Botschaften: Die häufigsten Fehler und wie wir sie vermeidet

„Ich bin so frustriert!“ ruft meine Kundin Sabine ins Telefon. „Ich erzähle alles was ich kann, aber der Kunde versteht mein Angebot einfach nicht.“ Sabines Leistungsangebot scheint genau auf die Bedürfnisse des Kunden zu passen. Trotzdem geht der Auftrag an die Konkurrenz. Meine Analyse zeigt, dass ihre Sprache nicht ankommt oder, um es im Public Relations Jargon zu sagen, ihre Botschaften die Zielgruppe verfehlen. Kein Einzelfall und daher eine gute Gelegenheit das Thema hier und heute zu vertiefen.

„Botschaften sind kurze, für den Empfänger bedeutsame Nachrichten, die das Image prägen und zum Handeln motivieren.“

Erfolgreichen Unternehmen gelingt es mithilfe klar formulierter Botschaften den Wert ihrer Marke auf verschiedenen Wegen (Boten!) zu transportieren. Ziel ist es, Menschen anzusprechen, die diese Werte teilen. So entsteht Markenbindung. Sehr erfolgreich darin sind große Marken wie z.B. der FC Bayern München+, Mercedes Benzoder Apple+.

Botschaften sind der Kitt zwischen dem Unternehmenskern und den Bedürfnissen der Kunden. Sie laden uns ein, eine positive Erfahrung zu machen. Gut formuliert erzeugen sie ein einheitliches Bild in den Köpfen der Empfänger.

Ihre Wirkung entfalten sie allerdings nur, wenn sie sowohl verstanden als auch behalten werden. Damit dies gelingt, sind Botschaften in dreierlei Hinsicht geschliffen:
In Bezug auf die Form, den Inhalt und die Dosis.

Fehler Nr. 1: Die Botschaft ist zu lang und zu komplex

Zugegeben, es ist eine Herausforderung den Kern des eigenen Unternehmens in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen ohne der Versuchung zu erliegen mit Fachwissen zu glänzen. Wie wir trotzdem Kompetenz ausstrahlen dazu kommen wir gleich noch. Hier geht es zunächst um die Form. Was ich erlebe sind gute Ansätze, die durch Freigabeverfahren zu einer juristischen Abhandlung, einem wissenschaftlichen Paper oder einer Gebrauchsanweisung mutieren. Mut zur Vereinfachung ist gefragt! Dies ist schon deshalb wichtig, weil Botschaften nicht nur gedruckt werden. Sie sind auch unsere Anker für das Kundengespräch oder Fixpunkte beim Interview. Machen Sie also den Selbsttest:
Wenn Sie die Botschaft nicht flüssig sprechen können
, dann ist sie nicht gut.

Tipps zur Form von Botschaften:

  • Bilden Sie kurze Sätze.
  • Verwenden Sie allgemein verständliche Begriffe.
    Vermeiden Sie Fachjargon.
  • Beschränken Sie sich auf einfachen Satzbau.
  • Achten Sie darauf, dass die Formulierung für Sie und Ihre Kunden einprägsam ist.

Fehler Nr. 2: Der Inhalt fliegt am Kunden vorbei

Botschaften sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie aus der Perspektive des Unternehmens heraus formuliert werden. Sie beantworten egozentrische Fragen: Wie wollen wir dastehen? Wie lässt sich mit unseren Produkten Geld verdienen? Worauf sind wir besonders stolz? Verstehen Sie mich nicht falsch, dies sind wichtige Fragen, aber sie gehören in die Positionierung, nicht in die Botschaften.

„Botschaften werden aus der Perspektive des Kunden gedacht.“

Klären Sie daher in Ihren Botschaften, welche Bedürfnisse durch Ihr Angebot gestillt werden.

Ein guter Ausgangspunkt sind folgende Fragen:

  • Welches Ziel verfolgt der Kunde?
  • Welchen Vorteil hat er durch den Kauf unseres Produkts/unserer Dienstleistung?
  • Welches Problem hat er zu lösen?
  • Wobei erhofft er sich Unterstützung?
  • Was stellt für den Kunden eine Arbeitserleichterung dar?
  • Wie kann er Zeit/Geld sparen?
  • Womit kommt er bei anderen gut an?
  • Womit steigt sein gesellschaftliches Ansehen?
  • Was bereitet ihm Zufriedenheit oder Spaß?

“Das Fundament einer guten Botschaft sind Fakten”

„Fakten, Fakten, Fakten“, die Werbekampagne des Focusfeiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Helmut Markwort – der Herausgeber – wusste damals schon, dass Wissen alleine nicht genügt. In diesem YouTube-Werbe-Video aus der Zeit gibt er den entscheidenden Hinweis. Übertragen auf Ihr Business heißt das: Orientieren Sie sich an der Lebenswirklichkeit des Verbrauchers oder Kunden, wenn Sie ihre Botschaften formulieren.

“Überzeugend werden unsere Botschaften durch Emotionen”

„Das Auto ist in 9 Sekunden von 0 auf 100, fein. Aber kann ich meine Freundin mit der Innenausstattung beeindrucken?“ Untermauern Sie Ihre Fakten mit Beispielen, die Kopfkino entfachen. In diesem Fall vielleicht die Beschreibung einer romantischen Autofahrt zur Berghütte. Dabei könnten Sie Aspekte von Komfort und Sicherheit geschickt verpacken.

Schaffen Sie Möglichkeiten zur Identifikation. Appellieren Sie – wo es sich anbietet – an den Instinkt. Und schließlich: Bauen Sie Vertrauen auf. Dazu gehört eine Kommunikation die Ihr Gegenüber als glaubwürdig empfindet. Zeigen Sie sich offen und authentisch. Punkten Sie mit Erfahrungswerten. Wenn es zu Ihrer Firmenkultur gehört, sprechen sie auch über soziale Verantwortung.

Eine beliebte Botschaften-Falle die in jedem Brainstorming auf ihre Chance lauert betrifft übrigens das Thema Kompetenz. Wir neigen dazu sie zu benennen. Also: „Wir backen die besten Torten“ oder „Niemand verlegt einen Fußboden schneller als wir“. Das taugt vielleicht als Werbeslogan (nein, nicht wirklich!). Als Botschaft sind diese Aussagen voll daneben, denn Eigenlob hat schon immer gestunken. Die Aufgabe die es zu meistern gilt: Kompetenz durch Beispiele, Expertenaussagen oder Kennzahlen offenzulegen, ohne sie beim Namen zu nennen.

Da wir nicht alle kleine Steve Jobs sind – der im Akkord nie Dagewesenes erfand – gibt es wahrscheinlich Konkurrenz um Ihr Geschäft. Lauter zu sein als alle anderen ist eine (teure) Lösung, die bessere heißt Differenzierung. Alleinstellungsmerkmale („einzige, größte, erste, auf neuesten Forschungsergebnissen basierend“ etc.) fallen hier sehr stark ins Gewicht. Aber auch ohne können Sie punkten, wenn Sie aufzeigen, wo Sie sich von anderen unterscheiden: hochwertig, nachhaltig, klimaschonend oder Bio, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie Sie sehen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten Unternehmensbotschaften inhaltlich auszugestalten. Und darin lauert schon die nächste Gefahr – kein Ende zu finden.

Fehler Nr. 3: Der Empfänger kann die Menge der Information nicht verarbeiten

Unternehmensbotschaften kommen auf vielen Wegen an die Öffentlichkeit. Firmen verbreiten sie über das Internet, durch Pressetexte, mittels Printmaterial, über Vorträge und nicht zuletzt durch Kundengespräche oder Medien-Interviews.

Das Bedürfnis andere durch eine Fülle von Argumenten überzeugen zu wollen ist menschlich. So wie meine Kundin Sabine die ihr komplettes Leistungsspektrum in kürzester Zeit herunterbetet. Leider ist unsere Aufnahmefähigkeit für neues sehr begrenzt und das nicht erst seit dem Zeitalter der Digitalisierung.

Unsere Aufmerksamkeitsspanne als Gesellschaft sinkt allerdings seither messbar. In diesem Artikel sind die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung zu diesem Thema von Philipp Lorenz-Spreen und Kollegen aus dem Jahr 2019 sehr anschaulich zusammengefasst

Umso mehr gilt heute: Fokus auf das Wesentliche, damit es behalten wird.

„Die Faustregel lautet: Besser 3×3 als 9×1“

Nur wenige Menschen können sich aus einem Gespräch, einem Vortrag oder einem Text mehr als drei Aspekte einprägen. Wiederholung stützt unser Gedächtnis. Scheuen Sie sich also nicht, Ihre wichtigsten Inhalte – die Kernbotschaften– in einem Gespräch mehrfach zur Sprache zu bringen, z.B. indem Sie sie mit verschiedenen Beispielen belegen und durch Expertenmeinung einordnen. Wie Sie diese Technik erfolgreich bei Interviews einsetzen beschreibe ich übrigens in diesem Blogbeitrag zum Thema “Interviews geben”.

Das Baukastenprinzip hilft Ihnen zu fokussieren:

  • Botschaften in thematische Gruppen gliedern.
  • Priorisieren in Kernbotschaften und unterstützende Botschaften.

Als Vorbereitung auf die Kommunikation wählen Sie aus diesem Baukasten die Teile, die auf die jeweilige Zielgruppe oder Situation am besten passen. Je nachdem wie viel Zeit oder Raum Ihnen eingeräumt wird, belegen Sie Ihre drei Kernbotschaften mit einer wachsenden Zahl an Unterbotschaften, das zementiert die Aussage beim Empfänger.

Noch etwas wird hier deutlich: Botschaften sind Leitsätze die allenfalls in Nuancen verändert vorgetragen werden. Hier geht es nicht um Kreativität in der Kommunikation sondern um Kontinuität. Insbesondere in der Medienarbeit ist dies von entscheidender Bedeutung. Lassen Sie sich nicht von der vereinbarten Sprachregelung abbringen. Vor allem dann nicht, wenn es mehrere Sprecher zum gleichen Thema gibt. Nur so ist der Wiedererkennungseffekt beim Empfänger sichergestellt.

Auf wundersame Weise hat es sich nun gefügt, dass ich Ihnen genau drei Aspekte über wirkungsvolle Botschaften mitgegeben habe, die ich hier noch einmal zusammenfasse:

  1. Botschaften haben den Kunden im Fokus. Sie basieren auf Fakten, erzeugen Emotionen, arbeiten mit Beispielen und schaffen so Identifikationsmöglichkeiten und Markenbindung.
  2. Botschaften sind kurz, leicht verständlich und einprägsam.
  3. Botschaften werden dosiert und auf die Zielgruppe zugeschnitten eingesetzt.

Ein Poster mit diesen Tipps können Sie sich hier herunterladen.
(Weitere Inhalte zum freien Download gibt es übrigens im Bereich “Wissen zu verschenken“).

Von der Theorie zur Praxis

Die folgende Tabelle gibt links Textbeispiele vor, die wir rechts analysieren:

„Wir von Xolygolygol produzieren elektronische Bauteile für Haushaltsgeräte. Unser Spezialgebiet ist die Steuerung über Mobiltelefone.  Mithilfe unserer Lösungen können Geräte ortsunabhängig bedient werden.” Hier wird der technische Begriff für die Bauteile ebenso vermieden, wie der Anglizismus für das Telefon. Die drei Sätze sind kurz, der Unternehmenskern ist klar definiert, der Nutzen für den Verbraucher offensichtlich.
Zympfel-Pharm entwickelt Impfstoffe gegen Viren die Pandemien auslösen. Unser Ziel ist es, die Ausbreitung von Viruskrankheiten zu stoppen und damit menschliches Leid zu verhindern. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Anwendung gut verträglich ist. In diesem Beispiel steht das Prinzip „Hoffnung“ im Vordergrund, denn das Produkt gibt es noch gar nicht. Durch Fakten (Forschungsergebnisse) wird Vertrauen erzeugt. Die emotionale Bindung gelingt durch die Erinnerung an jüngste Ereignisse.
Wir bringen bewährtes Wissen zurück in deinen Alltag: Unsere erfrischend-herben Kräuterauszüge basieren auf einer jahrtausendealten Rezeptur und beinhalten ausschließlich heimische Superfoods wie Giersch, Brennnessel und Co. In diesem realen Beispiel von kruutimplizieren die Begriffe „bewährt“ und  „jahrtausendealt“ geschickt eine Erfahrung, über die das junge Team selbst gar nicht verfügen kann. Dass sie diese nutzen ist jedoch glaubhaft. Die Zielgruppe der Käufer wurde hier sehr genau definiert.  Mit den Begriffen „heimisch“ und „Superfood“ spricht die Firma gezielt ein Publikum an, das sich gesund ernähren möchte und lokale Produkte kauft.

 

 Wie steht es um Ihre Botschaften?

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben vermute ich, Sie sind noch in der Phase der Konzeption oder sehen Bedarf zur Verbesserung.

Haben Sie schon Material? Ich kann den Botschaften darin gerne auf den Zahn fühlen.

Sie brauchen Hilfe bei der Entwicklung Ihrer Botschaften? Dann gehen wir es gemeinsam an. Nehmen Sie gerne direkt Kontakt auf:

heike@picus-communications.de oder 0170-7619980.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit!

Ihre

Heike Specht

+Disclaimer: Die in diesem Beitrag genannten Unternehmen gehören nicht zu meinem Kundenstamm und bezahlen mich auch nicht für ihre Nennung. Sie dienen lediglich als Beispiel, um das Thema realitätsnah und praktisch zu vertiefen.

Tragfähige Entscheidungen in einer Gruppe – geht das ?

An dieser Stelle bloggt heute Markus Rossmann. Er ist Diplom-Informatiker, Kommunikations-Trainer und Scrum-Master (CSM). Seit über 20 Jahren arbeitet er in der Software-Entwicklung. Dort hat er gelernt, dass es essenziell ist, sich über die Art der Zusammenarbeit in Teams Gedanken zu machen, anstatt sich auf die rein technische Lösung eines Problems zu fokussieren. Er findet, dass es  besonders spannend wird, wenn gewohnte Denkmuster hinterfragt werden – das möchte er in diesem Beitrag mit Ihnen ausprobieren.

Wenn Sie in einer Gruppe eine Entscheidung treffen:
Machen Sie das ganz normal – so wie immer?

In der Software-Entwicklung hat sich schon vor längerem herausgestellt, dass die Entwicklungs-Projekte an Komplexität immer mehr zunehmen, und deswegen die traditionelle Projektplanung schlichtweg nicht mehr funktioniert. Die Software-Branche hat sich daraufhin auf agiles Arbeiten eingestellt – kurze Entwicklungszyklen mit handlungsfähigen Teams, die dynamisch auf Veränderungen reagieren können.
Kommunikation auf Augenhöhe und Selbstorganisation sind die Schlüsselworte, die man nun in den Fluren nicht nur der Software-Entwickler hört – auch andere Branchen schauen mittlerweile erwartungsvoll auf diese agilen Methoden.

Eine Frage, auf die ich in diesen Fluren noch selten eine befriedigende Antwort gehört habe ist, wie es denn funktioniert, dass selbstorganisierte Entwicklungsteams auf Augenhöhe zusammen Entscheidungen treffen, die langfristig tragfähig sind.
Dabei hat die Art, wie Entscheidungen getroffen werden, eine weitreichende Auswirkung auf alle Prozesse einer Organisation – wird jedoch meist recht unbewusst gehandhabt.

Wie eine Entscheidung “normal” abläuft

Meist geht das ungefähr so: Die Gruppe trifft sich, um endlich den nicht zufriedenstellenden Zustand XYZ neu zu regeln. Nach heftiger, anstrengender und am Ende emotionaler Diskussion über nicht so sehr klare Vorschläge kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem jemand gereizt äußert, dass nun endlich einen Beschluss gefasst werden muss – verbunden mit der Aufforderung über den Vorschlag, der am lautesten in der Gruppe diskutiert wurde, abzustimmen.
In der Tat findet sich eine Mehrheit für eine mehr oder weniger präzise Formulierung einer Lösungs-Idee – doch bleibt der fade Beigeschmack, dass es neben Gewinnern auch Verlierer gibt, die die beschlossene Lösung nicht wirklich mittragen werden – aber sie wurden ja überstimmt und fügen sich … irgendwie.

Wir sind das Mehrheitsprinzip gewohnt.

Abstimmungen nach dem Mehrheitsprinzip sind für uns der normale Weg einer Gruppenentscheidung – wir haben uns daran gewöhnt, die Nachteile dieser Methode hinzunehmen:

  • Bei der Vorbereitung der Abstimmung geht es darum, den eigenen Lösungsvorschlag hervorzuheben – und die Lösung der Gegenseite ins negative Licht zu stellen – will man ja die Gruppe davon überzeugen für die eigenen Idee zu stimmen. Nicht umsonst gibt es den Begriff “Wahl-Kampf” –  der Begriff “Wahl-Zusammenarbeit” ist eher unüblich.
  • Der Teil der Gruppe mit dem größten Mehrheitsanteil (womöglich nur die relative Mehrheit) kann letztendlich bestimmen wo es langgeht – der Rest der Gruppe hat sich dem Beschluss unterzuordnen ohne Einfluss auf die Lösung zu haben.
  • Stimmen werden auf alternative Vorschläge verteilt  – somit ist es kontraproduktiv wenn ein Lager verschiedene Lösungen einreicht – das schmälert die eigene Chance sich durchzusetzen. 
Was ist eine nachhaltige Lösung?

Experimente mit anderen Methoden zur Entscheidungsfindung haben gezeigt, dass das Verfahren mit dem eine Entscheidung getroffen wird einen wesentlichen Einfluss sowohl auf den Prozess vor der Entscheidung, als auch auf die Tragfähigkeit der Umsetzung der beschlossenen Lösung hat.

Für eine tragfähige, nachhaltige Lösung kommt es weniger darauf an, wieviele Gruppenmitglieder eine Lösung als die beste ansehen.  Vielmehr geht es darum, den Widerstand den eine Lösung in der gesamten Gruppe erzeugt, möglichst gering zu halten.
Wird eine Lösung umgesetzt die in der Gruppe hohe Widerstände mobilisiert, dann erzeugt das Ablehnung und langfristig Probleme in der Gruppe, selbst wenn eine (relative) Mehrheit  diese Lösung toll findet.

Wie findet man eine nachhaltige Lösung?

Lassen Sie uns mal einen anderen Weg gehen als den gewohnten:
Der erste Schritt ist, sich nicht nur auf einzelne wenige Lösungen zu beschränken, sondern alle die Vorschläge zuzulassen die sinnvolle Alternativen beschreiben.

Im nächsten Schritt bewerten alle Gruppenmitglieder einzeln jede der verschieden Lösungen jeweils mit ihrem sogenannten “Widerstandswert”, einer Zahl zwischen 0 und 10:

“0” heißt: “Ich habe kein Problem damit wenn dieser Vorschlag umgesetzt wird”

“10” heißt: “Wenn dieser Vorschlag umgesetzt wird habe ich ein riesiges Problem mit dem ich nicht leben kann”

“1” -“9” : In Zwischenwerten kann man ein subjektives Bild abgeben, wie stark der persönliche Widerstand ist.

Addiert man die einzelnen Widerstandswerte der Gruppenmitglieder für einen Vorschlag, dann erhält man den Gruppen-Widerstand gegen diese eine Lösung. Der Wert ist ein Hinweis darauf, wieviele Probleme die Umsetzung dieses Vorschlags in der gesamten Gruppe erzeugen würde.

Nimmt man nun den Vorschlag mit dem geringsten Gruppen-Widerstand als beschlossene Lösung, dann hat man diejenige Lösung gefunden, die bei der Umsetzung die geringsten Bauchschmerzen in der Gruppe erzeugt – und somit die besten Chancen hat, langfristig tragfähig zu sein – was einem Konsens am nächsten kommt.

Eine andere Diskussionskultur entsteht

Interessant ist, dass sich mit dem Entscheiden mittels Gruppen-Widerständen auch die Art der Diskussion in der Gruppe ändert:

  • Um den eigenen Vorschlag in der Gruppe durchzusetzen, hilft es nicht mehr die Vorteile der eigenen Idee anzupreisen. Vielmehr lohnt es sich den anderen zuzuhören, ihre Probleme zu verstehen und daraufhin den eigenen Vorschlag so anzupassen, dass die Widerstände der anderen ausgeräumt werden.
  • Es lohnt sich nun auch, verschiedene Alternativen ins Rennen zu bringen, da nicht um Stimmen konkurriert werden muss. Der Zwang zur Lagerbildung entfällt – die Gruppe kann zusammen daran arbeiten gemeinsam unterschiedliche Lösungen zu entwickeln.

Und das funktioniert? – Das funktioniert!

Das hier beschriebene Prinzip wurde von einer Gruppe von Mediatoren entwickelt, und unter der Bezeichnung “Systemisches Konsensieren” veröffentlicht. Bisher haben diese Methode viele Organisationen, Vereine und sogar öffentliche Verwaltungen mit wachsender Begeisterung eingesetzt.

Man muss auch nicht gleich mit allen gewohnten Prozessen brechen. Es lohnt sich schon immens, wenn man die Ideen des Systemischen Konsensierens alleine dafür benutzt, um die Diskussion über mögliche Lösungsvorschläge zielgerichtet zu moderieren – über die darüber gefundene tragfähigste Lösung kann man ja immer noch mit dem Mehrheitsprinzip abstimmen –  ganz normal – wie immer.

Die Beschäftigung mit diesem Prinzip zeigt, dass es dabei um weit mehr als das reine Entscheidungsverfahren geht – plötzlich ist man mittendrin in der Arbeit mit Gruppenprozessen und im Nachdenken über Organisationsformen. Plötzlich ist man mitten drin ein wertschätzendes Miteinander zu erarbeiten – genau das, worum es bei der Einführung von agilen Arbeitsmethoden im Grunde geht.

Die Herausforderung, vor der Firmen nun stehen, ist die noch recht offene Frage, wie eine Transformation hin zu einer wirklich agil arbeitenden Organisation erfolgen kann – eine Organisation die den Einzelnen Vertrauen entgegenbringt und Verantwortung überlassen kann – inklusive der Frage wie Kunden darin auf Augenhöhe eingebunden werden.

Die Auseinandersetzung mit dem hier vorgestellte Entscheidungs-Prinzip bietet dazu eine Vielfalt von Gedanken und Anregungen um eingespielte Muster von anderen Perspektiven zu betrachten – und damit neue Arbeitsweisen zu ermöglichen.

Wenn Sie Interesse an mehr Information oder einem Erfahrungs-Austausch zu diesem Thema haben: Ich bin gespannt auf Ihre Gedanken und Fragen – und gebe gerne einen tieferen Einblick!

AKTUELL:  WORKSHOP “Einführung in die wertschätzende Kommunikation”

Termin 1:      08.11.2020 , 10-17 Uhr

Termin 2:      22.11.2020, 10-17 Uhr

Präsenzveranstaltung  im WeltHaus, An der Schanz 1, Aachen, Raum 15 (1. OG)

ANMELDUNG per Mail unter Anmeldung@Akademie-der-Vereine.de

Teilnahme auf Spendenbasis

Ihr Markus Rossmann

Interviews geben: Beim Tanz der Worte die Führung übernehmen

Erinnern Sie sich noch? Ein großer Raum, antiquiertes Interieur, leicht aufgeregtes Gelächter und unsicheres Gehabe. Man steht sich paarweise gegenüber und hofft, dass das was kommt für keinen schmerzhaft oder peinlich wird: Tanzstunde! Zu Anfang Fußtritte. Sie führt, weil er den Takt nicht hört. Gezerre und Gestolper. Aber es wird von Stunde zu Stunde besser.

Ein Lächeln mischt sich in die ernsten Mienen. Die Bewegungen werden runder. Während keiner von Beiden mehr wirklich daran glaubt, platzt plötzlich der Knoten und es fühlt sich an wie Fliegen!

Der Vergleich drängt sich Ihnen vielleicht nicht unmittelbar auf, aber zwischen dem klassischen Paartanz und dem journalistischen Interview gibt es eine ganze Reihe von Parallelen.

Das Interview ist eine kommunikative Disziplin
mit festen Regeln, 
die man erlernen kann. 

Ich schlage vor, dass wir uns dem Thema schrittweise nähern.
Gehen wir einmal davon aus, Ihr Unternehmen hat gerade eine Pressemitteilung verschickt. Diese wird von Journalisten als Gesprächseinladung interpretiert.

Aufforderung zum Tanz – Wer ist der Richtige?

Da Ihre Ressourcen begrenzt sind, werden Sie Interview-Anfragen priorisieren. Aber nach welchen Kriterien suchen Sie Ihren Partner aus? Machen Sie den folgenden Check: Erreiche ich mit diesem Medium direkt meine primären Zielgruppen? Kann die Zeitung oder Fachzeitschrift mit hohen Leserzahlen punkten? Schreibt der Journalist für eine Nachrichtenagentur, von der andere Medien ihre Inhalte beziehen? Ist das Medium in meinem Geschäftsbereich meinungsbildend oder gar meinungsführend? Entsteht hier ein Übersichtsartikel in dem die Konkurrenz zu Wort kommt, so dass es von Vorteil ist, selbst Position zu beziehen? Schon eine dieser Fragen mit “Ja” zu beantworten kann Grund genug sein, das Interview zu machen.

Das Warm-Up – Vorbereitung zum Aufeinandertreffen

Interviews sind eine sehr gute Gelegenheit, einem breiten Publikum die eigene Story zu erzählen.  Sie haben die Möglichkeit gezielt Botschaften zu setzen, die Ihnen wichtig sind. Aber dieser Austausch birgt auch Risiken. Dann nämlich, wenn Sie ohne Vorbereitung in das Gespräch gehen. Sprechen Sie mit dem Journalisten über sein Informationsbedürfnis. Wo möchte er in Bezug auf ihre Neuigkeiten in die Tiefe gehen? Was hat er möglicherweise nicht verstanden? Wenn möglich antizipieren sie Fragen zu diesem Themenkomplex, oder lassen Sie sich die Fragen aus der Redaktion im Vorfeld zusenden.

Die Schrittfolge im Geiste durchgehen – Kernbotschaften

Als nächstes formulieren Sie Kernbotschaften, die Sie selbst im Beitrag zu Ihrem Interview lesen oder hören möchten. Überlegen Sie sich, wie Sie von den Fragen eine Brücke hin zu diesen Kernbotschaften schlagen können. Sie kennen das Prinzip aus den Abendnachrichten. Nur, dass sich viele Politiker die Brücke schenken, sie sprechen einfach – egal welche Frage – über das was sie sagen wollen. Unsere Nachrichtenmoderatoren sind gut geschult, ihnen das nicht durchgehen zu lassen. Machen Sie es besser! Üben Sie! Und scheuen Sie sich nicht, in einer Unterhaltung ihre drei Kernaussagen immer wieder unterzubringen. Wiederholung ist ein guter Lehrmeister. Jetzt erkennen Sie auch, warum es eine gute Idee ist, das Interview nicht direkt bei der Anfrage zu machen, sondern sich Zeit für die Vorbereitung zu nehmen. Die meisten Journalisten haben zumindest ein paar Stunden bis zum Redaktionsschluss. Größere Beiträge lassen mehr Spielraum.

Ausgangsposition – Haltung annehmen

Interviews sind für Ungeübte Stress-Situationen. Also vermeiden Sie unnötigen Ärger durch unbequeme Stühle und schlecht sitzende Krawatten. Findet das Gespräch in Ihren Räumen statt, dann wählen Sie einen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen. Müssen Sie an einen anderen Treffpunkt kommen, entscheiden Sie, ob Sie sitzen oder stehen wollen. Lassen Sie sich bei Filmaufnahmen die Einstellung zeigen. Achten Sie auf angemessene aber bequeme Kleidung.
Üben Sie den festen Stand
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Den Takt halten – Die (Gesprächs-)Führung übernehmen

Jetzt kann der Tanz beginnen. Die größte Falle hierbei ist, dass Sie sich rein darauf konzentrieren auf die Frage zu antworten. Sie haben viele Fakten im Kopf, die Sie meinen, erläutern zu müssen. Sie wollen freundlich sein und füllen jede Gesprächspause mit Wortbeiträgen.  Alles nicht dramatisch, wenn Sie sich an folgendes erinnern: Sie sind der Spezialist in ihrem Fachgebiet und wissen daher immer deutlich mehr als ihr Gesprächspartner. Selektieren Sie und platzieren Sie Ihre Kernbotschaften. Beschreiben Sie Sachverhalte möglichst ohne Fremdworte in kurzen Sätzen. Bringen Sie Beispiele zur Erläuterung. Sprechen Sie wo es sich anbietet in Bildern. Bedienen Sie Emotionen.  Lassen Sie persönliche Erfahrung einfließen. All das ist deutlich spannender als Zahlen und Fakten. Machen Sie sich bewusst, dass Journalisten an Menschen und ihren Geschichten interessiert sind. Bleiben Sie gelassen, auch bei kritischen Fragen. Lächeln Sie freundlich, auch bei Telefoninterviews. Korrigieren Sie ihren Gesprächspartner, wenn seine Aussage falsch ist.

Haltung bewahren bis die Musik aus ist – Die Verabschiedung

Wer nicht regelmäßig Interviews gibt, verliert Konzentration und Anspannung, wenn der Journalist das Ende des Interviews signalisiert. Denken Sie daran, dass alles was Sie danach sagen ebenso im Beitrag erscheinen kann. Bleiben Sie beim Thema. Bieten Sie an, offen gebliebene Punkte oder weiteres Pressematerial nachzureichen. Journalisten haben keine Verpflichtung dazu, bieten im Print-Bereich aber häufig die Zitat-Freigabe an. Fragen Sie proaktiv danach. Notieren Sie sich außerdem den Erscheinungstermin des Beitrags. Printmedien schicken Ihnen auf Anfrage ein Belegexemplar.
Nehmen Sie sich die Zeit das Interview nachzuarbeiten. Welche Kernbotschaften hat der Journalist aufgegriffen? Aus welcher Aussage hat er die Headline abgeleitet? An welcher Stelle bin ich falsch verstanden worden? So lernen Sie aus Erfahrung und machen es beim nächsten Mal noch besser.

Wenn Sie diese Tipps beim nächsten Interview-Termin parat haben wollen, dann können Sie die PowerPoint-Präsentation dazu gerne hier herunterladen. Stöbern Sie noch im Bereich Downloads nach weiteren Empfehlungen.

Aus jahrelanger Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass die Theorie ein guter Anfang ist, besser wäre es allerdings, am konkreten Beispiel zu üben. Dazu können Sie gerne ein Medientraining buchen.