Im Gespräch mit: Prof. Dagmar Fischer – über Netzwerke

“Die Schlüssel zum Erfolg sind gute Kommunikation und ein hoher Grad an Vernetzung” – Prof. D. Fischer

Man möchte meinen der Professorin für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die derzeit auch Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) ist, sei die Wissenschaft bereits in die Wiege gelegt. Weit gefehlt: Die bayerische „Landpflanze“ (Originalton) war ihre Kindheit und Jugend hindurch fest davon überzeugt, dass sie einmal Tierärztin wird. Zahlreiche Wesen, darunter Kätzchen, Tauben und sogar Goldfische haben von dieser Ambition profitiert. Vom Leben auf dem Land hat sie das Gärtnern auf den Balkon hinübergerettet, fein getrennt, rechts Blumen, links Kräuter und Gemüse. Noch heute fährt sie – wenn sie richtig gestresst ist und Abstand braucht – zur Familie auf´s Land. Das heimische Netzwerk und die Wasseroberfläche beim Schwimmen, allein am Morgen, trägt sie dann – bis der Akku wieder voll ist.

Dagmar, warum bist du eigentlich nicht Tierärztin geworden?

Das liegt tatsächlich am Berufsberater der Schule. Ich hatte neben der Medizin noch viele andere Interessen und er hat mich gefragt, warum ich nicht Apothekerin werde. Das Berufsbild des Apothekers um die Ecke fand ich allerdings zunächst nicht so stylish. Ich habe mich dann doch intensiver mit dem Berufsfeld befasst und festgestellt, dass ich damit sehr viele Möglichkeiten habe. Ich kann auch in die Industrie gehen, in Krankenhausapotheken und natürlich in die Forschung.

Ich habe als Pharmazeutisch-technische Assistentin angefangen. In der Apotheke hat mir die praktische Arbeit der PTA sehr viel Spaß gemacht, aber der Alltag hat mir auch gezeigt, dass ich mit mehr Wissen weiterkommen kann. So habe ich das Studium der Pharmazie begonnen, das ich finanziert habe, indem ich als PTA weiter gearbeitet habe.

Als ich an der Universität mit der Wissenschaft und Forschung in Berührung kam wusste ich: „Das ist meins!“ Dinge auszuprobieren, von denen andere sagen, „das kann überhaupt nicht klappen!“ Ich fand es spannend völlig neue Sachen zu machen.

Hast du deine Karriere in der Wissenschaft geplant?

Mein Lebenslauf ist alles andere als geradlinig und nicht geplant. Wenn ich bei einer Karrierestufe ans Ende kam habe ich immer geschaut welche Möglichkeiten ich habe, was sich mir als nächstes bietet. Ich habe immer geschaut welche Wege mir offenstehen und mich gefragt: „Welche Chancen habe ich dort und was kann ich lernen? Was ist für mich neu?“

Mir haben Kollegen vorausgesagt in die Industrie zu gehen sei ein Karrierebruch. Das würde nie wieder in die Universität zurückführen. Ich habe es trotzdem gemacht und bin an die Universität zurückgekehrt. Das was ich in den Jahren in der Industrie gelernt habe ist heute für mich unbezahlbar. Dieser Ausreißer ist einer, der mich von vielen Kollegen unterscheidet.

Das klingt ein bisschen so als würdest du – um bei deinem Sport zu bleiben – gerne gegen den Strom schwimmen. Stimmt das?

Nicht notwendigerweise. Es ist eher so: Wenn ich eine Weile lang Dinge gemacht habe und feststelle, dass ich sie kann, dann muss eine neue Herausforderung kommen. Dann muss ich etwas ausprobieren, um zu schauen ob das auch noch geht. Wenn ich mir ein neues Feld anschaue, dann frage ich mich ob ich dazu etwas beizutragen habe. So bin ich Studiendekanin geworden oder Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Ich schaue also immer, ob ich etwas beitragen kann in einem Betätigungsfeld in dem ich bisher noch nicht aktiv war. So kommt es zu meinem „Sammelsurium“ an Erfahrungen.

Was wäre dein Rat an Frauen, die Professorin werden wollen?

Sie brauchen zunächst einmal einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Was für mich gut funktioniert hat waren universitäre Mentoring-Programme. Hier habe ich Frauen kennengelernt, die auch andere Wege gegangen sind. Für mich waren diese Begegnungen ein Schlüsselerlebnis. Bis heute ist es nämlich so, dass ich hauptsächlich Männer um mich habe. Als ich diese Frauen kennenlernte, wuchs in mir das Vertrauen, dass so eine Karriere machbar ist. Inzwischen bin ich selbst Mentorin im Postdoktorandinnen-Programm des Universitätsbundes Halle-Jena-Leipzig

Was denkst du, warum es so wenige Frauen in oberen Führungsebenen gibt?

Frauen stehen sich an vielen Stellen selbst im Weg, z.B. was unser Kommunikationsverhalten angeht. Wir sind sehr viel realistischer in der Einschätzung was wir können und was wir nicht können. Männer sind deutlich aktiver darin ihre Vorzüge darzustellen.

Bei den Studentinnen hier an der Universität beobachte ich oft auch ein anderes Selbstverständnis. Ihre Ansprüche sind andere. Da geht es gar nicht so sehr um „Frauen nach vorne!“, sondern oft um eine Ausbildung bei der sie ihren Beruf mit ihrer Familienplanung gut verbinden können. Wo wir noch das Gefühl hatten kämpfen zu müssen, ist es für Frauen heute in vielen Bereichen selbstverständlich geworden, dass es Gleichberechtigung gibt. Sie nehmen die sogenannte gläserne Decke für sich gar nicht wahr. Ich bin allerdings überzeugt, dass es sie gibt. Auch heute gibt es noch reine Männergesellschaften, die wir nur ganz langsam erobern.

Du hast sehr viele Positionen inne. Wie organisierst du dich und dein Umfeld, um den Überblick über die Aufgaben zu behalten?

Dass ich keine Familie zu koordinieren habe erleichtert natürlich vieles. Um alle meine verschiedenen Aufgaben zu erfüllen brauche ich viel Disziplin, was nicht so den Eindruck erweckt, wenn man die Papierstapel auf und unter meinem Schreibtisch sieht. Da fragt sich so mancher, ob ich noch den Überblick habe. Ich habe einen Trick, um mich zu organisieren, der für mich als optischer Typ gut funktioniert: Ich male mir einen Wochenplan optisch, grafisch auf ein Blatt Papier. Das liegt auf meinem Schreibtisch ganz oben. Was da draufsteht, darf ich auf keinen Fall vergessen. Meine Erfahrung in den verschiedenen Positionen in denen ich mich um Projektmanagement gekümmert habe hilft mir natürlich Aufgaben auch zeitlich gut zu koordinieren.

Noch wichtiger ist aber mein Team. Ich habe Mitarbeiter die alle super zusammenarbeiten und ihre Aufgaben im Griff haben. Der Schlüssel ist gute Kommunikation und ein hoher Grad an Vernetzung. So weiß jeder was er zu tun hat. Gute Kommunikation heißt für mich auch extrem kurze Wege zu meinen Mitarbeitern, meine Tür steht immer offen. Transparenz ist wichtig, jeder weiß was läuft. So können Mitarbeiter sich gegenseitig und natürlich auch mich entlasten. Dieses Netzwerk funktioniert hervorragend ohne dass ich eingreifen muss. Ich habe ein Labor, ein Sekretariat und in der DPhG eine Geschäftsstelle. Dort sitzen Leute die wissen was zu tun ist und alles im Griff haben.

Wie stellst du sicher, dass neue Mitarbeiter in dieses Netzwerk passen?

Kommunikationsfähigkeit ist ein wichtiger Punkt. Apotheker kommunizieren von sich aus schon sehr gerne, das haben sie gelernt. Ich schaue darauf, dass die Menschen teamfähig sind. Da verlasse ich mich nicht nur auf mein Urteil. Jeder Bewerber verbringt mit dem gesamten Team eine Kaffeepause. Mein Team hat dann auch das letzte Wort, denn Bewerber öffnen sich im Team ganz anders als bei mir. Selbst wenn die wissenschaftliche Qualifikation stimmt stelle ich die Person nur ein, wenn sie zur Gruppe passt.

Auch die Forschung braucht Netzwerke. Magst du allgemeinverständlich beschreiben woran du forschst?

Wir beschäftigen uns mit Nanomaterialien – also winzigen synthetischen oder natürlichen Werkstoffen – die wir in Arzneistoffträger verwandeln. Anders gesagt: Wir entwickeln neue Wirkstoffträgersysteme. Wir schauen also, wie wir medizinische Wirkstoffe verpacken können, so dass sie zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Weg im Körper finden können. Wir konzentrieren uns auf Infektionen und Entzündungen oder entzündungsassoziierte Erkrankungen die in der alternden Gesellschaft eine Rolle spielen. Diese Erkrankungen sind ähnlich, hängen miteinander zusammen und sind hochaktuell.

In den letzten Jahren fokussieren wir außerdem auf das Thema Nachhaltigkeit. Hier habe ich in Jena verschiedene Partner zusammengebracht. Es gab hier schon Ansätze Trägermaterial – die Nanozellulose –  durch Bakterien auf natürlichem Wege herzustellen. Die Bakterien „spinnen“ dabei Nanozellulosefasern zu einem Netz. Außerdem wurden zusammen mit dem Polysaccharid-Zentrum in Jena Zuckerderivate zu Trägersystemen umgewandelt. Andere Kollegen untersuchen natürliche Substanzen wie z.B. Weihrauch als Wirkstoffe. Die dritte Komponente ist der Prozess der Verpackung, also wie bringe ich die natürlichen Wirkstoffe in die natürlichen Trägersysteme. Dazu verwendet man üblicherweise z.B. organische Lösungsmittel. Wir erforschen z.B. wie wir diese Lösungsmittel durch nachhaltige Komponenten austauschen können.

Und dann gehen wir noch einen Schritt weiter, denn Arzneimittel müssen getestet werden. Wir haben als Alternative zum Tierversuch eine Methode mit Hühnereiern entwickelt. Damit können wir beispielsweise Wirkstoff-Verteilung und -Freisetzung sowie Verträglichkeit untersuchen. Wir haben uns also auf allen Ebenen, vom Wirkstoff über das Trägersystem bis hin zu den Tests in Richtung Nachhaltigkeit bewegt.

Du kümmerst dich auch um die Verankerung von Unternehmertum und Entrepreneurship an der Universität. Wie sieht das praktisch aus?

Gründungen werden in ganz Thüringen stark gefördert. Die Universität Jena hat ein sehr ausgeprägtes Gründersystem mit Gründungsbotschaftern. Ich bin die Gründungsbotschafterin für den Bereich Biowissenschaften. Damit stehe ich den Gründern als Ansprechpartnerin von der wissenschaftlichen Seite her zur Verfügung. Wir schauen uns in einer sehr frühen Phase an, ob die Gründungsidee Erfolg haben kann. Wir geben auch Tipps z.B. zum Thema Dokumentation. Das ist wichtig damit die Idee patentfähig ist oder von Behörden anerkannt werden kann. Wir knüpfen Verbindungen z.B. zu Patentanwälten oder bei der Organisation von Gründerräumlichkeiten.

Unsere Studierenden lernen schon im Studium was Patente sind, wie die Qualität der Idee gesichert werden kann. Außerdem werden sie sensibilisiert dafür was für die Unternehmensgründung gebraucht wird. Von der Universität werden z.B. Workshops durchgeführt, wie man ein kleines Unternehmen aufbaut, wie man Unternehmer wird und was eine Unternehmerpersönlichkeit ist. Das heißt von der Theorie bis hin zum praktischen Handwerk werden Grundlagen vermittelt.

Dass die Universität dabei erfolgreich ist zeigt das Beispiel meiner Mitarbeiterin, die schon während ihrer Habilitation ein kleines Unternehmen gegründet hat. Heute hat sie mehr als 20 Mitarbeiter und ist im Bereich Kosmetik und Medizinprodukte am Markt erfolgreich etabliert.

Der Erfolg liegt sicher auch an der besonderen Art wie wir hier in Jena interagieren. Das fällt auch Stiftungsgebern auf, die Großprojekte oder Sonderforschungsbereiche begutachten. Dann hören wir häufig, dass wir hier eine besondere Kooperationsmentalität haben. Der Informationsfluss über verschiedene Bereiche hinweg ist enorm.

Die Tatsache, dass sich hier viele Unternehmen bereits etabliert haben zieht natürlich auch andere Unternehmen an. Die Thüringer Pharma-Community unterstützt dies. Alle Pharma-Unternehmen treffen sich regelmäßig – auch mit den Pharmazeuten an den Hochschulen. Es erfolgt ein reger Austausch darüber, was gerade an Projekten bearbeitet wird. Wir schauen beispielsweise, ob wir gemeinsame Anträge stellen oder an Projekten gemeinsam arbeiten können. Wir haben sogar eine gemeinsame Homepage.

Dieses aufeinander zugehen – das Netzwerken – ist sicher außergewöhnlich und zeichnet Jena besonders aus.

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Gründer sind anfangs häufig überwältigt von den Aufgaben und erleben zahlreiche Niederlagen. Wie gehst du mit Niederlagen um und wie motivierst du dich danach?

Winston Churchill soll einmal gesagt haben, „Erfolg besteht darin sich von Niederlage zu Niederlage zu hangeln, ohne den Enthusiasmus zu verlieren.“

Ich kenne Misserfolg als heftigen emotionalen Peak in dem ich mich meist über mich selbst aufrege. Aber dann werde ich schon vom nächsten Problem eingeholt, so dass ich gar keine Zeit habe mich lange damit zu befassen. Was ich versuche ist, die Einstellung die ich aus meiner Zeit in den USA mitgebracht habe zu kultivieren. Wenn dort jemand scheitert, sagen die Menschen: „Super, er hat etwas ausprobiert! Er ist zwar damit gescheitert, aber er ist einen neuen Weg gegangen.“ Ich für mich versuche nach dem Scheitern auf einem anderen Weg trotzdem zum Ziel zu kommen.

Du bist bis 2023 Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Wie lässt sich die Aufgabe der DPhG zusammenfassen?

Die DPhG beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Seite der Pharmazie. Wir fördern Wissenschaft auf allen Gebieten der Pharmazie. Was heißt das? Zum einen stärken wir die Kooperation der verschiedenen Fachdisziplinen untereinander und fördern damit die experimentelle Forschung und die wissenschaftlich orientierte Fortbildung.

Unsere zweite Aufgabe ist es, die Interessen derer zu vertreten, die pharmazeutisch-wissenschaftlich orientiert sind und z.B. Stellung zu nehmen zu aktuellen Problemen und Fragestellungen. Wir vertreten die wissenschaftliche Pharmazie gegenüber der Bundesregierung, aber auch anderen Anspruchsgruppen. Und schließlich beraten wir auch: Zu Ausbildungsfragen oder zu Fragen über Arzneimittel, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Was hast du dir für deine Zeit als Präsidentin vorgenommen?

Ich versuche den Spagat zu machen zwischen der wissenschaftlichen Pharmazie und der Pharmazie in der täglichen Anwendung. Damit meine ich, die Erkenntnisse aus dem Elfenbeinturm Wissenschaft hinein in die Praxis zu transferieren.

Dazu brauchen wir Fortbildung der Apotheker in öffentlichen Apotheken und im Krankenhaus. Dazu brauchen wir auch aktuelle Ausbildungsinhalte, also die Modernisierung des Studiums der Pharmazie und die Stärkung der klinischen Pharmazie.

Was sind die Herausforderungen für diesen Transfer und wie können sie gemeistert werden?

Die Pharmazie ist ein Gebiet das sich rasant schnell entwickelt. Hier alle Bereiche mitzunehmen und aktuell zu halten ist eine Herausforderung, der wir uns stellen. Wir stehen ständig vor neuen Problemen – wie sich aktuell in der Corona-Krise gezeigt hat. Hier brauchen wir neue Konzepte und auch neue Kommunikationswege.

Mein Vorteil ist, dass ich genau in diesem Transferbereich arbeite, in dem Grundlagenforschung in Anwendung übersetzt wird. Wir hören uns von allen Fachdisziplinen an wo die Bedürfnisse liegen und reagieren entsprechend darauf.

Was bedeutet das für die pharmazeutische Ausbildung?

Wir nehmen uns vor, die Veränderungen bereits in das Pharmazie-Studium einzubringen, z.B. die Orientierung hin zur Forschung und die wissenschaftliche Herangehensweise. Darüber hinaus haben Themen wie Digitalisierung oder Personalisierung oder Qualitätssicherung Bedarf zur Aktualisierung.

Ganz wichtig ist mir: Wir wollen hin zum kompetenzorientiertem Lernen, also weg vom Faktenwissen hin zu Problemlösungen. Dazu bringen wir Studenten in Kontakt mit verschiedenen Stakeholdern. So lernen sie nicht nur Apotheker kennen, sondern haben auch Kontakt mit Mitarbeitern aus der pharmazeutischen Industrie, die z.B. aus praktischer Sicht Vorträge halten. Wir veranstalten mit der Pharma-Industrie zusammen auch Workshops oder Doktorandentagungen vor Ort, was Studenten und Doktoranden auch die Möglichkeit gibt, potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen.

Meine Doktoranden bekommen außerdem Trainings, z.B. zum Thema Projektmanagement. Denn was ich häufig erlebe ist, dass es Schwierigkeiten bereitet schon alleine die eigene Projektidee zu formulieren. Was ist mein Produkt? Was ist mein Alleinstellungsmerkmal? Wer sind die Zielgruppen mit denen ich kommunizieren muss?

Welche Inhalte wünschen sich denn die Studenten?

Studenten wünschen sich, dass Interdisziplinarität und Kommunikation verstärkt trainiert werden. An vielen Universitäten werden z.B. Pharmazie- oder Anatomie-Kurse für Mediziner und Pharmazeuten gemeinsam veranstaltet, was das gegenseitige Kennenlernen über die Disziplinen hinweg fördert. Fachgespräche zwischen Ärzten und Apothekern werden simuliert, um die Denkweise des anderen zu verstehen.

Zum Abschluss noch drei persönliche Fragen: Worauf bist du stolz?

Der größte Brocken den ich zu stemmen hatte war meine Habilitation. Das ging über viele Jahre mit Aufbau eines eigenen Forschungsprofils, Profilierung in der Lehre und Auslandsaufenthalt. Das war ein Projekt mit vielen Facetten das mich sehr lange begleitet hat. Es fiel zudem in die Zeit als Junior-Professuren aufkamen und die damals Habilitierenden als „verlorene Generation“ bezeichnet wurden.

In der unmittelbaren Zeit habe ich 2018 den Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis in der Kategorie „Pharmazeutische Technologie“ bekommen für unsere Arbeiten zur Entwicklung moderner Wundauflagen auf Basis der schon erwähnten Nanocellulose.

Wenn ich es persönlich formuliere bin ich stolz darauf, dass ich inzwischen ein Alter erreicht habe, in dem ich nicht mehr von der Meinung anderer abhängig bin. Ich betrachte viele Dinge inzwischen deutlich entspannter.

Wie sorgst du für „das Alter“ vor?

Diese Frage hat für mich sehr viele Komponenten. Die erste ist, wo ich im Alter gerne sein möchte. Den deutschen Winter finde ich nicht so erstrebenswert. Ich könnte mir einen zweiten Wohnsitz irgendwo im Süden vorstellen. Städtereisen möchte ich gerne machen, in Ländern die ich noch nicht gut kenne. Und ich wollte auch immer Archäologie und Geschichte studieren. Es erschien mir zwar damals eher brotlos aber es hat mich über die Jahre hinweg verfolgt. Ich würde mich diesen ganz anderen Themenbereichen gerne zuwenden, für die ich im Moment keine Zeit habe.

Bezüglich der Gesundheitsvorsorge hat mir der Corona-Lockdown in die Hände gespielt. Da ich dauerhaft zu Hause war, habe ich wieder angefangen Sport und Krafttraining zu machen. Und ich habe meine Ernährung umgestellt. Ich möchte das gerne beibehalten, da ich mich fitter und angenehmer fühle.

Was das finanzielle angeht verlasse ich mich auch hier auf mein Netzwerk. Ich habe Fachleute die mich optimal beraten und auf die ich mich verlassen kann.

Du sagst selbst, wenn du in einem Job alles gelernt hast, dann muss etwas Neues kommen. Welche Ziele hast du noch?

Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, wenn sich Dinge nicht in die Richtung bewegen die ich mir vorstellen könnte, oder schlimmer noch, wenn sich gar nichts bewegt. Die Pharmazie braucht noch mehr frischen Wind und in der pharmazeutischen Politik habe ich noch viel Luft nach oben. Ich könnte über die DPhG hinaus beispielsweise an der Universität stärker politisch aktiv werden. Hier stehen mir sicher noch viele Wege offen, um neue Strukturen und neue Ideen abseits der bisher üblichen Wege einzubringen.

Liebe Dagmar, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast das Thema Netzwerke auf vielen Ebenen zu beleuchten!

Vorgestellt – Prof. Dagmar Fischer:

Meine Gesprächspartnerin heute war Prof. Dr. Dagmar Fischer, Professorin für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Präsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) von 2020-2023 und Trägerin des Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis in der Kategorie „Pharmazeutische Technologie“. Zudem war und ist sie in Gremien und Vorständen verschiedener Gesellschaften aktiv: In der Fachgruppe „Ausbildung und Wissenschaft“ der Arbeitsgemeinschaft für Pharmazeutische Verfahrenstechnik e.V. (APV), im Vorstand des Freundeskreis des Institutes für Pharmazie der Universität Jena sowie in der  Controlled Release Society Germany Local Chapter, dem sie in verschiedenen Funktionen, u.a. von 2011-2012 als Präsidentin, vorstand.
Ihr Publikationsverzeichnis umfasst mehr als 120 wissenschaftliche Veröffentlichungen und sie ist Autorin des Buches “Die Pharmaindustrie: Einblick, Durchblick, Perspektiven.”

Dieses Gespräch ist Teil meiner Serie “Im Gespräch mit…” von und für Menschen die inspirieren, quer denken, vernetzen, verändern und eine positive Einstellung ins Leben tragen.

Sie möchten jemanden aus Ihrem Netzwerk vorschlagen, dessen Stimme gehört werden sollte? Dann schreiben Sie mich gerne an!

Ihre

Heike Specht

Manifest einer Wiederholungstäterin: Was ein Sabbatical Angestellten und Arbeitgebern bringt

Ich kann Sie hören! „Wie kann man denn in diesen Tagen über eine Auszeit schreiben? Jetzt, wo viele von uns Angst um ihren Job, ja um ihre Existenz haben! Wie unsensibel gerade im Lockdown das Reisen zu thematisieren.“
Ich vermute es ist die Rebellin in mir, die das Bedürfnis hat über Freiheit und Selbstbestimmung nachzudenken, wenn es am wenigsten möglich ist. Davon abgesehen gibt es einen konkreten Anlass: Mein Partner, mein Hund und ich sind zwei Tage bevor die Grenzen für uns alle geschlossen wurden von einer Abenteuerreise über Land in den Iran zurückgekehrt. Das Sabbatical hat ein Jahr gedauert, es war mein drittes.

Das Sabbatical-Modell taugt aus Sicht vieler Arbeitgeber vor allem, um Mitarbeiter in Zeiten dünner Auftragslage freizustellen oder Headcount kurzfristig einzusparen. So wird das Risiko minimiert Talente an die Konkurrenz zu verlieren. Bei der zweiten von Führungskräften gerne akzeptierten Variante nutzt der Mitarbeiter das Sabbatical, um in eine Zusatzausbildung in Vollzeit zu investieren. Darüber hinaus fällt es vielen Vorgesetzten eher schwer eine Daseinsberechtigung für das Sabbatical zu finden, obwohl es in vielen innerbetrieblichen Vereinbarungen inzwischen festgeschrieben ist. Proaktiv kommuniziert wird es selten.

Ich dachte lange, ich bin eine Exotin, aber den Wunsch nach langen Auslandsreisen habe ich offenbar mit vielen Arbeitnehmern gemeinsam.1
Der Unterschied ist: Ich mache es, während 60 Prozent derer die sich eine Pause vorstellen können diesen Wunsch nie artikulieren.2
Und ich vermute, dass viele die Begründung „Perspektivwechsel“ für zu wenig salonfähig halten.

In diesem Manifest möchte ich eine Lanze brechen für das was ich inzwischen Potenzialzeit nenne, denn beide Seiten profitieren davon. Sie werden gleich verstehen warum.

“Potenzial entdecken und heben”

Ich finde den Ausdruck “Auszeit” sehr unglücklich, weil irreführend. Wir sind als Mitarbeiter nicht “AUSgeschaltet” nur weil wir zeitweise einer anderen Tätigkeit nachgehen. Die Erfahrung zeigt sogar, dass da sehr viel “ANgeschaltet” wird, wenn wir uns in neuem Kontext bewegen. Ob das nun Ziegenhüten auf einer Alphütte ist, oder Abenteuerleben im afrikanischen Busch. Wir stellen unsere Projektmanagement-Qualitäten schon bei der Vorbereitung eines solch komplexen Unternehmens unter Beweis. Auch Flexibilität und Lernfähigkeit sind in der neuen Lebenslage gefragt, denn wir setzen uns unbekanntem Territorium aus. Von der Problemlösungskompetenz kann ich seit diversen Autopannen fernab der Zivilisation ein Lied singen. Ganz zu schweigen von der interkulturellen Kompetenz die exponentiell ansteigt, je weiter sich der besuchte Kulturkreis vom eigenen unterscheidet. So mancher entdeckt sein Händchen für´s Tüfteln, andere werden Reiseblogger oder entwickeln ein Talent zur Fotografie. Nicht alles wird zum bisherigen Jobprofil passen, aber den Horizont auf diese Weise zu erweitern und sich auch bei Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen bleibt auf lange Sicht als Erfahrungsschatz erhalten der auch dem Arbeitgeber zugute kommt.

“Daher biete ich als alternative Bezeichnung für die Auszeit hier optimistisch die ´Potenzialzeit´ an, angelehnt an die Definition des Potenzials aus der Physik:  Die Fähigkeit eines Kraftfelds, Arbeit zu verrichten.”

Ich selbst kenne übrigens keinen Reise-Aussteiger, bei dem die Potenzialzeit zu einem Karriere-Knick geführt hätte. Im Gegenteil. Als ich mich zum ersten Mal aufgemacht habe – damals hatte ich den Job gekündigt – hat mich mein Chef kontaktiert noch bevor ich zurück war und mir die Stelle bei doppeltem Gehalt wieder angeboten. Wer gut ist in dem was er tut und selbstbewusst zu seinen Fähigkeiten steht, wird auch nach Potenzialzeiten gute Chancen auf einen Aufstieg haben. Wir vergessen ja nicht gleich alles was wir können und kommen ausgeruht zurück, mit frischer Motivation und dem Kopf voller kreativer neuer Ideen. 

“Job-Rotation”

Die meisten träumen von einer Pause zwischen 3 und 12 Monaten.1
Das ist eine Zeit, die – zugegeben eher in größeren Unternehmen – durch Job-Rotation gut überbrückt werden kann. So lässt sich im Team auch bei anderen Mitarbeitern neue Kompetenz aufbauen. Vielleicht gibt es einen Kollegen, den die Aufgabe schon länger reizt und der jetzt die Gelegenheit bekommt sich auszuprobieren. Möglicherweise kann ich die Stelle auch mit einem Mitarbeiter besetzen der in einer ausländischen Dependance arbeitet, jemandem den ich aufbauen möchte, der lernen kann, wie im Headquarter gearbeitet wird und die Perspektive aus einer operativen Einheit einbringt. So wird das Sabbatical zur win-win-Situation.

“Luft holen”

Den richtigen Zeitpunkt für eine Potenzialzeit zu finden ist gewiss eine der größten Herausforderungen. Tragisch ist, dass jeder zweite hofft mit dem Sabbatical ein Burn-Out zu verhindern oder gar zu überwinden.1
Sollte das der Fall sein sehe ich die Vorgesetzten sogar in der Pflicht das scheinbar unmögliche möglich zu machen, denn nur wer sich auf gesunde, kraftvolle Mitarbeiter verlassen kann, wird sich erfolgreich am Markt behaupten können.

Mein Rat ist gerade bei anspruchsvollen Tätigkeiten mit viel Verantwortung zwischendurch einmal Luft zu holen, damit die Energie bis zum Ende reicht.

Diejenigen, die den Mut nicht aufbringen über ihre Reise-Wünsche zu sprechen trösten sich häufig damit, alles in der Rente nachzuholen. Auf meiner letzten Reise habe ich ein Wohnmobil mit der Aufschrift gesehen „Bisher war Pflicht, jetzt kommt die Kür.“ Das hat mich sehr traurig gemacht, denn offenbar hat hier jemand sein Leben in einem Job zugebracht, der ihn weder erfüllt, noch stolz oder glücklich gemacht hat.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Auch Abenteuerreisen können körperlich anstrengende Unterfangen mit bisweilen hohem Stressfaktor sein. Ganz sicher bewegt man sich permanent im Ungewissen. Meiner Einschätzung nach nimmt die Bereitschaft sich dem auszusetzen – solange man es nicht in jüngeren Jahren geübt hat – mit fortschreitendem Alter ab.

Wichtig ist zu erkennen, worin die eigene Motivation liegt. Wer seinen Job als quälend empfindet, ist im Sabbatical mit Maßnahmen zur beruflichen Neuorientierung gut beraten. Wer seine Arbeit liebt aber spürt, dass aus dem  Feuer eine klägliche Flamme geworden ist, oder der Akku gar leer ist, für den kann sich die Potenzialzeit auf Reisen zum Jungbrunnen entwickeln.

“Kreativer Tapetenwechsel”

Nun bin ich also zurück von meiner dritten Auszeit und Sie lieber Leser, lieber Kunde fragen sich: „Was hat´s gebracht außer einem Loch in deiner Rentenkasse?“ Nun, zunächst einmal bin ich ins Schreiben gekommen.
Da die Urlaubsziele für uns alle gerade noch ferner sind als üblich, finden Sie möglicherweise gefallen an einem virtuellen Besuch in Georgien, dem Iran oder den griechischen Inseln.

Auf autowanderer.de finden Sie all dies und mehr.

Über mein Business-Modell bin ich intensiv ins Nachdenken gekommen.
Wie können wir uns besser kennenlernen und in einen guten Dialog kommen? Wie kann ich Sie bei Ihren Herausforderungen noch wirkungsvoller unterstützen?

Ich habe mir einige neue Initiativen überlegt die dazu führen werden, dass sich mein Angebot, meine Internetseite und schließlich auch dieser Blog in den nächsten Monaten verändern wird. Bleiben Sie also gespannt auf das was kommt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mit mir zu diesem Thema diskutierten. Haben Sie selbst Potenzialzeit-Erfahrungen die Sie ergänzen möchten? Sind Sie Unternehmer und sehen die Causa Sabbatical aus einer anderen Perspektive? Ich freue mich auf Ihre Kommentare unter diesem Post.

Und für alle die sich jetzt einen Ruck geben aber viele offene Fragen haben, biete ich gerne meine Hilfe als Sabbatical-Berater an. Es gibt vieles zu bedenken, wenn das Leben zu Hause für längere Zeit auf Eis gelegt wird, nicht nur die Finanzierung einer solchen Unternehmung.

Sprechen Sie mich gerne an.

Kommen Sie gesund durch diese Zeit!

Ihre Heike Specht

Quellennachweis:

  1. Wimdu – Größte deutsche Sabbatical-Studie: Fast jeder 2. Deutsche will eine Auszeit vom Job nehmen
  2. Pressemitteilung XING vom 18. Januar 2017 “XING Sabbatical-Studie: Zahlreiche Berufstätige wollen Auszeit, stoßen allerdings auf Widerstände”

„Wechselweib“ – Ein Tusch auf die Lebensmitte

Als Rheinhessin ist mir die fünfte Jahreszeit – anderen besser bekannt als Fasching oder Karneval – als besonderes Geschenk in die Wiege gelegt worden. So ist es wohl zu erklären, dass ich mich bisweilen berufen fühle, in Vierzeilern zu reimen.

Heute tue ich dies mit viel Vergnügen für das online-Magazin Lemondays, welches sich mit femininer Weisheit an Frauen in den Wechseljahren wendet. Die Herausgeberin und Chefredakteurin Angela (Gela) Löhr (die an dieser Stelle schon interessantes zum Thema Kooperationsmöglichkeiten für online Unternehmer zu erzählen wusste), wird dieser Tage 50 Jahre jung und schenkt sich und uns eine Blogparade zum Thema „50 Jahre ICH“.
Die Einladung dazu und alle Links zu Texten, Podcasts und Videos gibt´s hier.

Achtung! Hinweis für das andere Geschlecht: Das folgende Gedicht enthält schonungslose Schilderungen der weiblichen Symptomatik in der Menopause. Ich ermutige Sie trotzdem weiterzulesen, da es meiner Meinung nach nicht schaden kann zu wissen, was mit der Mutter, der Ehefrau oder der Kollegin manchmal los ist.

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Wäre es nach mir gegangen,
hätten die 50er nie angefangen.
Ich fühlte mich so jung geblieben!
Es galt, den Wechsel aufzuschieben.

Das Haar blondiert, die Brust gepusht,
den Rettungsreif mit Mieder vertuscht.
So konnte es nicht weiter gehen!
An Augen und Stirn war´s eh zu sehen.

Die Frau hat stets das Leben genossen,
Tränen vor Freude und Leid vergossen
und als Erinnerung an wilde Zeiten,
gab´s Fältchen im Dutzend – die sieht man vom Weiten.

Mit den Hormonen ging die Figur,
es kam die Gier auf Süßes pur.
Des Nachts ohne Schlaf an die Decke gestarrt,
bei Tag auf der eigenen Meinung beharrt.

Im Schweiße des geröteten Angesichts,
ging auf der Arbeit sowieso nichts.
Die schwankende Stimmung mit Wein begossen,
den Kopfschmerz danach mit Tabletten beschossen.

Den Wechsel als positiv für mich zu begreifen,
das hat gedauert, das will ja auch reifen.
Irgendwann aber erkannte ich,
die Phase ist eine Chance für mich.

So habe ich mir viele Fragen gestellt,
und damit die Stimmung aufgehellt:

Wo will ich in der Zukunft noch hin?
Was verleiht meinem Leben denn Sinn?
Meine Tage verbringen mit Fenster putzen?
Ich hab doch Erfahrungen die anderen nutzen!

Jetzt stecke ich drin, in den 50er Jahren,
und darf mit Freude dieses erfahren:
Ich bin ein waschechtes Wechselweib,
weil ich positiv in der Veränderung bleib.

Die Liebe ist jetzt noch viel mehr ein Genuss,
weil ich über´s Verhüten nicht nachdenken muss.
Und kann ich nicht schlafen, werd´ ich kreativ,
schreib´ Gedichte wie dieses, mit Reimen recht schief.

Zum Schluss noch ein Tusch auf die Königin Gela,
Lemondays kennen ist sicher kein Fehler, (aha!)
Lasst uns die „50er Jahre“ genießen,
und aus der Feder die Hymnen fließen.

Denn eines ist sicher, das hab´ ich kapiert,
bei uns ist nichts falsch oder gehört repariert,
die 50er sind ein Geschenk liebe Leute,
also macht was daraus und beginnt damit heute!

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Vielen Dank an meine liebe Freundin Anne Melro, die mit viel Sprachgefühl meinen bisweilen etwas holprigen Sprachrhythmus geglättet hat.

Als Biologin und freie Redakteurin schreibe ich übrigens für Lemondays auch größere Hintergrundartikel, wie z.B. über die Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Hitzewallungen.

Sie sind auf der Suche?

… nach einem Texter für Ihren Blog oder Ihr Online-Magazin?

…nach einer Wissenschafts- bzw. Medizinjournalistin, die komplexe aktuelle Themen allgemeinverständlich und trotzdem korrekt
aufbereiten kann, wobei es Spaß macht weiterzulesen?
 

Dann sind Sie bei mir richtig!

Mail an heike@picus-communications.de oder Anruf (0170-7619980) genügt.

Eigenverantwortung für die Gesundheit zu übernehmen ist ein Schlüssel (nicht nur) bei Stress

Ende Januar 2020 hat sich die Techniker Krankenkasse mit einer Vorabauswertung ihres jährlichen Gesundheitsreports zu Wort gemeldet und verkündet, was zu befürchten war: Psychische Erkrankungen sind unter ihren Versicherten für rund 19 Prozent aller gesundheitsbedingten Fehlzeiten im Job verantwortlich. Das sei der höchste Wert im Vergleich zu anderen Diagnosen – noch vor Rückenbeschwerden und Erkältungskrankheiten.1

Wer sich heute in seinem Freundeskreis oder unter Kollegen umschaut wird den traurigen Trend bestätigen können. Stress ist schon lange nicht mehr chic und so mancher der ins Burn-Out schlittert braucht Monate, um wieder zu sich zu kommen. Es steht zu befürchten, dass wir vom Maximum noch weit entfernt sind: Die rasante Geschwindigkeit der Digitalisierung, permanente Informationsüberflutung, globalisiertes Arbeiten, Neuausrichtung des Arbeitsfeldes durch künstliche Intelligenz und erhöhte Arbeitsbelastung bei schrumpfender Mitarbeiterzahl sind nur einige der Stimuli, die zu Stress und Depressionen führen können.

Was können wir tun, um der Stress-Falle zu entgehen? Ein ganzheitliches Konzept das mir viel versprechend erscheint ist Ayurveda. Deshalb spreche ich mit Sunitha Kadirvel. Sie ist Heilpraktikerin und Ayurveda-Therapeutin (mehr zu ihrem spannenden Lebensweg und ihren Angeboten am Ende dieses Textes).

„Ayurveda ist eine Lebensphilosophie und Gesundheitslehre aus Indien. Sie hat im Wesentlichen zwei Ziele, Kranke zu behandeln und Gesunde gesund zu halten“, erklärt Sunitha dieses ganzheitliche System. Ayurveda enthält also Prinzipien für die Prävention ebenso wie für die Heilung.

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs sagt Sunitha etwas für mich entscheidendes: Eigenverantwortung für die Gesundheit ist ein Schlüsselwort, wenn es darum geht Stress zu vermeiden.“ Eigenverantwortlich zu arbeiten ist genau das was viele an ihrem herausfordernden Job reizt, mich eingeschlossen. Aber wenn ich mir vor Augen führe wie ich Krankheit begegne muss ich zugeben, dass Sunitha recht hat: Ignorieren bis es nicht mehr geht und dann vom Arzt erwarten, dass er eine Lösung für mein „Problem“ parat hat. Das ist klassisches Outsourcing, aber in Bezug auf die eigene Gesundheit natürlich wenig hilfreich.

Achtsamkeit und Energiebilanz

Die gute Nachricht ist, Eigenverantwortung für die Gesundheit ist erlernbar.

Sunitha:Wir sind uns selbst gegenüber meist zu wenig achtsam. Achtsamkeit für den Körper spielt im Ayurveda eine große Rolle. Das ist natürlich eine Herausforderung. Es wäre einfacher, wenn die Gesellschaft anders ticken würde, lockerer, aber so müssen wir lernen nein zu sagen, wenn uns etwas nicht gut tut, auch zu uns selbst.“

Ayurveda baut auf drei gleichberechtigen Säulen auf: Schlaf, Ernährung und körperliche Aktivität. „In allen drei Bereichen können wir Achtsamkeit entwickeln und üben, indem wir uns immer wieder fragen WAS FUNKTIONIERT FÜR MICH?“, so Sunitha Kadirvel.

Denn es gibt kein Allheilmittel. Jeder kann für sich selbst herausfinden, was die beste Lösung ist. Das liegt, so Sunitha, an den Energien die uns zur Verfügung stehen. Besonders wichtig sei es, MIT den eigenen Kräften zu arbeiten und nicht dagegen. So wie wir automatisch darauf achten, dass das Haushaltsgeld bis zum Ende des Monats reicht, wäre es wichtig Achtsamkeit für den Energiehaushalt zu entwickeln, weil auch unsere Energien endlich sind. Die Aufgabe besteht also darin zu unterscheiden, welche Tätigkeiten uns Energie geben und welche uns Energie nehmen. Eine gute Energiebilanz haben wir, wenn wir über den Tag hinweg Dinge tun, die unsere Energiereserven auffüllen.

Dazu gehören beispielsweise Pausen. Wer unter Dauerstrom steht lässt gerne die Mittagspause ausfallen und isst ein Brötchen, zwischen zwei Meetings vor dem Rechner, dabei die aufgelaufenen E-Mails checkend. Sunithas Rat ist, sich zumindest 10 Minuten geistigen und physikalischen Abstand zu gönnen. Dem Rechner beim Essen den Rücken zuzudrehen wäre schon ein Anfang. „In den meisten Jobs betreiben wir Missbrauch der Sinnessorgane. Wer die Möglichkeit hat einen kleinen Spaziergang zu machen, damit sich die Sinne wieder erholen können, der sollte davon Gebrauch machen.“

Überhaupt erlegen wir uns in der Arbeitswelt häufig Verhaltensweisen auf die unseren natürlichen Bedürfnissen zuwiderlaufen. Wer an der Kasse sitzt kann erst zur Toilette, wenn die Kollegin ablöst. Während des Meetings bloss nicht durch unangenehmes Husten auffallen! Getrunken wird nur in der Mittagspause. Ayurveda unterscheidet bis zu 14 solcher körperlichen Bedürfnisse, die nicht unterdrückt werden sollten. Sie genauer zu betrachten gehört zur Praxis im Ayurveda.

Die drei Säulen des Lebens

Schlaf

Es gibt keine Faustregel wie viele Stunden Schlaf für uns gesund sind, denn das ist typenabhängig, sagt die Heilpraktikerin. Wichtig ist, dass wir die Menge an Schlaf die wir bekommen bei guter Qualität verbringen. Dazu gehört auch, dass wir uns auf die Ruhephase einstimmen. Nach der ayurvedischen Lehre wäre es zum Beispiel vorzuziehen nicht direkt vor dem Schlafengehen die letzte Mahlzeit einzunehmen. Wann wir zuletzt etwas essen können ohne uns zu belasten hängt von unserem individuellen Verdauungssystem ab. Also ist auch hier ausprobieren angesagt.

Außerdem können wir unser Verhalten daraufhin überprüfen, was wir als aufputschend empfinden. Also zum Beispiel, wann wir zum letzten Mal am Abend unsere geschäftlichen E-Mails beantworten oder wann wir den Computer abschalten.

Vielleicht ist es ein Anfang das Mobiltelefon ganz aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Auch kleine Rituale können helfen uns am Abend entspannen zu lassen, wie etwa ein Buch zu lesen (nicht unbedingt Fachliteratur) oder ein Tagebuch zu führen das uns auf positives Denken fokussiert, wie beispielsweise Ideen für Reiseziele, Gerichte auf die wir Lust haben, oder einfach Dinge für die wir dankbar sind.

Ernährung

Nahrungsmittel geben Energie und füllen unsere Reserven auf. So weit so simpel. Aber ob uns die Nahrungsmittel wirklich gut tun hängt nicht nur davon ab was und wie viel wir essen, sondern auch wann. „Unser Darm muss bereit sein die Nahrungsmittel zu verarbeiten“, erklärt Sunitha. Konkret heißt das erst zu essen wenn wir Hunger verspüren, dann aber auch zeitnah zu essen und nicht noch Stunden zu warten bis es uns in die Agenda passt. Denn sonst bauen wir ein Ungleichgewicht auf. „Wenn ich achtsam esse, merke ich eher, ob mir das was ich da gerade auf dem Teller habe wirklich gut tut“, so die Heilpraktikerin. „Außerdem merke ich nur bei voller Konzentration auf das Essen, wann ich satt bin.“ Die meisten von uns verpassen diesen Moment und fallen dann in das viel zitierte Verdauungsloch.

Mit generellen Ratschlägen zu Speisen für Stressgeplagte tut sich die Ayurveda-Therapeutin schwer, denn was uns gerade gut tut hängt von vielen individuellen Parametern ab. Eine Anamnese durch einen Heilpraktiker vor der Ernährungsumstellung wäre auf jeden Fall besser. Anregende Speisen und Getränke seien aber grundsätzlich zu vermeiden. Dazu gehören Kaffee und kohlensäurehaltige Getränke.

Körperliche Aktivität

Die oberste Regel für Sport im Ayurveda heißt „tu das wofür du die Kraft hast!“ Es muss für stressgeplagte nicht schädlich sein nach einem langen Arbeitstag noch 10 Kilometer zu joggen. Ich muss aber der Typ dafür sein, damit es mir wirklich Energie zurückgibt. Wenn ich mich quäle – adieu!

Ich selbst bin vor einiger Zeit wegen Rückenbeschwerden zum Yoga gekommen. Inzwischen weiß ich aus Erfahrung, dass es sich sehr positiv auf mein Gesamtbefinden auswirkt. Die Ayurveda-Therapeutin bestätigt, dass ähnliche Konzepte und Philosophien beides verbindet. Daher bezeichnet man Ayurveda und Yoga auch als Geschwister. „Bei Yoga kommen Geist und Körper zusammen. Es gibt viele verschiedene Traditionen. Manche betonen eher das Körperliche, andere eher das Mentale oder Spirituelle. Meine Empfehlung für Menschen die unter Stress leiden wäre, verschiedene Stile auszuprobieren und zu schauen was momentan am Besten passt. Das kann sich über die Zeit durchaus ändern“, so Sunitha Kadirvel.

Einen Artikel zum Thema Harta-Yoga hat im PICUS Blog an anderer Stelle Patricia Wolf veröffentlicht. Von ihr habe ich die folgende Atemübung gelernt, die ich gerne weitergebe:

Wir konzentrieren uns dabei auf die natürliche Atembewegung, also nicht besonders tief oder lang atmen, sondern den Atem fließen lassen. Es kann hilfreich sein während der Atembewegung zu zählen oder den Satz in Stille zu wiederholen „ich atme Ruhe und Gelassenheit ein und Anspannung aus“.

Das Praktische daran ist, dass wir den Atem immer zur Verfügung haben, um uns darauf zu konzentrieren, auch bei Stress-Situationen im Büro. Ziel ist es zur Ruhe zu kommen, Abstand zu gewinnen und sich darauf zu besinnen, dass die Lage nicht lebensgefährlich ist. (Das Gegenteil von dem was uns die Stresshormone suggerieren).

Wenn es zum Äußersten kommt: Burn-Out

Sunitha Kadirvel: „Menschen die an Burn-Out leiden sind in ein Ungleichgewicht geraten, haben keine Energie mehr, dafür aber jede Menge Schlacke und Toxine im Körper. Ayurveda kann hier helfen, wobei die Behandlung des Körpers meist auch der Psyche hilft. Das ist ein Prozess, bei dem ich den Patienten über längere Zeit begleite. Am Anfang steht die Anamnese. Wir analysieren gemeinsam seinen Gesundheitszustand, seine Verhaltensweisen und Gewohnheiten und seine Ernährung. Ziel ist es, den Körper zu reinigen und die Energien durch Medikamente und Behandlungen wieder aufzubauen. Eine schöne Nebenwirkung dieses Prozesses ist, dass der Patient lernt mehr Achtsamkeit für sich und seine Bedürfnisse zu entwickeln und Ungleichgewichte selbst zu erkennen.“

Zum Ende unseres Gesprächs ist es der Heilpraktikerin ganz wichtig zu betonen, dass im Ayurveda der Mensch ganzheitlich angeschaut wird, um ihm bei seiner gesundheitlichen Situation zu helfen. Diese Betrachtung geht über den Auslöser – mag es Stress sein oder etwas anderes – hinaus. „Ayurveda ist ein sehr komplexes Medizin-System das seine Wirkung durch die individuelle Arbeit am Patienten entfaltet, mit für ihn massgeschneiderten Behandlungsmethoden. Empfehlenswert wäre, wenn jeder Ratsuchende sich für seine individuelle Situation Hilfe bei einem Therapeuten holt“, so Sunitha Kadirvel.

Nach dem Interview mit der Ayurveda-Therapeutin denke ich darüber nach, wie ich in Zukunft mehr Eigenverantwortung für meine Gesundheit übernehmen kann. Den Anfang macht das neue „selbst bewusst sein“. Ich werde meine Gewohnheiten hinterfragen. Dinge die ich tue oder esse, ohne darüber nachzudenken, möchte ich mir bewusst machen und mich fragen „warum tue ich das? Tut mir das wirklich gut?“ Es ist ein Versuch achtsamer zu sein, mich langsam aber stetig neu zu programmieren und darüber gesündere Gewohnheiten zu entwickeln.

Denn wie der berühmte indische Arzt Deepak Chopra sagt: „Gesundheit ist unser Geburtsrecht.“

Darf ich vorstellen: Sunitha Kadirvel

Sunitha´s eigener Lebensweg zeigt, dass beruflicher Wandel möglich ist, wenn Klarheit über das Ziel herrscht. Ihren Beruf als Ingenieurin hat sie in der Telekommunikations-Branche ausgeübt. “Ich wollte Menschen zusammenbringen“ erklärt sie mir. Als sie erkannte, dass eine direkte Arbeit mit Menschen sie ihren Zielen näher bringen könnte, entschied sie sich zur Ausbildung als Heilpraktikerin. Warum ihre Wahl dabei auf Ayurveda gefallen ist erklärt sie so: „Ich wollte immer etwas für Menschen tun, dabei aber ein System anwenden, das bei vielen gesundheitlichen Problemen hilft und mich nicht auf eine spezielle Behandlungsmethode einschränkt. Ayurveda ist ein ganzheitlicher Ansatz der es möglich Macht die Wurzel des Problems zu behandeln. Das hat mir gefallen. Dass ich selbst aus Indien komme hat sicher dazu beigetragen, dass ich mich für Ayurveda besonders interessiere.“

Sunitha Kadirvel ist seit 2015 Heilpraktikerin mit eigener Praxis in Aachen. Dort arbeitet sie hauptsächlich mit der Traditionellen Indischen Medizin Ayurveda und bildet sich auf diesem Gebiet ständig weiter. Neben der Praxistätigkeit ist sie Dozentin bei den Deutschen Paracelsus Schulen und der VHS Aachen. Zusätzlich ist sie als Aroha Trainerin sportlich engagiert und im sozialen Bereich als Sprach- und Integrationsmittlerin bei PÄZ, Aachen.

Wer in der Nähe von Aachen wohnt, dem sei ihr Kurs „Ayurveda im Alltag“ im Mai 2020 empfohlen. Die Details zur Veranstaltung der VHS können über den folgenden Link abgefragt werden:

https://www.vhs-aachen.de/kurssuche/kurs/Ayurveda-fuer-den-Alltag/nr/201-08205C/bereich/details/

Wer sich über ihre Angebote informieren oder einen Termin vereinbaren möchte, der findet alle Informationen auf der Webseite ihrer Praxis:
https://praxis-kadirvel.de/

 

Zu guter Letzt: Mein Angebot an Sie

Nicht selten entsteht Stress aus Situationen heraus, in denen uns Argumente fehlen oder es uns gar die Sprache verschlägt. Aber Kommunikation – auch in Krisensituationen – kann man lernen.

Wenn Sie sich vorstellen können Gespräche – die Sie eigentlich lieber vermeiden wollen – im geschützten Raum zu üben, dann sprechen Sie mich gerne an.

Ihre

Heike Specht

 

Quellennachweis

1Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse vom 31.01.2020 „Krankenstand sinkt leicht – psychische Erkrankungen auf Rekordhoch“

Disclaimer

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten Behandlungen dar. Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt. Er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens.

Dein Körper ist ein weiser Coach: Interne Kommunikation mal anders

Heute bloggt für Sie Ilona Tamas, Autorin, Redakteurin und Gesundheitspraktikerin. Sie schreibt über ihre Lieblingsthemen Frauengesundheit, weibliche Sexualkultur und Genuss an körperlichem Erleben und betreut Webseiten für Firmen und Institutionen, wenn das Thema ihr zusagt.
Als Gesundheitspraktikerin für Frauenmassage und weibliche Sexualkultur arbeitet Ilona mit Frauen, die sich mehr Genuss mit ihrem Körper wünschen und Freude mit ihrer Sexualität erleben wollen.

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Die Kommunikation mit Körperorganen kannte ich bis vor fünf Jahren nur von Otto, dem Komiker: „Milz an Großhirn, Milz an Großhirn: Was ist denn da los bei euch?“ Was Otto so komisch im Sketch beschreibt, die Kommunikation der Körperorgane untereinander, habe ich in einem körperorientierten Coaching kennengelernt. Das körperorientierte Coaching macht sich die Kommunikation mit dem Körper zunutze, um eine „gesunde“ Lebensweise, z.B. im Beruf, in Beziehungen oder bei körperlichen Beschwerden zu gestalten. Als ich im körperorientierten Coaching angefangen habe mit meinem Körper zu sprechen, hatte das wenig von der Komik, wie bei Otto, sondern war richtungsweisend für mich, mein Leben neu zu ordnen und zu gestalten. Diese besondere Art von Kommunikation – Gespräche mit dem Körper  – möchte ich hier vorstellen.

Auf der Suche nach neuen beruflichen Perspektiven kam ich in Kontakt mit meinem Körper

Ein Samstagvormittag vor fünf Jahren. Ich saß in einem Seminarraum und wollte neue Perspektiven für mein Berufsleben finden. Die Seminarleiterin erklärte die Aufgabe: Ich sollte ein Gespräch führen mit meinem Körper. Die Methode ist im Grunde einfach: Ich stellte meinem Körper Fragen. Dem Körper Fragen stellen? Wofür sollte das gut sein? Die Absicht war, vom Körper Tipps und Hinweise zu bekommen, z.B. wie ich ein gesundheitsförderliches Berufsleben gestalten könnte. Eine der Fragen, die ich meinem Körper damals stellte, lautete: „Was brauchst du nicht mehr in deinem Leben?“ Die Antwort aus meinem Körperinneren kam prompt und unmissverständlich: „Das Angestellten-Dasein als Redakteurin.“ Himmelherrschaft, mein Körper war also der Meinung, dass er auf meinen Angestellten-Job verzichten konnte. Ich war seit mehr als 20 Jahren Angestellte im gleichen Unternehmen und arbeitete als Redakteurin in der Abteilung “Communications”. Schon einige Jahre hatte ich den Eindruck, dass „die Firma“ und ich uns auseinandergelebt hatten. Ich war bereit für eine Veränderung, aber so radikal hatte ich es bisher nicht ausgedrückt.

Jetzt war es ausgesprochen! Hinter diese Information konnte ich nicht mehr zurück. Die Dinge nahmen ihren Lauf: 2 Jahre später hatte sich die Trennung von meinem Arbeitgeber vollzogen. Heute bin ich selbständige Redakteurin und schreibe über Themen, die mich wirklich interessieren und viel mit mir zu tun haben: Frauengesundheit, weibliche Sexualkultur und Genuss an körperlichem Erleben.

Der Kontakt mit meinem Körper schenkte mir ein neues Körperbild

In unserer Gesellschaft ähnelt das Bild, das wir vom Körper haben, mehr einer Maschine, die bitteschön funktionieren soll. Auch ich dachte so. Ich redete davon, was mein Körper für mich tun sollte: Bei der Arbeit funktionieren, fit sein, gut aussehen, genügsam sein, mich nicht im Stich lassen.

Ganz ehrlich: Wie oft hatte ich meinen Körper schon im Stich gelassen? Hatte ihm zu wenig Schlaf gegönnt, zu wenige Pausen, weil eine Arbeit noch fertig werden sollte. Wie oft saß ich zu lange unbeweglich vor dem Computer. Gerne auch mal mit Kopf- oder Nackenschmerzen und überhörte stur alle Signale meines Körpers. „Nacken an Großhirn, Nacken an Großhirn, mach doch bitte mal Pause und bewege dich, damit ich mich entspannen kann!“ „Jaja, gleich, antwortete das Großhirn. „Nur eben schnell noch diesen Beitrag fertigschreiben.“

Die Dialoge mit meiner Körperweisheit, die bei diesem körperorientierten Coaching geführt wurden, drehten dieses alte Körperbild und die Kommunikations-Hierarchie auf den Kopf: Ich habe meinen Körper gefragt, was ich für ihn tun kann und er ließ es mich wissen. Zuvor lief die Kommunikation ja vor allem in die andere Richtung: Ich ließ meinen Körper wissen, was er für mich tun konnte.

Negative Kommunikation mit mir selbst fand ich ganz normal

Innere Dialoge führen wir ja alle ganz gerne, oft unbewusst und automatisch. Früher drehten sich meine Selbstgespräche vor allem darum, was ich alles nicht kann. Da sprach der innere Kritiker laut aus, was er über mich dachte. Die altbekannten Themen eben: Das habe ich dir doch gleich gesagt … was bildest du dir ein, als ob du dir so etwas erlauben könntest … glaub bloß nicht, dass das klappt … und so weiter. Diese negativen Stimmen machten sich auch nach dem körperorientierten Coaching lautstark bemerkbar. Aber jetzt gab es auch diese andere Stimme in mir – eine freundliche und weise Stimme. Ich hatte jetzt die Wahl, der alten Leier über Misserfolge und Scheitern zuzuhören oder der neuen positiven Stimme zu folgen, die mir Mut machte und mich bestärkte. Auf diese negativen inneren Dialoge, die mich klein und mutlos machen, kann ich inzwischen gut verzichten.

Aus Dialogen mit meinem Körper gehe ich gestärkt hervor

Die Kommunikation mit meinem Körperinnenleben stärkt mich. Sie bringt mich mit meinem Bauchgefühl und meiner Intuition in Kontakt. Meine Körperweisheit weiß, was gut für mich ist. Der Weg in die Selbständigkeit hat sich für mich als goldrichtig erwiesen. Ich habe wieder Freude beim Arbeiten. Fragen nach dem Sinn meines Tuns stelle ich mir keine mehr: Ich schreibe aus ganzem Herzen gerne über meine Lieblingsthemen. Davon profitiert auch mein Körper, ich erlebe weniger Anspannung und mehr Lebensfreude. Im Sommer verlege ich mein Schreib-Büro nach draußen auf die Terrasse oder gleich in ferne Länder. Diesen Sommer habe ich fünf Wochen auf Reisen verbracht, täglich einige Stunden gearbeitet und mindestens genau so viel Zeit im Liegestuhl oder am Strand verbracht.

3 Dinge brauche ich für meinen Körper-Dialog: Entspannung, Fantasie und meine 5 Sinne

Elemente, die mich beim Dialog mit meinem Körper unterstützen sind Entspannung, Fantasie und meine fünf Sinne. In den Dialog mit dem Körper starte ich aus einem entspannten Zustand heraus, z.B. nach einer kurzen Meditation. Die Entspannung vertiefe ich, indem ich vor meinem inneren Auge eine Landschaft auftauchen lasse. Eine Landschaft oder ein Ort, an dem ich mich wohl fühle. Mein Wohlfühlort ist meist eine grüne Wiese mit Blumen zwischen sanften Hügeln und unter blauem Himmel. So heidimäßig halt. An meinem Wohlfühlort kann ich mit meinen fünf Sinnen das Summen der Bienen hören, den lauen Wind auf meiner Haut spüren, höre das Klingen der Kuhglocken und habe den Duft der Blumenwiese in der Nase. Von diesem Ort aus starte ich die Reise, um in Kontakt mit meinem Körper zu kommen. Manchmal führt mich meine Fantasiereise auch in meinen Körper hinein. Im körperorientierten Coaching reisen Menschen oft zu einem Kraftort im Körper oder zu einem Ort, der etwas über das Coaching-Thema weiß. Mit diesem Ort nehme ich dann Kontakt auf. Gehe in einen Dialog mit diesem Ort und kann wichtige Fragen stellen, vor 5 Jahren lautete meine Frage: „Was brauchst du nicht mehr in deinem Leben“? Die Antworten aus dem Körperinneren sind so vielfältig und individuell wie die Menschen und die Themen, die sie in das Coaching mitbringen. Meine Fragen an den Körper beziehen sich meist darauf, was mein Körper braucht, um sich gut zu fühlen und was ihm Kraft und Energie bringt. Die Antworten meines Körpers beziehen sich dann darauf, was gesundheitsfördernd für mich ist und es mir ermöglicht, mehr Zeit zu verbringen, in der ich mich gut fühle und weniger Zeit, in der es mir nicht gut geht. In der Kommunikation mit dem Körper erhalte ich Hinweise, wie ich mein Leben gesünder, stimmiger und mehr im Einklang mit mir selbst gestalten kann. Aus den Informationen und Bildern aus dem Körperinneren kann ich eine Art „Gesundheitsrezept“ erstellen, das mir hilft, mein Leben kraftvoll und vital zu führen.

Mein Körper und ich sind auf diese Art inzwischen beste Freunde geworden.

Das wünsche ich Ihnen auch!

Herzlichst,

Ilona Tamas

Kontaktmöglichkeiten zu Ilona Tamas:
Als Redakteurin und Webdesignerin: Wortmerken Texte und Webdesign
Als Gesundheitspraktikerin für Frauen-Massage und weibliche Sexualkultur: Ilona Tamas Coaching

Wenn körperorientiertes Coaching auch interessant für Sie ist, können Sie hier mehr darüber erfahren Körperorientiertes Coaching nach der Methode Wildwuchs

 

Entspannung ist der Schlüssel zum Glück

Heute bloggt für Sie Patricia Wolf, ausgebildete Bühnentänzerin mit Engagements auch in New York, wo sie bereits 1997  ihre erste Yoga-Weiterbildung machte. Sie gibt seit 15 Jahren in Deutschland regelmäßig Kurse. Hier bringt sie Licht ins Dunkel der Angebote und zeigt auf, worauf es bei der Wahl des Lehrers und des Yoga-Stils ankommt. Die ersten Übungen liefert sie gleich mit.
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Suchen Sie mehr Entspannung und Stressabbau in Beruf und Alltag?
Sie interessieren sich für Yoga und suchen Orientierung im Dschungel des vielfältigen Angebotes?

Meine Empfehlung wäre Hatha Yoga.
Der Begriff Hatha Yoga wird für die körperlichen Yoga- Übungen verwendet und bedeutet im weitesten Sinne Anstrengung.
Ha steht für Sonne, Tha für Mond. Es soll also eine ausgewogene Mischung von aktivierenden und entspannenden Übungen praktiziert werden.

Bei meinen Yoga Kursen wende ich während der Yoga- Stellungen zusätzlich gerne ergänzende Prinzipien aus meinem Erfahrungsschatz an. Andere somatische und funktionelle Körper-Techniken wie zum Beispiel Feldenkrais, Alexander-Technik, Skinner-Release-Technik, Body Mind Centering oder Franklin-Technik können Yoga gut ergänzen und haben sich als bereichernd erwiesen.

Damit bereitet man zu Beginn der Praxis den Körper möglichst gut auf die fordernden Asanas (Körperstellungen) vor und kann unnötige Körperspannung zuerst einmal loswerden.
So starten Sie mit optimalen Voraussetzungen und vermindern die Gefahr von Muskelkater und Verletzungen.

Dieses ergänzende Wissen eignete ich mir während der Sportlehrerausbildung und über viele Jahre in meiner Zeit als Tänzerin und Tanzpädagogin an.
Funktionell und organisch zu trainieren, habe ich sehr zu schätzen gelernt, bevor ich mich vermehrt dem Yoga zuwandte.

Diese vorbereitenden Übungen haben mir sowohl bei meiner langjährigen aktiven Bühnenlaufbahn als auch bei der Unterrichtstätigkeit ermöglicht, viele Jahre lang verletzungsfrei zu bleiben.

Trailer Hatha Yoga bei Patricia Wolf.

Entspannung ist der Schlüssel

Probieren Sie es jetzt gleich einmal aus, wenn Sie mögen…
Atmen Sie ein paar mal tief in den Bauch hinunter.
Spüren Sie, wie Sie beim Lesen gerade da sitzen?
Nehmen Sie bitte nur einmal Ihren Körper wahr – ohne etwas verändern zu wollen.
Nun spüren Sie Ihre Fußsohlen, spüren Sie Ihr Gesicht, entspannen Sie den Kiefer und die Schultern.

Hat sich etwas verändert?

Diese wohlige Befreiung, die sich sofort einstellt, erleben Sie beim Yoga noch intensiver und befreiender.

Sehr wichtig ist wie man eine Yoga Stellung, Asana genannt, ausführt. Ob ich meditativ und achtsam übe, den Fokus auf eine gleichmäßige tiefe und zugleich sanfte Atmung lege, ob ich wohlwollend mit meinem Körper umgehe, unnötige Anspannung loswerde – das macht einen großen Unterschied zu anderen Sportarten und Trainingsmethoden aus. Manche Lehrer empfehlen sogar, beim Üben die Augen geschlossen zu lassen.
So können Sie sich ganz auf Ihre Körperwahrnehmung konzentrieren und lassen sich nicht von anderen Teilnehmern ablenken.

Gelassenheit ist Trumpf

Geben Sie den Ehrgeiz an der Garderobe ab.
Leistungsdruck und übertriebener Ehrgeiz beim Üben, können die gegenteilige Wirkung haben und sogar Verletzungen zur Folge haben.

Meine größten Fortschritte und Aha-Effekte erlebe ich immer, wenn ich ganz fokussiert bleibe – in der Haltung eines Beobachters auf den Atem und die Wahrnehmung konzentriert. Man löst sich von den Ergebnissen des Handelns und bleibt offen und neugierig für alles was geschieht. Das wirkt sehr befreiend.

Im Idealfall geht man ans Yoga ganz anders heran als bei anderen sportlichen Aktivitäten.

Zu Beginn der Stunde zum Beispiel trägt eine tiefe und ausführliche Entspannung dazu bei, zunächst einmal Stresshormone und unnötige Anspannung im Körper abzubauen, so dass man danach als Ausgangspunkt mit einem viel besseren Zustand des Körpers für die herausfordernden Stellungen startet.

Inzwischen wurde ja desöfteren wissenschaftlich bei Untersuchungen mit Computertomographie bewiesen, wie wirkungsvoll Entspannungsmethoden, Yoga und Meditation sind und sich auch insbesondere auf das Gehirn positiv auswirken.

Link: Meditation und Bodyscan

Home sweet Home

Bevor Sie zuhause üben, wäre es gut einen Yoga Kurs zu besuchen oder einige Privatstunden bei einem geschulten Personal-Trainer zu nehmen.
Bei der Auswahl des Lehrers können Sie darauf achten, ob sie/er zusätzlich einen Gesundheitsberuf wie zum Beispiel Physiotherapeut, Sportlehrer oder Pädagoge hat. Damit steigen die Chancen, dass Ihr Yoga-Trainer weiß wovon er redet und die passenden Stellungen anleitet.

Nimmt sich der Lehrer Zeit, strahlt er Ruhe aus, ist die Stimme angenehm? Die Anleitungen im Unterricht sind klar verständlich und es wird auf einen achtsamen wohlwollenden Umgang mit dem Körper Wert gelegt? Hält der Lehrer eine professionelle Distanz ein?

Bingo! Dann haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit jemanden gefunden, bei dem Sie gut aufgehoben sein werden.
Lassen Sie sich nicht von schicken Hippie-Hosen, Buddha Statuen oder gestählten Bizeps beeindrucken.

Es gibt leider viele Trainer, die bei dem Yoga Hype mitschwimmen ohne eine fundierte Ausbildung zu besitzen.
Wichtiger als das Aussehen sind immer die Fragen “Wie fühlt es sich an?” und “Tut mir das gut?”!

Lassen Sie sich bei der Kursauswahl unbedingt von Ihrem Bauchgefühl leiten.

“Sthiram Sukham Asanam” empfiehlt Patanjali, der “Oberguru” der Yogis. Patanjali war indischer Gelehrter ca. 200 Jahre vor Christus, der in den berühmten Yoga Sutras die Philosophie des Ashtanga Yoga begründete – der achtgliedrige Yoga Pfad.
Flexibel, leicht und zugleich kraftvoll und stabil sollen die Asanas ausgeführt werden. Dabei können verschiedene Atemtechniken unterstützend wirken.

Hier finden Sie ein ausgewogenes Trainingsprogramm, auch für das Thema Rücken Yoga.

Ursprünglich bildete Hatha Yoga bei der Ausbildung von Yogis auf dem Weg zur Erleuchtung eine Stufe des Pfades.
Weitere Stufen, die der Yogi erklimmt, führen über Atemübungen “Pranayama”, Konzentration, Meditation, ethischen Richtlinien für das Verhalten zum höchsten Ziel: Samadhi – der Zustand der Erleuchtung.

Das Einssein mit dem höchsten Bewusstsein wird als ein Zustand von Glückseligkeit beschrieben.

Auf dem Weg zu diesem hehren Ziel gibt es jedoch Stolpersteine – die sogenannten Kleshas, die es zu überwinden gilt. Wo es menschelt gibt es eben meist auch Neid, Gier, Missgunst und Trägheit.

Wenn Sie mit einem Yoga Kurs starten, werden Sie vielleicht nicht gleich Erleuchtung finden wollen.
Aber Sie werden sogleich die wohltuende Wirkung spüren und mehr Wohlbefinden in ihren (Berufs-)Alltag einladen – egal ob Sie sich für einen Anfänger Kurs oder für eine fortgeschrittene Praxis eintragen.

Für Sportliche oder als Ergänzung zu anderen Sportarten und um Kondition aufzubauen eignet sich das Yoga Trainingsprogramm für Kräftigung und Kondition.

Falls Sie die Philosophie lieber hintenan stellen,anderen das Mantra-Singen überlassen und sich nur auf die körperlichen Auswirkungen konzentrieren, werden trotzdem Ihr Körper, Geist und letzendlich auch Ihre Seele davon profitieren.

Sind Sie am Ende des Tages oder der Woche ausgepowert und möchten die Couch eigentlich gar nicht mehr verlassen?
Hier finden Sie ein Trainingsprogramm, um die Seele baumeln zu lassen mit dem Fokus auf entspannen und regenerieren.

Das Schöne bei Yoga ist, dass Sie es sehr gut in Ihren Alltag integrieren können. Ob Sie sich in einem Kurs anmelden, zuhause üben oder viel unterwegs sind. Sie brauchen im Grunde nur genügend Platz, um sich lang auszustrecken.

Anstatt sich gleich dreimal pro Woche Yoga vorzunehmen und dann am inneren Schweinehund ganz zu scheitern, können Sie sich etwas vornehmen, das wirklich machbar ist und gut in Ihren Zeitplan passt. Zum Beispiel einmal pro Woche einen 90 Minuten Kurs, den Sie ganz regelmäßig besuchen.

Falls Sie oft auf Reisen sind, können Sie auch ein Minimal-Programm, dass Sie jederzeit durchführen können einplanen. Fünf Minuten pro Tag sind immer machbar und man spürt sofort die positive Wirkung.

Viel Spaß beim Ausprobieren! Om Shanti

Patricia Wolf

patricia.wolf.yogatreff@gmail.com.

Unter dieser Mail-Adresse können Sie auch das Trainingsprogramm für das Thema Rücken-Yoga oder das Training zur Kräftigung und Kondition als DVD bestellen, ebenso wie die Anleitungen zur Entspannung pur.

Aktuelle Kurse und weitere Informationen auf der Homepage:

www.PatriciaWolfYogatreff.jimdo.com

Fotos: Bernd Hentschel