Warum der Weltfrauentag keine Zeitverschwendung ist

Ja, es gibt nützliche Gedenktage, den „Ändere dein Passwort-Tag“ zum Beispiel. Sollte Frau regelmäßig machen. Oder auch der „Ehrentag der Hypotaxe“, der – natürlich nur in Deutschland! – den Schachtelsatz würdigt, an den ich trotz aller Schreibtrainings immer noch glaube. Und nicht zu vergessen den „Welt-Nutella-Tag“. Wer wäre ich ohne die Erfindung dieser Schoko-Nuss-Speise? Aber der Weltfrauentag? Braucht´s den wirklich oder kann der weg?

Die Arbeiterinnen die Anfang des 20. Jahrhunderts den Weltfrauentag aus der Taufe gehoben haben hatten Kampfgeist. Sie gingen für bessere Bedingungen am Arbeitsplatz, das Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung sowie gegen sexuelle Belästigung und Diskriminierung auf die Straße.
Erstaunlich, dass wir 110 Jahre später über viele dieser Anliegen  immer noch diskutieren:

Sind öffentlichkeitswirksame Lamenti und stichflammenartige Aktionen vielleicht der falsche Weg? Machen wir es uns schwer, indem wir uns immer wieder auf´s Neue zu einer benachteiligten Gruppe erklären?

Man möchte meinen, dass das was wir täglich vorleben, als Argument für unsere Anliegen ausreichen sollte. So sind beispielsweise von den fast 6 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen 76 % Frauen – von ärztlichen Praxen und Krankenhäusern über medizinische Labore bis hin zu Apotheken. Auch die Pflege ist weiblich, in der Alten- und Krankenpflege Tätige sind zu 80% Frauen. Wir sind Heilpraktikerinnen, Yogalehrerinnen oder Coaches und wenden darüber hinaus im Durchschnitt 52% mehr Zeit pro Tag für unbezahlte Sorgearbeit wie Kindererziehung, Hausarbeit oder Ehrenämter auf. (Zahlenquelle: Statistisches Bundesamt)

Wir prägen ganze Berufsbilder und halten die Gesellschaft am Laufen.

Auch wenn sich die Wissenschaft noch darüber streitet, ob es den „weiblichen“ Führungsstil wirklich gibt ist klar, dass der authentische und ethische Führungsstil den die meisten Frauen pflegen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Was ich selbst erlebe ist, dass Frauen weniger in hierarchischen Strukturen als in Aufgabenbereichen denken. Sie motivieren durch Verantwortung und Gestaltungsspielräume und sie schaffen eine offene Atmosphäre für Kommunikation. Auch bei Teamarbeit entgeht ihnen der Einzelne nicht und sie packen häufig selbst mit an.

Kurzum, wir verändern die Führungsetagen der Unternehmen.

Trotzdem fühlen wir uns als Einzelne oft auf verlorenem Posten. Ein Weg, um die Zufriedenheit mit der individuellen Situation im Business zu steigern ist, sich Hilfe von anderen Frauen zu holen. Zu diesem Ziel führen verschiedene Wege wie beispielsweise Mentoringprogramme, Frauen-Netzewerke (hier findest du eine gute Übersicht) oder Kooperationsmodelle wie etwa Working Out Loud. Dort triffst du auf Rollenmodelle, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Veränderung die sie sich wünschen vorzuleben. Das sind Frauen die nicht darüber lamentieren was nicht ist, sondern feiern was ist. Viele von ihnen sind in der Lebensmitte angekommen. Statt sich zu ärgern über Gewichtszunahme und Östrogenverlust, lächeln sie aus der Gelassenheit der Erfahrung heraus und lieben was sie tun. Sie setzen sich über das Jahrhunderte alte Narrativ – dass Frauen jenseits der 50 nichts mehr zu erwarten haben – einfach hinweg und kontern mit Erfolgsgeschichten.

Was mich als Biologin am Konzept des Rollenmodells besonders reizt ist die (noch relativ junge wissenschaftliche) Erkenntnis, dass wir veränderte Einstellungen und Verhaltensmuster an kommende Generationen weitergeben, über Faktoren die die Aktivität unserer Gene beeinflussen. Der Fachausdruck dafür heißt Epigenetik. Wie subversiv ist das denn? Wir haben die Chance dafür zu sorgen, dass sich nachkommende Generationen rein genetisch eine Welt ohne Gleichberechtigung gar nicht mehr vorstellen können. Das klingt doch nach einem lohnenden Auftrag!

Morgen ist er also, der 8. März – International Women´s Day – an dem ich benebelt von der Narkose einer Knie-OP viel Zeit haben werde, über meine Chancen als Rollenmodell nachzudenken. In diesem Jahr lautet das Motto übrigens „Frauen in Führungspositionen: Für eine ebenbürtige Zukunft in einer COVID-19-Welt“. Eine Welt die vor großen Herausforderungen steht hat die Chance auf Wandel. Wir sind aufgerufen den Wandel zu wählen und zu gestalten, daher der Hashtag #choosetochallenge.

Mein Beitrag zum Wandel

Als Redakteurin des Online-Magazins Lemondays und Mitorganisatorin unseres ersten Online-Frauenkongresses darf ich  dir lieber Leserin ein Geschenk machen:

  1. Du hast ab sofort und bis um Mitternacht des Weltfrauentages noch einmal die Gelegenheit kostenfrei die Interviews von 29 ExpertInnen anzusehen. Darunter sind zahlreiche Life- und Business-Coaches, die dir Tipps und Tricks an die Hand geben, wie du dein eigenes Herzensbusiness aufbauen und wie du deine Lebensmitte nach deinen Wünschen gestalten kannst. Die Links zu den Videos erhältst du, wenn du dich für unsere Facebook-Gruppe der Wechseljahresköniginnen anmeldest.
  2. Außerdem schenken wir Dir einen saftigen Rabatt auf das komplette Kongresspaket mit allen Videos und zusätzlichen Geschenken der ExpertInnen. Im Zeitraum zwischen dem 07.03. und  14.03.21 bekommst Du das Paket mit lebenslangem Zugang auf alle Inhalte für 39,95 Euro unter folgendem offenen Link: https://wechseljahreskongress.online/kongresspaket/
    Vielleicht wäre das ja auch ein schönes Geschenk für eine Freundin?

Ich habe mich also entschieden Teil der Bewegung am Weltfrauentag zu sein und habe mich darüber auch mit unserer Chefredakteurin Angela Löhr LIVE ausgetauscht. Das YouTube-Video zu unserem Frauen-Talk kannst du dir hier ansehen.

Wie immer du dich dazu stellst, ich wünsche dir, dass du für dein Leben heute und in Zukunft den positiven Wandel wählst! #choosetochallenge.

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P.S.: Als Zugabe möchte ich dir noch zwei Interviews mit Rollenmodellen ans Herz legen, die ich im Rahmen meiner Blog-Reihe “Im Gespräch mit…” führen durfte. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und jede hat ihren eigenen Blick auf “Frauen im Business”.

Prof. Dr. Dagmar Fischer leitet den Lehrstuhl für pharmazeutische Technologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und ist Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft.

Dr. Kristin Jakobs ist Leiterin der Kommunikation OneHumanPharma, in der Unternehmenszentrale des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim.

Im Gespräch mit Dr. Reimar Schlingensiepen über Unternehmensgründung

Mein heutiger Gesprächspartner ist viel in der Welt herumgekommen. Als Sohn eines Diplomaten verbrachte er seine Kindheit in Südeuropa, Südamerika und im Nahen Osten. Den klinischen Teil seines Medizinstudiums hat er in Frankreich und England absolviert. Die jeweilige Kultur hat er sich über die Sprache erschlossen, so dass er heute – teils fragmentarisch – 6 Sprachen spricht, am liebsten als Kauderwelsch. Die eigene Familie wurde in all dem Wandel zur Konstante. In Syrien und Griechenland erlebte er den Einfluss der Diktatur auf die Menschen. So lernte er die Demokratie noch mehr zu schätzen und kam mit einem veränderten Blick auf Deutschland zurück. Er verbindet damit Freiheit, Sicherheit, Wohlstand und Kultur. Er stellt sich derzeit die Frage, ob es genug Menschen gibt, die diese Werte ausreichend schätzen, um sich für die Demokratie einzusetzen, die er – auf der ganzen Welt – durch Populisten unter Druck sieht. Dr. Reimar Schlingensiepen ist heute Coach und Unternehmensberater, Interim-Manager und CEO, besonders in den Bereichen Biotechnologie und Medizintechnik.

Wann wirst du als Berater zu Unternehmen hinzugezogen?

Eigentlich immer, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Denn erst, wenn die Hütte brennt, fällt irgendwem – meist einem Investor – mein Name ein. Gerne würde ich früher involviert, aber das wäre zu viel verlangt, weil es ja bis zur vollen Krise noch irgendwie funktioniert. Andererseits sind dann die Wege aus der Krise für alle viel besser spürbar und der Enthusiasmus ist größer. So macht die Arbeit noch mehr Freude, weil ich mehr bewegen kann.
In der Krise ist die Bereitschaft zu Änderungen größer.

Wie siehst du deine Rolle als Berater und wie gehst du vor?

Ich habe einmal mit einem Emeritusprofessor einer Universität im Badischen zusammengearbeitet, der eine eigene Firma gegründet hat. Der hat zu mir gesagt: „Hätte ich Sie nur vor 30 Jahren getroffen. Sie ordnen meinen Kopf mit all‘ seinen Ideen!“ Wenn mir das gelingt, freue ich mich natürlich riesig. Ich schaue mir das Produkt an – in meinem Bereich sind das ja meist Wirksubstanzen für die medizinische Anwendung. Dann sortiere ich, wo es einen Bedarf gibt und wie gut die Substanz in verschiedenen Bereichen abschneidet. Gibt es Anwendungsgebiete mit hohem Bedarf, weil es noch keine Therapien gibt? Gibt es überhaupt Interesse in der Industrie an dieser Therapie? Wie sind die Aussichten auf ein Patent? Können andere die Krankheit kostengünstiger behandeln? Wie schwierig, langwierig und teuer wird die Entwicklung sein? Es ist ein bisschen wie puzzeln. Ich gebe den Gründern verschiedene Mittel und Aspekte an die Hand, mit denen wir die vielen Teile zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen.

Bei der Priorisierung von Projekten helfen Scoring-Tabellen, mit denen wir Punkte für jeden Aspekt vergeben. Das hat bisher immer sehr gut funktioniert, vielleicht auch, weil ich den Markt seit vielen Jahren kenne und dementsprechend bei der Bewertung helfen kann.

Was sind die häufigsten Probleme, die du in Unternehmen – die dich zu Rate ziehen – identifizierst?

In allen Phasen der Unternehmensentwicklung ist die Suche nach Kapital ein großes Problem. In den USA wäre das einfacher, in Deutschland ist das schwierig. Dabei ist die Anfangsfinanzierung dank Fonds wie beispielsweise dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) gar nicht so schlecht. Die Schwierigkeiten beginnen für viele erst mit der Anschlussfinanzierung. Ich glaube, der Grund liegt in der Sorge um die fehlende sichere Rendite. Wir hinken in dem Verständnis von Start-up-Finanzierungen den USA mehrere Jahrzehnte hinterher. Dort schaut ein Investor auf sein Portfolio und ist zufrieden, wenn sich von seinen 10 Firmen, 6 lateral bewegen und 1 Diamant herauskristallisiert. In Deutschland neigen wir dazu uns auf die 3 zu konzentrieren, die es vielleicht nicht schaffen werden. Wir sehen also eher das Risiko anstatt der Chance. Daher heißt Venture Capital bei uns auch nicht Wagnis-, sondern Risikokapital. Durch die Erfolgsgeschichte von Biontech beispielsweise verändert sich aber auch bei uns inzwischen das Verständnis.

Es ist aber auch so, dass die Projekte oft so unstrukturiert sind oder sich in die falsche Richtung entwickeln, dass alles auf den Kopf gestellt werden muss, bevor das Projekt überhaupt für die Geldgeber interessant ist.

Auch werden fast immer zu viele Projekte verfolgt. Wer mehrere Hasen jagt, fängt keinen. Wenn wir gemeinsam schauen, wo die Forschung/das Produkt am aussichtsreichsten und der Bedarf am größten ist, kristallisiert sich schnell heraus, was zu tun ist. Dabei erkennt der Wissenschaftler – der geschult ist vorrangig wissenschaftlichen Interessen nachzugehen – dass Priorisierung auf das wirtschaftlich Sinnvolle unumgänglich ist. Das ist halt leider nicht immer das spannendste Projekt. Außerdem kommt nach der hoffentlich aufregenden Forschung noch die jahrelange Entwicklung, also die Fleißarbeit. Die Ausgangssituation ist meist, dass die Firma mit begrenzten finanziellen Mitteln das erste Projekt meistern muss, oder zumindest so weit Fortschritt sichtbar wird, dass der Investor erstmalig oder noch einmal investiert.

Und schließlich gibt es auch noch die Probleme auf der Personalebene. Ein befreundeter Wirtschaftspsychologe hat mir einmal gesagt: „Auch ein gestörtes System ist ein in sich funktionierendes System.“ Das hat mir die Augen für meine Arbeit in manchen Unternehmen geöffnet. Die größte Herausforderung als Berater ist es, in ein Systeme einzugreifen, in dem wesentliche Beteiligte zwar Besserung wollen, aber das System an sich nicht angetastet werden darf, getreu dem Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“ Da sind oft Egos am Werk, die ihre Rolle spielen wollen, die dem Unternehmen aber überhaupt nicht gut tut. Da muss man, wenn man Veränderung herbeiführen will, schon sehr sperrig sein.

Wir haben gerade über Investoren gesprochen. Womit steigen denn die Chancen, dass ein Unternehmen anschlussfinanziert wird?

Da geht es zu 50% um das Produkt, das neu und einzigartig ist. Im Falle der Unternehmen, die ich betreue heißt das, es bringt einen medizinischen Nutzen, sei es durch bessere Therapie oder weniger Kosten bei gleicher Wirksamkeit. Dann ist es die Klarheit in der Kommunikation mit dem Investor, damit dieser die Alleinstellung auch sieht. Und die andere Hälfte ist das Vertrauen in die Person des Unternehmers selbst. Ein schlechtes Produkt wird niemand auf den Markt entwickeln können, aber ein gutes Projekt zu versenken, das schafft notfalls jeder. Der Investor sollte also dem Unternehmer zutrauen, das Projekt über die Ziellinie zu führen.

Wie gelingt denn ein gutes Miteinander von Unternehmer und Investor?

Das Wichtigste ist zu verstehen, wo jede der beiden Parteien herkommt. Die Sorgen, Pflichten und Möglichkeiten der anderen Seite zu verstehen hilft sehr, Spannungen zu vermeiden. Gibt es Probleme, dann ist es hilfreich die Positionen beider Seiten zu betrachten, damit konstruktive Lösungswege gesucht werden können. Wenn nicht auf der einen oder anderen Seite ein unüberwindliches Ego sitzt, kann die Zusammenarbeit sehr harmonisch sein. Der Grund für die Haltung des einen, sollte sich dem anderen erschließen, weil nur so Verständnis aufkommt und ein Konsens gefunden werden kann. Am Ende sitzen doch alle im selben Boot und wollen den Erfolg. Mein Vorteil ist, dass ich mich als dritter, unbeteiligter Partner oft einfacher in die Positionen der Parteien hineinversetzen kann und mir Probleme leichter kommuniziert werden.

Gibt es ein wiederkehrendes Thema, das dir speziell bei Unternehmensgründungen auffällt?

Es gibt tatsächlich ein Thema, das überall mit drin steckt: Furcht. Genauer: Die Furcht vor der falschen Entscheidung, weswegen sie lieber nicht gefällt wird. Falsche oder keine Entscheidungen aus Angst vor den wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Konsequenzen, aber auch die Furcht vor den Geldgebern, und so weiter. Ich beobachte, dass diejenigen, von denen eine Entscheidung erwartet wird, sich ihrer Furcht oft gar nicht bewusst sind, im Gegenteil! Sie halten sich sogar selbst für unerschrockene Kämpfer. Die Furcht ist der Elefant im Raum, während sich die Beteiligten im Disput ergehen.

Man muss Gründern aber auch zugutehalten, dass sie alles zum ersten Mal machen. Sie werden in Schule und Universität in keiner Weise darauf vorbereitet, was es heißt, ein Unternehmen zu gründen – was noch einfach ist – gemessen daran es zu führen und zu entwickeln. Wem soll das denn nicht Respekt einflößen?

“Mein Job ist, Menschen in die Lage zu versetzen, Entscheidungen zu treffen.”

Also mit Kriterien aber auch damit, ihnen vor Augen zu führen, welche Konsequenz eine Entscheidung, vor allem aber eine Nicht-Entscheidung haben kann. Was ich im Übrigen den Gründern im Umgang mit ihren Mitarbeitern auch mitgebe: Baue auf das Können deiner Mitarbeiter, entwickle sie weiter, damit sie über sich hinauswachsen und dich noch besser entlasten können! Nur so kommt das Unternehmen vom Fleck.

Was müsste sich Deiner Meinung nach ändern, damit Gründer nicht ganz so ins kalte Wasser gestoßen werden?

Eigentlich müsste es in allen Studiengängen Module zur Selbstständigkeit und zur Führung von Menschen geben. Egal, ob ich als Linguist ein Übersetzungsbüro gründe oder mich als Mediziner niederlassen will, ob ich in der Uni oder einer Firma ein Team leiten muss, dieses Wissen bräuchte jeder. Aber unsere Lehranstalten sind fast ausschließlich auf akademisches Wissen ausgerichtet. Klassisches Beispiel sind die Lehrer, denen 12 Semester Fachwissen eingebläut wird, sie aber ohne pädagogische Ausbildung mit Schülern umgehen können sollen. Oder eben der Gründer, der laut Gesetz ab der ersten Sekunde „kaufmännische Sorgfalt“ walten lassen muss. So muss jeder von uns ohne hilfreiches Vorwissen die Fehler der anderen wiederholen. Das ist schon schade.

“Wenn alle wüssten, dass Führungswissen und Unternehmertum nicht nur für Gründer, sondern für uns alle wichtig ist, wäre die Akzeptanz vielleicht höher.” 

Gibt es gängige Mythen, Glaubenssätze oder Erwartungen von Gründern, mit denen Du gerne aufräumen möchtest?

Viele Gründer meinen, dass die Welt ganz ungeduldig auf das Produkt wartet, dass Investoren sich kaum bändigen können, ihr Unternehmen zu finanzieren. Und schließlich: Dass es ohne den Gründer niemals auf Dauer laufen wird. Letzteres ist aber nur der Fall, wenn der Gründer sich fortwährend weiterentwickelt und mit dem Unternehmen und der Verantwortung wächst. Das ist einerseits der große Reiz, andererseits verlangt es den Menschen viel ab. Als ich das erste Mal Geschäftsführer wurde, sagte mir ein Mitarbeiter mit langjähriger Pharmaerfahrung nach einiger Zeit, dass er anfangs über meinen Mangel an Führungswissen beunruhigt war, dann aber gesehen hat, dass ich mich den Aufgaben gestellt habe, also mit der Zeit den Aufgaben immer mehr gewachsen war. Das war ein tolles Kompliment.

Gründern mangelt es zu Beginn der Tätigkeit oft an der Augenhöhe mit Verhandlungspartnern. Wie verschafft man sich als Gründer Respekt?

Problemlösungen schaffen Respekt. Oft gibt es im Managementteam jemanden, der den Geldgebern fortwährend von den aktuellen Problemchen berichtet, statt erst einmal selbst an der Lösung zu arbeiten. Das schafft nichts als Unruhe und Zweifel am Managementteam. Es ist eine schwierige Balance, den Zeitpunkt zu finden, bis zu dem die Unternehmer das Problem erst einmal aus der Welt schaffen sollten und ab wann sie z.B. die Investoren hinzuziehen sollten. Diese Kompetenz zu stärken ist einer meiner Schwerpunkte. Es ist damit wie Gehen lernen, „von Fall zu Fall“. Mit jedem gelösten Problem wächst das Vertrauen, dass ich es kann. Hier hilft also vor allem die Praxis und eben der Mut zur Entscheidung.

Was ist deine Lieblingsfrage, die du in Unternehmen stellst?

„Was verlieren wir, wenn wir das versuchen?“ Ich erlebe es sehr häufig, dass ich auf Widerstände stoße, weil „ein bestimmter Punkt sowieso von den Verhandlungspartnern abgelehnt werden wird“. Die Wahrheit aber ist, dass wir in den meisten Fällen nichts verlieren, sondern schlimmstenfalls nichts, meist aber wenigstens etwas gewinnen. Dann doch lieber machen! Ein Beispiel: Es gab Drittmittel für ein Projekt, in dem alle Schritte bereits erfolgt waren, ein weiterer Mittelabruf also nicht möglich war. Im Topf waren aber noch mehrere hunderttausend Euro. Ich habe also gesagt: „Warum fragen wir nicht, ob wir die umwidmen können?“ Fast schon mitleidig wurde mir beschieden: „Das können wir nicht! Das wird sowieso abgelehnt. Wir kennen uns da aus“. Also habe ich gefragt, was wir verlieren, wenn wir es versuchen? Schließlich haben wir gefragt und die Förderstelle war begeistert von unseren Ideen. Selbstverständlich haben wir das Geld bekommen. Also einfach versuchen und nicht von vorne herein ein Projekt zum Scheitern verurteilen, indem ich sage „da gibt es keine Chance, ich versuche das nicht!“Aus meiner Erfahrung heraus tritt der „worst case“ fast nie ein, der Versuch lohnt also immer.

Gibt es eine Art Fahrplan für erfolgreiche Unternehmensgründung? Was wären Punkte, die Du in eine solche Roadmap unbedingt hineinschreiben würdest, um gängige Fehler oder Probleme zu vermeiden?

Da gibt es keine Schablone, aber ein paar grundsätzliche Tipps: Bei der Gründung sollte man wirklich nur den Personen Anteile geben, von denen man weiß, dass sie wichtig sind und vor allem dabei bleiben werden. Wenn Mitgründer sich früh operativ verabschieden, bleiben sie trotzdem über ihre Anteile am Erfolg beteiligt. Das kann die verbleibende Mannschaft durchaus verbittern. Das habe ich öfter gesehen. Besser ist es, verbindlich Anteile in Aussicht zu stellen, wenn klar ist, dass das Team gemeinsam durch dick und dünn geht und sich versteht. Nach der Gründung ist es die Diskussions- und Streitkultur, die dem Fortschritt und der Problemlösung dienen muss. Sonst ist sie nur destruktiv und führt zum Stillstand. Ich erlebe immer wieder, wie viel Potenzial und Arbeitskraft ich bei den Personen freisetzen kann, wenn sie aufhören, ohne Fortschritt zu streiten und mit Schuldzuweisungen aufhören, einfach, weil Probleme angegangen und beseitigt werden. Glaube mir, die Leute schlafen dann auch wieder besser.

Welche Eigenschaften sollte ein Unternehmensgründer deiner Meinung nach mitbringen und welche Fähigkeiten wären gut sich anzueignen, wenn das Abenteuer gelingen soll?

Bescheidenheit insofern, als der Gründer selbst nur einen Teil der Aufgaben lösen kann. Anders ausgedrückt: Vertrauen in fähige Mitarbeiter zu haben und die Fähigkeit, diese zu motivieren mit einem zusammenzuarbeiten.

Außerdem: Das eigene Tun in Frage zu stellen und einen besseren Weg zu suchen, wenn es nicht richtig weitergeht. Das setzt voraus, dass ich in einem Umfeld agiere, das offene Diskussion und Kritik zulässt. Dann sollte ich auch den Mut haben, eine falsche Entscheidung zuzugeben und Korrekturen vorzunehmen.

Transparenz und Ehrlichkeit sind besonders entscheidend, wenn sich Strategien ändern, damit diese auch nachvollziehbar sind.

Es braucht den Willen nicht still zu stehen, Spaß an der Veränderung, Mut zur Konfrontation und die Bereitschaft sich von Lieblingsprojekten zu verabschieden, wenn sie nicht zum Erfolg der Firma beitragen. Klingt vielleicht einfach, ist es aber nicht.

“Dafür gibt es die Aussicht auf einen niemals langweiligen Job und darauf, sein eigener Chef zu sein und vor allem vielleicht etwas Gutes mit den Produkten zu bewirken. Also etwas zu hinterlassen, was es ohne einen nicht gegeben hätte.”

In Deutschland haben wir keine Kultur des erfolgreichen Scheiterns. In USA ist das anders. Hast Du aus Deiner Erfahrung heraus den Eindruck, dass gescheiterte Unternehmer in Deutschland wieder auf die Beine kommen? Anders gefragt: Gibt es in Deutschland genug Gründergeist?

Wenn man den Statistiken trauen darf, nimmt der Gründergeist ab. Aber ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht. Es heißt ja auch oft, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit nähmen ab. Ich bemühe mich immer nach Kräften, diese trostlosen Aussichten am eigenen Leibe nachzuvollziehen und treffe auf so viele nette, hilfsbereite Menschen in allen Teilen Deutschlands und anderen Ländern. Und so hoffe ich auch, dass der Gründergeist doch besser ist, als es die Demoskopen unken. Denn ohne ihn gäbe es auf Dauer keine Zukunft. Dass der gescheiterte Gründer beim nächsten Versuch Entscheidendes besser macht, ist sicherlich richtig. Daher bleibt nur zu hoffen, dass er in Deutschland wertgeschätzt wird. Ich denke, ganz so schlimm wie vor 10 oder 20 Jahren ist das auch nicht mehr. Wenn die Persönlichkeit stimmt, wird es eine zweite Chance geben.

Was sind deine wichtigsten Tipps für Menschen, die mit der Selbstständigkeit liebäugeln, sich aber nicht trauen, den ersten Schritt zu tun?

Zuerst sollte die Gründerin oder der Gründer schauen, ob das Produkt etwas ist, das wirklich gebraucht wird. Also: gibt es einen ausreichenden Markt? Dann schauen, ob es erfahrene Gründer gibt, mit denen das Unterfangen durchgesprochen werden kann. Wenn es niemanden interessiert, sollte ich in mich gehen… Aber in der Regel wird es Interesse geben mit hilfreichen Tipps, Adressen aus dem Netzwerk, z.B. von Geldgebern und so weiter. Das Gründen selbst ist ja nicht so schwierig. Darüber hinaus gibt es ja auch ausreichend Gründungsprogramme wie Go-Bio oder m4-award. Einen Businessplan sollte ich frühzeitig erstellen und zwar nicht nur für Investoren, sondern auch für mich selbst. Dann wird mir klar, wie viel Geld, welche Zeit, welches Team es braucht, welchen Wettbewerb es gibt, bevor ich den Traum verwirklichen kann. Wenn alles passt, dann sollte gegründet werden. Notfalls muss das Projekt auch scheitern dürfen. In der GmbH ist das auch nicht der Weltuntergang. Wenn ich formale Dinge beachte, gilt ja die «beschränkte Haftung», eben damit Menschen sich leichter trauen, zu gründen. Manchmal merken angehende Gründer auch, dass sie doch lieber an der Universität bleiben und niemanden finden, der für sie die Unternehmensführung übernehmen will. Dann wird es das schöne Produkt nie geben. Aber das ist dann eben auch gut überlegt und in sich richtig. Denn Unternehmen gründen und Gründer/-in sein fordert ganz und gar.

Vorgestellt – Dr. Reimar Schlingensiepen

Dr. Reimar Schlingensiepen, Themeos Unternehmensberatung, ist Arzt mit 30 Jahren Erfahrung in der Medizin und der biopharmazeutischen Industrie und Medizintechnik, sowohl als Gründer und Manager zahlreicher Unternehmen, als auch als Studienarzt und in der Notfallmedizin. Er ist als Interimmanager, (Interim-)CEO, Coach und Unternehmensberater in der pharmazeutischen Industrie tätig. Schwerpunkte sind Unternehmensführung, Krisenmanagement, klinische und präklinische Forschung & Entwicklung, Verhandlungen, Mitarbeiterführung sowie Lehre und wissenschaftliche Vorträge.

Dr. Schlingensiepen ist per Mail erreichbar unter info@themeos.de.

Die Themeos Unternehmensberatung im WWW: https://themeos.de/

Dieses Interview ist Teil meiner Serie “Im Gespräch mit…” von und für Menschen die inspirieren, vernetzen, verändern und eine positive Einstellung ins Leben tragen.

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Gedanken zum Welt-Menopause Tag aus dem Epizentrum des Wechseljahresgeschehens

Der 18.10. ist Welt-Menopause Tag

Dieser Tag erinnert also an die letzte Regelblutung der Frau. Autsch! Tabuthema! Aber genau deshalb gibt es diesen Tag: Weil über die Wechseljahre – diese für Frauen so kritische Lebensphase – viel zu wenig offen gesprochen wird. Nicht mit dem Partner, nicht mit der Freundin und schon gar nicht mit Kollegen. Manchmal nicht einmal mit dem Arzt. Eigentlich unverständlich, denn immerhin geht die Hälfte unserer Gesellschaft durch diese Zeit, alleine in Deutschland derzeit 14 Millionen Frauen.

Ich mag den Begriff Menopause nicht, denn da macht nichts Pause. Im Gegenteil, plötzlich ist Chaos, weil die Geschlechtshormone sich mit Pauken und Trompeten verabschieden. Mein Körper muss sich auf diese Tatsache einstellen und das dauert mehrere Jahre. Was es bedeutet in den Wechseljahren zu sein, davon kann ich ein Lied singen, denn ich bin mittendrin. Wer darauf verzichten kann mich derart persönlich kennen zu lernen, dem empfehle ich jetzt auszusteigen.

Da unsere Hormone auf so ziemlich jedes Organ und fast alle Prozesse im Körper Einfluss nehmen, ist die Liste der Dinge die aus der Bahn geraten – wenn die Hormone auf und ab tanzen – nahezu unendlich. Bei mir liest sich das so: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schwindelanfälle, Gewichtszunahme, Gelenkschmerzen, Haarausfall, Scheidentrockenheit, außerdem häufigere Blasenentzündungen und Migräneanfälle. Und nicht zu vergessen Stimmungsschwankungen mit Gefühlsanwandlungen die mir bisher völlig fremd waren, Wut zum Beispiel. Zugegeben: Ich gehöre zu dem Drittel das seine Leidensfähigkeit in besonderer Weise trainieren darf. Die gute Nachricht für alle die es noch vor sich haben: 2/3 der Frauen haben nur mäßige bis gar keine Beschwerden.

Wichtig ist, dass wir vorbereitet sind wenn es auf uns zukommt, denn sonst können uns die teils wilden (Herzrasen!), zusammenhanglos erscheinenden, Symptome ganz schön aus der Bahn werfen. Gynäkologen bestätigen, dass viele Betroffene eine Odyssee durch die Wartezimmer der Kollegen unterschiedlicher Fachdisziplinen hinter sich haben, bis einer auf die Idee kommt die Frauenärztin einzuschalten, weil es sich bei einer Frau um die 50 vielleicht um Wechseljahres-Beschwerden handeln könnte. Die Vorsorge ist übrigens umso wichtiger, wenn du an chronischen Erkrankungen wie etwa Diabetes leidest. Wir sind eben individuell und so ist auch unser Beschwerdebild.

Aber Information ist nur die eine Seite. Schön wäre, wenn man/Mann uns in dieser Zeit mit Verständnis begegnete, denn es ist schon peinlich genug, wenn uns im Meeting der Schweiß in Sturzbächen den Rücken hinunterläuft. Da können wir auf lästerlichen Flurfunk (und ob es den gibt!) gut verzichten.

Sex macht uns immer noch Spaß, aber wir genießen jetzt langsamer und mit etwas Unterstützung für die Schleimhäute.
Die Wechseljahre heißen auch manchmal die zweite Pubertät. Wenn im gleichen Haushalt Kinder leben, die gerade durch die erste Pubertät gehen, besteht Explosionsgefahr! A propos Kinder: Der Abschied von der Fruchtbarkeit ist eine Zäsur. Besonders hart kann das Frauen treffen, die frühzeitig in die Wechseljahre kommen und ihren Kinderwunsch gar nicht erfüllen können. Da platzen mit den letzten Eibläschen ganze Lebensträume. Das macht uns verletzlich.

Und zu all dem gesellen sich Gedanken über unsere Zukunft. Das Ende der Fruchtbarkeit lässt uns automatisch über das Alter nachdenken. Wir fragen uns, was in der zweiten Lebenshälfte für uns noch drin ist.

Darin liegt letztlich unsere große Chance! Wir können uns noch einmal neu erfinden, frische Ziele anpeilen, andere Wege ausprobieren. Viele Frauen schlagen einen neuen Karrierepfad ein oder nehmen Träume in Angriff, die lange aufgeschoben wurden. Das ist das Positive am Wechsel, das ich mit dem WMT verbinde.

Und weil es mir so wichtig ist den Schleier des Schweigens über den Wechseljahren zu lüften – dazu beizutragen dass wir gemeinsam stark sind – engagiere ich mich!

1. Wechseljahres-Onlinekongress in deutscher Sprache von Frauen für Frauen

Dieser wird veranstaltet vom unabhängigen Online-Magazin Lemondays, das ich in diesem Fall als Redakteurin, Moderatorin und PR-Referentin unterstütze.

Hier die Facts:

  • Titel: „Mit Knowhow und Lebensfreude durch den Hormondschungel“
  • Wann: -12.11.2020
  • Voraussetzung zur Teilnahme: Anmeldung unter https://wechseljahreskongress.online
  • Kosten: Keine Kosten, kein Haken!

Wie funktioniert die Teilnahme?

  • Während der 7tägigen Veranstaltung werden täglich E-Mails mit Zugängen zur Kongressplattform, dem Kongresskalender, Experten-Informationen und allen weiteren wichtigen Details zum Kongressablauf versendet.

Was ist Kongressinhalt?

  • Das Herzstück der Veranstaltung sind Interviews mit mehr als 25 Experten ihres Fachs, die über alles Facetten der Wechseljahre aufklären, motivieren und praktische Tipps geben. Wir haben auch einen prominenten Überraschungs-Gast.
  • Wir betrachten die Wechseljahre ganzheitlich und sprechen daher nicht nur mit GynäkologInnen (u.a. Dr. med. Anneliese Schwenkhagen), sondern auch mit Heilpraktikern (z.B. Alex Broll), Bewegungs- und Sexualtherapeuten (Ilona Tomas und Tine Möller) , Anti-Stress-Trainern (Silke Steigerwald) und Coaches (Alexandra Cordes-Guth). Wir sprechen mit der Apothekerin  Ann-Katrin Kossendey-Koch) über den Darm und über gesunde Ernährung – auch nach der traditionellen chinesischen Medizin (Katharina Ziegelbauer). Es geht um Hormonyoga (Sunita Ehlers) und den Einfluss von Umweltgiften auf unseren Hormonhaushalt (Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard). Mit Bettina Hertzler kümmern wir uns um Hüftgold und Stilfragen und nehmen uns mit der Komikerin Sabine Bode selbst ein bisschen auf den Arm.
  • Ab dem ersten Kongresstag stehen allen angemeldeten Teilnehmern täglich 3-4 neue Interviews für 24 Stunden kostenfrei zur Verfügung.
  • Wer Interviews verpasst oder später anschauen möchte, kann das Kongresspaket mit dauerhaftem Zugang zu allen Interviews bestellen.  Vor Kongressbeginn zum Schnupperpreis!

Ich hatte die große Freude einige der Experteninterviews zu führen. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Die Gesprächspartner sind sich alle einig, dass die Wechseljahre kein Damoklesschwert sein müssen, sondern dass wir gut durch diese Zeit kommen können, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden uns um uns zu kümmern, mit Achtsamkeit für die Bedürfnisse unseres Körpers und die Botschaften aus unserem Inneren über das, was an Potenzial in uns steckt.

In einem Video das wir eigens für den Welt Menopause Tag zusammengestellt haben erklären unsere Expertinnen, warum sie es wichtig finden, dass offen über die Wechseljahre gesprochen wird.

Ich möchte euch diesen Zusammenschnitt sehr ans Herz legen!

Mir hat das sehr viel Auftrieb gegeben und ich wünsche mir für euch, dass ihr ganz viel Information, Inspiration und Mut mitnehmt und vielleicht Menschen kennenlernt, die euch auf eurem Weg durch den Wechsel begleiten können.

Sehen wir uns zum Kongress? Melde dich jetzt an unter: https://wechseljahreskongress.online

Du hast Fragen zum Kongress? Dann schreibe mir gerne eine Mail an:

heike.specht@lemondays.de

Ich freue mich auf dich!

Deine

Heike

Im Gespräch mit: Dominic Hippert – über soziales Management

Der Walk of Care hat soeben ein Solidaritätsvideo veröffentlicht und damit die Initiative #gibuns5 gestartet. Prominente und Pflegende machen dabei gemeinsam darauf aufmerksam, dass eine gut aufgestellte Pflege für uns alle wichtig ist. Das folgende Interview zeigt, wie soziales Management zu einer guten Situation in der Pflege beiträgt. Mein Interviewpartner, Dominic Hippert, unterstreicht  im Gespräch die Forderung nach mehr Unterstützung für das Personal in der Pflege.

Mein heutiger Gesprächspartner ist ein südkoreanisches Findelkind, das im Alter von 7 Jahren von einem deutschen Lehrer-Ehepaar adoptiert wurde. Hausmusik im klassischen Stil war der Rhythmus seiner Jugend. Die Standard-Frage der Verwandtschaft mit durchwegs pädagogischem Hintergrund, „Wie können wir dir helfen?“, hat damals noch genervt. Heute ist das Helfen seine Berufung. Dominic Hippert ist Geschäftsführer der Schwarzwaldpflege in Baden-Baden, Gaggenau und Offenburg. Er beschäftigt 140 Mitarbeiter.

Dominic, wie bist du nach Deutschland gekommen?

Mein biologischer Vater ist sehr jung gestorben. In Korea ist wichtig, dass der Stammbaum fortgesetzt wird und das betrifft nur den Sohn. Meine ältere Schwester hat also nach dem Tod meines Vaters bei meinem Onkel gelebt. Ich bin bei meiner Mutter geblieben. Aber das ging wirtschaftlich einfach nicht, weil meine Mutter zu jung war. Ich bin dann auf einem Markt ausgesetzt worden und wurde gefunden und Gott sei Dank in ein Kinderheim gebracht. Nach 5 Jahren im Heim bin ich am 26. April 1974 aus Südkorea nach Deutschland gekommen und bei deutschen Eltern aufgewachsen. Meine deutschen Eltern sind wie Natan der Weise für mich, es ist nicht wichtig wer deine biologischen Eltern sind, sondern, wer dich geprägt hat. Ich hatte eine glückliche Kindheit.

1985 kam ich zurück nach Südkorea mit einem Fernsehteam der Sendereihe „Gott und die Welt“, für einen Dokumentarfilm zum Thema Adoption. Dieser Film war so erfolgreich, dass mir die Redaktion meinen Herzenswunsch erfüllt hat, meine biologischen Eltern zu suchen. 1986 sind wir daher noch einmal nach Südkorea zurückgekehrt und ich habe dort meine Wurzeln gesucht – und gefunden.

Du bist heute in der Pflege tätig: Die Schwarzwaldpflege betreut rund 800 Menschen. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das dich zu dieser Berufung hingeführt hat?

Meine Adoptiveltern waren sehr sozial eingestellt und wollten, dass meine Geschwister und ich soziale Berufe erlernen. Ich hingegen wollte immer Manager werden, ich vermute, weil ich aus armen Verhältnissen kam. Aber meine Mutter hat gesagt: „Das sind keine guten Menschen.“ Ich habe, als pubertierender junger Mann, trotzig geantwortet:

„Ich werde der erste soziale deutsche Manager!“

Es gab dann tatsächlich ein Schlüsselerlebnis. Ich hatte einen schweren Unfall in einer Druckerei. Der rechte Arm wurde mehrfach operiert und war ein Jahr lang gelähmt. Er sollte amputiert werden, aber das habe ich nicht zugelassen.

Da ich vier Mal operiert wurde, habe ich den Beruf des Krankenpflegers in dieser Zeit gut kennengelernt und entschieden, dass ich nun doch einen sozialen Beruf erlernen will. So wurde ich selbst Krankenpfleger.

Anschließend habe ich eine Ausbildung zum Pflegefachwirt gemacht und dann doch noch Management studiert an der Steinbeiß Hochschule Berlin, mit Abschluss Master of Business Administration (MBA).

Ich habe immer gesagt „mit 30 Jahren mache ich mich selbstständig“.  Das habe ich dann auch gemacht.

Und, bist du dann tatsächlich sozialer Manager geworden?

Ich habe von Beginn an überlegt wie ich meine Mitarbeiter fördern kann. Wie kann ich ihnen etwas Gutes tun? Wie kann ich selbst ein Vorbild sein? Was kann ich für meine Mitarbeiter tun?

Ich habe mich sehr früh in Bezug auf Personalentwicklung beraten lassen. Ich habe z.B. Karriereplanung für meine Mitarbeiter begonnen. Wir haben betriebliche Altersvorsorge angeboten und zwar arbeitgeberfinanziert. Das war damals in unserer Branche total unüblich, ist ja auch schon über 20 Jahre her. Ich denke, wir Unternehmer wollen natürlich auch Geld verdienen, aber wir haben auch eine soziale Verantwortung und wir können nicht immer nur streichen, wenn es wirtschaftlich schlechter läuft.

Wir haben Mütter-gerechte Arbeitszeiten eingeführt. Das heißt, die Mitarbeiterinnen hatten mit dem Kindergarten oder den Schulzeiten ihrer Kinder vereinbare Arbeitszeiten bekommen, die sie auch variabel gestalten konnten mit nur 24 Stunden Vorlauf. Die Mitarbeiterinnen konnten auch innerhalb eines Monats ihre Stundenzahl aufstocken oder zurücksetzen, wie sie es gebraucht haben.

In den Ferienzeiten haben wir Ersatz für die Kindergärten geschaffen, indem wir Kindergärten betrieblich bezahlt haben. Oder die Mütter haben Kinderbetreuung unter sich organisiert. Damals hatte ich übrigens 10 Mitarbeiter. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg – damals unter Walter Döring –  hat uns belobigt.

Seit damals haben sich die Zeiten geändert. Was bedeutet denn moderne Führung für dich?

Moderne Führung bedeutet für mich heute Verantwortung zu übergeben, Mitarbeiter nicht als Angestellte zu sehen, sondern als selbstständig arbeitende Menschen. Das bedeutet, dass ich Ihnen Verantwortung für ihre Entscheidungen übergebe. Sie haben dadurch mehr Handlungsfreiräume und Gestaltungsspielraum bis in die Unternehmensführung hinein. Sie dürfen mitentscheiden. Es gibt nichts Besseres als Mitspracherecht für Mitarbeiter.

„Mitbestimmungsrecht ist für mich das Hauptmerkmal moderner Führung. Freiheit im Tun für den Mitarbeiter ist wichtig.“

Magst du beschreiben, was ihr in der Schwarzwaldpflege leistet?

Wir kümmern uns um Menschen die hilfe- und pflegebedürftig sind. Unsere Kunden sind nicht nur Senioren. Unser jüngster Kunde ist Mitte dreißig – mein jüngster Freund wie ich immer sage – und querschnittsgelähmt. Um ihn kümmern wir uns schon seit 10 Jahren.

Wir pflegen derzeit mit 140 Mitarbeitern rund 800 Menschen. Pflegebedürftige kommen zu uns über Krankenhäuser, Ärzte oder Angehörige. Die meisten kommen über Empfehlung von Angehörigen oder Pflegebedürftigen selbst.

Viele wenden sich zunächst an uns, weil sie Hauswirtschaft brauchen. Der Hilfebedarf beginnt, weil sie nicht mehr kochen, putzen oder sich waschen können. Das sind Kurzeinsätze. Menschen wenden sich aber auch an uns, weil ein Schlaganfall, Herzinfarkt oder eine Krebserkrankung vorliegt. Oder weil medizinische Therapien gebraucht werden, z.B. Insulinspritzen, die sie sich selbst nicht geben können oder Wunden haben, die versorgt werden müssen.

Wer sind die Menschen, die für dich arbeiten?

In der ambulanten Pflege arbeiten wir mit Krankenschwestern und Altenpflegern, in der Hauswirtschaft mit Menschen mit entsprechender Qualifikation. Mir ist wichtig, mit Mitarbeitern zu arbeiten, die nicht problemorientiert, sondern lösungsorientiert denken und fühlen. Menschen die lösungsorientiert denken, fühlen und handeln sind positiver. Beim Bewerbungsgespräch höre ich deshalb sehr genau hin. Ich entscheide mich für einen Bewerber, weil ich sehe wie sie bzw. er denkt, z.B. nach einer Fallstudie.

Ich achte auch auf die Sprache. Ein lösungsorientierter Mensch benutzt andere Worte.

Die Erfolge mit dieser Taktik sind übrigens messbar. Die Anzahl der Kunden und der Mitarbeiter ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Unsere Mitarbeiter reden positiv über ihren Job und selbst in der Corona-Zeit habe ich neue Mitarbeiter eingestellt.

Wir wollen ein Zeichen setzen. Wir gestalten unser Unternehmen freundlicher, weiblicher, weil die Pflege weiblich ist. Wir setzen das im Design ebenso um wie in unserer Sprache.

Die Pflege ist weiblich. Daher wird mit emotionaler Ansprache nach neuen MitarbeiterInnen gesucht. Hat auch während Corona gut funktioniert.

Das Budget im sozialen Bereich ist sehr niedrig. Vater Staat gibt zu wenig aus. Ein Land sollte sozial bleiben. Dazu gehört, dass Menschen in sozialen Berufen gut leben können und nicht das Gefühl haben, sie sind nur noch Ausputzer.

Die Zeit bei den Pflegebedürftigen wird immer knapper, weil das Budget immer knapper wird. Aber jeder, der für uns arbeitet hat die Freiheit, die Zeit beim Kunden so zu gestalten, wie es für diesen Menschen am Besten ist. Ich gängele niemanden und wenn es einmal ein paar Minuten länger dauert, dann gibt es auch keine Diskussionen. Das verstehe ich unter bedarfsorientierter Pflege mit Verantwortung.

Welches Ziel habt ihr, in der Zeit, die ihr mit Pflegebedürftigen verbringt?

Das schönste Geschenk an unsere Pflegebedürftigen ist, dass wir Freude bringen. Sie können mit uns lachen, über positive Aspekte sprechen und ihre Sorgen abgeben, so dass sie sich danach etwas leichter fühlen. Das ist nicht so einfach wie es klingt, weil man seelisch gefestigt sein muss. Meine Mitarbeiter müssen da schon viel Professionalität an den Tag legen.

Das andere ist, dass wir sanft pflegen. Was heißt das? Wir vermeiden jede hektische Bewegung und geben damit den Pflegebedürftigen ein Gefühl der Wohltat. Wir nehmen die Hektik aus unserem Tun, damit der Kunde das Gefühl hat gut betreut zu sein.

Wie erreichst du, dass deine Mitarbeiter emotional in der Balance bleiben bei diesem Job?

Menschen die einen sozialen Beruf ausüben brauchen innere Zuwendung. Wir Führungskräfte sind für unsere Mitarbeiter deshalb immer ansprechbar. Ich nenne das „zielgerichteter Smalltalk“. Ich muss innerhalb von Sekunden erkennen, in welchem Zustand sich mein Mitarbeiter befindet und dann entsprechend coachen. Das muss der Mitarbeiter nicht einmal mitbekommen. Ich stelle Fragen, kümmere mich um Bedürfnisse – z.B. bringe ich ein Wasser oder mal einen Kaffee vorbei. Ich nehme auch mal jemanden in den Arm. Für mich ist das Service für interne Kunden. Dieses Miteinander und Füreinander ist leider sehr selten in der Pflege. Aber wenn das wegfällt ist es egal wo du arbeitest, dann spielt nur noch das Geld eine Rolle. Daher ist mir das als Führungskraft so wichtig.

Gerade Mitarbeiter die sterbende Menschen pflegen brauchen selbst Beachtung. Ich stelle dann gern Fragen. Diese müssen personalisiert sein, also wirklich mit dem Mitarbeiter etwas zu tun haben. Noch besser ist es, wenn ich die Fragen mit einer „Ich-Botschaft“verbinde. Also z.B. in dem ich sage: „Haben Sie heute Nacht auch so schlecht geschlafen wie ich?“

Und wer pflegt deine Geschäftsführerseele?

Ich lese, höre Musik, das gibt mir innere Stärke. Ich tue Dinge, die mich wieder nach vorne bringen, die mir Energie geben. Ich treffe mich z.B. mit Freunden und wir sprechen nicht über die Arbeit. Ein Spaziergang in der Natur, wenn auch nur für 20 Minuten, tut gut. Ich persönlich regeneriere am besten beim Autofahren.

Lass uns über das Älterwerden in unserer Gesellschaft sprechen. Was sind deine Gedanken dazu?

Was mich traurig macht ist, dass Menschen wenn sie älter und vor allem pflegebedürftig werden als Kosten-Nutzen Faktor betrachtet werden. „Was ist das Notwendige, was wir noch tun müssen?“ Das geht in meinen Augen gar nicht, denn das ist die Generation, die dafür gesorgt hat, dass wir alle heute da stehen, wo wir stehen. Das sage ich immer unseren jungen Mitarbeitern: Diese Menschen haben unseren Weg vorbereitet.

Ich mache mit meinen Mitarbeitern Gedankenspiele. Ich sage: „Stell dir vor, deine Eltern hätten dich als kleines Kind wie einen Kosten-Nutzen Faktor behandelt. „Du bringst ja nichts, du kostest nur!“ Hätte dir das gefallen?

„Ich denke wir alle in der Pflege müssen Vorbild sein für eine menschliche Gesellschaft. Das ist für mich Pflege.“

Mir ist wichtig, dass junge Menschen das verstehen: Es geht hier nicht nur ums Geld, sondern um den Beitrag für unsere Gesellschaft, den Älteren etwas zurückzugeben. Ich gebe mir Mühe, das verständnisvoll darzulegen und auch vorzuleben, denn es hilft am meisten, mit positivem Beispiel voranzugehen, statt ständig zu jammern und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wir können auch im Rahmen unserer Möglichkeiten immer Veränderung herbeiführen.

Unternehmer können z.B. Veränderung hervorrufen, indem sie generationen-vereinende Projekte fördern. Wir haben beispielsweise ein Projekt gemacht, bei dem Schüler unseren Senioren beigebracht haben, wie man ein Mobiltelefon benutzt. Ich finde hier könnte auch der Staat mehr tun.

Hast du Wünsche an die Politik was die Situation der Pflege in Deutschland betrifft?

Politik sollte nicht nur reden, sondern auch tun. Das Sparen an Pflegekräften hat dem System nicht gut getan. Ein Blick in die Schweiz, nach Skandinavien oder in die Niederlande könnte hier gut tun.

Nachdem die Anforderungsprofile an Pflegekräfte verändert wurden, ist die Zahl der Absolventen drastisch gesunken. Menschen mit geringeren Abschlüssen haben praktisch keine Chance mehr einen Pflegeberuf zu erlernen. Das sollte unbedingt geöffnet werden, denn nicht jeder in der Pflege Tätige braucht einen akademischen Titel. Wir brauchen auch Menschen, die mit Herz und Verstand pflegen, unabhängig vom Schulabschluss.Die geistige Reife und die innere Einstellung sind da viel wichtiger. Das Berufsbild muss stärker diversifiziert werden und es müssen bessere Aufstiegschancen für Menschen mit einem geringeren Abschluss geschaffen werden. Wenn du z.B. eine Altenpflege-Helferin bist – also eine einjährige Ausbildung absolviert hast – kommst du nie mehr weiter. Da gibt es bei uns einfach zu wenig Förderung.

“Wir haben uns in der Pflege zu stark auf das Aussortieren konzentriert, ich finde wir sollten eher wieder einsortieren!”

Vielleicht müssten Politiker einmal für eine Woche mit unseren Pflegebedürftigen tauschen, dann würde sich vieles verändern. Vielleicht würden sie dann lernen, mit dem Herzen zu sehen und erkennen, dass wir als Gesellschaft auch dann noch leistungsfähig sein können, wenn wir uns vermenschlichen.

Ich musste einmal eine kirchliche Sozialstation sanieren. Ich habe gefragt, ob sie eine menschliche oder eine normale Sanierung wollen. Normalerweise schmeißt man erst mal Mitarbeiter raus. Ich dagegen habe bessere Mitarbeiter eingestellt und noch Kosten produziert. Aber ich habe das so begründet: Wir müssen erst einmal sähen, um ernten zu können. Ich habe in Menschen investiert und die Einrichtung hat viel zurückbekommen.

Welche Rolle spielt für dich Kommunikation in deinem Unternehmen?

Ich will keinen Straßenjargon in meiner Firma hören. Ich spreche das sofort an und schlage Alternativen vor. Durch dieses positive Eingreifen verändert sich die Kommunikation im Unternehmen.

Positive Wortwahl ist mir ganz wichtig. Ich frage meine Mitarbeiter ob sie sich wirklich gut fühlen, wenn ihr Partner zu ihnen sagt: „Du siehst heute aber nicht schlecht aus!“

Keine Floskeln benutzen, sondern konkret werden, auch in der Kritik. Daran kann der andere doch nur wachsen.

Die Unternehmenskommunikation ist wichtiger Bestandteil meiner Corporate Strategy, daher fördern wir die gute Kommunikation untereinander und nach außen.

Bei der Schwarzwaldpflege gehört positive Kommunikation zur Unternehmensstrategie

Hast du Tipps für Leser, die sich gerade selbstständig machen? Wo liegen die Herausforderungen aus deiner Sicht?

Ich selbst bin wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ich hatte mir vorgenommen bevor ich 30 Jahre alt werde mein eigenes Unternehmen zu gründen. Das habe ich dann einfach gemacht und erst danach die Weiterbildung begonnen. Ist vielleicht nicht zur Nachahmung empfohlen.

Die größte Hürde ist meist das Thema Finanzen. Ich hatte die Einstellung, „Ich bin jung, dynamisch und will erfolgreich werden“ und sah das Ganze wohl etwas zu rosig. Ich habe meine finanzielle Kraft überschätzt. Erfolg bedarf guter Mitarbeiter die bezahlt werden wollen. Krisen hatte ich nicht im Fokus. Bei meiner ersten Krise musste ich dann das Auto verkaufen, das mir mein Vater geschenkt hatte, um meine Mitarbeiter halten zu können. Mein Vater war entsetzt, aber ich habe die Krise damit überwunden. Ich wollte mich auf keinen Fall unterkriegen lassen und wusste, dass ich die Mitarbeiter brauche, wenn der Aufschwung kommt. Und so war es dann auch.

Man sollte mit Krisen rechnen. Krisen passieren, oft nicht einmal selbstverschuldet, sondern durch gesetzliche Veränderungen, Zufälle die wir nicht steuern können oder wie gerade eben durch eine Pandemie. Aber man sollte gewappnet sein. Sparen ist hier das Zauberwort. Mein Tipp ist, eine finanzielle Ressource für mindestens drei Monate anzulegen.

Wichtig ist außerdem geistig mit den Aufgaben zu wachsen. Um führen zu können, muss der Geist größer werden. Man muss also ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen, welche Fähigkeiten man selbst nicht mitbringt. Diese muss man sich dann einkaufen, sich entsprechend beraten bzw. coachen lassen.

Defizite bei sich selbst zu erkennen und rechtzeitig daran zu arbeiten ist von Bedeutung.Stichwort: Weiterbildung. Wenn ich sage: „Ich kann das noch nicht, also lerne ich es“, dann bin ich auch ein gutes Vorbild für die anderen im Unternehmen.

Als drittes würde ich die Kommunikation noch anführen. Die Sprache im Unternehmen wird oft vernachlässigt.

“Aber es ist nicht wichtig, was ich gesagt habe, sondern das, was mein Gegenüber verstanden hat.”

Ich sage in meinen Schulungen inzwischen: „Nicht interpretieren, besser nachfragen!“ Denn die Interpretation ist zu 90% falsch, weil sie von meinen eignen Erfahrungen, meiner Sozialisation und meinem Wissen abhängt. Interpretation führt zu Missverständnissen, baut Mauern auf und zerstört Vertrauen.

Sich Methoden der psychologischen Führung anzueignen halte ich daher für besonders wichtig. Wir haben es immer mit Menschen zu tun. Wer richtig führt, hat mehr Erfolg.

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Vorgestellt – Dominic Hippert

Mein Gesprächspartner heute war Dominic Hippert, Geschäftsführer der Schwarzwaldpflege mit Büros in Baden-Baden, Gaggenau und Offenburg. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger und praktischer Berufserfahrung folgte die Weiterbildung zum Pflegefachwirt und schließlich das Management-Studium in Berlin mit dem Abschluss Master of Business Administration. Dominic Hippert ist seit fast 25 Jahren im Bereich der Pflege selbstständig tätig.

Dieses Gespräch ist Teil meiner Serie “Im Gespräch mit…” von und für Menschen die inspirieren, quer denken, vernetzen, verändern und eine positive Einstellung ins Leben tragen.

Sie möchten jemanden aus Ihrem Netzwerk vorschlagen, dessen Stimme gehört werden sollte? Dann schreiben Sie mich gerne an!

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Von lokaler Corporate Social Responsibility zum globalen Social Engagement

Gastbeitrag – Wie Gesellschaft und Unternehmen soziales Engagement innovativ leben und davon profitieren können

In den späten 1940er und frühen 1950er Jahren wurden eine Reihe von internationalen sozialen Organisationen gegründet. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds erweiterten zunehmend ihre Aktionsfront und förderten bald die “internationale Entwicklung”. Es entstanden neben den großen Entwicklungsorganisationen – u.a. WHO und UNICEF – viele gemeinnützige Organisationen, die sich in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Belangen engagierten. Viele davon wurden in mehreren Ländern, meist punktuell, aktiv. Die Gründung dieser multilateralen Organisationen und NGOs (Non Governmental Organizations, „Nicht Regierungsorganisationen“) trug entscheidend zur Internationalisierung des Entwicklungskonzepts bei. Die Wirtschaft spielte in jenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine sehr kleine Rolle, und wenn dann ausschließlich als „Geldgeber“.

Das ändert sich nun im neuen Jahrtausend, in welchem gleich zu Anfang „Vernetzung“ zu den großen Erfolgen und Treibern zählt. Der Siegeszug des Internets und die Diskussionen um neue vernetze Strukturen innerhalb von Unternehmen sind nur einige Beispiele hierfür.

Und im Kontext des sozialen Engagements? Die Bedeutung der Privatwirtschaft wurde größer, sogenannte PPPs (Private Public Partnerships) entstanden. Allerdings, auch hier treten Unternehmen zunächst meist nur in der Rolle als Geldgeber auf. Mit den in 2016 veröffentlichten UN Zielen für nachhaltige Entwicklung /Agenda 2030 sind Industrien und Firmen nun mehr denn je gefragt, aktiv und nachhaltig Beiträge zu leisten, die weit über Spenden, CSR (Corporate Social Responsibility) Aktionstage oder CSR Abteilungen hinausgehen. In einigen Ländern wie zum Beispiel Indien, sind regelmäßige Investitionen der Firmen in den sozialen Sektor sogar gesetzlich geregelt. Hierbei geht es nicht nur um Gelder, sondern auch die Vermittlung von Expertise und Vernetzung.

Die strikte Trennung zwischen sozialem, gesellschaftlichem Engagement einerseits und Business mit dem Ziel des maximalen Profits andererseits ist im Auflösungsprozess begriffen und wird zunehmend hinterfragt. Zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bedarf es deutlich mehr als Spendengelder seitens Unternehmen und rein NGO getriebener Projekte „on the ground“. Die Missstände und Armut in vielen Ländern sind auch nach vielen Jahrzehnten des Engagements zahlreich und wirkliche systemübergreifende Änderungen bisher kaum sichtbar. Dafür gibt es sicherlich unterschiedliche Gründe. Deutlich wird jedoch: Es bedarf tiefergehender, systemischer Veränderungen, wie wir Entwicklung und Entwicklungsarbeit, aber auch Business verstehen und verbinden.

Im Zeitalter der Vernetzungen wird Entwicklungsarbeit noch immer sehr traditionell angegangen. Schaut man sich an, welche Entwicklungsarbeit stattfindet und in den Medien beschrieben wird, fällt auf: Es geht meist um große Kampagnen, wie Initiativen gegen Malaria oder HIV, es geht häufig um klar definierte, abgegrenzte und themenspezifischen Projekte und Zielgruppen – mehr Bildung bei Frauen, Kinderrechte, Brunnenbau und Wasserversorgung, landwirtschaftliche Projekte usw. NGOs und Unternehmen haben sich spezialisiert und nutzen ihre Expertise, um an von ihnen bestimmten Orten aktiv zu werden. Es wird viel getan, allerdings beschränken Firmen und NGOs sich häufig auf ihre eigenen Themen und ihre lokalen Engagement-Gebiete. Vernetzung? Ja, warum denn und mit wem? Und was würde das bringen?

„Vernetzt zu denken und zu handeln, also über Sektoren, Funktionen, Organisationsformen hinweg, gemeinsam mit anderen gleichzeitig und parallel in einem Entwicklungsgebiet aktiv zu sein, all das scheint noch ein weiter Weg zu sein, denn der Mehrwert wird erst im Laufe der Jahre sichtbar werden.”
– Manuela Pastore –

Es geht nicht um Wettbewerb, sondern um ein Miteinander. Es ist komplex und viele Prozesse müssten neu definiert werden. Es ist definitiv einfacher, wenn es nur um die eigenen Belange und Projekte geht – und man engagiert sich ja schließlich. Das kann man gezielt zeigen, den eigenen Aktivitäten zuschreiben, es dauert nicht ewig und es versteht jeder. Man hilft dort, wo es offensichtlich am meisten brennt. Und für die eigene Organisation am besten passt. Das Entwicklungsengagement geschieht im Rahmen der eigenen innerorganisatorischen Rahmenbedingungen, der eigenen Satzung und Expertise, offensichtlich sinnvoll und vertretbar. Firmen und NGOs engagieren sich gerne dort, wo ihre Expertise liegt. Eine IT Firma im IT Bereich, ein Pharmaunternehmen im gesundheitlichen Bereich, ein Bildungsunternehmen im Bildungsbereich. Das macht ja auch Sinn. Und ist nach innen hin auch gut nachvollziehbar.

Über egozentrische Ansätze und das große „Aber“

Das ist allerdings der Blick aus Sicht unserer Organisationen und unseres Organisationsverständnisses. Wir engagieren uns, tun, was wir im Rahmen unserer sozialen Verantwortung als für unsere Organisation sinnvoll und moralisch wertvoll erachten. Individuell, erfolgreich, klare Zielsetzung und – wenn es gut läuft – auch eine perfekte Zielerreichung, so wie wir sie definiert haben. Business-like, prozessorientiert und -optimiert, messbar. Eigentlich perfekt, oder? Es geht um uns und unsere Ziele, um Projekte, um Zahlen – und klar, auch um die Menschen, für die wir etwas tun.

Allerdings geht es weniger um Vernetzung und systemverändernde Ansätze. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg… und auch viel schwieriger. Denn dazu wäre ein eher langfristiges Engagement gefragt, risikoreicher, schwieriger messbar und damit auch schlechter zu kommunizieren – nach innen und außen. Wer spendet, mag es am liebsten sehr konkret. Wer im größeren Rahmen investiert, ebenfalls – und zwar genau für das eine auserwählte Projekt, nicht aber unbedingt, um dieses eine Projekt mit anderen zu verknüpfen, auch wenn langfristig 1 und 1 = 3 oder mehr machen könnte.

Richtet man einmal den Blick weg von uns hin zu den Bedürftigen, sieht es anders aus. Was nutzt das beste Screening-Programm, wenn an anderer Stelle viele Krankheiten durch verunreinigtes Wasser entstehen oder das Einkommen fehlt, um sich gesund zu ernähren und zu bewegen? Wenn es keine Möglichkeiten gibt, sich Hände zu waschen und Seife zu bekommen? Wenn Internetflat und Handys verteilt sind, aber die Menschen nicht wissen, wie sie das Internet bedienen und welche Risiken es birgt? Wenn Business-Skills fehlen, um das eigene Einkommen weiterzuentwickeln? Wenn es keine Arbeit gibt, wenn Bildung fehlt?

Genau hier ist ein strategisches Umdenken nötig. Weg von uns und unseren Organisationszielen und hin zu den Menschen, die es betrifft.

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Doch nun ein wenig Konkretes: Mein Name ist Manuela Pastore, ich leite seit 7 Jahren eine globale sozialunternehmerische Initiative bei Boehringer Ingelheim, einem internationalen Pharmaunternehmen mit rund 50 000 Mitarbeitern. Im Rahmen dieser Initiative, Making More Health (MMH) fördern wir viele Sozialunternehmen weltweit, bauen Netzwerke und binden MitarbeiterINNEN aus unterschiedlichsten Abteilungen und Ländern aktiv in die Projekte ein. In unseren zwei Hauptregionen in Südindien und Westkenia haben wir viele Projekte auf einem Gebiet von jeweils 30, 40 qkm angestoßen und arbeiten mit unterschiedlichen Zielgruppen parallel und verknüpfen diese. Projekte entstehen nach und nach, basierend auf den Bedarfen der Menschen vor Ort. Auch solche, die nicht unmittelbar mit Gesundheit zu tun haben.

Dahinter steckt die Idee, statt einiger weniger fokussierter Projekte eine holistische Systemveränderung herbeizuführen. Zusammen MIT den Mensch vor Ort, nicht FÜR sie. Unter Einbindung von lokalen NGOs, Sozialunternehmen aus unserem Netzwerk, Mitarbeitern und ersten externen Partnern. Partnerschaftlich, in einer Weise, die alle profitieren lässt – auf unterschiedliche Weise. Wir sehen MMH nicht vorrangig als CSR, nicht als soziales Engagement, sondern vor allem auch als eine Möglichkeit, Dinge anders zu sehen und zu erfahren, andere Fragen gestellt zu bekommen und anders zu fragen, folglich auch Dinge anders zu tun. Und haben festgestellt: Das bietet einen enormen Raum für Innovation, auch für das eigene Business.

Wir machen Gesundheitstrainings und fragen dabei die Menschen, welche Themen sie interessieren. Das ist nicht unbedingt das, was wir aus unserer Expertise heraus anbieten würden. Übrigens, was meinen Sie, welche Gesundheitsthemen hier genannt wurden? (siehe *Auflösung am Ende des Blogbeitrags)

Eröffnung eines health awareness centers im tribal hospital, Kotthara, Indien
Hygienetraining ländliches Indien
Digital Training in Indien

Zudem finden auch digitale Trainings statt, um den Zugang zu Wissen zu erleichtern, wir schicken unsere ChemikerINNEN und PharmazeutikerINNEN vor Ort, damit einkommensschaffende Maßnahmen wie Seifenherstellung trainiert werden können.

Seifenherstellung in Indien

Wir sammeln Materialien aus unseren eigenen Trainings und von unseren Partnern und stellen sie auf einer Plattform kostenfrei allen Interessenten zur Verfügung, die an anderen Orten ähnliche Trainings durchführen wollen. Es macht ja keinen Sinn, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Besser damit zu arbeiten und Dinge zu implementieren, oder? Poster, Flyer, einen Covid19 Awareness-Song, Spielkarten, die Gesundheitswissen vermitteln und vieles mehr finden sich hier.

Falls Sie Material haben, das für die Plattform interessant ist, kontaktieren Sie mich gerne.

Bei einwöchigen Führungskräfte-Trainings engagieren sich unsere MitarbeiterINNen gleich vor Ort und unterrichten unsere Selbsthilfegruppen und weitere Interessierte in Marketing und Vermarktung, Businessplanung, Tiergesundheit und Sicherheit im Alltag. Ein Großunternehmen hat Experten aus fast allen Bereichen. Warum sollten wir also nur Gesundheit unterrichten? Was am meisten verwundert? Wir, die Menschen aus entwickelten Ländern, sehen Dinge plötzlich anders, erkennen neue Zusammenhänge und verstehen, dass Armsein nicht automatisch bedeutet weniger glücklich zu sein – im Gegenteil. Zurück im Berufsalltag stellen wir neue Fragen und finden andere Antworten. Mehr dazu unter: https://www.makingmorehealth.org/shared-value/leadership-programs

MMH Leadership Insights Week

Und was lernen wir vor Ort aus den Projekten und in unserem Netzwerk mit Sozialunternehmern? 

Gesundheitswissen alleine reicht nicht, um mehr Gesundheit zu schaffen. Die Menschen vor Ort brauchen holistische Lösungen, auf denen sie ihren Alltag aufbauen können. Es bedarf neben mehr Gesundheit auch Infrastrukturen, Möglichkeiten Geld zu verdienen, Bildung. All das muss so aufgebaut sein, dass die Menschen ihre Werte und Kulturen darin wiedererkennen, möglichst viel selbst daran beteiligt sind und Lösungen auch krisenresistent sind. Krisensituationen wie Covid-19 oder Überflutungen können schnell Erreichtes zunichte machen – oder auch zeigen, dass unsere Trainings erfolgreich sind.

So wurde in den vergangenen COVID-19 Monaten unsere Community mit Menschen mit Albinismus ( wir arbeiten hier zur Zeit mit 130 Familien ) – in Webuye, Westkenia – zu „Helden“. Menschen mit Albinismus werden in Ostafrika häufig verfolgt, angegriffen und sogar getötet; es gibt viel Aberglaube und viel Elend. Anders in Webuye: Unsere Community hat die Kleinstadt mit Flüssigseife und Hygienewissen versorgt, ob es die Boda-Bodas ( Motorrad nutzende Taxifahrer) waren, ob Schüler oder ältere Nachbarn. Die lokalen Medien berichteten mehrfach darüber. Unsere Community setzt sich nicht nur für andere ein, sondern verkauft auch Seife, wo möglich. Inzwischen züchten sie auch Hühner, bauen Schultische und bilden sich ständig weiter. Sie engagieren sich auch für andere Menschen mit Albinismus und teilen ihr Wissen mit Armen. Die Seifenrezeptur wurde kurzerhand gefilmt und digital weitergegeben. So kann Seife und Basiswissen zum Thema Händewaschen nun auch von Slumbewohnern in Nairobi hergestellt und weitergegeben werden. Ebenso am Viktoriasee. Und innerhalb landesübergreifender Albinismus-Communities.

Was bei diesem vernetzten Ansatz weiterhin auffällt: Die Betroffenen entwickeln eigene Ideen, sind selbstbewusst und – sie sehen sich selbst anders und werden anders gesehen. Basierend auf dem Netzwerkansatz.
Ein schönes Beispiel, was möglich ist. Doch lange nicht genug. Mehr dazu: https://www.makingmorehealth.org/content/covid-19-our-project-partners-africa-help-others-protection-virus

Albinism Webuye

Ein einzelnes Unternehmen, eine einzelne Organisation wird nicht in der Lage sein alle notwendigen Änderungen herbeizuführen

Die Menschen vor Ort stehen vor komplexen Herausforderungen. Tag für Tag, von morgens bis abends. Fehlende Infrastrukturen, fehlendes Wissen. Armut, wenig Gesundheit … Ähnlich eines Marktplatzes bedarf es nicht nur eines Apfelverkaufsstandes, um einen Markt nachhaltig aufzubauen. So geht es auch nicht darum, als einzelner Investor möglichst viele auf bestimmte Themen oder Zielgruppen fokussierte Projekte durchzuführen und zu skalieren, sondern auch und vor allem darum, gemeinsam mit den Menschen vor Ort und vielen weiteren Investoren/Partnern zeitlich und örtlich parallel Systemveränderungen in unterschiedlichsten Lebensbereichen herbeizuführen und diese zu vernetzen.

“Daher suchen wir mit MMH nach Partnern, Sozialunternehmen, NGOs, anderen Firmen aus unterschiedlichsten Sektoren, die sich gemeinsam mit uns, aber vor allem auch mit den lokalen Vertretern und Bevölkerungsgruppen engagieren, Lösungen entwickeln und zusammenbringen.” – Manuela Pastore

Das wichtigste dabei ist Vertrauen zu schaffen, in alle Richtungen. Zu verstehen, was wirklich benötigt wird (und nicht unsere eigenen Ziele in den Vordergrund zu stellen) und dabei die Menschen vor Ort so zu stärken, dass sie es eigenverantwortlich weiterführen und aufbauen können. Wir müssen weg von individuellen Zielen hin zu Netzwerkstrukturen und systemischen  Veränderungen. Und hierbei einen Mehrwert für alle schaffen, auch für die Organisationen selbst. Weg von individuellen, egozentrisch getrieben Projekt-Kennwerten und -Messungen hin zu einem tatsächlichen Mehrwert, der Innovationen für eine bessere Zukunft bringen kann. Aus sozialem Engagement heraus. Für die Menschen in Not, für unsere Umwelt und auch für unser Business der Zukunft. Ich bin sicher wir in unserer „entwickelten“ Welt werden viel dabei lernen und entdecken, neue Fragen stellen und andere Antworten finden.

„Innovationen beginnen dort, wo neue, ungewohnte Partnerschaften entstehen.” – Manuela Pastore

Wo wir neue Partnerschaften entdecken und fördern, wie solche mit Sozialunternehmen, die ähnlich wie Startups unternehmerische – teils „wilde“ – Ideen verfolgen, hierbei aber gesellschaftliche Herausforderungen in den Mittelpunkt stellen. Ashoka, eine sehr große und globale NGO, und einer unserer langjährigen MMH Partner, sucht nach solchen engagierten Startups, bringt sie durch Selektionsprozesse (hierbei werden nur ca. 5 von 100 Sozialunternehmer Ashoka fellows auf Lebenszeit) und bildet ein Netzwerk mit „Ashoka fellows“. In unserer MMH Initiative unterstützen wir diese und versuchen sie an unsere Projekte anzudocken oder auch unsere Erfahrungen an sie weiterzugeben. Das wiederum hilft den Sozialunternehmen, ihre Startups mit mehr Expertise zu führen und wirkt sich auf deren Arbeit in der Gesellschaft aus. Und es hilft unseren Führungskräften voneinander zu lernen und Mehrwert für alle zu schaffen. Es ist ein längerer, vielleicht auch ungewohnter und vor allem neuer Weg, diese notwendigen Netzwerke und damit vernetzte Entwicklungsarbeit weiterzuentwickeln. In den vergangenen zehn Jahren haben wir hierbei viele Dinge gemeinsam erlebt, getestet, und weiter entwickelt, und MMH ist zwischenzeitlich zu einer Bewegung geworden, die sich über Funktionen intern und sehr unterschiedliche Zusammenarbeit mit externen Partnern hinweg aufbaut. Es ist dort angekommen, wo es vor vielen Jahren als Vision begonnen hat – eine Brücke zu bauen zwischen sozialer und Businesswelt. Mit vielen Facetten und netzwerkartiger „ansteckender“ Ausbreitung.

Es gibt viele begeisterte Menschen, die Sinnhaftigkeit suchen und innerhalb MMH nun auch Möglichkeiten finden, ihren beruflichen Alltag und gesellschaftliches Engagement zu verbinden, und dabei Businessideen entwickeln, die der künstlichen Trennung von sozialer Welt und Businesswelt entgegenwirkt. Schließlich gibt es nur diese eine Welt. Wir werden zukünftig besonders fokussiert auch nach weiteren externen Partnern suchen, um die nächsten Schritte gemeinsam voranzutreiben. Nach der internen funktionsübergreifenden Ausbreitung von MMH und aktivem, fortlaufendem Mitarbeiterengagement aus unterschiedlichsten Richtungen, die wieder zu vielen weiteren Ideen und Beiträgen vor Ort geführt haben, werden externe Partner hier noch viel mehr Impact schaffen können. Und auch davon profitieren.

Falls das für Sie interessant ist und Sie auch einmal dabei sein wollen – wir haben unsere Führungskräftewochen nach extern geöffnet:
Informationen zu unseren Führungskräftewochen (PDF)

Wir werden es schaffen, wenn… ja, wenn wir – jeder einzelne von uns – wo und in welchem Bereich auch immer wir arbeiten, traditionelles isoliertes „CSR versus Business“-Denken überwinden und eine Chance darin erkennen, gemeinsam mit anderen eine bessere Welt zu schaffen. Ob bei Businessentscheidungen im Alltag generell oder bei konkreten gesellschaftlich orientierten Projekten vor Ort. Wenn wir nicht nur in technische Entwicklungen investieren, sondern auch in soziale Innovationen und dabei auch Risiken auf uns nehmen. Denn nicht alle Ansätze werden zum Erfolg führen. Aber das tun sie auch bei technischen Innovationen nicht. Wenn wir Partner in anderen Unternehmen finden, die auch über die üblichen Nachhaltigkeitsprojekte und CSR-Abteilungen hinaus mehr erreichen wollen. Das ist nicht einfach.

Nur: Innovationen und Systemveränderungen waren nie einfach, wenn sie Großes bewirkt haben. Aber eine bessere Welt sollte es uns wert sein und wir sollten es versuchen, oder?

Ihre

Manuela Pastore,
Global Lead Making More Health (MMH), Boehringer Ingelheim

Manuela Pastore – Global Lead MMH Boehringer Ingelheim

Manuela wurde früh geprägt durch Erfahrungen in länglichen Regionen Süditaliens, wo sie die Herausforderungen von Jobverlust, Armut und Umwelteingriffen miterlebte. Heute packt sie in Indien und Kenya persönlich an, unter anderem durch Trainingsprogramme und den Aufbau von Kleinstgewerben. Sie führt regelmäßig Leadership-Trainings im ländlichen Indien und in Westkenya durch, an denen „Influencer“ mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aus verschiedener Unternehmen, teilnehmen. Dadurch hat sie eine regelrechte Bewegung sozialer Intrapreneure geschaffen, die durch systemveränderndes Denken und Handeln – auch im täglichen Kerngeschäft – auffallen. Manuela ist bekannt als Sprecherin von MMH und als Netzwerkerin, die sich unermüdlich für die Erweiterung der Zusammenarbeit von NGOs und sozialer Entrepreneure einsetzt.

Kontakt:

mailto:pastore.manuela@googlemail.com

Vernetzen:

https://de.linkedin.com/in/manuelapastore

Weiter Infos:

Making Health: Wie Manuela die Welt ein bisschen gesünder macht

www.makingmorehealth.com

www.gokenyagofuture.com (privater Blog)

www.goIndiagofuture.com (privater Blog)

*Auflösung der Frage im Text, für welche Gesundheitsthemen sich Menschen vor Ort interessieren: Wir haben ca. 20 Dörfer befragt, dort vor allem Selbsthilfegruppen/Frauen. Dabei wurde als wichtigstes Thema Tiergesundheit genannt. Hintergrund ist, dass Tiere häufig die erste und einzige Einkommensquelle sind. Weitere Themen waren v.a. Hygiene, Schwangerschaft, Ernährung, mentale Gesundheit, Sicherheit, Erste Hilfe, Gesundheitschecks, die selbst durchgeführt werden können ( wie Bluthochdruck messen), und – in dieser Reihenfolge – auch mehr Wissen zu Infektionskrankheiten und chronischen Erkrankungen.

Im Gespräch mit: Prof. Dagmar Fischer – über Netzwerke

“Die Schlüssel zum Erfolg sind gute Kommunikation und ein hoher Grad an Vernetzung” – Prof. D. Fischer

Man möchte meinen der Professorin für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die derzeit auch Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) ist, sei die Wissenschaft bereits in die Wiege gelegt. Weit gefehlt: Die bayerische „Landpflanze“ (Originalton) war ihre Kindheit und Jugend hindurch fest davon überzeugt, dass sie einmal Tierärztin wird. Zahlreiche Wesen, darunter Kätzchen, Tauben und sogar Goldfische haben von dieser Ambition profitiert. Vom Leben auf dem Land hat sie das Gärtnern auf den Balkon hinübergerettet, fein getrennt, rechts Blumen, links Kräuter und Gemüse. Noch heute fährt sie – wenn sie richtig gestresst ist und Abstand braucht – zur Familie auf´s Land. Das heimische Netzwerk und die Wasseroberfläche beim Schwimmen, allein am Morgen, trägt sie dann – bis der Akku wieder voll ist.

Dagmar, warum bist du eigentlich nicht Tierärztin geworden?

Das liegt tatsächlich am Berufsberater der Schule. Ich hatte neben der Medizin noch viele andere Interessen und er hat mich gefragt, warum ich nicht Apothekerin werde. Das Berufsbild des Apothekers um die Ecke fand ich allerdings zunächst nicht so stylish. Ich habe mich dann doch intensiver mit dem Berufsfeld befasst und festgestellt, dass ich damit sehr viele Möglichkeiten habe. Ich kann auch in die Industrie gehen, in Krankenhausapotheken und natürlich in die Forschung.

Ich habe als Pharmazeutisch-technische Assistentin angefangen. In der Apotheke hat mir die praktische Arbeit der PTA sehr viel Spaß gemacht, aber der Alltag hat mir auch gezeigt, dass ich mit mehr Wissen weiterkommen kann. So habe ich das Studium der Pharmazie begonnen, das ich finanziert habe, indem ich als PTA weiter gearbeitet habe.

Als ich an der Universität mit der Wissenschaft und Forschung in Berührung kam wusste ich: „Das ist meins!“ Dinge auszuprobieren, von denen andere sagen, „das kann überhaupt nicht klappen!“ Ich fand es spannend völlig neue Sachen zu machen.

Hast du deine Karriere in der Wissenschaft geplant?

Mein Lebenslauf ist alles andere als geradlinig und nicht geplant. Wenn ich bei einer Karrierestufe ans Ende kam habe ich immer geschaut welche Möglichkeiten ich habe, was sich mir als nächstes bietet. Ich habe immer geschaut welche Wege mir offenstehen und mich gefragt: „Welche Chancen habe ich dort und was kann ich lernen? Was ist für mich neu?“

Mir haben Kollegen vorausgesagt in die Industrie zu gehen sei ein Karrierebruch. Das würde nie wieder in die Universität zurückführen. Ich habe es trotzdem gemacht und bin an die Universität zurückgekehrt. Das was ich in den Jahren in der Industrie gelernt habe ist heute für mich unbezahlbar. Dieser Ausreißer ist einer, der mich von vielen Kollegen unterscheidet.

Das klingt ein bisschen so als würdest du – um bei deinem Sport zu bleiben – gerne gegen den Strom schwimmen. Stimmt das?

Nicht notwendigerweise. Es ist eher so: Wenn ich eine Weile lang Dinge gemacht habe und feststelle, dass ich sie kann, dann muss eine neue Herausforderung kommen. Dann muss ich etwas ausprobieren, um zu schauen ob das auch noch geht. Wenn ich mir ein neues Feld anschaue, dann frage ich mich ob ich dazu etwas beizutragen habe. So bin ich Studiendekanin geworden oder Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Ich schaue also immer, ob ich etwas beitragen kann in einem Betätigungsfeld in dem ich bisher noch nicht aktiv war. So kommt es zu meinem „Sammelsurium“ an Erfahrungen.

Was wäre dein Rat an Frauen, die Professorin werden wollen?

Sie brauchen zunächst einmal einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Was für mich gut funktioniert hat waren universitäre Mentoring-Programme. Hier habe ich Frauen kennengelernt, die auch andere Wege gegangen sind. Für mich waren diese Begegnungen ein Schlüsselerlebnis. Bis heute ist es nämlich so, dass ich hauptsächlich Männer um mich habe. Als ich diese Frauen kennenlernte, wuchs in mir das Vertrauen, dass so eine Karriere machbar ist. Inzwischen bin ich selbst Mentorin im Postdoktorandinnen-Programm des Universitätsbundes Halle-Jena-Leipzig

Was denkst du, warum es so wenige Frauen in oberen Führungsebenen gibt?

Frauen stehen sich an vielen Stellen selbst im Weg, z.B. was unser Kommunikationsverhalten angeht. Wir sind sehr viel realistischer in der Einschätzung was wir können und was wir nicht können. Männer sind deutlich aktiver darin ihre Vorzüge darzustellen.

Bei den Studentinnen hier an der Universität beobachte ich oft auch ein anderes Selbstverständnis. Ihre Ansprüche sind andere. Da geht es gar nicht so sehr um „Frauen nach vorne!“, sondern oft um eine Ausbildung bei der sie ihren Beruf mit ihrer Familienplanung gut verbinden können. Wo wir noch das Gefühl hatten kämpfen zu müssen, ist es für Frauen heute in vielen Bereichen selbstverständlich geworden, dass es Gleichberechtigung gibt. Sie nehmen die sogenannte gläserne Decke für sich gar nicht wahr. Ich bin allerdings überzeugt, dass es sie gibt. Auch heute gibt es noch reine Männergesellschaften, die wir nur ganz langsam erobern.

Du hast sehr viele Positionen inne. Wie organisierst du dich und dein Umfeld, um den Überblick über die Aufgaben zu behalten?

Dass ich keine Familie zu koordinieren habe erleichtert natürlich vieles. Um alle meine verschiedenen Aufgaben zu erfüllen brauche ich viel Disziplin, was nicht so den Eindruck erweckt, wenn man die Papierstapel auf und unter meinem Schreibtisch sieht. Da fragt sich so mancher, ob ich noch den Überblick habe. Ich habe einen Trick, um mich zu organisieren, der für mich als optischer Typ gut funktioniert: Ich male mir einen Wochenplan optisch, grafisch auf ein Blatt Papier. Das liegt auf meinem Schreibtisch ganz oben. Was da draufsteht, darf ich auf keinen Fall vergessen. Meine Erfahrung in den verschiedenen Positionen in denen ich mich um Projektmanagement gekümmert habe hilft mir natürlich Aufgaben auch zeitlich gut zu koordinieren.

Noch wichtiger ist aber mein Team. Ich habe Mitarbeiter die alle super zusammenarbeiten und ihre Aufgaben im Griff haben. Der Schlüssel ist gute Kommunikation und ein hoher Grad an Vernetzung. So weiß jeder was er zu tun hat. Gute Kommunikation heißt für mich auch extrem kurze Wege zu meinen Mitarbeitern, meine Tür steht immer offen. Transparenz ist wichtig, jeder weiß was läuft. So können Mitarbeiter sich gegenseitig und natürlich auch mich entlasten. Dieses Netzwerk funktioniert hervorragend ohne dass ich eingreifen muss. Ich habe ein Labor, ein Sekretariat und in der DPhG eine Geschäftsstelle. Dort sitzen Leute die wissen was zu tun ist und alles im Griff haben.

Wie stellst du sicher, dass neue Mitarbeiter in dieses Netzwerk passen?

Kommunikationsfähigkeit ist ein wichtiger Punkt. Apotheker kommunizieren von sich aus schon sehr gerne, das haben sie gelernt. Ich schaue darauf, dass die Menschen teamfähig sind. Da verlasse ich mich nicht nur auf mein Urteil. Jeder Bewerber verbringt mit dem gesamten Team eine Kaffeepause. Mein Team hat dann auch das letzte Wort, denn Bewerber öffnen sich im Team ganz anders als bei mir. Selbst wenn die wissenschaftliche Qualifikation stimmt stelle ich die Person nur ein, wenn sie zur Gruppe passt.

Auch die Forschung braucht Netzwerke. Magst du allgemeinverständlich beschreiben woran du forschst?

Wir beschäftigen uns mit Nanomaterialien – also winzigen synthetischen oder natürlichen Werkstoffen – die wir in Arzneistoffträger verwandeln. Anders gesagt: Wir entwickeln neue Wirkstoffträgersysteme. Wir schauen also, wie wir medizinische Wirkstoffe verpacken können, so dass sie zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Weg im Körper finden können. Wir konzentrieren uns auf Infektionen und Entzündungen oder entzündungsassoziierte Erkrankungen die in der alternden Gesellschaft eine Rolle spielen. Diese Erkrankungen sind ähnlich, hängen miteinander zusammen und sind hochaktuell.

In den letzten Jahren fokussieren wir außerdem auf das Thema Nachhaltigkeit. Hier habe ich in Jena verschiedene Partner zusammengebracht. Es gab hier schon Ansätze Trägermaterial – die Nanozellulose –  durch Bakterien auf natürlichem Wege herzustellen. Die Bakterien „spinnen“ dabei Nanozellulosefasern zu einem Netz. Außerdem wurden zusammen mit dem Polysaccharid-Zentrum in Jena Zuckerderivate zu Trägersystemen umgewandelt. Andere Kollegen untersuchen natürliche Substanzen wie z.B. Weihrauch als Wirkstoffe. Die dritte Komponente ist der Prozess der Verpackung, also wie bringe ich die natürlichen Wirkstoffe in die natürlichen Trägersysteme. Dazu verwendet man üblicherweise z.B. organische Lösungsmittel. Wir erforschen z.B. wie wir diese Lösungsmittel durch nachhaltige Komponenten austauschen können.

Und dann gehen wir noch einen Schritt weiter, denn Arzneimittel müssen getestet werden. Wir haben als Alternative zum Tierversuch eine Methode mit Hühnereiern entwickelt. Damit können wir beispielsweise Wirkstoff-Verteilung und -Freisetzung sowie Verträglichkeit untersuchen. Wir haben uns also auf allen Ebenen, vom Wirkstoff über das Trägersystem bis hin zu den Tests in Richtung Nachhaltigkeit bewegt.

Du kümmerst dich auch um die Verankerung von Unternehmertum und Entrepreneurship an der Universität. Wie sieht das praktisch aus?

Gründungen werden in ganz Thüringen stark gefördert. Die Universität Jena hat ein sehr ausgeprägtes Gründersystem mit Gründungsbotschaftern. Ich bin die Gründungsbotschafterin für den Bereich Biowissenschaften. Damit stehe ich den Gründern als Ansprechpartnerin von der wissenschaftlichen Seite her zur Verfügung. Wir schauen uns in einer sehr frühen Phase an, ob die Gründungsidee Erfolg haben kann. Wir geben auch Tipps z.B. zum Thema Dokumentation. Das ist wichtig damit die Idee patentfähig ist oder von Behörden anerkannt werden kann. Wir knüpfen Verbindungen z.B. zu Patentanwälten oder bei der Organisation von Gründerräumlichkeiten.

Unsere Studierenden lernen schon im Studium was Patente sind, wie die Qualität der Idee gesichert werden kann. Außerdem werden sie sensibilisiert dafür was für die Unternehmensgründung gebraucht wird. Von der Universität werden z.B. Workshops durchgeführt, wie man ein kleines Unternehmen aufbaut, wie man Unternehmer wird und was eine Unternehmerpersönlichkeit ist. Das heißt von der Theorie bis hin zum praktischen Handwerk werden Grundlagen vermittelt.

Dass die Universität dabei erfolgreich ist zeigt das Beispiel meiner Mitarbeiterin, die schon während ihrer Habilitation ein kleines Unternehmen gegründet hat. Heute hat sie mehr als 20 Mitarbeiter und ist im Bereich Kosmetik und Medizinprodukte am Markt erfolgreich etabliert.

Der Erfolg liegt sicher auch an der besonderen Art wie wir hier in Jena interagieren. Das fällt auch Stiftungsgebern auf, die Großprojekte oder Sonderforschungsbereiche begutachten. Dann hören wir häufig, dass wir hier eine besondere Kooperationsmentalität haben. Der Informationsfluss über verschiedene Bereiche hinweg ist enorm.

Die Tatsache, dass sich hier viele Unternehmen bereits etabliert haben zieht natürlich auch andere Unternehmen an. Die Thüringer Pharma-Community unterstützt dies. Alle Pharma-Unternehmen treffen sich regelmäßig – auch mit den Pharmazeuten an den Hochschulen. Es erfolgt ein reger Austausch darüber, was gerade an Projekten bearbeitet wird. Wir schauen beispielsweise, ob wir gemeinsame Anträge stellen oder an Projekten gemeinsam arbeiten können. Wir haben sogar eine gemeinsame Homepage.

Dieses aufeinander zugehen – das Netzwerken – ist sicher außergewöhnlich und zeichnet Jena besonders aus.

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Gründer sind anfangs häufig überwältigt von den Aufgaben und erleben zahlreiche Niederlagen. Wie gehst du mit Niederlagen um und wie motivierst du dich danach?

Winston Churchill soll einmal gesagt haben, „Erfolg besteht darin sich von Niederlage zu Niederlage zu hangeln, ohne den Enthusiasmus zu verlieren.“

Ich kenne Misserfolg als heftigen emotionalen Peak in dem ich mich meist über mich selbst aufrege. Aber dann werde ich schon vom nächsten Problem eingeholt, so dass ich gar keine Zeit habe mich lange damit zu befassen. Was ich versuche ist, die Einstellung die ich aus meiner Zeit in den USA mitgebracht habe zu kultivieren. Wenn dort jemand scheitert, sagen die Menschen: „Super, er hat etwas ausprobiert! Er ist zwar damit gescheitert, aber er ist einen neuen Weg gegangen.“ Ich für mich versuche nach dem Scheitern auf einem anderen Weg trotzdem zum Ziel zu kommen.

Du bist bis 2023 Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Wie lässt sich die Aufgabe der DPhG zusammenfassen?

Die DPhG beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Seite der Pharmazie. Wir fördern Wissenschaft auf allen Gebieten der Pharmazie. Was heißt das? Zum einen stärken wir die Kooperation der verschiedenen Fachdisziplinen untereinander und fördern damit die experimentelle Forschung und die wissenschaftlich orientierte Fortbildung.

Unsere zweite Aufgabe ist es, die Interessen derer zu vertreten, die pharmazeutisch-wissenschaftlich orientiert sind und z.B. Stellung zu nehmen zu aktuellen Problemen und Fragestellungen. Wir vertreten die wissenschaftliche Pharmazie gegenüber der Bundesregierung, aber auch anderen Anspruchsgruppen. Und schließlich beraten wir auch: Zu Ausbildungsfragen oder zu Fragen über Arzneimittel, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Was hast du dir für deine Zeit als Präsidentin vorgenommen?

Ich versuche den Spagat zu machen zwischen der wissenschaftlichen Pharmazie und der Pharmazie in der täglichen Anwendung. Damit meine ich, die Erkenntnisse aus dem Elfenbeinturm Wissenschaft hinein in die Praxis zu transferieren.

Dazu brauchen wir Fortbildung der Apotheker in öffentlichen Apotheken und im Krankenhaus. Dazu brauchen wir auch aktuelle Ausbildungsinhalte, also die Modernisierung des Studiums der Pharmazie und die Stärkung der klinischen Pharmazie.

Was sind die Herausforderungen für diesen Transfer und wie können sie gemeistert werden?

Die Pharmazie ist ein Gebiet das sich rasant schnell entwickelt. Hier alle Bereiche mitzunehmen und aktuell zu halten ist eine Herausforderung, der wir uns stellen. Wir stehen ständig vor neuen Problemen – wie sich aktuell in der Corona-Krise gezeigt hat. Hier brauchen wir neue Konzepte und auch neue Kommunikationswege.

Mein Vorteil ist, dass ich genau in diesem Transferbereich arbeite, in dem Grundlagenforschung in Anwendung übersetzt wird. Wir hören uns von allen Fachdisziplinen an wo die Bedürfnisse liegen und reagieren entsprechend darauf.

Was bedeutet das für die pharmazeutische Ausbildung?

Wir nehmen uns vor, die Veränderungen bereits in das Pharmazie-Studium einzubringen, z.B. die Orientierung hin zur Forschung und die wissenschaftliche Herangehensweise. Darüber hinaus haben Themen wie Digitalisierung oder Personalisierung oder Qualitätssicherung Bedarf zur Aktualisierung.

Ganz wichtig ist mir: Wir wollen hin zum kompetenzorientiertem Lernen, also weg vom Faktenwissen hin zu Problemlösungen. Dazu bringen wir Studenten in Kontakt mit verschiedenen Stakeholdern. So lernen sie nicht nur Apotheker kennen, sondern haben auch Kontakt mit Mitarbeitern aus der pharmazeutischen Industrie, die z.B. aus praktischer Sicht Vorträge halten. Wir veranstalten mit der Pharma-Industrie zusammen auch Workshops oder Doktorandentagungen vor Ort, was Studenten und Doktoranden auch die Möglichkeit gibt, potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen.

Meine Doktoranden bekommen außerdem Trainings, z.B. zum Thema Projektmanagement. Denn was ich häufig erlebe ist, dass es Schwierigkeiten bereitet schon alleine die eigene Projektidee zu formulieren. Was ist mein Produkt? Was ist mein Alleinstellungsmerkmal? Wer sind die Zielgruppen mit denen ich kommunizieren muss?

Welche Inhalte wünschen sich denn die Studenten?

Studenten wünschen sich, dass Interdisziplinarität und Kommunikation verstärkt trainiert werden. An vielen Universitäten werden z.B. Pharmazie- oder Anatomie-Kurse für Mediziner und Pharmazeuten gemeinsam veranstaltet, was das gegenseitige Kennenlernen über die Disziplinen hinweg fördert. Fachgespräche zwischen Ärzten und Apothekern werden simuliert, um die Denkweise des anderen zu verstehen.

Zum Abschluss noch drei persönliche Fragen: Worauf bist du stolz?

Der größte Brocken den ich zu stemmen hatte war meine Habilitation. Das ging über viele Jahre mit Aufbau eines eigenen Forschungsprofils, Profilierung in der Lehre und Auslandsaufenthalt. Das war ein Projekt mit vielen Facetten das mich sehr lange begleitet hat. Es fiel zudem in die Zeit als Junior-Professuren aufkamen und die damals Habilitierenden als „verlorene Generation“ bezeichnet wurden.

In der unmittelbaren Zeit habe ich 2018 den Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis in der Kategorie „Pharmazeutische Technologie“ bekommen für unsere Arbeiten zur Entwicklung moderner Wundauflagen auf Basis der schon erwähnten Nanocellulose.

Wenn ich es persönlich formuliere bin ich stolz darauf, dass ich inzwischen ein Alter erreicht habe, in dem ich nicht mehr von der Meinung anderer abhängig bin. Ich betrachte viele Dinge inzwischen deutlich entspannter.

Wie sorgst du für „das Alter“ vor?

Diese Frage hat für mich sehr viele Komponenten. Die erste ist, wo ich im Alter gerne sein möchte. Den deutschen Winter finde ich nicht so erstrebenswert. Ich könnte mir einen zweiten Wohnsitz irgendwo im Süden vorstellen. Städtereisen möchte ich gerne machen, in Ländern die ich noch nicht gut kenne. Und ich wollte auch immer Archäologie und Geschichte studieren. Es erschien mir zwar damals eher brotlos aber es hat mich über die Jahre hinweg verfolgt. Ich würde mich diesen ganz anderen Themenbereichen gerne zuwenden, für die ich im Moment keine Zeit habe.

Bezüglich der Gesundheitsvorsorge hat mir der Corona-Lockdown in die Hände gespielt. Da ich dauerhaft zu Hause war, habe ich wieder angefangen Sport und Krafttraining zu machen. Und ich habe meine Ernährung umgestellt. Ich möchte das gerne beibehalten, da ich mich fitter und angenehmer fühle.

Was das finanzielle angeht verlasse ich mich auch hier auf mein Netzwerk. Ich habe Fachleute die mich optimal beraten und auf die ich mich verlassen kann.

Du sagst selbst, wenn du in einem Job alles gelernt hast, dann muss etwas Neues kommen. Welche Ziele hast du noch?

Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, wenn sich Dinge nicht in die Richtung bewegen die ich mir vorstellen könnte, oder schlimmer noch, wenn sich gar nichts bewegt. Die Pharmazie braucht noch mehr frischen Wind und in der pharmazeutischen Politik habe ich noch viel Luft nach oben. Ich könnte über die DPhG hinaus beispielsweise an der Universität stärker politisch aktiv werden. Hier stehen mir sicher noch viele Wege offen, um neue Strukturen und neue Ideen abseits der bisher üblichen Wege einzubringen.

Liebe Dagmar, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast das Thema Netzwerke auf vielen Ebenen zu beleuchten!

Vorgestellt – Prof. Dagmar Fischer:

Meine Gesprächspartnerin heute war Prof. Dr. Dagmar Fischer, Professorin für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) von 2020-2023 und Trägerin des Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis in der Kategorie „Pharmazeutische Technologie“. Zudem war und ist sie in Gremien und Vorständen verschiedener Gesellschaften aktiv: In der Fachgruppe „Ausbildung und Wissenschaft“ der Arbeitsgemeinschaft für Pharmazeutische Verfahrenstechnik e.V. (APV), im Vorstand des Freundeskreis des Institutes für Pharmazie der Universität Jena sowie in der  Controlled Release Society Germany Local Chapter, dem sie in verschiedenen Funktionen, u.a. von 2011-2012 als Präsidentin, vorstand.
Ihr Publikationsverzeichnis umfasst mehr als 120 wissenschaftliche Veröffentlichungen und sie ist Autorin des Buches “Die Pharmaindustrie: Einblick, Durchblick, Perspektiven.”

Dieses Gespräch ist Teil meiner Serie “Im Gespräch mit…” von und für Menschen die inspirieren, quer denken, vernetzen, verändern und eine positive Einstellung ins Leben tragen.

Sie möchten jemanden aus Ihrem Netzwerk vorschlagen, dessen Stimme gehört werden sollte? Dann schreiben Sie mich gerne an!

Ihre

Heike Specht

Manifest einer Wiederholungstäterin: Was ein Sabbatical Angestellten und Arbeitgebern bringt

Ich kann Sie hören! „Wie kann man denn in diesen Tagen über eine Auszeit schreiben? Jetzt, wo viele von uns Angst um ihren Job, ja um ihre Existenz haben! Wie unsensibel gerade im Lockdown das Reisen zu thematisieren.“
Ich vermute es ist die Rebellin in mir, die das Bedürfnis hat über Freiheit und Selbstbestimmung nachzudenken, wenn es am wenigsten möglich ist. Davon abgesehen gibt es einen konkreten Anlass: Mein Partner, mein Hund und ich sind zwei Tage bevor die Grenzen für uns alle geschlossen wurden von einer Abenteuerreise über Land in den Iran zurückgekehrt. Das Sabbatical hat ein Jahr gedauert, es war mein drittes.

Das Sabbatical-Modell taugt aus Sicht vieler Arbeitgeber vor allem, um Mitarbeiter in Zeiten dünner Auftragslage freizustellen oder Headcount kurzfristig einzusparen. So wird das Risiko minimiert Talente an die Konkurrenz zu verlieren. Bei der zweiten von Führungskräften gerne akzeptierten Variante nutzt der Mitarbeiter das Sabbatical, um in eine Zusatzausbildung in Vollzeit zu investieren. Darüber hinaus fällt es vielen Vorgesetzten eher schwer eine Daseinsberechtigung für das Sabbatical zu finden, obwohl es in vielen innerbetrieblichen Vereinbarungen inzwischen festgeschrieben ist. Proaktiv kommuniziert wird es selten.

Ich dachte lange, ich bin eine Exotin, aber den Wunsch nach langen Auslandsreisen habe ich offenbar mit vielen Arbeitnehmern gemeinsam.1
Der Unterschied ist: Ich mache es, während 60 Prozent derer die sich eine Pause vorstellen können diesen Wunsch nie artikulieren.2
Und ich vermute, dass viele die Begründung „Perspektivwechsel“ für zu wenig salonfähig halten.

In diesem Manifest möchte ich eine Lanze brechen für das was ich inzwischen Potenzialzeit nenne, denn beide Seiten profitieren davon. Sie werden gleich verstehen warum.

“Potenzial entdecken und heben”

Ich finde den Ausdruck “Auszeit” sehr unglücklich, weil irreführend. Wir sind als Mitarbeiter nicht “AUSgeschaltet” nur weil wir zeitweise einer anderen Tätigkeit nachgehen. Die Erfahrung zeigt sogar, dass da sehr viel “ANgeschaltet” wird, wenn wir uns in neuem Kontext bewegen. Ob das nun Ziegenhüten auf einer Alphütte ist, oder Abenteuerleben im afrikanischen Busch. Wir stellen unsere Projektmanagement-Qualitäten schon bei der Vorbereitung eines solch komplexen Unternehmens unter Beweis. Auch Flexibilität und Lernfähigkeit sind in der neuen Lebenslage gefragt, denn wir setzen uns unbekanntem Territorium aus. Von der Problemlösungskompetenz kann ich seit diversen Autopannen fernab der Zivilisation ein Lied singen. Ganz zu schweigen von der interkulturellen Kompetenz die exponentiell ansteigt, je weiter sich der besuchte Kulturkreis vom eigenen unterscheidet. So mancher entdeckt sein Händchen für´s Tüfteln, andere werden Reiseblogger oder entwickeln ein Talent zur Fotografie. Nicht alles wird zum bisherigen Jobprofil passen, aber den Horizont auf diese Weise zu erweitern und sich auch bei Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen bleibt auf lange Sicht als Erfahrungsschatz erhalten der auch dem Arbeitgeber zugute kommt.

“Daher biete ich als alternative Bezeichnung für die Auszeit hier optimistisch die ´Potenzialzeit´ an, angelehnt an die Definition des Potenzials aus der Physik:  Die Fähigkeit eines Kraftfelds, Arbeit zu verrichten.”

Ich selbst kenne übrigens keinen Reise-Aussteiger, bei dem die Potenzialzeit zu einem Karriere-Knick geführt hätte. Im Gegenteil. Als ich mich zum ersten Mal aufgemacht habe – damals hatte ich den Job gekündigt – hat mich mein Chef kontaktiert noch bevor ich zurück war und mir die Stelle bei doppeltem Gehalt wieder angeboten. Wer gut ist in dem was er tut und selbstbewusst zu seinen Fähigkeiten steht, wird auch nach Potenzialzeiten gute Chancen auf einen Aufstieg haben. Wir vergessen ja nicht gleich alles was wir können und kommen ausgeruht zurück, mit frischer Motivation und dem Kopf voller kreativer neuer Ideen. 

“Job-Rotation”

Die meisten träumen von einer Pause zwischen 3 und 12 Monaten.1
Das ist eine Zeit, die – zugegeben eher in größeren Unternehmen – durch Job-Rotation gut überbrückt werden kann. So lässt sich im Team auch bei anderen Mitarbeitern neue Kompetenz aufbauen. Vielleicht gibt es einen Kollegen, den die Aufgabe schon länger reizt und der jetzt die Gelegenheit bekommt sich auszuprobieren. Möglicherweise kann ich die Stelle auch mit einem Mitarbeiter besetzen der in einer ausländischen Dependance arbeitet, jemandem den ich aufbauen möchte, der lernen kann, wie im Headquarter gearbeitet wird und die Perspektive aus einer operativen Einheit einbringt. So wird das Sabbatical zur win-win-Situation.

“Luft holen”

Den richtigen Zeitpunkt für eine Potenzialzeit zu finden ist gewiss eine der größten Herausforderungen. Tragisch ist, dass jeder zweite hofft mit dem Sabbatical ein Burn-Out zu verhindern oder gar zu überwinden.1
Sollte das der Fall sein sehe ich die Vorgesetzten sogar in der Pflicht das scheinbar unmögliche möglich zu machen, denn nur wer sich auf gesunde, kraftvolle Mitarbeiter verlassen kann, wird sich erfolgreich am Markt behaupten können.

Mein Rat ist gerade bei anspruchsvollen Tätigkeiten mit viel Verantwortung zwischendurch einmal Luft zu holen, damit die Energie bis zum Ende reicht.

Diejenigen, die den Mut nicht aufbringen über ihre Reise-Wünsche zu sprechen trösten sich häufig damit, alles in der Rente nachzuholen. Auf meiner letzten Reise habe ich ein Wohnmobil mit der Aufschrift gesehen „Bisher war Pflicht, jetzt kommt die Kür.“ Das hat mich sehr traurig gemacht, denn offenbar hat hier jemand sein Leben in einem Job zugebracht, der ihn weder erfüllt, noch stolz oder glücklich gemacht hat.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Auch Abenteuerreisen können körperlich anstrengende Unterfangen mit bisweilen hohem Stressfaktor sein. Ganz sicher bewegt man sich permanent im Ungewissen. Meiner Einschätzung nach nimmt die Bereitschaft sich dem auszusetzen – solange man es nicht in jüngeren Jahren geübt hat – mit fortschreitendem Alter ab.

Wichtig ist zu erkennen, worin die eigene Motivation liegt. Wer seinen Job als quälend empfindet, ist im Sabbatical mit Maßnahmen zur beruflichen Neuorientierung gut beraten. Wer seine Arbeit liebt aber spürt, dass aus dem  Feuer eine klägliche Flamme geworden ist, oder der Akku gar leer ist, für den kann sich die Potenzialzeit auf Reisen zum Jungbrunnen entwickeln.

“Kreativer Tapetenwechsel”

Nun bin ich also zurück von meiner dritten Auszeit und Sie lieber Leser, lieber Kunde fragen sich: „Was hat´s gebracht außer einem Loch in deiner Rentenkasse?“ Nun, zunächst einmal bin ich ins Schreiben gekommen.
Da die Urlaubsziele für uns alle gerade noch ferner sind als üblich, finden Sie möglicherweise gefallen an einem virtuellen Besuch in Georgien, dem Iran oder den griechischen Inseln.

Auf autowanderer.de finden Sie all dies und mehr.

Über mein Business-Modell bin ich intensiv ins Nachdenken gekommen.
Wie können wir uns besser kennenlernen und in einen guten Dialog kommen? Wie kann ich Sie bei Ihren Herausforderungen noch wirkungsvoller unterstützen?

Ich habe mir einige neue Initiativen überlegt die dazu führen werden, dass sich mein Angebot, meine Internetseite und schließlich auch dieser Blog in den nächsten Monaten verändern wird. Bleiben Sie also gespannt auf das was kommt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mit mir zu diesem Thema diskutierten. Haben Sie selbst Potenzialzeit-Erfahrungen die Sie ergänzen möchten? Sind Sie Unternehmer und sehen die Causa Sabbatical aus einer anderen Perspektive? Ich freue mich auf Ihre Kommentare unter diesem Post.

Und für alle die sich jetzt einen Ruck geben aber viele offene Fragen haben, biete ich gerne meine Hilfe als Sabbatical-Berater an. Es gibt vieles zu bedenken, wenn das Leben zu Hause für längere Zeit auf Eis gelegt wird, nicht nur die Finanzierung einer solchen Unternehmung.

Sprechen Sie mich gerne an.

Kommen Sie gesund durch diese Zeit!

Ihre Heike Specht

Quellennachweis:

  1. Wimdu – Größte deutsche Sabbatical-Studie: Fast jeder 2. Deutsche will eine Auszeit vom Job nehmen
  2. Pressemitteilung XING vom 18. Januar 2017 “XING Sabbatical-Studie: Zahlreiche Berufstätige wollen Auszeit, stoßen allerdings auf Widerstände”

„Wechselweib“ – Ein Tusch auf die Lebensmitte

Als Rheinhessin ist mir die fünfte Jahreszeit – anderen besser bekannt als Fasching oder Karneval – als besonderes Geschenk in die Wiege gelegt worden. So ist es wohl zu erklären, dass ich mich bisweilen berufen fühle, in Vierzeilern zu reimen.

Heute tue ich dies mit viel Vergnügen für das online-Magazin Lemondays, welches sich mit femininer Weisheit an Frauen in den Wechseljahren wendet. Die Herausgeberin und Chefredakteurin Angela (Gela) Löhr (die an dieser Stelle schon interessantes zum Thema Kooperationsmöglichkeiten für online Unternehmer zu erzählen wusste), wird dieser Tage 50 Jahre jung und schenkt sich und uns eine Blogparade zum Thema „50 Jahre ICH“.
Die Einladung dazu und alle Links zu Texten, Podcasts und Videos gibt´s hier.

Achtung! Hinweis für das andere Geschlecht: Das folgende Gedicht enthält schonungslose Schilderungen der weiblichen Symptomatik in der Menopause. Ich ermutige Sie trotzdem weiterzulesen, da es meiner Meinung nach nicht schaden kann zu wissen, was mit der Mutter, der Ehefrau oder der Kollegin manchmal los ist.

—————–

Wäre es nach mir gegangen,
hätten die 50er nie angefangen.
Ich fühlte mich so jung geblieben!
Es galt, den Wechsel aufzuschieben.

Das Haar blondiert, die Brust gepusht,
den Rettungsreif mit Mieder vertuscht.
So konnte es nicht weiter gehen!
An Augen und Stirn war´s eh zu sehen.

Die Frau hat stets das Leben genossen,
Tränen vor Freude und Leid vergossen
und als Erinnerung an wilde Zeiten,
gab´s Fältchen im Dutzend – die sieht man vom Weiten.

Mit den Hormonen ging die Figur,
es kam die Gier auf Süßes pur.
Des Nachts ohne Schlaf an die Decke gestarrt,
bei Tag auf der eigenen Meinung beharrt.

Im Schweiße des geröteten Angesichts,
ging auf der Arbeit sowieso nichts.
Die schwankende Stimmung mit Wein begossen,
den Kopfschmerz danach mit Tabletten beschossen.

Den Wechsel als positiv für mich zu begreifen,
das hat gedauert, das will ja auch reifen.
Irgendwann aber erkannte ich,
die Phase ist eine Chance für mich.

So habe ich mir viele Fragen gestellt,
und damit die Stimmung aufgehellt:

Wo will ich in der Zukunft noch hin?
Was verleiht meinem Leben denn Sinn?
Meine Tage verbringen mit Fenster putzen?
Ich hab doch Erfahrungen die anderen nutzen!

Jetzt stecke ich drin, in den 50er Jahren,
und darf mit Freude dieses erfahren:
Ich bin ein waschechtes Wechselweib,
weil ich positiv in der Veränderung bleib.

Die Liebe ist jetzt noch viel mehr ein Genuss,
weil ich über´s Verhüten nicht nachdenken muss.
Und kann ich nicht schlafen, werd´ ich kreativ,
schreib´ Gedichte wie dieses, mit Reimen recht schief.

Zum Schluss noch ein Tusch auf die Königin Gela,
Lemondays kennen ist sicher kein Fehler, (aha!)
Lasst uns die „50er Jahre“ genießen,
und aus der Feder die Hymnen fließen.

Denn eines ist sicher, das hab´ ich kapiert,
bei uns ist nichts falsch oder gehört repariert,
die 50er sind ein Geschenk liebe Leute,
also macht was daraus und beginnt damit heute!

—————–

Vielen Dank an meine liebe Freundin Anne Melro, die mit viel Sprachgefühl meinen bisweilen etwas holprigen Sprachrhythmus geglättet hat.

Als Biologin und freie Redakteurin schreibe ich übrigens für Lemondays auch größere Hintergrundartikel, wie z.B. über die Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Hitzewallungen.

Sie sind auf der Suche?

… nach einem Texter für Ihren Blog oder Ihr Online-Magazin?

…nach einer Wissenschafts- bzw. Medizinjournalistin, die komplexe aktuelle Themen allgemeinverständlich und trotzdem korrekt
aufbereiten kann, wobei es Spaß macht weiterzulesen?
 

Dann sind Sie bei mir richtig!

Mail an heike@picus-communications.de oder Anruf (0170-7619980) genügt.

Eigenverantwortung für die Gesundheit zu übernehmen ist ein Schlüssel (nicht nur) bei Stress

Ende Januar 2020 hat sich die Techniker Krankenkasse mit einer Vorabauswertung ihres jährlichen Gesundheitsreports zu Wort gemeldet und verkündet, was zu befürchten war: Psychische Erkrankungen sind unter ihren Versicherten für rund 19 Prozent aller gesundheitsbedingten Fehlzeiten im Job verantwortlich. Das sei der höchste Wert im Vergleich zu anderen Diagnosen – noch vor Rückenbeschwerden und Erkältungskrankheiten.1

Wer sich heute in seinem Freundeskreis oder unter Kollegen umschaut wird den traurigen Trend bestätigen können. Stress ist schon lange nicht mehr chic und so mancher der ins Burn-Out schlittert braucht Monate, um wieder zu sich zu kommen. Es steht zu befürchten, dass wir vom Maximum noch weit entfernt sind: Die rasante Geschwindigkeit der Digitalisierung, permanente Informationsüberflutung, globalisiertes Arbeiten, Neuausrichtung des Arbeitsfeldes durch künstliche Intelligenz und erhöhte Arbeitsbelastung bei schrumpfender Mitarbeiterzahl sind nur einige der Stimuli, die zu Stress und Depressionen führen können.

Was können wir tun, um der Stress-Falle zu entgehen? Ein ganzheitliches Konzept das mir viel versprechend erscheint ist Ayurveda. Deshalb spreche ich mit Sunitha Kadirvel. Sie ist Heilpraktikerin und Ayurveda-Therapeutin (mehr zu ihrem spannenden Lebensweg und ihren Angeboten am Ende dieses Textes).

„Ayurveda ist eine Lebensphilosophie und Gesundheitslehre aus Indien. Sie hat im Wesentlichen zwei Ziele, Kranke zu behandeln und Gesunde gesund zu halten“, erklärt Sunitha dieses ganzheitliche System. Ayurveda enthält also Prinzipien für die Prävention ebenso wie für die Heilung.

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs sagt Sunitha etwas für mich entscheidendes: Eigenverantwortung für die Gesundheit ist ein Schlüsselwort, wenn es darum geht Stress zu vermeiden.“ Eigenverantwortlich zu arbeiten ist genau das was viele an ihrem herausfordernden Job reizt, mich eingeschlossen. Aber wenn ich mir vor Augen führe wie ich Krankheit begegne muss ich zugeben, dass Sunitha recht hat: Ignorieren bis es nicht mehr geht und dann vom Arzt erwarten, dass er eine Lösung für mein „Problem“ parat hat. Das ist klassisches Outsourcing, aber in Bezug auf die eigene Gesundheit natürlich wenig hilfreich.

Achtsamkeit und Energiebilanz

Die gute Nachricht ist, Eigenverantwortung für die Gesundheit ist erlernbar.

Sunitha:Wir sind uns selbst gegenüber meist zu wenig achtsam. Achtsamkeit für den Körper spielt im Ayurveda eine große Rolle. Das ist natürlich eine Herausforderung. Es wäre einfacher, wenn die Gesellschaft anders ticken würde, lockerer, aber so müssen wir lernen nein zu sagen, wenn uns etwas nicht gut tut, auch zu uns selbst.“

Ayurveda baut auf drei gleichberechtigen Säulen auf: Schlaf, Ernährung und körperliche Aktivität. „In allen drei Bereichen können wir Achtsamkeit entwickeln und üben, indem wir uns immer wieder fragen WAS FUNKTIONIERT FÜR MICH?“, so Sunitha Kadirvel.

Denn es gibt kein Allheilmittel. Jeder kann für sich selbst herausfinden, was die beste Lösung ist. Das liegt, so Sunitha, an den Energien die uns zur Verfügung stehen. Besonders wichtig sei es, MIT den eigenen Kräften zu arbeiten und nicht dagegen. So wie wir automatisch darauf achten, dass das Haushaltsgeld bis zum Ende des Monats reicht, wäre es wichtig Achtsamkeit für den Energiehaushalt zu entwickeln, weil auch unsere Energien endlich sind. Die Aufgabe besteht also darin zu unterscheiden, welche Tätigkeiten uns Energie geben und welche uns Energie nehmen. Eine gute Energiebilanz haben wir, wenn wir über den Tag hinweg Dinge tun, die unsere Energiereserven auffüllen.

Dazu gehören beispielsweise Pausen. Wer unter Dauerstrom steht lässt gerne die Mittagspause ausfallen und isst ein Brötchen, zwischen zwei Meetings vor dem Rechner, dabei die aufgelaufenen E-Mails checkend. Sunithas Rat ist, sich zumindest 10 Minuten geistigen und physikalischen Abstand zu gönnen. Dem Rechner beim Essen den Rücken zuzudrehen wäre schon ein Anfang. „In den meisten Jobs betreiben wir Missbrauch der Sinnessorgane. Wer die Möglichkeit hat einen kleinen Spaziergang zu machen, damit sich die Sinne wieder erholen können, der sollte davon Gebrauch machen.“

Überhaupt erlegen wir uns in der Arbeitswelt häufig Verhaltensweisen auf die unseren natürlichen Bedürfnissen zuwiderlaufen. Wer an der Kasse sitzt kann erst zur Toilette, wenn die Kollegin ablöst. Während des Meetings bloss nicht durch unangenehmes Husten auffallen! Getrunken wird nur in der Mittagspause. Ayurveda unterscheidet bis zu 14 solcher körperlichen Bedürfnisse, die nicht unterdrückt werden sollten. Sie genauer zu betrachten gehört zur Praxis im Ayurveda.

Die drei Säulen des Lebens

Schlaf

Es gibt keine Faustregel wie viele Stunden Schlaf für uns gesund sind, denn das ist typenabhängig, sagt die Heilpraktikerin. Wichtig ist, dass wir die Menge an Schlaf die wir bekommen bei guter Qualität verbringen. Dazu gehört auch, dass wir uns auf die Ruhephase einstimmen. Nach der ayurvedischen Lehre wäre es zum Beispiel vorzuziehen nicht direkt vor dem Schlafengehen die letzte Mahlzeit einzunehmen. Wann wir zuletzt etwas essen können ohne uns zu belasten hängt von unserem individuellen Verdauungssystem ab. Also ist auch hier ausprobieren angesagt.

Außerdem können wir unser Verhalten daraufhin überprüfen, was wir als aufputschend empfinden. Also zum Beispiel, wann wir zum letzten Mal am Abend unsere geschäftlichen E-Mails beantworten oder wann wir den Computer abschalten.

Vielleicht ist es ein Anfang das Mobiltelefon ganz aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Auch kleine Rituale können helfen uns am Abend entspannen zu lassen, wie etwa ein Buch zu lesen (nicht unbedingt Fachliteratur) oder ein Tagebuch zu führen das uns auf positives Denken fokussiert, wie beispielsweise Ideen für Reiseziele, Gerichte auf die wir Lust haben, oder einfach Dinge für die wir dankbar sind.

Ernährung

Nahrungsmittel geben Energie und füllen unsere Reserven auf. So weit so simpel. Aber ob uns die Nahrungsmittel wirklich gut tun hängt nicht nur davon ab was und wie viel wir essen, sondern auch wann. „Unser Darm muss bereit sein die Nahrungsmittel zu verarbeiten“, erklärt Sunitha. Konkret heißt das erst zu essen wenn wir Hunger verspüren, dann aber auch zeitnah zu essen und nicht noch Stunden zu warten bis es uns in die Agenda passt. Denn sonst bauen wir ein Ungleichgewicht auf. „Wenn ich achtsam esse, merke ich eher, ob mir das was ich da gerade auf dem Teller habe wirklich gut tut“, so die Heilpraktikerin. „Außerdem merke ich nur bei voller Konzentration auf das Essen, wann ich satt bin.“ Die meisten von uns verpassen diesen Moment und fallen dann in das viel zitierte Verdauungsloch.

Mit generellen Ratschlägen zu Speisen für Stressgeplagte tut sich die Ayurveda-Therapeutin schwer, denn was uns gerade gut tut hängt von vielen individuellen Parametern ab. Eine Anamnese durch einen Heilpraktiker vor der Ernährungsumstellung wäre auf jeden Fall besser. Anregende Speisen und Getränke seien aber grundsätzlich zu vermeiden. Dazu gehören Kaffee und kohlensäurehaltige Getränke.

Körperliche Aktivität

Die oberste Regel für Sport im Ayurveda heißt „tu das wofür du die Kraft hast!“ Es muss für stressgeplagte nicht schädlich sein nach einem langen Arbeitstag noch 10 Kilometer zu joggen. Ich muss aber der Typ dafür sein, damit es mir wirklich Energie zurückgibt. Wenn ich mich quäle – adieu!

Ich selbst bin vor einiger Zeit wegen Rückenbeschwerden zum Yoga gekommen. Inzwischen weiß ich aus Erfahrung, dass es sich sehr positiv auf mein Gesamtbefinden auswirkt. Die Ayurveda-Therapeutin bestätigt, dass ähnliche Konzepte und Philosophien beides verbindet. Daher bezeichnet man Ayurveda und Yoga auch als Geschwister. „Bei Yoga kommen Geist und Körper zusammen. Es gibt viele verschiedene Traditionen. Manche betonen eher das Körperliche, andere eher das Mentale oder Spirituelle. Meine Empfehlung für Menschen die unter Stress leiden wäre, verschiedene Stile auszuprobieren und zu schauen was momentan am Besten passt. Das kann sich über die Zeit durchaus ändern“, so Sunitha Kadirvel.

Einen Artikel zum Thema Harta-Yoga hat im PICUS Blog an anderer Stelle Patricia Wolf veröffentlicht. Von ihr habe ich die folgende Atemübung gelernt, die ich gerne weitergebe:

Wir konzentrieren uns dabei auf die natürliche Atembewegung, also nicht besonders tief oder lang atmen, sondern den Atem fließen lassen. Es kann hilfreich sein während der Atembewegung zu zählen oder den Satz in Stille zu wiederholen „ich atme Ruhe und Gelassenheit ein und Anspannung aus“.

Das Praktische daran ist, dass wir den Atem immer zur Verfügung haben, um uns darauf zu konzentrieren, auch bei Stress-Situationen im Büro. Ziel ist es zur Ruhe zu kommen, Abstand zu gewinnen und sich darauf zu besinnen, dass die Lage nicht lebensgefährlich ist. (Das Gegenteil von dem was uns die Stresshormone suggerieren).

Wenn es zum Äußersten kommt: Burn-Out

Sunitha Kadirvel: „Menschen die an Burn-Out leiden sind in ein Ungleichgewicht geraten, haben keine Energie mehr, dafür aber jede Menge Schlacke und Toxine im Körper. Ayurveda kann hier helfen, wobei die Behandlung des Körpers meist auch der Psyche hilft. Das ist ein Prozess, bei dem ich den Patienten über längere Zeit begleite. Am Anfang steht die Anamnese. Wir analysieren gemeinsam seinen Gesundheitszustand, seine Verhaltensweisen und Gewohnheiten und seine Ernährung. Ziel ist es, den Körper zu reinigen und die Energien durch Medikamente und Behandlungen wieder aufzubauen. Eine schöne Nebenwirkung dieses Prozesses ist, dass der Patient lernt mehr Achtsamkeit für sich und seine Bedürfnisse zu entwickeln und Ungleichgewichte selbst zu erkennen.“

Zum Ende unseres Gesprächs ist es der Heilpraktikerin ganz wichtig zu betonen, dass im Ayurveda der Mensch ganzheitlich angeschaut wird, um ihm bei seiner gesundheitlichen Situation zu helfen. Diese Betrachtung geht über den Auslöser – mag es Stress sein oder etwas anderes – hinaus. „Ayurveda ist ein sehr komplexes Medizin-System das seine Wirkung durch die individuelle Arbeit am Patienten entfaltet, mit für ihn massgeschneiderten Behandlungsmethoden. Empfehlenswert wäre, wenn jeder Ratsuchende sich für seine individuelle Situation Hilfe bei einem Therapeuten holt“, so Sunitha Kadirvel.

Nach dem Interview mit der Ayurveda-Therapeutin denke ich darüber nach, wie ich in Zukunft mehr Eigenverantwortung für meine Gesundheit übernehmen kann. Den Anfang macht das neue „selbst bewusst sein“. Ich werde meine Gewohnheiten hinterfragen. Dinge die ich tue oder esse, ohne darüber nachzudenken, möchte ich mir bewusst machen und mich fragen „warum tue ich das? Tut mir das wirklich gut?“ Es ist ein Versuch achtsamer zu sein, mich langsam aber stetig neu zu programmieren und darüber gesündere Gewohnheiten zu entwickeln.

Denn wie der berühmte indische Arzt Deepak Chopra sagt: „Gesundheit ist unser Geburtsrecht.“

Darf ich vorstellen: Sunitha Kadirvel

Sunitha´s eigener Lebensweg zeigt, dass beruflicher Wandel möglich ist, wenn Klarheit über das Ziel herrscht. Ihren Beruf als Ingenieurin hat sie in der Telekommunikations-Branche ausgeübt. “Ich wollte Menschen zusammenbringen“ erklärt sie mir. Als sie erkannte, dass eine direkte Arbeit mit Menschen sie ihren Zielen näher bringen könnte, entschied sie sich zur Ausbildung als Heilpraktikerin. Warum ihre Wahl dabei auf Ayurveda gefallen ist erklärt sie so: „Ich wollte immer etwas für Menschen tun, dabei aber ein System anwenden, das bei vielen gesundheitlichen Problemen hilft und mich nicht auf eine spezielle Behandlungsmethode einschränkt. Ayurveda ist ein ganzheitlicher Ansatz der es möglich Macht die Wurzel des Problems zu behandeln. Das hat mir gefallen. Dass ich selbst aus Indien komme hat sicher dazu beigetragen, dass ich mich für Ayurveda besonders interessiere.“

Sunitha Kadirvel ist seit 2015 Heilpraktikerin mit eigener Praxis in Aachen. Dort arbeitet sie hauptsächlich mit der Traditionellen Indischen Medizin Ayurveda und bildet sich auf diesem Gebiet ständig weiter. Neben der Praxistätigkeit ist sie Dozentin bei den Deutschen Paracelsus Schulen und der VHS Aachen. Zusätzlich ist sie als Aroha Trainerin sportlich engagiert und im sozialen Bereich als Sprach- und Integrationsmittlerin bei PÄZ, Aachen.

Wer in der Nähe von Aachen wohnt, dem sei ihr Kurs „Ayurveda im Alltag“ im Mai 2020 empfohlen. Die Details zur Veranstaltung der VHS können über den folgenden Link abgefragt werden:

https://www.vhs-aachen.de/kurssuche/kurs/Ayurveda-fuer-den-Alltag/nr/201-08205C/bereich/details/

Wer sich über ihre Angebote informieren oder einen Termin vereinbaren möchte, der findet alle Informationen auf der Webseite ihrer Praxis:
https://praxis-kadirvel.de/

 

Zu guter Letzt: Mein Angebot an Sie

Nicht selten entsteht Stress aus Situationen heraus, in denen uns Argumente fehlen oder es uns gar die Sprache verschlägt. Aber Kommunikation – auch in Krisensituationen – kann man lernen.

Wenn Sie sich vorstellen können Gespräche – die Sie eigentlich lieber vermeiden wollen – im geschützten Raum zu üben, dann sprechen Sie mich gerne an.

Ihre

Heike Specht

 

Quellennachweis

1Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse vom 31.01.2020 „Krankenstand sinkt leicht – psychische Erkrankungen auf Rekordhoch“

Disclaimer

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten Behandlungen dar. Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt. Er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens.

Dein Körper ist ein weiser Coach: Interne Kommunikation mal anders

Heute bloggt für Sie Ilona Tamas, Autorin, Redakteurin und Gesundheitspraktikerin. Sie schreibt über ihre Lieblingsthemen Frauengesundheit, weibliche Sexualkultur und Genuss an körperlichem Erleben und betreut Webseiten für Firmen und Institutionen, wenn das Thema ihr zusagt.
Als Gesundheitspraktikerin für Frauenmassage und weibliche Sexualkultur arbeitet Ilona mit Frauen, die sich mehr Genuss mit ihrem Körper wünschen und Freude mit ihrer Sexualität erleben wollen.

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Die Kommunikation mit Körperorganen kannte ich bis vor fünf Jahren nur von Otto, dem Komiker: „Milz an Großhirn, Milz an Großhirn: Was ist denn da los bei euch?“ Was Otto so komisch im Sketch beschreibt, die Kommunikation der Körperorgane untereinander, habe ich in einem körperorientierten Coaching kennengelernt. Das körperorientierte Coaching macht sich die Kommunikation mit dem Körper zunutze, um eine „gesunde“ Lebensweise, z.B. im Beruf, in Beziehungen oder bei körperlichen Beschwerden zu gestalten. Als ich im körperorientierten Coaching angefangen habe mit meinem Körper zu sprechen, hatte das wenig von der Komik, wie bei Otto, sondern war richtungsweisend für mich, mein Leben neu zu ordnen und zu gestalten. Diese besondere Art von Kommunikation – Gespräche mit dem Körper  – möchte ich hier vorstellen.

Auf der Suche nach neuen beruflichen Perspektiven kam ich in Kontakt mit meinem Körper

Ein Samstagvormittag vor fünf Jahren. Ich saß in einem Seminarraum und wollte neue Perspektiven für mein Berufsleben finden. Die Seminarleiterin erklärte die Aufgabe: Ich sollte ein Gespräch führen mit meinem Körper. Die Methode ist im Grunde einfach: Ich stellte meinem Körper Fragen. Dem Körper Fragen stellen? Wofür sollte das gut sein? Die Absicht war, vom Körper Tipps und Hinweise zu bekommen, z.B. wie ich ein gesundheitsförderliches Berufsleben gestalten könnte. Eine der Fragen, die ich meinem Körper damals stellte, lautete: „Was brauchst du nicht mehr in deinem Leben?“ Die Antwort aus meinem Körperinneren kam prompt und unmissverständlich: „Das Angestellten-Dasein als Redakteurin.“ Himmelherrschaft, mein Körper war also der Meinung, dass er auf meinen Angestellten-Job verzichten konnte. Ich war seit mehr als 20 Jahren Angestellte im gleichen Unternehmen und arbeitete als Redakteurin in der Abteilung “Communications”. Schon einige Jahre hatte ich den Eindruck, dass „die Firma“ und ich uns auseinandergelebt hatten. Ich war bereit für eine Veränderung, aber so radikal hatte ich es bisher nicht ausgedrückt.

Jetzt war es ausgesprochen! Hinter diese Information konnte ich nicht mehr zurück. Die Dinge nahmen ihren Lauf: 2 Jahre später hatte sich die Trennung von meinem Arbeitgeber vollzogen. Heute bin ich selbständige Redakteurin und schreibe über Themen, die mich wirklich interessieren und viel mit mir zu tun haben: Frauengesundheit, weibliche Sexualkultur und Genuss an körperlichem Erleben.

Der Kontakt mit meinem Körper schenkte mir ein neues Körperbild

In unserer Gesellschaft ähnelt das Bild, das wir vom Körper haben, mehr einer Maschine, die bitteschön funktionieren soll. Auch ich dachte so. Ich redete davon, was mein Körper für mich tun sollte: Bei der Arbeit funktionieren, fit sein, gut aussehen, genügsam sein, mich nicht im Stich lassen.

Ganz ehrlich: Wie oft hatte ich meinen Körper schon im Stich gelassen? Hatte ihm zu wenig Schlaf gegönnt, zu wenige Pausen, weil eine Arbeit noch fertig werden sollte. Wie oft saß ich zu lange unbeweglich vor dem Computer. Gerne auch mal mit Kopf- oder Nackenschmerzen und überhörte stur alle Signale meines Körpers. „Nacken an Großhirn, Nacken an Großhirn, mach doch bitte mal Pause und bewege dich, damit ich mich entspannen kann!“ „Jaja, gleich, antwortete das Großhirn. „Nur eben schnell noch diesen Beitrag fertigschreiben.“

Die Dialoge mit meiner Körperweisheit, die bei diesem körperorientierten Coaching geführt wurden, drehten dieses alte Körperbild und die Kommunikations-Hierarchie auf den Kopf: Ich habe meinen Körper gefragt, was ich für ihn tun kann und er ließ es mich wissen. Zuvor lief die Kommunikation ja vor allem in die andere Richtung: Ich ließ meinen Körper wissen, was er für mich tun konnte.

Negative Kommunikation mit mir selbst fand ich ganz normal

Innere Dialoge führen wir ja alle ganz gerne, oft unbewusst und automatisch. Früher drehten sich meine Selbstgespräche vor allem darum, was ich alles nicht kann. Da sprach der innere Kritiker laut aus, was er über mich dachte. Die altbekannten Themen eben: Das habe ich dir doch gleich gesagt … was bildest du dir ein, als ob du dir so etwas erlauben könntest … glaub bloß nicht, dass das klappt … und so weiter. Diese negativen Stimmen machten sich auch nach dem körperorientierten Coaching lautstark bemerkbar. Aber jetzt gab es auch diese andere Stimme in mir – eine freundliche und weise Stimme. Ich hatte jetzt die Wahl, der alten Leier über Misserfolge und Scheitern zuzuhören oder der neuen positiven Stimme zu folgen, die mir Mut machte und mich bestärkte. Auf diese negativen inneren Dialoge, die mich klein und mutlos machen, kann ich inzwischen gut verzichten.

Aus Dialogen mit meinem Körper gehe ich gestärkt hervor

Die Kommunikation mit meinem Körperinnenleben stärkt mich. Sie bringt mich mit meinem Bauchgefühl und meiner Intuition in Kontakt. Meine Körperweisheit weiß, was gut für mich ist. Der Weg in die Selbständigkeit hat sich für mich als goldrichtig erwiesen. Ich habe wieder Freude beim Arbeiten. Fragen nach dem Sinn meines Tuns stelle ich mir keine mehr: Ich schreibe aus ganzem Herzen gerne über meine Lieblingsthemen. Davon profitiert auch mein Körper, ich erlebe weniger Anspannung und mehr Lebensfreude. Im Sommer verlege ich mein Schreib-Büro nach draußen auf die Terrasse oder gleich in ferne Länder. Diesen Sommer habe ich fünf Wochen auf Reisen verbracht, täglich einige Stunden gearbeitet und mindestens genau so viel Zeit im Liegestuhl oder am Strand verbracht.

3 Dinge brauche ich für meinen Körper-Dialog: Entspannung, Fantasie und meine 5 Sinne

Elemente, die mich beim Dialog mit meinem Körper unterstützen sind Entspannung, Fantasie und meine fünf Sinne. In den Dialog mit dem Körper starte ich aus einem entspannten Zustand heraus, z.B. nach einer kurzen Meditation. Die Entspannung vertiefe ich, indem ich vor meinem inneren Auge eine Landschaft auftauchen lasse. Eine Landschaft oder ein Ort, an dem ich mich wohl fühle. Mein Wohlfühlort ist meist eine grüne Wiese mit Blumen zwischen sanften Hügeln und unter blauem Himmel. So heidimäßig halt. An meinem Wohlfühlort kann ich mit meinen fünf Sinnen das Summen der Bienen hören, den lauen Wind auf meiner Haut spüren, höre das Klingen der Kuhglocken und habe den Duft der Blumenwiese in der Nase. Von diesem Ort aus starte ich die Reise, um in Kontakt mit meinem Körper zu kommen. Manchmal führt mich meine Fantasiereise auch in meinen Körper hinein. Im körperorientierten Coaching reisen Menschen oft zu einem Kraftort im Körper oder zu einem Ort, der etwas über das Coaching-Thema weiß. Mit diesem Ort nehme ich dann Kontakt auf. Gehe in einen Dialog mit diesem Ort und kann wichtige Fragen stellen, vor 5 Jahren lautete meine Frage: „Was brauchst du nicht mehr in deinem Leben“? Die Antworten aus dem Körperinneren sind so vielfältig und individuell wie die Menschen und die Themen, die sie in das Coaching mitbringen. Meine Fragen an den Körper beziehen sich meist darauf, was mein Körper braucht, um sich gut zu fühlen und was ihm Kraft und Energie bringt. Die Antworten meines Körpers beziehen sich dann darauf, was gesundheitsfördernd für mich ist und es mir ermöglicht, mehr Zeit zu verbringen, in der ich mich gut fühle und weniger Zeit, in der es mir nicht gut geht. In der Kommunikation mit dem Körper erhalte ich Hinweise, wie ich mein Leben gesünder, stimmiger und mehr im Einklang mit mir selbst gestalten kann. Aus den Informationen und Bildern aus dem Körperinneren kann ich eine Art „Gesundheitsrezept“ erstellen, das mir hilft, mein Leben kraftvoll und vital zu führen.

Mein Körper und ich sind auf diese Art inzwischen beste Freunde geworden.

Das wünsche ich Ihnen auch!

Herzlichst,

Ilona Tamas

Kontaktmöglichkeiten zu Ilona Tamas:
Als Redakteurin und Webdesignerin: Wortmerken Texte und Webdesign
Als Gesundheitspraktikerin für Frauen-Massage und weibliche Sexualkultur: Ilona Tamas Coaching

Wenn körperorientiertes Coaching auch interessant für Sie ist, können Sie hier mehr darüber erfahren Körperorientiertes Coaching nach der Methode Wildwuchs