich nicht erzwingen. Ich wage keine Prognose ob es uns gelingt die Schöpfung zu bewahren. Leider gibt es ja immer noch Menschen die Klimawandel und das Artensterben als Fakt nicht akzeptieren wollen und ich habe keine Idee mehr, wie man es ihnen erklären kann.

Ich bin aber trotzdem optimistisch, denn in meinem beruflichen Umfeld arbeite ich viel mit jungen Leuten zusammen, die in ihrem Handeln sehr konsequent sind und sich begeistert für die Umwelt einsetzen, angefangen vom Verzicht auf das Auto über die vegetarische oder vegane Lebensweise bis hin zur generellen Reduzierung von Konsum. Der Großteil der Gesellschaft hat das Problem sicher verstanden, weiß aber nicht, wie man darauf reagiert. Die Jugend hat hier große Einflussmöglichkeiten auf ihr direktes Umfeld.

In unserem Projekt ist es ähnlich. Die großen Räder sind für uns zu komplex, aber in unserem kleinen Radius können wir Menschen inspirieren, ihnen aufzeigen welche Möglichkeiten sie persönlich haben.

Stefan ich danke dir für diesen inspirierenden Austausch und wünsche euch, dass ihr Menschen findet, die euer Projekt bereichern.

Danke liebe Heike für die Gelegenheit, dies hier vorzustellen!

Wenn ihr euch für Stefans Projekt interessiert, dann empfehle ich euch seine Webseite Leben im Einklang mit der Natur

Anfragen bezüglich der Mitgliedschaft in der Selbstversorgergemeinschaft richtet ihr direkt an ihn per Mail: stefan@blackcontinent.de

Und wenn euch die Abenteuer interessieren, die Stefan und ich gemeinsam in Afrika und anderswo erlebt haben, dann könnt ihr gespannt sein auf mein Buch, das im Mai 2022 erscheinen wird. Alle aktuellen Infos dazu findet ihr auf meinem Instagram Autoren Account @heidimetzmeier und bald auch auf der Webseite https://heidimetzmeier.de

Kommunikation in Zeiten des Krieges

Viele Unternehmer und Selbstständige fragen sich in diesen Tagen, ob “business as usual” in der Kommunikation den Menschen zuzumuten ist. Dem möchte ich heute nachgehen.

Ich selbst habe ein paar Tage gebraucht, um meine Schockstarre und Fassungslosigkeit – angesichts der Bilder und Nachrichten aus der Ukraine – zu überwinden. Mit Kopfschütteln habe ich derweil zur Kenntnis genommen, dass viele Akteure vor allem im Online-Business ihr Marketing haben weiterlaufen lassen wie gewohnt. Die Posts waren wahrscheinlich seit Wochen vorgeplant und sind automatisiert freigeschaltet worden. So macht man das heute.
Andere haben sich auf nachgerade peinliche Weise am Spagat zwischen Solidarität und wirtschaftlichen Zwängen versucht. Die Influencerin z.B., die in modischer blau/gelb-Kombination vor die Kamera tritt und unter dem Foto einen Betroffenheitspost absetzt.

Das soll nicht heißen, dass Funkstille die einzig mögliche Alternative ist. Im Gegenteil, sensible Kommunikation, die sich ernsthaft mit den Gefühlen und Bedürfnissen der eigenen Zielgruppen auseinandersetzt, ist jetzt wichtiger den je. Über die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen können wir eine persönliche Beziehung zu den Menschen aufbauen, deren Aufmerksamkeit uns wichtig ist. In diesen Zeiten zeigt sich, welche Werte von einem Unternehmen, einer Organisation oder einem Dienstleister wirklich gelebt werden.

Hier ein paar Tipps, wie meiner Meinung nach die Kommunikation auch dann aktiv gestaltet werden kann, wenn Menschen an alles beherrschenden, belastenden Themen hängen:

  • Schlage leisere Töne an

Das Sprichwort “der Ton macht die Musik” gilt auch für die Kommunikation. Etwas mehr Zurückhaltung in der Wucht der Worte und der Bilder ist in emotional belastenden Situationen hilfreich. Weiche Bilder und zarte Töne  reduzieren Stress, mildern Gefühle von Wut oder Ohnmacht.
Lass Empathie aus deinen Texten sprechen. Zeige Mitgefühl für die Betroffenen. Auch wenn das Wort gerade etwas überbeansprucht wird: zeige dich authentisch. Lass Einblicke in deine  Gefühlswelt und deine Gedanken zu. Emotionen erzeugen Gemeinschaft, die über die Krise hinaus tragfähig sein kann. 

  • Lasse den Worten Taten folgen

In einer Krise ist nichts schlimmer als in Tatenlosigkeit zu verharren und zuzusehen, wie sich die Dinge zuspitzen. Zeige, dass du nicht nur in deinem Business weißt was zu tun ist, sondern, dass du auch in Situationen die besonderes gesellschaftliches Engagement erfordern, aktiv deinen Beitrag zu leisten verstehst. Orientiere dich dabei an den Möglichkeiten und Schnittpunkten mit deiner Kernkompetenz. Ein Unternehmen der Gesundheitsindustrie kann mit Medikamenten aushelfen, eine Physiotherapeutin oder Ärztin kann sich Flüchtlingen annehmen, ein Logistikunternehmer kann Hilfstransporte organisieren. Bist du Coach? Dann kannst du vielleicht besondere Angebote machen für Menschen in Deutschland, die das was sie gerade emotional durchmachen nicht alleine verarbeiten können. Was immer es ist das du tust, aus deinem Handeln sprechen deine Werte. Wenn du darüber sprichst, schafft dies Möglichkeiten, sich mit dir und deinem Business zu identifizieren.

  • Fordere dazu auf, ins Handeln zu kommen

Viele Menschen warten nur darauf, dass ihnen jemand sagt, was zu tun ist, damit sie das Gefühl der Ohnmacht und der Trauer loswerden. Aktivität gibt Energie und uns ein Stück weit die Kontrolle über die Situation zurück. Hilf den Menschen, mit denen du kommunizierst, indem du Alternativen anbietest. Das ist natürlich besonders einfach, wenn du selbst unterstützend tätig bist, aber auch wenn du dich nicht direkt involvierst, kannst du Menschen zur Aktivität aufrufen, zum Beispiel indem du auf deinen Webseiten die Kontaktmöglichkeiten für Geld- oder Sachspenden auflistest. Vielleicht gibt es Benefizveranstaltung ortsansässiger Vereine, die du mit bewerben kannst. Kooperiere mit den städtischen Institutionen und der Kommunalverwaltung. Vielleicht gibt es Möglichkeiten Flüchtlinge vor Ort zu unterstützen, durch Wohnraum oder Hilfe bei Behördengängen. Wenn du dich hier als Vermittler anbietest, tust du nicht nur gutes, sondern vergrößerst sogar noch dein Netzwerk persönlicher Kontakte.

Als Arbeitgeber fällt dir hierbei noch eine besondere Verantwortung zu: die für deine Mitarbeiter. Wenn jemand aus deinem Unternehmen die Berufung spürt längerfristig aktiv zu sein, dann solltest du mit dieser Person zusammenarbeiten, um im Gespräch Möglichkeiten auszuloten, wie dies gelingen kann. Schaffe Freiräume seine Hilfsbereitschaft auszuleben. Ein Mitarbeiter der gesellschaftliches Engagement zeigt, trägt seine Werte in dein Unternehmen hinein und seine Geschichte in die Welt hinaus.

  • Stärke die Selbstfürsorge

Da wir gerade bei den Mitarbeitern sind: Es herrscht derzeit in allen Fluren Gesprächsbedarf. Öffne den Raum dafür, dass Kommunikation innerhalb der Belegschaft über das was sie bewegt möglich ist. Halte den Raum auch für die sensibleren Geschöpfe, engagiere gegebenenfalls Coaches oder Gesprächstherapeuten, um den Prozess professionell zu begleiten. Überlege auch, welche Angebote du über die Kommunikation hinaus machen kannst, damit die seelische Gesundheit deiner Mitarbeiter erhalten bleibt.

  • Baue Brücken auf und Ängste ab

Zum Schluss noch eines: In der aktuellen Situation ist es gut möglich, dass Menschen hier in Deutschland die Auswirkungen der Sanktionen finanziell auf schmerzhafte Weise zu spüren bekommen. Einige haben in diesen Tagen schwere emotionale Probleme oder Existenzängste. Hier ist zwar auch die Regierung in der Verantwortung. Du kannst aber dazu beitragen, dass der akute Druck nachlässt. Haben Kunden bei dir Zahlungsverpflichtungen, die du aussetzen oder strecken kannst? Hilft ein Mietrabatt? Besteht die Möglichkeit einer firmeninternen Finanzierungshilfe für das Haus? Diese Angebote proaktiv an die Betroffenen zu kommunizieren löst mehr aus, als jede aktuelle Imagekampagne oder Werbeanzeige.

Und so komme ich zu meiner Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Nein, business as usual ist in Bezug auf die Kommunikation in meinen Augen gerade keine Option. Das heißt aber nicht, dass ich meine Bemühungen mit meinen Zielgruppen in Kontakt zu bleiben einstellen muss. Ich habe vielmehr die Verpflichtung, meine Strategie und meine Botschaften zu hinterfragen, ob sie der aktuellen Situation angemessen sind. Darin liegt im besten Falle die Chance, sich zu einem noch stärker werteorientierten, sozialen Unternehmen hin zu entwickeln.

P.S.: Dass soziales Unternehmertum in der Zukunft alternativlos ist hat meine Kollegin Manuela Pastore übrigens in einem sehr emotionalen Beitrag reich an Beispielen in diesem Blog einmal dargelegt. Den Gastbeitrag findest du hier.

 

Die 5 besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe

Da in den letzten Wochen sehr viele Leser im Blog hinzugekommen sind, ist dies wohl ein guter Moment, um euch ein bisschen mehr über mich zu verraten.

Dafür habe ich das Thema Entscheidungen gewählt. Es soll um die Momente gehen, in denen unser Leben eine grundlegend andere Richtung nimmt. Ich hatte davon einige, wobei ich zugeben muss, dass mir nicht immer sofort bewusst war, wie weitreichend die Folgen sein würden. Das Thema passt übrigens wunderbar zu meinem nächsten Interview-Gast der Reihe „im Gespräch mit…“, der seinen Job als Unternehmensberater an den Nagel gehängt hat, um im Einklang mit der Natur zu leben.

Was waren also meine Big 5?

1. Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Ich hatte mir zu Schulzeiten das Studienfach Biologie in den Kopf gesetzt. Allerdings reichte mein Abi-Schnitt nicht für den numerus clausus. Um die Wartezeit zu überbrücken, kam mir die Idee, ein Jahr ins Ausland zu gehen. Ich eröffnete meinen Eltern ich wolle in die U.S.A.. Ich träumte davon die Statue Abraham Lincolns an der Mall in Washington D.C. zu sehen, die ich aus einem Science-Fiction Film kannte. Ich hatte große Lust das Land kennenlernen, aus dem die Musik kam, die ich liebte. Schließlich wollte ich die vielbeschworene Freiheit spüren und meine eigenen Entscheidungen treffen – kurzum endlich flügge werden. Fehlte nur noch eine Gastfamilie. Zu dieser kam ich über eine Freundin, die an ihrer Universität den Aushang mit einem Au-pair-Gesuch entdeckte und mich sogleich anrief.

Um die Geschichte kurz zu machen; ich hatte nach Erfahrung gerufen und machte sie, allerdings anders als erwartet: 9 Jahre Fremdsprachenunterricht bereiten einen kaum vor auf das, was in der echten Welt als Englisch durchgeht. Ich saß tagelang vor dem Fernseher und beobachtete die Lippenbewegungen der Schauspieler, um mir einen Reim auf das zu machen, was ich hörte. Den ganzen Tag mit dem Baby meiner Gasteltern alleine, lernte ich schnell Verantwortung zu übernehmen. Meine amerikanische Familie war großartig. Das Vertrauen das sie mir schenkten überwältigte mich. Ich bedankte mich, indem ich mit ihrem Wagen eine rote Ampel überfuhr, was natürlich zu einem Strafzettel führte. Sie zeigten mir New York, ließen mich mit dem Nachtbus nach Niagara Falls fahren und stellten mich dem größeren Familienkreis bei einem Ferientrip in die Rocky Mountains vor. Zu meinem Geburtstag veranstalteten sie eine Party mit ihren Freunden, damit ich mich nicht alleine fühlte. Durch sie habe ich gelernt was Gastfreundschaft bedeutet. In meiner Freizeit probierte ich zwischen Aerobic und Stepptanz alles aus, was das Angebot hergab. Im Anschluss an meine Zeit als Nanny unternahm ich Bus-Reisen und sah mir an, was für Kalifornien und den mittleren Westen auf den Top 10-Listen steht, von Alcatraz Island bis Zion Nationalpark. Mein Reise-Gen war geweckt und sollte nie mehr einschlafen.

Aber ich lernte auch, dass im Leben nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist. Ich sah Menschen die in Pappkartons lebten, kam mit der Rassentrennung in Berührung und musste auch erkennen, dass viele Amerikaner ihr Land für den Nabel der Welt halten. Ich lernte, nicht mehr kritiklos alles cool zu finden und begann das was ich für falsch oder ungerecht hielt verbal zu vertreten. Mein amerikanischer Gastvater war für diese Unterhaltungen perfekt, weil er mich meine Argumente ohne Unterbrechung vortragen ließ, bevor er sie feinsäuberlich und unaufgeregt zerlegte. Die beste Sprachschule der Welt!

„Was dieses Leben in einer anderen Familie bedeutet wurde mir erst später klar. Ich war für sie ein unbeschriebenes Blatt, sie begegneten mir vorbehaltlos und hatten keine Ambitionen, auf mich Einfluss zu nehmen. Damit prägten sie mich, ohne es zu beabsichtigen. Ich wurde selbstständiger, selbstbewusster, wusste was mir im Leben wichtig ist“

– und wog 15 Kilo mehr, als ich nach Hause flog.

2. Spurwechsel

Das Studienfach Biologie war die richtige Wahl für mich, auch wenn ich mit den klassischen Disziplinen Botanik und Zoologie nie wirklich warm wurde. Ich kann bis heute keine Tanne von einer Kiefer unterscheiden. Nach der Diplomarbeit entschloss ich mich zur Promotion mit einem Schwerpunkt in Neurobiologie. Ich hatte perfekte Bedingungen: Ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft; mit den renommierten Instituten Heidelbergs ein internationales Forschungsumfeld, und einen Freundeskreis, der die Frustrationen des Laboralltags auffing. Trotzdem war ich unglücklich. Stundenlang eingesperrt in einem dunklen Raum mit nichts als leuchtenden Nervenzellen zur Gesellschaft trieb mich langsam in den Wahnsinn. Ich hatte vermeintlich alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Die nüchterne Erkenntnis war: Ich bin für den Wissenschaftsbetrieb nicht gemacht.  Was ich wollte war Reden halten, Texte schreiben, Veranstaltungen organisieren, am liebsten über Gesundheitsthemen. Viele Coaching-Sessions später entschied ich, der aktiven Wissenschaft den Rücken zu kehren und in die Gesundheitskommunikation zu wechseln.

Wissenschaftliches Arbeiten hat mir Techniken an die Hand gegeben, um mit einer Herausforderung klarzukommen. Ich kann ein Problem benennen, in beherrschbare Teile zerlegen und Lösungswege skizzieren. Meine Laufbahn hat mich außerdem perfekt darauf vorbereitet, die Themen meiner Kunden zu verstehen.

„Was ich lange für eine Sackgasse hielt, war in Wahrheit die beste Schule. Am Ende des dunklen Gangs war eine Tür, die in einen Raum neuer Möglichkeiten führte.“

Ich spazierte aus der Uni heraus und hinein in die Welt der Public Relations-Beratung.

3. Lücken im Lebenslauf

„Jetzt verdienst du endlich dein erstes, eigenes Geld und willst schon wieder aufhören?“
„Glaubst du, du findest danach wieder einen Job?“
„Wieso ausgerechnet Afrika?“
Das sind nur einige der Fragen, mit denen ich mich konfrontiert sah, als mein Partner und ich beschlossen hatten, ein Sabbatjahr zu nehmen. Wir wollten den afrikanischen Kontinent der Länge nach durchqueren.

Natürlich war meine Chefin, die Geschäftsführerin einer PR-Agentur für Gesundheitskommunikation, nur mäßig begeistert von meiner Kündigung. Unsere Eltern machten sich sorgen darüber, was unterwegs alles passieren kann. Aber wir ließen uns nicht beirren. Gelegentlich hörten wir auch den Satz: „Das würde ich auch gerne machen.“  Ich stellte aber schnell fest, dass viele die von einer Auszeit träumen, diese nie in die Tat umsetzen.

„Wichtig ist, dass wir uns in einem Sabbatical zu einem Sinn oder Ziel hinbewegen und nicht vor einer Situation davonlaufen. Letzteres funktioniert selten, weil Probleme uns überall einholen.“

Ich bin eine Wiederholungstäterin und habe inzwischen mehrfach die Chance genutzt, für längere Zeit, auf eigene Faust, ein Stück der Welt zu erkunden. Was ich sagen kann ist, dass es meiner Karriere nie geschadet hat. Ich habe nach der Rückkehr immer wieder einen Job gefunden, der mich erfüllte. Das lag vielleicht auch daran, dass ich gute Argumente hatte, diese Lücken im Lebenslauf zu erklären. Das beste an dieser Zeit war nämlich, dass ich mich selbst in einem neuen Kontext kennenlernte, einen Perspektivwechsel erlebte, der meinen Horizont deutlich erweiterte und dass ich neue Fähigkeiten entwickelte, wie etwa interkulturelle Kompetenz, Flexibilität, Resilienz und Problembewältigungsstrategie unter ungewöhnlichen Umständen. Das hat meinen Marktwert eher gesteigert.

4. Zwar selbst und ständig, aber auch frei und unabhängig

Als ich von einer meiner Auszeiten zurückkam war in mir der Wunsch gereift, mich beruflich zu verändern. Ich wollte weiterhin in der Gesundheitskommunikation aktiv sein, aber flexibler werden in Bezug auf meine Kunden und meine Arbeitszeiten. Auch den Arbeitsort wollte ich mitbestimmen können. Meiner Kreativität ist es zuträglich, wenn ich – statt auf einen Parkplatz – in die Weinberge oder auf das Meer schaue. So ging ich das Projekt „Selbstständigkeit“ an.

Glücklicherweise war mein Arbeitgeber damals bereit, mir als Kunde erhalten zu bleiben. So musste ich nicht sofort in das Akquise-Thema einsteigen. Diejenigen unter euch die Solo-Preneure sind wissen, dass Selbstständigkeit kein Selbstläufer ist. Es gibt Zeiten, da bin ich mir nicht sicher, wie weit meine Aufträge mich tragen werden. Mir wird bisweilen schwindelig, wenn ich die laufenden Kosten überschlage, da ich für alles selbst aufkommen muss. Die Energie die in das Eigenmarketing fließt, übersteigt manchmal die Grenzen dessen, was ich für machbar halte. Aber nach knapp 8 Jahren habe ich eine gewisse Sicherheit entwickelt. Ich kann rückblickend sagen, dass sich meine Wünsche und Vorstellungen gut mit dem Notwendigen vereinbaren lassen. Ich habe mich in eine breite Palette von Themengebiete einarbeiten dürfen. Manchmal sage ich scherzhaft: „Ich werde dafür bezahlt, etwas Neues zu lernen.“ Es war bisher der Schritt der am meisten Mut erfordert hat. Ich bin dafür reich belohnt worden.

5. Die Geschichtenerzählerin

Eine meiner Kundinnen ist die Chefredakteurin des online-Magazins Lemondays, Angela Löhr. Mit ihr kam ich in Kontakt, als meine Wechseljahre anklopften. Ich lernte schnell, dass es in dieser Lebensphase um mehr geht, als Hormone. Es findet ein Umbruch auf vielen Ebenen statt, den wir entweder als lästiges Übel abtun oder als Chance zur aktiven Veränderung begreifen können. Ich habe durch die Zusammenarbeit mit den Redakteurinnen den Kick bekommen, mich mehr auf das zu konzentrieren, wofür ich brenne. Meine Leidenschaft ist das Geschichten-Erzählen. So kommt es, dass ich nun ein zweites Standbein aufbaue. Noch in diesem Jahr werde ich mein erstes Taschenbuch im Selbstverlag veröffentlichen. Ich erzähle darin meine Reisegeschichten aus 30 Jahren über 4 Kontinente hinweg. Es ist die bislang letzte beste Entscheidung die ich getroffen habe und ein Abenteuer für sich. Wenn du mich dabei begleiten möchtest, dann folge mir gerne auf Instagram: @heidimetzmeier.

Jetzt weißt du eine ganze Menge mehr über mich, aber fragst dich vielleicht, was das mit dir zu tun hat.

Das Fazit lässt sich vielleicht so zusammenfassen:

  • Lebenslanges Lernen ist heute wichtiger denn je. Wir werden durch die Digitalisierung Berufe kommen und gehen sehen. Kaum ein Bereich wird davon unberührt bleiben. Wer im Laufe seiner Karriere sich selbst immer wieder im neuen Kontext kennenlernt, wird mit diesen Veränderungen besser zurechtkommen, das ist meine tiefe Überzeugung. Die Bereitschaft, einen anderen Weg einzuschlagen, ist nicht jedem in die Wiege gelegt, aber das neue Arbeiten in wechselnden Teams, birgt auch für Veränderungsmuffel zahlreiche Möglichkeiten.
  • Niemand gibt gerne zu, dass er sich vergallopiert hat. Holzwege oder Sackgassen sind aber nichts, wofür wir uns schämen müssen, sondern Fingerzeige des Schicksals. Ich habe gelernt, die Hilfe von Coaches und Therapeuten anzunehmen. Sie können mit ihrem neutralen Blick den Finger auf Wunden legen, vor denen wir die Augen verschließen. Ein guter Coach hilft dir, deine Talente zu benennen und weist dir auch den Weg zu  möglichen neuen Zielen.
  • Ich habe den Eindruck, dass der geradlinige Lebenslauf mit möglichst effizient genutzten Ausbildungszeiten immer noch propagiert wird. Es entspricht allerdings meiner Erfahrung (und ich habe einigen Vorstellungsgesprächen auf der Arbeitgeberseite beigesessen), dass vermeintliche Brüche oder überraschende Wendungen in einer Lebenslinie den Menschen viel interessanter machen. Mut zur Lücke!
  • Über das Sabbat-Jahr als Potenzialzeit habe ich schon einmal einen längeren Beitrag verfasst. Daher an dieser Stelle nur so viel: Die Möglichkeit eine Auszeit vom Job zu nehmen ist etwas, das in in den meisten Betriebsvereinbarungen festgeschrieben ist. Wie du sie verbringst, ist dir überlassen, ob mit einer beruflichen Weiterbildung, einer Reise, dem Erlernen eines neuen Hobbys oder dem Aufbau eines eigenen Business. Die Spielwiese ist riesig. Ich kenne niemanden, dem diese Zeit geschadet hätte, wohl aber Menschen, denen Abstand von ihrem Alltag sehr gut tun würde. Träume wollen nicht als Sticker an der Kühlschrankwand enden, sondern gelebt werden.
  • Das Arbeitsleben ist ein Weg bei dem es kein Ziel gibt, sondern es bietet Möglichkeiten an verschiedenen Stellen die Aussicht zu genießen.
  • Jede Lebensphase birgt neue Chancen seine unterschiedlichen Talente auszuleben.  Es ist daher nie zu spät für den nächsten Schritt.

Was war deine letzte beste Entscheidung? Verrate es uns in den Kommentaren!

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Im Gespräch mit Astrid Hager über Frauen in Führungspositionen

„Die Moral muss wieder mehr Einzug in die Geschäftswelt halten“

 Meine heutige Gesprächspartnerin ist das, was man vielleicht als Vollblut-Geschäftsfrau bezeichnen könnte. Der Vergleich passt vor allem deshalb gut, weil sie seit den frühen Kindertagen eine Leidenschaft für Pferde hat. Im Alter von 12 Jahren begann sie zu reiten und hat dies bis zum heutigen Tag beibehalten, wobei sie ein Vereinspferd reitet, weil sie sich als Führungskraft in Vollzeit nicht gut genug um ein eigenes Pferd kümmern könnte. Außerdem arbeitet sie seit 9 Jahren mit einem Personal Trainer, der ihr hilft, den inneren Schweinehund auch dann zu überwinden, wenn es draußen kalt und dunkel ist. Der Termin montags und freitags um 7 Uhr in der Früh ist fast unverrückbar. Astrid war 23 Jahre lang beim IT-Konzern IBM beschäftigt, mit 28 Jahren hatte sie dort ihre erste Führungsposition inne. Derzeit ist sie bei Bosch für die Projektleiter in der internen IT zuständig und hat rund 200 Mitarbeiter. Für mich ist Astrid ein Vorbild – neudeutsch role model – für Frauen in Führungspositionen, in einem Bereich, in dem der weibliche Anteil in meiner Wahrnehmung unterrepräsentiert ist, weshalb ich mich sehr darauf freue, dieses Feld mit ihr auszuleuchten.

Was bedeutet für dich das Glück auf dem Rücken der Pferde?

Für mich ist das Reiten Ausgleich zum Alltag. Ich kann dabei wunderbar abschalten, den Kopf frei bekommen. Freitag ist Reittag, das ist für mich auch ein gesellschaftliches Ereignis. Sonntags freue ich mich auf das Ausreiten im Wald, dann komme ich in Kontakt zur Natur, das liebe ich.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dir einen Personal Trainer zu nehmen?

Die Frau eines Kollegen, die selbst Personal Trainerin ist, hat zu mir gesagt: „Du kümmerst dich immer so viel um andere Menschen, suche dir doch mal jemanden der dir hilft.“ Ich habe das dann einfach ausprobiert und festgestellt wie gut es mir tut, mich zu bewegen, nach einem individualisierten Programm, das auf meine aktuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ich merke dabei auch, wie stressig meine Arbeitswoche ist, denn Übungen die mir montags leicht fallen, strengen mich freitags viel mehr an. Ich lerne viel über mich selbst, indem ich fokussiert Sport mache. Spaß macht es obendrein, weil der Trainer mich stufenweise an die Herausforderungen heranführt. Er motiviert mich, über mich hinaus zu wachsen und Grenzen zu verschieben. Er hält mich auch dann bei der Stange, wenn es nicht so gut läuft.

Was nimmst du aus deinen Freizeitbeschäftigungen für deinen Beruf mit?

Ich nehme aus allem was ich im Leben tue etwas für das Business mit, ob das der Reitverein ist, der Sport oder etwas anderes. Ich denke oft: „Wenn das für mich funktioniert, funktioniert es auch für meine Mitarbeiter.“ Im Reitverein habe ich außerdem den perfekten Realitäts-Check. Wenn ich sehe, wie gut die Mitarbeiter dort – die ein sehr geringes Lohnniveau haben – in ihrem Leben klarkommen, dann erzieht mich das zur Bescheidenheit und rückt die Perspektiven wieder gerade. Ich probiere gerne Dinge in meiner Freizeit aus und nehme Erkenntnisse daraus in das Arbeitsleben mit. Aber mit tut auch der Freundeskreis gut, in dem das Arbeitsleben außen vor ist. Es muss ja nicht immer nach dem Prinzip „höher, schneller, weiter“ gehen.

Du hast mit der Berufsakademie (BA) einen interessanten Ausbildungsweg gewählt. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe mich bewusst für die Berufsakademie entschieden. Heute würde man das übrigens duale Hochschule nennen. Mich hat das Konzept vom Studium parallel zur Arbeit gereizt. Ursprünglich hatte ich mich in der Firma meines Vaters beworben, kam auch in die Endrunde der letzten 4, wurde aber dann mit der Begründung abgelehnt, dass ich als Frau schwanger werden kann! Das ist jetzt 30 Jahre her. IBM hatte damals schon den Ansatz Frauen zu fördern. Ein Drittel der BA-Stellen wurden daher mit Frauen besetzt, um sie innerhalb des Unternehmens auch auf höhere Positionen entwickeln zu können. Mir haben sie damals die BA für den Bereich Wirtschaftsinformatik angeboten und so bin ich zur IT gekommen, obwohl ich das ursprünglich gar nicht auf dem Zettel hatte. Ich habe mich mit Mobile Computing beschäftigt, war im Vertrieb, habe Produktmanagement gemacht und mit meinem ersten Team als Führungskraft komplexe Serviceverträge für Kunden erstellt. Danach bin ich ins Pricing gewechselt und landete schließlich in einer Position die der eines COO (Chief Operating Officer) ähnlich ist, für einen definierten Geschäftsbereich der IBM. Zwischendurch habe ich berufsbegleitend in Henley einen durch die IBM finanzierten MBA-Studiengang belegt. Das hat mir viel Spaß gemacht, weil ich durch die langjährige Berufserfahrung die theoretischen Modelle die im Rahmen der Ausbildung vermittelt wurden, mit der Praxis gut verknüpfen konnte. Außerdem habe ich über dieses Studium europaweit jede Menge Freunde gewonnen, mit denen ich bis heute einen regen Austausch pflege.

Das klingt nach jonglieren mit sehr vielen Aufgaben. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Ich bin jemand der unter Druck gut arbeiten kann und lege, wenn es denn sein muss, auch eine Nachtschicht ein. Aber ich bin auch niemand der sich an einer Aufgabe verschnörkelt. Ich bin Pragmatikerin. Ich wende die Theorie dort an, wo sie nützlich ist. Ich nehme mir die Freiheit Modelle so anzupassen wie ich sie brauche. Ich setze dann beispielsweise nur 70 % davon ein, halte mich also nicht sklavisch an theoretische Vorgaben.

Warum denkst du hat man dir in so jungen Jahren eine Führungsposition zugetraut?

Mein Deutschlehrer hat mir in mein Poesiealbum folgenden Spruch geschrieben:

„Große Tugenden machen einen Menschen bewundernswert, die kleinen Fehler machen ihn liebenswert. Beides besitzt du reichlich und in so guter Mischung, dass ich dir wünsche du mögest so bewundernswert und so liebenswert bleiben in deinem Leben.“ Der gleiche Lehrer hat auch gesagt: „Die wird mal Manager.“ Die Fähigkeiten dazu sind wohl in mir angelegt und das wurde früh von meinen Arbeitgebern erkannt. Bei IBM war der Auswahlprozess relativ langwierig, aber auch dort hat man mir Führungsaufgaben zugetraut. Hinzu kommt, dass ich gute Chefs hatte. Es kommt nämlich auch auf die Förderung innerhalb des Unternehmens an und da hatte ich großes Glück auf die richtigen Männer zu treffen.

Wenn es um die Qualitäten geht, denke ich, ist eine meiner Stärken gut zuhören zu können und mich gut in die Schuhe meines Gegenübers zu versetzen.

Was hat dich motiviert das Unternehmen zu verlassen, das dich gefördert hat?

Es hat sich irgendwann die Gelegenheit ergeben, mich bei Bosch vorzustellen. Ich war Mitte 40 und stand vor der Wahl, entweder jetzt zu gehen, oder bis zum Ende der beruflichen Laufbahn zu bleiben. Der Wechsel von einem amerikanischen, quartalsgetriebenen IT-Riesen zu einem deutschen, stiftungsorganisierten Unternehmen mit viel Wertschätzung für seine Mitarbeiter erschien mir reizvoll.

Wie beurteilst du das Geschlechterverhältnis in technischen Berufen?

Was die technischen Themen angeht sind Frauen immer noch in der Minderheit. Ich war sehr häufig in meiner Laufbahn die einzige Frau in einem Meeting und ich habe als Führungskraft schon Abteilungen geleitet, die nur männliche Mitarbeiter hatten.

Ich glaube tatsächlich, dass die Prägung bereits im Kindesalter mit geschlechtsspezifischem Spielzeug beginnt. In meinem Elternhaus hat glücklicherweise niemand die Krise bekommen, wenn ich die Bohrmaschine oder den Schraubenzieher zur Hand genommen habe. Die geschlechtsspezifische Trennung setzt sich in der Schule fort. Es ist immer noch ungewöhnlich, wenn Mädchen als Leistungskurs Physik wählen. Meiner Meinung nach müssten wir Mädchen schon sehr viel früher aufzeigen, dass Technik spannend ist. IT bestimmt heute unseren Alltag, wenn wir Kinder beider Geschlechter daran heranführen, dann werden sich auch Frauen mehr für technische Studiengänge interessieren. Es muss einfach transparenter werden, was wir damit für Möglichkeiten haben.

Schließlich haben natürlich auch die Unternehmen eine Verantwortung mehr Frauen einzustellen.

Wir haben als Gesellschaft sehr lange gebraucht um Dinge zu etablieren, die es den Frauen erleichtern, Job und Familie zu vereinbaren, wie flexible Arbeitszeit, Teilzeitmodelle oder Home-Office. Viele Frauen haben immer noch Schwierigkeiten einen Platz in der Kindertagesstätte zu bekommen. Umgekehrt werden in manchen Branchen Männer immer noch seltsam angeschaut, die Elternzeit nehmen wollen.

Manche Gesetze sind altbacken und passen nicht mehr zu unserer modernen Arbeitswelt. Hier tut Veränderung not. Es wäre schön, wenn wir diesbezüglich einmal über den Tellerrand schauen würden, nach Frankreich zum Beispiel, wo flexibles Arbeiten und Kinderbetreuung gut geregelt sind.

Ich würde an dieser Stelle aber auch gerne anmerken, dass es viele Branchen gibt, in denen Männer unterrepräsentiert sind. Wie viele Grundschullehrer gibt es, Krankenpfleger oder Kindergärtner? Auch hier würde uns ein höherer Anteil guttun. Wie bei allem ist der Mix entscheidend.

Bist du eine Freundin der Quote?

Ich bin da gespalten, denn für mich hat das immer das Geschmäckle, Frauen seien nicht gut genug für den Job. Andererseits glaube ich, dass man, wenn man Veränderung herbeiführen will, dies mit Nachdruck tun muss. Die Quote ist dazu ein probates Instrument, vorausgesetzt die Frau ist ebenso qualifiziert, wie der Mann der sich bewirbt.

Welchen Unterschied erlebst du als Führungskraft zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern?

Männer verhalten sich anders als Frauen – es gibt natürlich auch immer Ausnahmen. Frauen sind eher selbstkritisch, während die meisten Männer sehr selbstbewusst auftreten. Sie sind proaktiv bei der Frage der Gehaltserhöhung und können nach eigenem Bekunden das, was eine neue Position verlangt, während Frauen ihre eigenen Fähigkeiten eher hinterfragen und zweifeln, ob sie für eine Aufgabe geeignet sind. Frauen sind für meinen Geschmack zu bescheiden und sollten sich trauen mehr einzufordern. Frauen arbeiten oft unglaublich hart, aber sie verkaufen ihre Leistung häufig schlecht. Bei Männern in einer Runde lehne ich mich manchmal einfach zurück, wenn ich merke, dass hier gerade ein Kampf um die Alpha-Position stattfindet. Dann lasse ich das eine Weile laufen, weil sich die Herren dann eh nicht auf die Sache konzentrieren können. Frauen hingegen wirken manchmal schon alleine durch ihre Gegenwart de-eskalierend. Meetings nehmen dann keinen unangenehmen Verlauf mehr, weil sich der Gesprächston ändert, wenn unterschiedliche Geschlechter am Tisch sitzen.

Wie ist es denn für dich als Führungskraft Mitarbeiter weiterzuentwickeln?

Das ist ehrlich gesagt immer ein Spagat. Talentierte Mitarbeiter auf eine höhere Position ziehen zu lassen ist natürlich zum Wohle der Firma, aber ich verliere dann meine besten Leute, was der Produktivität meiner Abteilung erst einmal schadet. In der deutschen Unternehmenskultur ist es ja so, dass der Job gar nicht so häufig gewechselt wird, in amerikanischen Unternehmen hingegen ist es ganz normal alle 2 bis 3 Jahre etwas anderes zu machen. Ich fasse mich inzwischen an die eigene Nase und sage mir, dass es wichtig ist gute Leute zu fördern, so wie ich selbst von meinen Chefs gefördert worden bin. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch darum, Mitarbeiter, die Gestaltungswillen haben, nach vorne zu bringen, damit Innovation und Veränderung entstehen kann.

Was macht deiner Meinung nach die Qualität einer guten Führungskraft aus und gibt es Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Führungsstil?

Ich habe die Erfahrung, dass Frauen das Große und Ganze besser im Blick haben und sich wünschen, dass man als Team etwas erreicht.

In unserer agilen Arbeitswelt ist es wichtig, Mitarbeiter auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören und dabei alle mitzunehmen. Dafür braucht man ein spezielles, vielleicht eher weibliches, Führungsverhalten.

Andererseits gibt es in einem Unternehmen unterschiedliche Aufgaben und entscheidend ist, wen man für welche Aufgaben einsetzt und wie man die entsprechenden Personen motiviert. Meiner Meinung nach sind unterschiedliche Führungsstile und Methoden für den Erfolg erforderlich und das geht nur, wenn unterschiedliche Führungspersönlichkeiten in einem Team vertreten sind – da wären wir wieder beim richtigen Mix. Die Kunst der Führung ist es, Menschen richtig einzusetzen, so dass in Teams wechselnder Zusammensetzung das aktuelle Ziel optimal erreicht werden kann.

Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass wir dazu tendieren, Menschen in das Team aufnehmen zu wollen, die einem selbst ähnlich sind. Das ist ein Fehler. Mitarbeiter an denen ich mich reibe, bringen häufig sehr gute Ideen ein.

Wie verändert sich die Arbeitswelt durch Technik?

Wir sehen ja seit Corona, dass Menschen von überall remote arbeiten. Die spannende Frage wird sein, wie wir die Gesetze entsprechend anpassen können. Wenn jemand reomte auf den Seychellen für ein deutsches Unternehmen arbeitet, muss er dann zwangsläufig seine Steuern und Abgaben in Deutschland entrichten? Das werden noch spannende Fragen.

Was glaubst du, ist die Digitalisierung Teufelszeug oder ein Segen?

Digitalisierung ist per se kein Teufelszeug, aber es ist natürlich immer die Frage, was man damit macht. Es geht bei diesem Thema vor allem um Datensicherheit. Meine persönliche Einschätzung ist, dass uns gerade im Alltag die Digitalisierung noch viele Erleichterungen bringen wird, wie etwa bei Behördengängen oder der Beantragung von Dokumenten. Einen Schritt weiter gedacht, können unsere Haushaltsgeräte sich wahrscheinlich in Zukunft dann einschalten, wenn die Energiezufuhr – etwa durch Wind oder Solarstrom – gerade am größten ist. Verkehrsflüsse können durch intelligente Lösungen besser geregelt werden. Ich denke auch, dass der digitale Unterricht viel Potenzial hat. Die Gesundheit ist ein weiteres großes Feld der Digitalisierung, z. B. digital gesteuerte Prothesen, mit deren Hilfe Menschen wieder gehen können. Das ist heute schon Realität. Selbst im ökologischen Bereich hat die Digitalisierung ihren Platz. Bei Bosch haben wir, als es um das Thema CO2-Neutralität ging, sehr viele Prozesse mit Hilfe der IT untersucht, geschaut wo die großen Energieverschwender versteckt sind, um das Einsparpotenzial zu vergrößern. Ich denke, dass die Digitalisierung uns in vielen Bereichen als Gesellschaft weiterbringen wird.

Das entscheidende ist, wie wir eine Balance finden, zwischen der Gewinnmaximierung und den ethisch-moralischen Fragestellungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Hier müssen wir uns einen Kodex verordnen, in dem wir so wichtige Dinge regeln wie den korrekten Umgang mit Daten, damit diese nicht manipuliert, missbraucht oder gestohlen werden. 

Gleichzeitig muss es darum gehen, welche Prozesse nachhaltig mit Hilfe der Digitalisierung gestaltet werden können. Welche Materialien können wir verwenden, ohne dabei Menschen in anderen Ländern – Stichwort Kobalt aus Afrika – zu benachteiligen? Da geht es um den Umgang miteinander, das ist kein IT-Problem, sondern eine gesellschaftliche Frage.

Die Moral muss wieder mehr Einzug in das Geschäftsleben halten. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft wird sein auszuloten, wo die Grenzen sind, die wir nicht überschreiten sollten, in Bezug auf uns Menschen, aber auch auf die Natur.

Was die Komplexität erhöht ist, dass wir das nicht regional lösen oder entscheiden können, sondern global angehen müssen. Dazu wird es notwendig sein, sich ganze Prozessketten Ende-zu-Ende anzuschauen. Hier sind sehr viele Strömungen unterwegs, die es zu vereinen gilt. Das wir noch viel Zeit brauchen, insbesondere weil Politik auf Kompromissen basiert, die schwer zu schließen sind.

Welche Tipps hast du abschließend für Menschen, die sich unternehmerisch betätigen wollen?

Wichtig ist meiner Meinung nach, sich in verschiedenen Positionen und Situationen auszuprobieren, um festzustellen, was einem wirklich liegt. Die Frage ist auch weniger, welche Titel oder Scheine ich brauche, sondern welche Dinge ich für mich persönlich aus einer Aus- oder Weiterbildung, einem Coaching oder einer berufsbegleitenden Maßnahme mitnehmen kann und wofür ich mich selbst begeistern kann. Der MBA z.B. war eine sehr gute Erfahrung für mich persönlich, dass ich ihn für meinen Werdegang gebraucht hätte, kann ich jetzt nicht sagen.

Und schließlich: Sich die Zeit nehmen Erfolge und Abschlüsse zu feiern!

Liebe Astrid, ich danke dir!

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Wenn dir das gefällt, dann trage dich jetzt hier ein:

Vorgestellt – Astrid Hager

Heute habe ich mit Astrid Hager gesprochen, die in der internen IT bei Bosch ein weltweites Team von IT-Projektleitern führt. Nebenher ist Sie Teil eines Projektteams, dass die interne IT komplett umkrempelt – weg vom klassischen Cost Center hin zum IT-Partner für die Geschäftsbereiche auf Augenhöhe. Als Basis dient ihre 23-jährige Erfahrung bei IBM in unterschiedlichen Berufsbildern: Geschäftsverantwortung eines Servicebereiches,
Leitung der internen Revision und der Geschäftssteuerung in unterschiedlichen Bereichen. Parallel war Sie 14 Jahre für die Finanzen des Reitervereins Sindelfingen zuständig.

Bleibt alles anders – Jahresrückblog 2021

Kennt ihr den Song von Herbert Grönemeyer, in dem er schmettert: „Geh voran, bleibt alles anders. Genug ist zu wenig, oder es wird so wie es war“? Ist für ein Jahres-Motto vielleicht etwas sperrig, retrospektiv passt es aber wie die Faust auf´s Auge, denn „genug“ war  immer zu wenig und auf magische Weise wurde vieles anders, ob nun mit oder ohne mein Zutun.

Mein Jahr 2021 nahm einen fulminanten, einiges verändernden Anfang mit zwei deutlich vernehmbaren „Ja“ im großen, aber Corona-bedingt menschenleeren Saal des Standesamts in Bühl. Seither gehöre ich zu den Frauen mit Zungenbrecher-Doppelnamen. Für meine verschiedenen Arbeitsschwerpunkte nehme ich diese wieder auseinander. In der PR bin ich weiterhin Heike Specht. Als Autorin – dazu gleich mehr – publiziere ich unter dem Namen Heidi Metzmeier.

„Schreib dich glücklich“ oder „was ich mir vorgenommen hatte“

Mein Wort des Jahres 2021 war „Autorin“. Nach der Veröffentlichung meines PR-Ratgebers im Corona-Sommer 2020 hatte ich Lunte gerochen. Intensive Gesprächen mit anderen AutorInnen folgten und so entschied ich, dass die Zeit reif ist, um meine Reiseerzählungen zu Papier zu bringen. Was für ein Abenteuer! Wenn ein Blog die Kurzstrecke ist, dann ist ein Buch der Marathon. Zwischendurch habe ich einzelne Kapitel zum Probelesen gegeben. Unter anderen hat sich meine Chefredakteurin von Lemondays, Angela Löhr angeboten, die im Frühjahr selbst eine Ratgeber-Erzählung zum Thema Wechseljahre veröffentlicht hat. Das Feedback war durchweg positiv. Trotzdem hatte ich viele Phasen des Selbstzweifels, ob die Welt wirklich noch ein Buch über Abenteuerreisen braucht, ob ich den richtigen Ton treffe und ob das Konzept das ich mir überlegt habe, als Alleinstellungsmerkmal tauglich ist. Da kam mir die Unterstützung meiner Coach, der BILD-Bestseller-Autorin Sandy Mercier, gerade recht. Sie hat mit mir nicht nur an meinem Konzept gefeilt, sondern mich auch ermutigt dran zu bleiben, hinter die offensichtlichen Probleme zu blicken und damit Blockaden aufzulösen. Das war eine große Hilfe, mit der es mir gelungen ist, die erste Fassung meines Buchs vor der Jahresfrist zu beenden.

„Mein persönlicher Tipp Nr. 1 aus meinen Erfahrungen 2021 lautet daher: Wenn du ein Projekt hast, bei dem du gerade steckenbleibst oder Zweifel hast ob es sich lohnt, gönne dir einen Coach oder Berater. Das ist kein Luxus, sondern gut investiertes Geld, da du danach klarer siehst, für dich und deine Ziele. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche, sondern Weitsicht! Falls du Tipps brauchst, an wen du dich wenden kannst, schau mal weiter unten.“

Aus dem Buch-Projekt ergibt sich unweigerlich das Wort des Jahres 2022: „Selfpublisher“. Denn ich habe weder Lust dutzenden von Verlagen mein Exposé zu schicken, noch möchte ich mir die Fristen für mein Herzensprojekt extern vorgeben lassen. Es mag zwar Vorteile haben mit einem Verlag zu arbeiten, vor allem in Bezug auf das Marketing, aber hey, wenn ich die PR für mich selbst nicht auf die Kette kriege, dann habe ich wohl den Beruf verfehlt! Das wird ein spannender Weg, auf dem ihr mich gerne an dieser Stelle begleiten könnt.

Apropos an dieser Stelle. Meine Internetseite ist ja gerade einmal zarte drei Jahre alt, aber das Design, so übersichtlich ich es selbst finde, ist bereits aus der Zeit gefallen. Ein Projekt, das ich mir für dieses Jahr vorgenommen hatte, war das optische „Facelifting“. Zumindest der Blog hätte eine modernere Erscheinungsform bekommen sollen, in der es leichter fällt, einzelne Artikel die von Interesse sind, auszuwählen. Das Ganze natürlich SEO optimiert. Denkste! Dieses Vorhaben habe ich in meiner Projekt-Excel-Liste von einem Monat in den nächsten verschoben und wie ihr sehen könnt, ist es am Ende hinten heruntergepurzelt. Jetzt finde ich das allerdings gar nicht mehr so tragisch, denn mit meinem zweiten Standbein als Selfpublisherin braucht die Seite nicht nur eine optische Politur, sondern auch inhaltliche Überarbeitung. Ihr könnt euch also darauf freuen, dass hier in 2022 so einiges passieren wird. Dazu gleich noch etwas mehr.

„Daraus folgt mein Tipp Nr. 2: Projektpläne sind gut und wichtig, aber sie brauchen Flexibilität, sich an die Realität anzupassen. Jedes Ding hat seine Zeit und manchmal ist es sogar positiv, wenn Gras über eine Sache wächst. Wir nehmen uns ohnehin meist viel zu viel vor und sind am Ende enttäuscht, wenn von den 100 Dingen auf der Liste nur 99 gestrichen sind, statt uns zu freuen, wie weit wir gekommen sind. Bei den meisten Selbstständigen und Unternehmern haben Aufschübe eine bessere Begründung als „ich hatte keine Lust“. In der Regel war etwas anderes wichtiger. Solange wir priorisieren, ist alles gut. Also setze dir erreichbare Projektziele, überprüfe regelmäßig ob diese dem Realitätscheck standhalten und nimm dir Zeit, Erfolge zu feiern, im großen wie im kleinen Rahmen. Sei mutig selbst zu definieren, was Erfolg für dich bedeutet.“

Was es von meiner Projektliste hingegen tatsächlich ins Leben geschafft hat, ist der Aufbau einer eigenen Server-Infrastruktur, die es mir ermöglicht ortsunabhängig zu arbeiten, ohne Furcht vor Datenverlust. Wer mich kennt weiß, dass ich in Bezug auf IT zwei linke Hände habe. Außerdem ist mein Gehirn für Fragestellungen zur Technik einfach nicht verkabelt. Demzufolge war das ein angstbesetztes Thema. Mit Wolfgang Meier habe ich jedoch einen Spezialisten an der Hand, der mit unendlicher Geduld nicht nur die Hardware aufgesetzt hat, sondern auch die Software vor dem Computer immer wieder dazu bringt, die richtigen Knöpfe zu drücken. Jetzt stünde dem digitalen Nomadentum nichts mehr im Wege, wenn nicht…

…ja wenn nicht ein weiteres Vorhaben kläglich gescheitert wäre. Mein orangefarbenes Wunder nämlich, der 110er Land Rover Defender, wartet seit einem Jahr darauf, dass mich die Inspiration packt und ich mit dem Innen-Ausbau beginne. Erst in die Garage verfrachtet und dann im Hof unter einer Plane verpackt, wartet er darauf, dass mich die Muse küsst. Ich schleiche indessen mit schlechtem Gewissen um ihn herum und frage mich, wie sich so ein großes Ding in Häppchen zerlegen lässt, die ich verdauen kann, denn zur Schrauberin bin ich leider auch nicht gerade geboren. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! Dieses Projekt wandert also wieder auf die Liste für 2022.

Gute Gespräche – Die Highlights des PICUS Blog auf einen Blick

Was ich meinen Kunden empfehle, mache ich natürlich für meine eigenen Texte auch – Erfolgskontrolle. Ich schaue mir die Nutzer-Statistik meiner Webseite an, also wie einzelne meiner Blogbeiträge bei euch ankommen. Die Community der Blog-Leser ist inzwischen auf ca. 1500 monatlich angewachsen, was mich ein bisschen stolz macht, denn ich investiere nicht in bezahlte Werbung. Wie viele davon regelmäßige Leser sind, kann ich nicht sagen. Daher biete ich euch hier die Liste der am meisten gelesenen Beiträge an. Vielleicht ist ja etwas dabei, das ihr verpasst habt. Dann könnt ihr es in einer ruhigen Minute zwischen den Jahren nachholen:

  • Das ungeschlagene „all time high“ ist mein Gespräch über das Thema Freiheit mit Lilli Mixich Reisebloggerin und Vollzeitnomadin. Das liegt sicher am Thema, aber natürlich auch an Lilli, die so herzerfrischend humorvoll und ehrlich über ihr Leben in Bewegung spricht.

  • Als ich Dr. Alexis Katechakis als Experten für das Thema Nachhaltigkeit angefragt habe, hatte ich keine Ahnung, dass dieses Interview eine Vorlesung werden würde. Ich musste feststellen, dass ich über Nachhaltigkeit nicht annähernd so viel weiß, wie er schon vergessen hat. 3 Stunden Tonaufnahme war definitiv zu viel für einen Blogbeitrag, also haben wir das Gespräch in zwei Teile gesplittet:
    Hier geht´s zum Basiswissen Nachhaltigkeit.
    Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie findet ihr hier.


  • Dass ihr wirklich Fans meiner Reihe „Im Gespräch mit…“ seid, ist leicht daran zu erkennen, dass es noch ein weiteres Interview in die Top 5 geschafft hat: Der Austausch mit Dr. Reimar Schlingensiepen zum Thema Unternehmensgründung.

  • Weit oben gelandet ist ein Thema, das mir persönlich so wichtig war, dass ich es im Redaktionsplan gleich an den Anfang des Jahres gesetzt hatte: 6 Dinge, die ich mir als Selbstständige nicht mehr antue. Darin geht es um Fragen des Zeitmanagements ebenso, wie um gute Vorbereitung auf herausfordernde Kommunikation. Selbstfürsorge ist die Klammer, die alle Tipps in diesem Artikel zusammenhält.

  • Für mich besonders schön zu sehen, haben auch meine 5 häufigsten Fehler in Businessprofilen bei euch einen Nerv getroffen. Dies zeigt mir, dass ihr an PR-Basiswissen durchaus Interesse habt.

„Mein Tipp Nr. 3, der mit diesem Kapitel verbunden ist, bezieht sich auf das Thema Promotion. Wenn ihr selbst Texte verfasst, egal ob einen Blog oder Material zu eurem Geschäftsbereich, wie etwa Infografiken oder Broschüren, dann schaltet euer Netzwerk ein, um den Kreis der Leser zu vergrößern. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit LinkedIn gemacht, nutze aber auch Facebook, Instagram oder WhatsApp, um auf neue Artikel aufmerksam zu machen. Macht euch bei jedem Post bewusst, wer euch auf diesem Kanal folgt und achtet darauf, den Aspekt aus eurem Angebot hervorzuheben, der für die jeweilige Gefolgschaft relevant ist. Ein schnödes „guckt mal ich habe hier etwas neues“ reicht da eher nicht.“

Frauentalk – wer mich 2021 berührt hat

Monologe vor Bäumen im Wald oder das Verfassen epischer Texte können vielleicht eine Weile lang darüber hinweghelfen, dass gerade wenig Austausch möglich ist, aber irgendwann kommt der Moment, wo wir hungrig sind nach Kontakten, auf Inspiration von außen. Ich hatte in diesem Jahr gleich mehrfach die Freude, mit Menschen zusammenzukommen, die meinen Blickwinkel erweitert haben. Bemerkenswert daran ist, dass es hauptsächlich Frauen waren. Hier ein Auszug:

  • Silke Steigerwald hat mir den Kopf gerade gerückt, als es darum ging, den Fokus im Leben zurückzugewinnen bzw. ein Ziel klar zu formulieren. Sie ist nicht nur eine hervorragende Anti-Stress-Coach, sondern auch eine wundervolle Lebensdolmetscherin, die ihre Weisheiten und ihren Wortwitz auch als Redakteurin des Online-Magazins Lemondays zur Verfügung stellt. Unglaublich stark finde ich, dass sie auch dann noch ein Ohr für andere hat, wenn sie sich selbst gerade im Auge des Sturms befindet. So handelt man wohl, wenn der Beruf eine Berufung ist.

  • Auf Andrea Goffart wurde ich über einen gemeinsamen Freund aufmerksam. Die Ghostwriterin, Biografin und Schreibcoach geht aktuell einer wichtigen Fragen nach, nämlich der nach der „starken Frau“. Was bedeutet das und wo finden wir sie? Ich hatte die große Freude einer ihrer GesprächspartnerInnen der ersten Runde zu sein. Es wurde ein Austausch über Führungspotenzial, Vielfalt als Zukunftschance und die zweite Lebenshälfte. Hier kannst du unser Gespräch nachverfolgen.

  • Den Podcast von Claudia Münster liebe ich. Umso mehr habe ich mich gefreut, als die Transformational Coach, Business Mentorin, Autorin und Juristin mich für ein Interview angefragt hat. Mit ihr habe ich über das Reisen geplaudert, wobei es weniger um meine Erlebnisse ging, als um die Frage ob Mut wirklich wichtig ist oder ob es nicht eher darum geht, Ungewissheit zu akzeptieren. Wenn du dich von dieser Frage angesprochen fühlst, dann höre gerne hier in die Podcastfolge hinein.

  • Ilona Tamas und ich kennen uns durch die Public Relations im Gesundheitsbereich. Ich habe sie für ihren Entschluss bewundert, nach Jahrzehnten in einem „sicheren Job“ alles an den Nagel zu hängen, um endlich das zu tun, wofür sie eine echte Passion empfindet. Ilona ist heute Dozentin für weibliche Sexualkultur. Im kleinen Frauenkreis, an dem ich in diesem Jahr teilgenommen habe, hat Ilona Übungen und Trancereisen angeleitet, in denen ich mehr über mich gelernt habe, als bei allen Maßnahmen der letzten Jahrzehnte zusammen. Sie hat ein untrügliches Gespür dafür, wann Stille besser ist als jedes Wort und sie ist sehr sensibel in der Wahl ihrer Hilfestellungen. Wer einen Eindruck von ihrer Arbeits- und Denkweise bekommen möchte, dem empfehle ich ihren Gastbeitrag in diesem Blog: Dein Körper ist ein weiser Coach. 

  • Die weiter oben schon zitierte Autorin, Online-Magazin-Herausgeberin und Schreibcoach Angela Löhr hat im Spätsommer zu einer Blogparade aufgerufen mit dem Titel „Träumst du noch dein Leben oder lebst du schon deinen Traum?“ Da konnte Frau einmal mehr sehen, wieviel Power zusammenkommt, wenn Rebellinnen und Königinnen im Wechsel ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die einzelnen Artikel sind in den Kommentaren zu diesem Post verlinkt. Mein Beitrag – der es übrigens auch in die Top 5 der PICUS-Blog-Statistik geschafft hat – geht davon aus, dass wir uns erst einmal darüber klar werden müssen, was wir wirklich wollen, bevor wir beginnen können, diese Träume zu leben. Die Tipps wie wir das herausfinden können, findest du hier.

  • Last but not least möchte ich euch die Group Fitness-Trainerin und Ernährungscoach Tine Möller,  vorstellen. Sie ist eine meiner „Online-Friends“, die es in diesem Jahr tatsächlich in mein reales Leben geschafft haben. Wir teilen nämlich nicht nur Freud und Leid der Lebensmitte und sind beide Autorinnen (Tines Buch „Schlank und fit durch die Wechseljahre“ ist gerade im riva Verlag erschienen) sondern wir haben auch die Schwäche für das Vanlife gemeinsam, also das Unterwegssein im eigenen 4×4-Fahrzeug. Auf ihrer Sommertour sind Tine und ihr Mann bei uns in Baden-Baden vorbeigeschneit und wir hatten zwei zauberhafte Tage am Rande des Nordschwarzwalds. Wer Tine auf Instagram folgt kann übrigens lernen, wie man diesen Kanal professionell betreibt. Sie scheint permanent on, ist witzig, spritzig und dabei immer ganz sie selbst.

„Mein Tipp Nr. 4 leitet sich aus meinen positiven Erfahrungen ab, sich vor der Kamera oder dem Mikrophon auszuprobieren. Ein Interview – ob nun als Videomitschnitt oder Podcast, als geschriebenes Wort oder Facebook-Live – schafft Aufmerksamkeit und Reichweite für dein Business und im besten Falle macht es Spaß. Schau dir an, wer in deinem Bereich mit Gesprächsformaten unterwegs ist und biete dich als ExpertIn für dein Themenfeld an. Wer Berührungsängste mit „live“ hat, kann sich im ersten Schritt als Gastblogger versuchen und so seine Erfahrung schriftlich ausdrücken. Gegen das Lampenfieber gibt es immer noch mich. Wir können gerne vor dem Auftritt miteinander üben!“

Das Gute so nah – Überraschungen des echten Lebens 

Online zu arbeiten war für mich das erklärte Fernziel, als ich mich vor 7 Jahren selbstständig gemacht habe. Ich hatte dabei im Hinterkopf von unterwegs tätig zu sein, damit ich die Bedürfnisse meines Reise-Gens mit meiner Passion für die Kommunikation verbinden kann. Aus online wurde „home-office“, der Grund ist hinlänglich bekannt. Auch wenn ich es durchaus begrüße, dass mit Zoom oder Teams Meeting-Software in unser Arbeitsleben eingezogen ist, so vermisse ich trotzdem den direkten Austausch mit Kollegen. In ihrem Gespräch mit mir zum Thema „new work“ hat es Jana Seifert so auf den Punkt gebracht: „Wir wollen den Schweiß der anderen riechen.“ Da ist etwas dran. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sich die Verhältnisse kurzzeitig gebessert haben. Das gab mir die Gelegenheit bei Geschäftsreisen nach Berlin, München und Salzburg die Kollegen meines aktuellen Kunden live und in Farbe zu sehen und besser kennenzulernen. Es ist schon interessant wie das Bild, das man sich von Menschen macht, von denen man am Computer nur den Torso sieht, von der Realität abweichen kann. Die erste Begegnung im echten Leben kann da zu einer Überraschung werden: „Ich hatte ihn mir viel größer vorgestellt“ oder „Das ist aber eine quirlige Persönlichkeit“ sind Erkenntnisse, die ihr in ähnlicher Weise vielleicht teilt. Wollen wir hoffen, dass uns das im nächsten Jahr wieder verstärkt vergönnt sein wird.

Das Reise-Gen kam selbstredend zu kurz. Immerhin hat es für die Südpfalz, die Vogesen und einen Städtetrip nach Utrecht gereicht. Im Wald und zwischen den Weinbergen haben wir wunderbar Energie aufgetankt und festgestellt, dass die Auszeit gar nicht weit führen muss, um erholsam zu sein und neue Eindrücke zu bescheren.

Heike und Bruno in den Südvogesen
Auszeit in der Südpfalz
Nie ohne Lagerfeuer am Abend

Wer über Gesundheit schreibt, muss noch lange nicht gesund sein

Die wohl bitterste Pille hatte ich bereits im ersten Quartal des Jahres zu schlucken, als ich mich in der Sportklinik in Pforzheim operieren ließ, weil ich nach einem Sturz beim Wandern und entsprechenden Malaisen am linken Knie nur noch einen eingeschränkten Aktionsradius hatte. Das geht nicht, schon gar nicht mit Hund! Der Chirurg war beim Erstgespräch herzerfrischend unoptimistisch und rechnete mir eine Erfolgschance von 50 Prozent vor. Mein Glas ist glücklicherweise eher halb voll und so bin ich das Wagnis eingegangen, wohl wissend, dass das für mich zunächst bedeutete eine Woche auf der Couch zu verbringen, 8 Wochen an Krücken und insgesamt 6 Monate in der Physiotherapie. Schöne Grüße an das sehr engagierte Praxisteam Junghänel! Es war ein Erlebnis das ich sicher kein zweites Mal brauche, aber es hat der Mühe gelohnt. Ich gehöre heute zu der glücklichen Hälfte, die mit einem geflickten Meniskus wieder vernünftig laufen kann. Was die Übung mir gezeigt hat: Ein Körper der sich wohl fühlt ist etwas kostbares. Ich vermeide an dieser Stelle bewusst den Begriff „funktioniert“, weil das nach meinem Gefühl genau das Problem in unserer zielorientierten Arbeitswelt ist: Wir fokussieren bei unserem Körper wie in unserem Job allzu oft auf Funktionsoptimierung und Leistungsmaximum und ignorieren dabei völlig, dass das Leben passiert, während wir mit KPIs beschäftigt sind. Die gesunden Jahre bekommen wir nicht zurück.

„Gerade als Texterin für Gesundheitsthemen bin ich täglich damit konfrontiert, dass Krankheiten uns ohne Vorwarnung und ohne familiäre Vorgeschichte treffen können. Ich werde jetzt nicht das hohe Lied auf die gesunde Lebensweise anstimmen, aber ich plädiere dafür
– und das ist Tipp Nr. 5 – gelegentlich inne zu halten und dankbar zu sein für das Haus in dem unser Geist wohnt.
So wie wir zwischen den Jahren gerne die Wohnung ausmisten, wäre jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, um unserem Körper, der uns meist klaglos durch den Tag trägt, etwas richtig Gutes zu tun. Ausschlafen zum Beispiel, denn im Schlaf findet sehr viel Regeneration statt.“

Während ich diese Zeilen schreibe, warte ich übrigens auf das Ergebnis meines PCR-Tests, denn mein letzter Corona-Schnelltest war positiv. Schockstarre trifft meinen Zustand wohl am besten. Die Quarantäne fällt mir schwer. Nach 48 Stunden kommt die Entwarnung. Meine Erleichterung ist kaum in Worte zu fassen. Die Übung ermahnt mich zu mehr Achtsamkeit in der aktuellen Situation. “Ich bin ja gebooste(r)t”, ist kein Freibrief, Normalität sieht immer noch anders aus. Mein flatterndes Herz ist bei den Akteuren des Gesundheitswesens, die in diesem Wahnsinn schon seit 2 Jahren alles geben, bei allen, die durch Corona einen lieben Menschen verloren haben und bei den vielen tausend Menschen, die an Corona und seinen Folgen leiden, ob nun körperlich, seelisch oder wirtschaftlich.

Ausblick auf 2022

Wer bis hierhin gelesen hat gehört ganz offenbar zu den eisernen Fans dieses Blogs, immerhin überschreiten wir gerade die Grenze zu 3000 Worten. Du willst also wirklich wissen, wie es hier weitergeht.

Der Blog bleibt, so viel ist sicher und mit ihm die beliebte Interview-Serie. Hier würde ich mich über Anregungen aus den Reihen meiner Leser freuen, denn ihr kennt ganz sicher interessante Persönlichkeiten, die zu den Themen moderne Arbeitswelt, Kommunikation oder Gesundheit etwas zu sagen haben. Wenn du ein spannendes Thema hast, das zu diesem Blog passt oder mir jemanden vorschlagen möchtest, dann schick mir gerne eine Mail.

Die Inhalte des Blogs werden sich verändern, denn mit meiner eigenen Transformation hin zum Schwerpunkt Autorin/Texterin werde ich zunehmend über eine breitere Themenvielfalt sprechen, Aspekte die mir im Alltag und Berufsleben begegnen, über die ich schreibend reflektiere. Dabei behalte ich natürlich meine Zielgruppe der Selbstständigen und Unternehmer im Blick. Es wird auch weiterhin Tipps zur PR geben, aber nicht mehr in der Intensität wie bisher, da ich festgestellt habe, dass die spezifischen Artikel zum PR-Handwerk kaum Leser finden. Frau muss sich verabschieden können von Traditionen, die nicht mehr funktionieren.

Ich bin sehr neugierig zu erfahren wer du bist, lieber Leser und liebe Leserin. Je konkreter mein Bild von dir ist, umso besser kann ich auf deine Bedürfnisse eingehen. Komm gerne aus der Anonymität und erzähle mir in den Kommentaren etwas über dich und dein Arbeitsfeld. Welche Fragen brennen dir gerade unter den Nägeln? Welche Hilfestellungen in Bezug auf Kommunikation wünschst du dir von mir? Über welches aktuelle Thema würdest du gerne einen Standpunkt lesen?

Ich selbst werde mich 2022 in das Abenteuer Buchveröffentlichung und -Promotion werfen und eine ganze Menge dazulernen dürfen. Die Idee zu meinem nächsten Buchprojekt ist auch schon geboren. Ein Roman, mehr wird noch nicht verraten.

“Der PR bleibe ich natürlich weiterhin treu und ich bedanke mich von ganzem Herzen bei allen, die mir in diesem Jahr ihr Vertrauen geschenkt haben, ihre Projekte zu betreuen und sie mit meiner Expertise zu begleiten.

Euch allen wünsche ich nun ein fröhlich-erholsames Weihnachtsfest, ein paar schöne Tage zum Durchatmen und einen furiosen Start ins Jahr 2022 das erfolgreich, gesund und auch ein wenig überraschend verlaufen möge!”

Mit Sonne im Herzen und Weihnachtskugeln im Haar

Eure

Heike

P.S.: Auch den Newsletter wird es 2022 wieder geben, in der gewohnt niedrigen Frequenz, aber immer dann, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Möchtest du keine Blogbeiträge mehr verpassen? Dann trage dich jetzt hier ein:

PR-Quickie: Die (elektronische) Pressemappe

„Schreib keine Pressetexte!“

Diesen Satz höre und lese ich immer wieder, von JournalistInnen, die als Coaches für Selbstständige tätig sind. Was etwa die von mir sehr geschätzte Marike Frick und ihre Kollegen damit sagen wollen ist: Vergebene Liebesmühe, Journalisten lesen keine Pressemitteilungen.

Was hingegen sehr wohl gelesen wird ist die Pressemappe. Grund genug, sich mit den wichtigsten Fragen rund um dieses PR-Basismaterial kurz zu befassen.

Für wen ist eine Pressemappe gedacht und welchen Zweck erfüllt sie?

Der Inhalt einer Pressemappe dienst Medienschaffenden als Hintergrundmaterial, wenn sie sich mit dir als Person, deinem Produkt bzw. deiner Dienstleistung oder mit dem Thema beschäftigen, in dem du Expertenstatus hast. Eine Pressemappe ist kein Einstiegs-Tool für den Erstkontakt in die Redaktion. Vielmehr sendest du diese gezielt dem Journalisten, Online-Redakteur oder Blogger, der bereits Interesse an einem Austausch mit dir signalisiert hat. Du hast sie also idealerweise bereits erstellt, bevor du den Kontakt zu den Medien suchst.

Welche Inhalte sind für die Pressemappe geeignet?

Im Detail ist die Antwort auf diese Frage natürlich sehr individuell, aber grundsätzlich ist eine Pressemappe einer Bewerbungsmappe ähnlich. Sie sollte dem Journalisten in aller Kürze den Eindruck vermitteln, dass hier nicht nur geballte Kompetenz zu erwarten ist, sondern, dass er es darüber hinaus mit einer interessanten Persönlichkeit zu tun hat. Die wichtigsten Inhalte sind folgende:

  1. Porträt – Auf nicht mehr als einer Seite fasst du als Fließtext deinen Werdegang zusammen und erwähnst alles, was dich als Person für Journalisten interessant macht, also beispielsweise besondere Fähigkeiten, Auszeichnungen, Preise oder Rankings. Hier kannst du auch erwähnen, wenn dir außergewöhnliches widerfahren ist, oder du überraschendes getan hast, um an dein Ziel zu kommen.
  2. Backgrounder – Je nachdem womit du dich im Business beschäftigst, kann das z.B. eine Beschreibung deiner Dienstleistung sein – wobei du aufzeigen solltest, was dich von anderen in der Branche unterscheidet. Wenn du Produkte vertreibst, kannst du Details beschreiben, die im besten Falle neu, einzigartig und überzeugend sind. Bist du vielleicht Autor? Dann ist der Backgrounder der Raum, in dem du über dein neues Buch sprichst.
  3. Fact Sheet – Größere Unternehmen bringen auf dieser Seite die wichtigsten Kennzahlen unter und/oder präsentieren die Firmengeschichte in Jahreszahlen. Wenn du dein Produkt selbst entwickelt hast, kannst du in einem Fact Sheet beispielsweise Meilensteine auf dem Weg von der Idee bis zur Marktreife skizzieren.
  4. Interview – Ist es dir beim Erstkontakt darum gegangen, dich als Experten für ein bestimmtes Thema zu positionieren, dann kannst du diese Karte ausspielen. Dazu überlege dir Fragen, die dein Themengebiet auf anschauliche Weise einem breiten Publikum (bzw. den Lesern der Zeitung oder Fach-Zeitschrift die du im Blick hast) zugänglich machen. Während du diese Fragen beantwortest, berücksichtigst du folgendes: Wie lässt sich mein ansonsten vielleicht trockenes Thema lebendig darstellen? Wodurch kommt meine Expertenkenntnis am meisten zum Tragen? Wie kann ich komplexe Sachverhalte einfach darstellen? Welche Beispiele und Analogien aus dem Alltag fallen mir ein, um das Verständnis beim Leser zu erhöhen? Wie kann ich positive Emotionen auslösen?
  5. Infografiken und Skizzen – Viele Selbstständige sind Innovatoren. Was sie tun, ist für die Allgemeinbevölkerung nicht immer leicht zu verstehen, weil sie über spezielle Fachkenntnis verfügen. Journalisten erleichtert es die Arbeit erheblich, wenn übersichtliche Grafiken deine Prozesse oder Denkmodelle auf einfache Art verdeutlichen oder Kennzahlen zusammenfassen. Das ermöglicht dem Redakteur außerdem, nach einem Gespräch mit dir, das gehörte noch einmal für sich zu sortieren.
  6. Bilder und Videoaufnahmen – Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, das gilt selbst für die Tageszeitung. Heute kommt kaum ein Artikel ohne begleitendes Bildmaterial aus, weil wir Menschen nun einmal von visuellen Reizen besonders angesprochen werden. Wenn du also möchtest, dass der Artikel der über dich geschrieben wurde auch gelesen wird, dann verzichte nicht auf Bildmaterial. Das sollten auf jeden Fall Porträtfotos von dir sein, aber auch Aufnahmen deiner Produkte. Bilder von deinem Business “in action” oder “behind the scenes” eignen sich ebenfalls gut. Beschränke dich auf etwa 5 Bilder in jeweils 300 dpi Auflösung.
    Bei online-Medien helfen natürlich auch Videos. Bist du Künstler oder Musiker? Dann füge Ausschnitte eines gelungenen Auftritts bei. Denke hier daran, dass Redakteure sehr wenig Zeit haben. Sie werden sich keinen Mitschnitt von 90 Minuten ansehen. Suche die entscheidenden 2 Minuten aus, in denen das Publikum so richtig durch die Decke ging.
  7. Datei-Anforderungsbogen und Kontaktdaten – Ein Klassiker unter den Fehlern bei Pressemappen ist, nirgendwo Kontaktdaten anzugeben. Das Kontaktformular lässt sich ideal mit dem Datei-Anforderungsbogen verbinden, mit dem ein Redakteur bei Bedarf weiteres Material bestellen kannWenn du  Rezensionsexemplare abzugeben hast, Produktproben verschickst, Originalliteratur existiert, bei der du als Autor gelistet bist, dann sind dies alles Punkte, die du auf einem Formular auflisten kannst, mit Kästchen zum Ankreuzen, mit Angabe einer Faxnummer oder E-Mail-Adresse, unter der diese Dinge bestellt werden können. Das ist ein guter Trick, um zu verhindern, dass deine Pressemappe zu dick wird. Alles was unterstützt, aber es nicht in die primäre Auswahl geschafft hat (also auch weitere Bilder, Grafiken oder Videos) kannst du hier aufnehmen.
Elektronische Pressemappe oder doch Printexemplare?

Heute stellt sich diese Frage eigentlich kaum noch, denn die meisten Redaktionen sind froh, wenn kein Papier mehr ihre Schreibtische flutet. Bei der elektronischen Variante solltest du darauf achten, dass du die Dateien in einem Format versendest, das von Standardprogrammen gelesen werden kann, also beispielsweise PDF für Text und JPG für Bilder. Reduziere die Größe der einzelnen Dateien, damit die Mail mit dem entsprechenden Anhang nicht als unzustellbar zurückkommt. Unter 10 MB ist eine Datenmenge, die von den meisten Unternehmen als Anhang noch toleriert wird.

Wie biete ich die Pressemappe an?

Wenn du aktiv Pressearbeit betreibst, dann lohnt es sich auf deiner Internetseite eine Rubrik einzuführen die „News“, „Media“, „Presse“, „Journalisten“ oder ähnlich heißt. Hier kannst du die elektronische Pressemappe proaktiv zum Download anbieten.Wenn du keinen eigenen Internetauftritt hast, aber beispielsweise über Social Media-Kanäle verfügst, kannst du die Pressemappe auch dort bewerben und bei einem Drittanbieter, wie etwa Dropbox, zum Download hinterlegen.
Was ich alternativ empfehle ist, auf deiner Internetseite
deine Pressemappe auf Anfrage anzubieten. Das ist zwar für den Redakteur ein Schritt mehr hin zur Information die er sucht. Für dich hat das allerdings den Vorteil, dass du auf diese Weise eine erste Chance zur Kontaktaufnahme per Mail hast. Außerdem solltest du etwa 4 Tage nach dem Versandt telefonisch nachfassen, um zu zeigen, dass du echtes Interesse an einem Austausch mit dem Journalisten hast.

Brauchst du Unterstützung bei der Erstellung von Texten für deine Pressemappe?
Kann ich dir bei der Auswahl der Inhalte helfen?
Wünschst du dir ein Interview als festen Bestandteil und weißt nicht, wie du es anstellen sollst?
Dann sprich mich gerne an. Ich habe zu einer großen Bandbreite an Themen – von C wie Cannabis bis W wie Wechseljahre – Inhalte für Pressemappen erstellt.

Vom Wesen und Wandel der Kommunikation – Eine Annäherung

Ich inspiriere diesen Blog – zusammen mit Gastbloggern und Interviewpartnern – nun seit drei Jahren und stelle gerade fest, dass über die Kernfrage noch nie ein Wort verloren wurde.
Höchste Zeit dies nachzuholen.

“Warum kommunizieren wir und wie verändert sich unser Kommunikationsverhalten in diesen Zeiten?”

Ein gerne zitierter Satz aus den Public Relations lautet: „Wir können nicht nichtkommunizieren.“ Jeder der schon einmal erlebt hat, wie laut das Schweigen auf eine Situation oder eine Aussage hin sein kann weiß, dass das stimmt. Ich musste bei der jüngsten Bundestagswahl wieder daran denken. Wer seine Stimme verweigert oder ungültig macht setzt damit ein politisches Signal. Dieses reicht von: „Die da oben machen sowieso was sie wollen“, bis hin zu: „Ich stehe außerhalb der Gesellschaft und habe mit all dem nichts zu tun.“

Wenn die Stille bereits eine Botschaft aussendet, wie stark muss dann erst die Kraft der Worte sein?

Sprache unterscheidet uns Homo sapiens von allen anderen Spezies auf diesem Planeten und verschafft uns einen evolutionären Vorteil. Dabei dient sie weit mehr als dem reinen Informationsaustausch. Kommunikation stellt eine Art Grooming dar. Sie ersetzt das Lausen und Kraulen wie wir es beispielsweise von Schimpansen kennen. Das sorgt für gute Stimmung innerhalb der Gruppe. Zur Gemeinschaft gehört, wer die gleiche Sprache spricht. Darum bilden sich in jeder Generation sprachliche Neuschöpfungen aus. Wer sich von außerhalb dieser Rhetorik bedient, wird sofort als fremd entlarvt, weil etwa der Sprachfluss unnatürlich wirkt, oder die Worte auswendig gelernt klingen.

Kommunikation ist sozialer Kit. Sie vermeidet Konflikte und bewahrt den Frieden. Diplomaten können ein Lied davon singen. Wenn das Ende des Dialogs erreicht ist, bleiben nicht mehr viele Optionen. Aufrührer wissen genau, welcher Ausdruck als Waffe wirkt. Rhetorische Gefechte klären die Rangordnung, ohne dass Blut fließt. Wie gut jemand diese Kunst beherrscht entscheidet über seine soziale Stellung. Dies ist besonders eindrucksvoll in der höheren Unternehmensetagen zu beobachten und meiner Auffassung nach ein weiterer Grund dafür, warum Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert sind: Weil sie wenig Lust darauf verspüren, sich an diesen Scharmützeln zu beteiligen.

Seitdem wir über Sprache kommunizieren, hat der Fortschritt enorm an Fahrt aufgenommen, denn Kommunikation fördert den kreativen Prozess. Wir inspirieren uns im gegenseitigen Austausch, entwickeln Ideen des anderen weiter und ermöglichen Innovation. Es hat zwar in der Geschichte immer auch Individualisten gegeben, deren Genialität wir großartige Erfindungen zu verdanken haben, aber für alle anderen gilt: Kommunikation wirkt als Beschleuniger. Im intensiven Austausch (neudeutsch Brainstorming) kommen wir deutlich schneller ans Ziel.

Kommunikation ist durch verschiedene Faktoren extrem unter Druck geraten

Auch dieser Artikel kommt leider nicht ohne die Erwähnung von Corona aus. Abstand ist gut gegen die Virusübertragung, aber sie stellt unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt auf eine harte Zerreißprobe. Selbst wenn wir mit modernen Kommunikationstechniken allerhand Tools zur Verfügung haben, um die Distanz zu überbrücken, so kann das Zoom-Meeting den persönlichen Austausch an der Kaffeemaschine nicht ersetzen, weil es hier um mehr geht als die Präsentation von Arbeitsergebnissen. Als Hundebesitzerin war ich während des Lock Down meinem Labradoodle jeden Tag zutiefst dankbar, dass ich mich zumindest auf Distanz mit anderen Herrchen und Frauchen habe austauschen können. Bei vielen Mitmenschen habe ich den Eindruck, dass sie „smalltalk“ erst wieder lernen müssen. Welche Rolle Mimik und Gestik dabei spielen wird mir jedes Mal bewusst, wenn ich versuche mit der Maske auf der Nase einen Witz zu machen.

Aber Corona ist nicht unsere einzige Herausforderung. Es ist eine Binsenweisheit, dass die Digitalisierung Kommunikation im gleichen Maße erschwert, wie sie sie erleichtert. Wir können zwar in Echtzeit mit vielen Menschen gleichzeitig kommunizieren, aber um den Preis, dass unser Gegenüber die Klangfarbe unserer Stimme nicht hört und unseren Gesichtsausdruck nicht sehen kann. Jeder der schon einmal eine unerwartete Reaktion auf seine WhatsApp-Nachricht geerntet hat weiß, dass Kommunikation über elektronische Medien sehr wohl hohes Potenzial birgt falsch verstanden zu werden. Bei einer Konversation von Angesicht zu Angesicht kann ich Missverständnisse sofort klarstellen. Bei einer E-Mail, die unter Umständen erst Tage später gelesen wird, geht das nicht.

Elektronische Medien haben unsere Kommunikation geprägt wie keine andere Entwicklung. Sie wird verkürzt, verknappt und beschleunigt. Wir kommunizieren über mehrere Kanäle hinweg parallel und konzentrieren uns auf keines der “Gespräche” wirklich. Emotionen übertragen wir auf Emojis, die ein enges Spektrum abbilden. Gleichzeitig werden wir mit Inhalten (nicht zu verwechseln mit Informationen) zugeschüttet, elektronischer Kommunikations-Müll, für dessen Filterung wir uns mühsam Mechanismen antrainieren müssen.

Ein Forscherteam hat vor einiger Zeit in Nature Communication publiziert, dass unsere kollektive Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. Will heißen: Themen gewinnen schnell an Dynamik, aber der Hype nimmt auch genauso schnell wieder ab. Keine gute Botschaft für Menschen, deren Aufgabe es ist, Nachrichten zu erzeugen. Die spannende Frage wird sein, wie sich dies auf unsere Fähigkeit auswirkt, Informationen zu bewerten.

Zu guter Letzt bieten soziale Medien die Möglichkeit in der Anonymität eine Form der Kommunikation zu praktizieren, die wir uns im direkten Dialog niemals erlauben würden. Da wird gehetzt, gehasst, geschmäht und gemobbt. Nicht nur für die jüngere Generation, die mit sozialen Medien als einer Selbstverständlichkeit aufwächst, ist das sehr schwer auszuhalten. Hier ist eine Kommunikations-Ethik überfällig. Zu lange haben die Entwickler dieser Programme darauf vertraut, dass es die Community unter sich schon richten wird. Das an der Hochschule für Medien in Stuttgart angesiedelte Institut für Digitale Ethik hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Hier wird viel in Forschung aber auch in Bildung – insbesondere der Digital Natives –  investiert. Die 10 Gebote scheinen selbstverständlich, sind es aber bei weitem nicht.

Quelle: Institut für digitale Ethik: https://www.hdm-stuttgart.de/digitale-ethik/lehre/10_gebote

Der PR-Ethikrat in Österreich hat für die Zunft einen online-Kodex für digitale Kommunikation entwickelt der auf den 8 Punkten Fairness, Respekt, Verantwortung, Moderation, Klarheit, Transparenz, Höflichkeit und Privatsphäre basiert. Man möchte meinen, das läge auf der Hand.

Der dritte Punkt, der Kommunikation heute zu einem Experiment mit ungewissem Ausgang macht ist die Globalisierung. Wir sind soziale Wesen die durch Sprache vereint werden. So war der Versuch eine „Weltsprache“ zu etablieren durchaus lobenswert. Aber ob wir nun Englisch als die Sprache der globalen Gemeinschaft definieren oder Kunstsprachen wie Esperanto entwickeln, alle Versuche scheitern daran, dass Kommunikation mehr ist als der Austausch von Worten. Es ist zutiefst menschlich das was wir hören zu interpretieren. Den Rahmen für diese Interpretation liefern neben der persönlichen Erfahrung und der Erziehung, unser ideologischer und kultureller Hintergrund, also Einflüsse aus Kultur, Religion und Gesellschaft. Kein Wunder also, wenn der Dialog zwischen – sagen wir – einem Amerikaner und einem Perser im Desaster endet, wenn nicht zuvor ein interkulturelles Training absolviert wird.

Was bedeutet das für Kommunikation im Business?

Kommunikation die zum Ziel führen soll – egal wie dieses definiert ist – gelingt besser aus einer Position der Gelassenheit heraus. Eine angenehme Gesprächsatmosphäre ist der beste Nährboden, um Konflikte zu vermeiden und Probleme zu lösen. Wichtig ist, dass dabei ein Schutzraum erzeugt wird, in dem auch Ängste zur Sprache kommen können, denn wir haben deutlich weniger Angst vor dem, was wir benennen.

Ich halte es außerdem für essentiell, auf Kommunikation zu setzen, in der persönliches Erleben live und in Farbe möglich ist. Das gilt ebenso für Mitarbeiter eines Unternehmens untereinander wie für den Dialog zwischen Firmenrepräsentanten und ihren Kunden. Wir verbinden Werte wie Vertrauen, Verantwortung oder Authentizität mit Erfahrungen die wir mit Menschen machen, auch wenn immer wieder versucht wird, diese Qualitäten auf Marken zu übertragen. Unternehmer sind gut beraten, wenn sie diese Erlebniskultur der Kommunikation in ihre Corporate Identity integrieren. So wird auch der Rahmen dafür geschaffen, dass der Kunde das Produkt oder die Dienstleistung erleben kann, was eine Identifikation damit erst ermöglichen.

Digitale Kommunikation ist ein Stressfaktor. Als Entrepreneur trage ich Verantwortung dafür, meine Mitarbeiter vor Überanstrengung zu schützen. Dies gelingt, wenn permanente Erreichbarkeit nicht mehr als Kriterium der Identifikation mit dem Unternehmen herangezogen wird, oder die Erreichbarkeit in der Freizeit selbstverständlich ist. Viele Unternehmen haben hier Gegenmaßnahmen ergriffen, die von der Mailpause bis zur Anrechnung von mobilen Einsätzen als Überstunde reichen.

Kommunikation innerhalb des eigenen Business und nach außen ist dann erfolgreich, wenn sie aktiv gestaltet wird. Damit meine ich eine aktive Auseinandersetzung damit, wie die Kommunikationskultur aussehen soll. Wollen wir rhetorische Rangkämpfe oder setzen wir auf systemischen Konsens? Sind Gespräche geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt? Finden sie auf Augenhöhe statt? Ist die Sprache gewaltfrei und inklusiv? Viele Unternehmen geben sich heute einen Kommunikationskodex, der diese Punkte für alle Ebenen verbindlich festzulegt.

Schließlich und endlich hängt der Erfolg eines Business davon ab, vom Kunden verstanden zu werden. Es ist ein Treppenwitz der PR, dass genau das in vielen Branchen scheitert, weil die Wortwahl des Unternehmens nicht mit der des Kunden zusammenpasst. Welche Fehler häufig sind und wie du sie in deinem Business vermeiden kannst, habe ich in dieser Grafik zusammengefasst. Du kannst sie kostenlos und ohne vorherige Anmeldung für einen Mailverteiler herunterladen. Ich freue mich aber natürlich, wenn dich meine Inhalte ansprechen und du dich deshalb dafür entscheidest meinen Newsletter zu abonnieren.

Darin findest du weit mehr als den Hinweis auf neue Blogbeiträge. Ich greife aktuelle Themen auf, die sich im Blog nicht unbedingt wiederfinden, stelle Talente aus meinem Netzwerk vor, oder gebe Tipps zu  neuen Tools, Apps und Techniken, die mir in der täglichen Arbeit begegnen.

Wenn du nun neugierig geworden bist, kannst du dich hier anmelden:

 

 

 

 

Was ist es, was du wirklich, wirklich willst?

In meinem Interview, mit Jana Seifert von CommHa Consulting, hat sie während des Gesprächs eine Frage aufgeworfen, die immer noch in mir nachhallt: „Was ist es, was du wirklich, wirklich willst?“

Ist das nicht DIE zentrale Frage, die wir uns – nicht nur in Bezug auf unsere Arbeit – sondern für unser ganzes Leben stellen sollten? Verschmelzen nicht über die Antworten auf diese Frage die Räume zwischen Arbeit und Freizeit, Job und Familie, Beruf und Berufung?
Allein, die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Oder doch?

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann fällt mir auf, dass ich damals genaue Vorstellungen davon hatte wie es sein würde, mein Leben. Mit einer Freundin zusammen habe ich aus Zeitschriften Bilder ausgeschnitten und daraus Fotoalben gebastelt. Darin war eine Familie mit zwei Kindern zu sehen, Urlaub am Meer und ein Haus mit Garten. Auf die Frage, was ich später einmal werden will, habe ich geantwortet „Krankenschwester“. Waren das Kinderträume oder bereits erste konkrete Antworten auf die Frage, was ich vom Leben will?

Möglicherweise verändern sich unsere Träume im Laufe der Jahre. Zumindest auf mich scheint dies zuzutreffen. Als ich älter wurde hatte ich zahlreiche Tagträume, während der Schulunterricht mehr oder weniger unbemerkt an mir vorbeizog. Ich sah mich als Sängerin in einer Pop-Band, als Schauspielerin, wollte vom schwarzgelockten Jungen aus der Nachbarschaft geküsst werden und unbedingt nach Amerika reisen.

Dann passierte mir das Leben und die Träume wurden ersetzt durch Fragen: Kann ich das? Bin ich gut genug? Was kann ich tun, um noch besser zu werden? Kann ich das erreichte festhalten? Was, wenn alles den Bach hinuntergeht? Insbesondere letzteres war nicht hilfreich, denn Wesentliches ging den Bach hinunter. Alpträume.

Was hingegen meine Reiseträume angeht, bin ich sehr erfolgreich, sie in die Realität zu holen. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und folgende Antwort gefunden: Weil ich konsequent verfolge, was zu tun ist. Gegen alle Widerstände und ungeachtet dessen, was ich dafür aufgeben muss, selbst den sicheren Job. Offenbar ist das etwas, was ich wirklich, wirklich will!

Ich habe den Mondaufgang über dem Mount Kilimanjaro bestaunt, bin mit Löwengebrüll eingeschlafen, habe Berggorillas in die Augen gesehen und so manches andere Abenteuer erlebt, dass rückblickend eine gute Geschichte ist, im Moment des Erlebens aber sehr viel Überwindung gekostet hat.

Aus meiner Umgebung höre ich häufiger den Satz: „Du bist so mutig.“ Ich habe für  Mut eine neue Definition gefunden:

„Mut ist die Fähigkeit das zu tun was uns wichtig ist, ohne zu wissen, wie es ausgeht.“

Unterwegs habe ich viele Gleichgesinnte getroffen. Menschen, die neugierig sind auf die Welt. Die wissen wollen, was hinter dem Horizont liegt. Die hungrig sind nach der Erfahrung im Unbekannten. Einige von ihnen hatten ihre Expeditionsmobile mit dem Spruch versehen: “Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.“

Wie es der Zufall will ist genau dies das Motto der diesjährigen Blogparade des online-Magazins Lemondays, nur dass es die Chefredakteurin Angela Löhr als Frage formuliert: „Träumst Du noch dein Leben, oder lebst Du schon deinen Traum?“

Wer mich schon länger kennt weiß, dass ich ein glühender Fan bin dieses Magazins für die Lebensmitte. Hier geht es um mehr als Tipps und Tricks für Frauen im Umgang mit ihren Wechseljahren. Über die letzten 5 Jahre ist eine echte Community von Königinnen und Rebellinnen entstanden, die sich gegenseitig unterstützt und bereichert. Das Ziel – den Wechsel als Chance zu etablieren  – erfüllt das Redaktionsteam Artikel um Artikel und mit jedem Facebook-Post.

Jetzt also die Frage an dich:
Träumst du noch dein Leben, oder lebst du deinen Traum?

Der Traum ist ein guter Anfang. Wichtig finde ich zu erkennen, ob es eine Träumerei bleiben darf (ja ich singe immer noch, allerdings nicht vor Publikum, sondern unter der Dusche und beim Staubsaugen) oder ob du darauf brennst, ins Tun zu kommen. Wenn es schon bei der Vorstellung davon im Bauch kribbelt, wenn du alle Hebel in Bewegung setzt, um dem Ziel näher zu kommen, wenn du dabei Zeit und Raum vergisst, nicht müde wirst, sondern der Eifer dir Energie gibt, dann sind dies Anzeichen, dass du der Antwort auf die Frage was du wirklich, wirklich willst schon sehr nahe bist.

Mir hilft das Ziel zu visualisieren, mir vorzustellen wie es ist, wenn ich das tue, was ich wirklich, wirklich will. Ich kann sehen wie du mit den Augen rollst, aber ich sage es trotzdem: Auch ich habe mich schon im Studio neben Markus Lanz sitzen sehen oder auf einer Bühne mit Oprah Winfrey. Think big! Alles ist erlaubt. Gehe mit der inneren Haltung an die Sache heran, dass dein Traum bereits Realität ist.

Apropos Berühmtheiten. Claudia Münster hat mit der 100sten Ausgabe ihres Podcasts „Les Gens Tastique“ diese Blogparade eröffnet. Sie beleuchtet darin den Aspekt, ob das was wir als persönlichen Erfolg anstreben uns Freiheit gibt oder nimmt. Interessante Nuss, die sie auf die ihr eigene Weise knackt!

Auf dem Weg zur Erfüllung persönlicher Träume empfinde ich diese Elemente als hilfreich:

  • Lass dich nicht kleinreden. Umgib dich mit Menschen, die deine Vision teilen und daran glauben, dass du es schaffen kannst.
  • Sieh Hürden als Test für deine Persistenz. Sie sind ein Indikator dafür, dass du auf dem richtigen Weg bist. Arbeite nicht problem- sondern lösungsorientiert.
  • Sprich über das was du vorhast möglichst früh. Zum einen ist das ein Trick, um aus der Nummer nicht mehr so leicht aussteigen zu können. Zum anderen öffnen sich dadurch Türen zu Menschen, die dir helfen können.
  • Tritt Interessengruppen, Fachgesellschaften oder Vereinen bei. Baue dir ein Netzwerk von Gleichgesinnten auf. So must du nicht jedes Rad neu erfinden und hast moralische Unterstützung, wenn es einmal nicht so gut läuft.
  • Erstelle einen Plan mit kleinen realistischen Schritten. So bleibst du motiviert und kannst stetig Zwischenziele als Erfolge feiern.
  • Habe den Mut zuzugeben, was du nicht kannst. Wenn bestimmte Fähigkeiten für deinen Weg unumgänglich sind, schau dich im großen Universum der online-Kurse oder YouTube-Tutorials um. Es gibt (fast) nichts, wofür nicht eine Weiterbildung angeboten wird.
  • Nimm Hilfe an. Manchmal stecken wir fest und wissen nicht einmal mehr, welchem Traum wir gerade nachlaufen. Gibt es in deinem Netzwerk vielleicht eine Person, die du dir als Mentor vorstellen kannst? Sonst gönne dir einen Coach. Für so ziemlich jede Lebenslage gibt es jemanden, der dir auf systematische Weise helfen kann, deine Baustellen zu sortieren. Auf persönliche Anfrage spreche ich gerne meine Empfehlungen aus.
  • Zu guter Letzt, vor allem für Frauen: Keine Selbstzweifel mehr! Höre nicht auf die Leute da draußen die behaupten es braucht nicht noch mehr Yogalehrerinnen, Heilpraktikerinnen, Schriftstellerinnen, Musikerinnen…

Welche Antwort habe ich für mich gefunden?

Beruflich bin ich ein Baukasten, dem ich immer wieder neue Teile hinzufüge, die mich komplettieren: Technische Assistentin, Biologin, Kommunikationsberaterin, Bloggerin, online-Redakteurin und nun Autorin. Ich weiß inzwischen, was ich wirklich, wirklich will und das ist schreiben!

Mein Erstlingswerk war ein eBook, (natürlich) ein PR-Ratgeber. Danach hatte ich Lunte gerochen. So habe ich entschieden, meine Energien in ein Buch zu investieren, in dem ich meine Reise-Abenteuer erzähle. So entsteht im Selbstverlag ein Reiseratgeber, der im nächsten Jahr veröffentlicht wird. Ein dickes Brett, bei dessen „Bohrung“ ich mir die 8 Tipps von oben selbst zu Herzen nehme.

Wenn du mich bei diesem Abenteuer begleiten möchtest, dann folge mir gerne auf Instagram unter meinem Autoren-Account @heidimetzmeier.

Egal ob du noch am Anfang deiner Karriere stehst oder dich in der goldenen Lebensmitte befindest. Ich wünsche dir, dass du den Mut findest, deine Träume auszusprechen, den Tatendrang entwickelst, sie in dein Leben zu rufen, um damit zu dem Menschen zu werden, der du wirklich, wirklich sein willst.

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