6 Dinge, die ich mir (als Selbstständige) nicht mehr antue

 Der Wecker klingelt und noch bevor ich die Augen aufschlage, rattert mein Hirn einem Uhrwerk gleich los: „Welche Termine stehen heute an? Worauf muss ich mich vorbereiten? Was darf ich auf keinen Fall vergessen? Mit wem muss ich mich abstimmen?“ Dazwischen huscht ein Gedanke, eine kreative Idee die mein Unterbewusstes im Schlaf produziert hat. Schnell aufschreiben, sonst ist sie wieder weg! Beim Frühstück scrolle ich durch die Headlines der wichtigsten Medien und checke meine Mails. Kurz darauf – ich bin gerade im Bad – klingelt der Postbote. Noch mit der Zahnbürste im Mund sprinte ich zum Türöffner und stolpere dabei über den Hund. Bruno hat einen siebten Sinn für Tage an denen ich das Haus verlasse – dann legt er sich im wahrsten Sinne des Wortes quer. Leicht gequält schlüpfe ich ins schicke Schuhwerk und steuere mein Auto sehenden Auges in den Stau auf der A5.

Kommt dir das bekannt vor? Auch wenn wir in jüngster Zeit nicht im Stau, sondern im Home-Office enden, wo wir für Stunden über Zoom ein Dauerlächeln aufsetzen und vor dem Rechner den Wirbelsäulenschaden zementieren. Ich wage die Prognose,  dass die meisten von uns Routinen etabliert haben, die wir wenig hinterfragen, die uns bei genauer Betrachtung aber gar nicht gut tun.

Als mir klar wurde, wie toxisch viele meiner Verhaltensweisen für meine Tagesform – und übrigens auch für meine Kommunikation – sind, habe ich bewusst mit Veränderung begonnen. Ich bin in einem Transformationsprozess der positive Effekte zeigt, was mich ermutigt, dies heute mit dir lieber LeserIn zu teilen.

Hier also die 6 Dinge, die ich mir nicht mehr antue – und meine Alternativen:

I. Der Sprint in den Arbeitstag

Es erschien mir die längste Zeit praktisch, dass mein Kopf sofort im Arbeitsmodus ist, sobald ich die Augen aufschlage. Nicht selten hieß dies sogar „der erste Weg führt vom Bett an den Schreibtisch“. Dies hat allerdings von vorne herein verhindert, dass ich im hier und jetzt ankomme. Ich nahm weder wahr wie sich mein Körper beim Aufwachen fühlt, noch was um mich herum vorgeht.

Wo zwickt es? Würde ein Strecken und Räkeln mir jetzt gut tun? Wie ist das Wetter vor dem Fenster? Das sind Fragen die ich mir jetzt als Erstes stelle. Und wenn ich schon darüber nachdenken muss wen ich heute sehe, dann verknüpfe ich das mit der Überlegung, wie ich positiv in dieses Treffen gehen kann.

Ich stehe inzwischen freiwillig 30 Minuten früher auf, um vor dem Frühstück Yoga-Übungen oder eine Meditation zu machen. Die Ruhe die sich dabei in mir ausbreitet nehme ich mit in den Tag. Das wirkt sich nicht nur auf mich aus, sondern überträgt sich auch auf Menschen, mit denen ich zusammentreffe. Dazu gleich etwas mehr.

Ich habe also immer noch eine Morgenroutine, diese sieht allerdings deutlich anders aus. Sie setzt auf Körperbewusstsein, positive Grundeinstellung und Konzentration auf das was gerade ansteht, statt mit dem Kopf permanent in der ungewissen Zukunft zu sein.

II. Der Knebel der Verkleidung

Hast du auch schon einmal gedacht, dass du für deinen Job in eine Art Verkleidung schlüpfst? Das kann hilfreich sein, denn das Äußere unterstreicht unsere Rolle, die wir annehmen, wenn wir auf Business-Modus umschalten. „Kleider machen Leute“ gilt eben besonders im Job. Was aber, wenn die Verkleidung zur Tortur wird?

Ich bin einmal auf dem Weg zu einer Pressekonferenz mit spitzen Absätzen im Gitterrost eines Eingangsportals hängengeblieben und habe damit nicht nur einen „Stau der Mächtigen“ provoziert, sondern mir auch – beim Versuch die peinliche Situation mit wildem Aktionismus zu beenden – besagten Absatz abgerissen. Das Humpeln danach hatte nur wenig damenhaftes.

Hochhackige Schuhe mögen eine tolle Wade formen und mich 8 cm größer machen, aber wenn ich mich darin nicht wohl fühle, wirkt sich das auf meine Körpersprache aus. Diese kommt beim Gegenüber an, noch bevor ich den Mund aufmache. Heute bewege ich mich auf bequemen flachen Schuhen. Ich bin darin nicht weniger souverän und mein Orthopäde ist begeistert.

Ich habe in einer längeren Übergangsphase meine Garderobe einem „Bequemlichkeitscheck“ unterzogen. Dem sind etliche sehr elegante, aber zwickende Kleidungsstücke zum Opfer gefallen, als mir klar wurde:

Wer nicht vernünftig Luft holen kann, dem fehlt auch der lange Atem, um die eigenen Argumente schlüssig vorzutragen.

Und schließlich nehme ich mir inzwischen die Freiheit den „grau-schwarz-weiß“-Büroduktus zu durchbrechen. Ich war schon immer eine Liebhaberin der Farbe „bunt“. Das hat mir zwar gelegentlich den Ruf des „Buntspechts“ eingebracht, aber damit bin ich wenigstens unverwechselbar.

III. Die Pein vermeidbarer Zeitfresser

Die Abstimmung mit Kunden, Mitarbeitern oder Kooperationspartnern kostet uns Selbstständige viel Zeit, die uns für die Umsetzung unserer Projekte fehlt. Damit wird Priorisierung zur KönigsdisziplinIch verabschiede mich nach und nach von Zeitfressern, bei denen ich gequält auf die Uhr schaue und hoffe, dass es bald vorbei ist. Meetings sind ein gutes Beispiel: Als Angestellte habe ich häufiger Meetings abgesessen, weil erwartet wurde, dass ich dort anwesend bin. Ich erspare mir heute viel Zeit und meinen Kunden  Kosten damit, dass ich im Vorfeld abkläre, bei welchen Besprechungen ich eine aktive Rolle habe. Wird mir aus der Agenda nicht verständlich worin mein Beitrag zu der Veranstaltung besteht, sage ich ab. Merke ich erst später, dass ich hier nicht richtig bin, klinke ich mich höflich aus. Oder ich komme nur zu bestimmten Agendapunkten dazu.
Solche Zeitfresser zu eliminieren halte ich nicht nur für fair dem Kunden gegenüber, es macht mich selbst glücklicher, weil ich im gewonnenen Freiraum ein messbares Ergebnis erzielen kann. 

IV. Der Kalender als Folterinstrument

Es ist in meinen Augen ein Missverständnis, dass Selbstständigkeit gerne mit dem Wortspiel selbst und ständig beschrieben wird. Das ist eine Haltung die wir – wenn wir dauerhaft durchhalten wollen – nicht von außen übernehmen sollten. Dazu braucht es Disziplin und einen Kalender, der uns Lust auf den Tag macht.

Ich habe mir angewöhnt „Me-Time“ in meinen Kalender zu integrieren, damit der Chat mit der Freundin, der Sport oder einfach mit einer Tasse Tee auf den Balkon hinauszutreten auch in stressigen Phasen möglich ist. Wenn Zeiten für Besorgungen oder Arztbesuche wie selbstverständlich im Kalender integriert sind, hinterfragt man sie nicht mehr. Das setzt allerdings voraus, dass ich sie nicht bereitwillig der nächsten Gelegenheit opfere.

Gleiches gilt übrigens für die Mittagspause. Ein guter Moment, um einmal wieder zu überprüfen, wie sich mein Körper fühlt und was er braucht. Vielleicht ist neben dem Snack auch ein bisschen frische Luft angesagt.

Und schließlich blockiere ich mir “Kreativzeiten”, zu Tageszeiten in denen mein System auf vollen Touren läuft, für konzentriertes strategisches Arbeiten oder zum Lösen besonders kniffliger Aufgaben.

Inzwischen gestehe ich mir auch ein, dass es Dinge gibt, für die ich kein Händchen habe oder für die ich viel zu lange brauche. Den Beruf des virtuellen Assistenten habe ich erst kürzlich für mich entdeckt. Eine VA kann theoretisch jede Aufgabe übernehmen, die via Internet erledigt werden kann, von der Administration über Transkription bis hin zu Webdesign. Manche bieten ein breites Portfolio, andere haben ein Spezialgebiet.
Im nächsten PICUS-Newsletter stellt sich übrigens eine VA vor, mit der ich schon sehr gut und erfolgreich zusammengearbeitet habe. Falls du noch nicht zu den AbonnentInnen gehörst, kannst du das jetzt nachholen.

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V. Permanente Erreichbarkeit

Im internationalen Geschäft ist immer irgendwo Tag, so dass Mails 24/7 hereinkommen. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mit so mancher aus der Hüfte geschossenen Antworten zu nachtschlafender Zeit mehr Porzellan zerschlagen, als Probleme gelöst.

So gesellt sich zu meiner Morgenroutine inzwischen eine Abendroutine. Zu dieser gehört es, die Funktion meines Mobiltelefons zu nutzen, mit der ich jede Form der Benachrichtigung abschalten kann. Zwischen 21 und 8 Uhr ist Ruhe: Keine Anrufe und keine Töne bei Maileingang oder Social Media-Aktivitäten. Zugegeben, an manchen Tagen muss ich mich dazu zwingen, nicht trotzdem einen Blick auf das Display zu werfen. Trotzdem ist die Funktion ungemein hilfreich. Räumliche Distanz tut ein Übriges: Das Mobiltelefon hat Schlafzimmerverbot.

Ich beende meine Tage gerne mit Journaling. Dazu habe ich einen Jahreskalender in den ich wenige Zeilen für jedes Datum eintragen kann. Ich bemühe mich dabei die positiven Ereignisse des Tages hervorzuheben und Aspekte zu finden, für die ich dankbar bin. Das bringt mich in eine positive Grundstimmung für die Nacht.

Für den Fall, dass mein unruhiger Geist vor dem Einschlafen noch Ideen produziert, habe ich einen Notizblock auf dem Nachttisch. Ein Stichwort muss genügen. Damit ist der Gedanke für den nächsten Tag „geparkt“ und ich kann ihn loslassen.

Als letzte Übung vor dem Schlafengehen mache ich den „Bodyscan“. Das ist eine Yoga-Übung bei der man im Geiste alle Körperteile abtastet, ohne die Befindlichkeiten darin zu bewerten. Ich komme inzwischen nicht einmal bis zum Bauchnabel, dann bin ich schon in die Traumwelten abgetaucht. Alleine der Beginn der Übung scheint meinem Gehirn zu signalisieren, dass Schlaf erwünscht ist.

VI. Konfrontative Kommunikation

Jeder hat schon einmal eine Gesprächssituationen erlebt, in der er sich unterlegen, missverstanden, hilflos oder gar misshandelt gefühlt hat. Mein “Tiefpunkt” in diesem Zusammenhang war ein Telefonat mit einer Dame, die den Versuch meine Expertise in ihr Projekt einzubringen klar als Angriff auf ihre Kompetenz interpretierte. Das hast sie so in Rage gebracht, dass sie ihre Argumente nur noch schreiend hervorbringen konnte. Ich habe ihr erklärt, dass sie mich gerne wieder anrufen kann, wenn sie sich beruhigt hat – und habe aufgelegt. Distanz ist ein legitimer Weg, um sich aus einer unangenehmen Gesprächssituationen zu befreien. Die Frage ist, hätte es überhaupt so weit kommen müssen?

Ein altes Sprichwort sagt, „wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.“ Ich habe lange gebraucht, um die Bedeutung dieser Weisheit wirklich zu verstehen. Meine Gesprächspartner spiegeln mein Verhalten! Es kommt also ganz auf die innere Einstellung an, mit der ich in eine Unterhaltung gehe. Das fällt uns natürlich besonders leicht bei Menschen, die uns sympathisch sind, mit denen wir gerne zusammenarbeiten, die hilfsbereit und auskunftswillig sind. Um von der Einsicht zu profitieren, ist es also sehr viel hilfreicher, sich auf Gespräche positiv einzustimmen, die einen ungewissen Ausgang erahnen lassen, oder vor denen wir uns gar fürchten, weil uns das Gegenüber Angst einflößt. Solche Gespräche brauchen Vorbereitung.

Kommunikation ist eine Kunst, die man trainieren kann. Sie beginnt im Kopf, mit einem positiven Mindset.

Wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, wie der Kunde vor unserer Unterredung seine Kinder zur Schule bringt und sie zum Abschied umarmt, oder wenn ich mir ins Gedächtnis rufe wie freundlich der Mitarbeiter mit dem ich es gleich zu tun habe neulich mit seiner Assistenz umgegangen ist, dann macht das etwas mit meiner inneren Einstellung. Die Neurowissenschaft kann sogar mit Studien belegen, dass bei jedem Zusammentreffen in unserem Gehirn eine Kaskade unbewusster Reaktionen abläuft. Dahinter steht der Versuch einzuordnen wie das Gegenüber gerade drauf ist, was für Absichten es hat, welche Ziele es verfolgt. Wenn ich mir die Zeit nehme diese Unterredung nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional zu planen, dann kann ich die Kaskade bei meinem Gegenüber beeinflussen. Die Visualisierung des freundlichen Ablaufs eines Dialogs vor dem Zusammentreffen wirkt sich auf beide Gesprächspartner aus und bereitet den Boden für eine gute Gesprächsatmosphäre. So werde ich zum Beispiel nicht mehr als überrumpelnd, brüsk oder dogmatisch wahrgenommen, sondern als konsensorientiert und empathisch.

Das positive Mindset ist die Eintrittskarte zu guter Kommunikation.  Einfühlungsvermögen erhält sie aufrecht. Wichtig ist, dass ich sowohl meine eigene, als auch die Situation des anderen im Blick behalte. Wir haben alle die gleichen Bedürfnisse: Wir wünschen uns eine gute Lebensqualität und wollen gesehen werden. Dies zu respektieren ist ein wichtiger Schlüssel, wenn es darum geht, mit Kommunikation etwas zu erreichen.

Die Lehre der „gewaltfreien Kommunikation“ wurde entwickelt, um uns die Möglichkeit zu geben, aus gewohnheitsmäßiger, automatischer, lebensentfremdender Kommunikation wieder einen Prozess mit bewussten Antworten zu machen, der von respektvoller Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit geleitet ist. Dabei kommt es darauf an unsere Ausdrucksweise und unser Zuhören durch die Fokussierung unseres Bewusstseins umzugestalten. Der „Vater der GFK“, Marshall B. Rosenberg, hat seinen Ansatz in 4 Schritte unterteilt, die uns auch dabei helfen Konflikte zu lösen: Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten.  Sein Standardwerk „Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“ geht auf alle 4 Bereiche im Detail ein und arbeitet mit vielen Beispielen. Da verstandenes Wissen erst durch Übung zu gelebtem Wissen wird, möchte ich dir die Seminare von Markus Rossmann empfehlen. Er ist spezialisiert auf gewaltfreie Kommunikation und systemisches Konsensieren. Du erreichst ihn per Mail unter: m.rossmann@mitwirksam.de  oder im Netz unter www.mitwirksam.de.

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Mich würde interessieren, welche Gesprächssituationen du in deinem Business als besonders herausfordernd erlebst. Sind es bestimmte Zielgruppen, an denen du dich abarbeitest? Welche Kommunikation hingegen empfindest du als bereichernd? An welcher Stelle hast du dazugelernt? Was hat dir dabei geholfen?  Ich bin gespannt auf deine Kommentare!

 

Worauf wir uns verlassen können – 4 Trends die das nächste Jahr prägen

Viele von Euch werden an den Feiertagen mit einem großen Seufzer in den Sessel fallen und sich fragen, wie sie das eigentlich alles geschafft haben, was uns dieses Jahr – das zweifelsohne in die Geschichtsbücher eingehen wird – abverlangt hat. Eines ist sicher: Wir alle haben – gewollt oder ungewollt – eine hohe Lernkurve hingelegt und uns den Veränderungen angepasst. Und auch wenn wir den Tag feiern werden, an dem die Pandemie wirklich Geschichte ist, so wird SARS-CoV-2 eine Menge Spuren im Berufs- und Privatleben hinterlassen, die bleiben.

Was ich Euch heute anbiete, sind meine Gedanken zu den Veränderungen die permanent sein werden. Daraus lassen sich Trends für die Kommunikation von morgen ableiten.

1. Das (Er)leben ist virtuell

Die Pandemie hat verändert wie wir leben und arbeiten. Videokonferenzen geben den Takt unseres Tages vor: Teams-Meetings mit Kollegen, eine Skype-Session mit der Freundin zur Kaffeepause und am Abend Yoga über Zoom. Unser Handlungsradius um persönliche Kontakte zu pflegen oder Erfahrungen in der realen Welt zu machen ist deutlich geschrumpft. Die virtuelle Lebenswirklichkeit ist nun in jedem Haushalt angekommen, um zu bleiben. Daher müssen wir uns mit unseren Angeboten darauf einstellen. Menschen erwarten, durch die Technologie eine positive Erfahrung zu machen die Spaß bringt, in die sie über den Bildschirm eintauchen können. Das wird in Zukunft auch für die Angebote gelten, die wir mit unserer Öffentlichkeitsarbeit machen. Multimediales Erleben ist zwar schon länger ein Schlagwort, wird aber 2021 zusätzlich mit Leben gefüllt. Jetzt zeigt sich beispielsweise, ob Podcast, Blog oder YouTube-Kanal alleine bei den Followern bestand haben, oder nicht doch eine Kombination aus mehreren Formaten sinnvoll ist. Neue Angebote werden hinzukommen, bei denen sich Menschen an virtuellen Aktionen aktiv beteiligen können. Große Unternehmen investieren in Virtual Reality und Künstliche Intelligenz, um die Erfahrung mit dem Produkt emotional und lebensnah zu gestalten. Die Kunst wird darin bestehen, sich als Mittelständler oder Kleinunternehmer von diesem Hype nicht überwältigen zu lassen. Es geht auch eine Nummer kleiner, wenn die Idee dahinter beim Kunden ankommt. Hier ist Kreativität gefragt, um sich mit den eigenen Angeboten auf unterhaltsame Weise z.B. auch gegen Streaming-Dienste durchzusetzen.

Mit der Verlagerung der Kontakte in den virtuellen Raum wurde der Trend zur  Humanisierung der Arbeitswelt beschleunigt. Wenn Mitarbeiter monatelang aus dem Home-Office arbeiten, brauchen Führungskräfte wirksame Methoden, um das Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen aufrecht zu erhalten. Hinzu kommt, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen, wenn wir Kollegen im heimischen Umfeld durch die Kamera verfolgen oder Urlaubsfotos als Hintergrundbilder der Konferenzen zu sehen bekommen. Unsere Beziehungen im Arbeitsumfeld sind dadurch authentischer als je zuvor. Diese Authentizität erwarten wir auch von Produkten und Dienstleistungen. Der Trend geht eindeutig weg vom Image als erzeugtem Bild, hin zu einer Marke die ich als echt und glaubwürdig empfinde. Dazu gehört, die Rolle der Mitarbeiter als Advokaten zu erkennen. Viele Unternehmer unterschätzen noch die Kraft der persönlichen Geschichte hinter der Personalnummer und verpassen damit eine Chance, denn Print und Online-Medien sind auf der Suche nach solchen „Influencern mit Insiderwissen“.

2. Menschen wollen Taten sehen

Wenn COVID-19 eines freigelegt hat, dann den Wunsch danach, dass alle Verantwortung übernehmen für das was passiert und sich den gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam stellen. Das gilt auch für Unternehmen. Kunden werden in Zukunft sehr viel stärker ihre Dienstleister und Marken danach auswählen, wer bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Unternehmen müssen sich daran messen lassen, wieviel soziales Kapital sie aufbauen. Das beginnt beim Engagement für Teile der Gesellschaft und endet noch lange nicht beim Umweltschutz. Hierin steckt eine Chance für die Kommunikation, vorausgesetzt es handelt sich nicht nur um Worthülsen. Es gilt das was nachweislich bereits getan wurde, oder welche Verbesserungen und Initiativen angestoßen sind in Botschaften zu gießen, um dem Kunden-Anspruch nach mehr sozialem Unternehmertum gerecht zu werden.

3. Krisenvorbereitung ist kein Luxus

Es hat sich gezeigt, dass der Ausnahmezustand kein zweifelhaftes Privileg großer Unternehmen ist, sondern auch Einzelunternehmer, ja ganze Gesellschaften, erfassen kann. Da brechen innerhalb weniger Wochen ganze Strategien und Konzepte zusammen, Kundensegmente erodieren und erzeugen im Handumdrehen eine wirtschaftliche Schieflage. Auch wenn das eine unbequeme Wahrheit ist: Krisenszenarien ähneln sich in ihrem Wesen und ihrer Dynamik und sind daher im gewissen Rahmen planbar, selbst wenn der Auslöser eine Überraschung ist. Was ich damit sagen will: Wer zumindest eine klare Organisationsstruktur und solide Prozesse hat, die in Extremsituationen greifen, wer diesen Fall – ähnlich der Feuerwehr – in ruhigen Zeiten übt, der wird besser durch Krisen kommen. Es lohnt sich, das an COVID-19 Gelernte schriftlich festzuhalten. Für Betriebe ab mittlerer Größe heißt das auch Verbesserungspotenzial zu erkennen, einen Fahrplan für notwenige Anpassungen zu erstellen und dessen Umsetzung regelmäßig zu überprüfen. Und: Vor allem mit neuen Mitarbeitern an Bord den Ernstfall üben, üben, üben. Zu diesem Thema habe ich während des Lock-Downs einen etwas ausführlicheren Blogbeitrag geschrieben, den Du hier nachlesen kannst.

4. Der Umgang mit Falschinformation

Verschwörungstherorien, Fake News und gezielte Desinformation sind Begriffe die uns in diesem Jahr noch häufiger begleitet haben als sonst. Das Misstrauen derer, die Information und damit Kommunikation empfangen wächst. Welcher Quelle kann ich trauen? Was ist Fakt, was ist Mythos? Wer ist der wahre Experte auf seinem Gebiet? Das sind Fragen die zunehmend gestellt werden. Es ist wichtig, dass sich Unternehmer und Solo-Preneure in dieser unsicher scheinenden Gemengelage als glaubwürdige Quellen präsentieren. Dazu gehört verlässlich und transparent zu kommunizieren. Eigene Kommunikationskanäle werden an Bedeutung zunehmen. Aber auch, ein vertrauensvolles Verhältnis zu Medienvertretern aufzubauen, die an echter Expertise und wahren Geschichten ein Interesse haben. Das bedeutet auch, sich die Mühe zu machen, die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht über das Stöckchen jeder Anfrage zu springen.

Wer als Unternehmer oder Selbstständiger Opfer von Desinformation geworden ist, sollte sich überlegen welche Quelle ernsthaften Schaden anrichtet. Sind die Leser des Internetportals das Kernsegment Deiner Kunden, dann lohnt es sich aktiv zu werden. Eine Analyse des Mediums sollte unbedingt der Reaktion vorausgehen, denn nicht jeder Leser ist durch Argumente zu überzeugen. Oft helfen emotionale Geschichten mehr als tausend Fakten. Agilität ist in Bezug auf Falschinformation das Schlagwort, damit Du in die Rolle des Handelnden kommst statt zu reagieren. Erstelle ein Skript mit dem Du auf gezielte Falschinformation reagieren kannst.

Das waren meine Top 4 Trends 2021. Mich würde interessieren, ob Ihr andere Schwerpunkte seht und welche das sind. Hinterlasst mir gerne Eure Ansichten als Kommentar unter diesem Post.

Wenn Euch der Artikel Fragezeichen auf die Stirn zeichnet, weil Ihr auf einmal nicht mehr sicher seid, ob Ihr wirklich gut auf das neue Jahr vorbereitet seid, dann lasst uns reden. Ich fühle Deiner Strategie für Unternehmenskommunikation, Außendarstellung, Öffentlichkeitsarbeit, PR oder wie auch immer Du es selbst nennst gerne intensiv auf den Zahn. Hier kannst Du direkt einen Termin mit mir vereinbaren.

Wenn Du in einigen Tagen Deine Pause zum Jahresende einläutest, dann wünsche ich mir für Dich, dass es eine Phase der Regeneration wird, die Du in Entspanntheit und Freude, im engsten Kreis derer die Du liebst, genießen kannst.

Sei behütet, bleib gesund und ich freue mich, wenn wir auch im nächsten Jahr wieder gemeinsam die (Arbeits-)Welt ein Stück besser machen, mit Worten und Taten.

Von Herzen alles Gute!

Eure

Heike

Interviews geben: Beim Tanz der Worte die Führung übernehmen

Erinnern Sie sich noch? Ein großer Raum, antiquiertes Interieur, leicht aufgeregtes Gelächter und unsicheres Gehabe. Man steht sich paarweise gegenüber und hofft, dass das was kommt für keinen schmerzhaft oder peinlich wird: Tanzstunde! Zu Anfang Fußtritte. Sie führt, weil er den Takt nicht hört. Gezerre und Gestolper. Aber es wird von Stunde zu Stunde besser.

Ein Lächeln mischt sich in die ernsten Mienen. Die Bewegungen werden runder. Während keiner von Beiden mehr wirklich daran glaubt, platzt plötzlich der Knoten und es fühlt sich an wie Fliegen!

Der Vergleich drängt sich Ihnen vielleicht nicht unmittelbar auf, aber zwischen dem klassischen Paartanz und dem journalistischen Interview gibt es eine ganze Reihe von Parallelen.

Das Interview ist eine kommunikative Disziplin
mit festen Regeln, 
die man erlernen kann. 

Ich schlage vor, dass wir uns dem Thema schrittweise nähern.
Gehen wir einmal davon aus, Ihr Unternehmen hat gerade eine Pressemitteilung verschickt. Diese wird von Journalisten als Gesprächseinladung interpretiert.

Aufforderung zum Tanz – Wer ist der Richtige?

Da Ihre Ressourcen begrenzt sind, werden Sie Interview-Anfragen priorisieren. Aber nach welchen Kriterien suchen Sie Ihren Partner aus? Machen Sie den folgenden Check: Erreiche ich mit diesem Medium direkt meine primären Zielgruppen? Kann die Zeitung oder Fachzeitschrift mit hohen Leserzahlen punkten? Schreibt der Journalist für eine Nachrichtenagentur, von der andere Medien ihre Inhalte beziehen? Ist das Medium in meinem Geschäftsbereich meinungsbildend oder gar meinungsführend? Entsteht hier ein Übersichtsartikel in dem die Konkurrenz zu Wort kommt, so dass es von Vorteil ist, selbst Position zu beziehen? Schon eine dieser Fragen mit “Ja” zu beantworten kann Grund genug sein, das Interview zu machen.

Das Warm-Up – Vorbereitung zum Aufeinandertreffen

Interviews sind eine sehr gute Gelegenheit, einem breiten Publikum die eigene Story zu erzählen.  Sie haben die Möglichkeit gezielt Botschaften zu setzen, die Ihnen wichtig sind. Aber dieser Austausch birgt auch Risiken. Dann nämlich, wenn Sie ohne Vorbereitung in das Gespräch gehen. Sprechen Sie mit dem Journalisten über sein Informationsbedürfnis. Wo möchte er in Bezug auf ihre Neuigkeiten in die Tiefe gehen? Was hat er möglicherweise nicht verstanden? Wenn möglich antizipieren sie Fragen zu diesem Themenkomplex, oder lassen Sie sich die Fragen aus der Redaktion im Vorfeld zusenden.

Die Schrittfolge im Geiste durchgehen – Kernbotschaften

Als nächstes formulieren Sie Kernbotschaften, die Sie selbst im Beitrag zu Ihrem Interview lesen oder hören möchten. Überlegen Sie sich, wie Sie von den Fragen eine Brücke hin zu diesen Kernbotschaften schlagen können. Sie kennen das Prinzip aus den Abendnachrichten. Nur, dass sich viele Politiker die Brücke schenken, sie sprechen einfach – egal welche Frage – über das was sie sagen wollen. Unsere Nachrichtenmoderatoren sind gut geschult, ihnen das nicht durchgehen zu lassen. Machen Sie es besser! Üben Sie! Und scheuen Sie sich nicht, in einer Unterhaltung ihre drei Kernaussagen immer wieder unterzubringen. Wiederholung ist ein guter Lehrmeister. Jetzt erkennen Sie auch, warum es eine gute Idee ist, das Interview nicht direkt bei der Anfrage zu machen, sondern sich Zeit für die Vorbereitung zu nehmen. Die meisten Journalisten haben zumindest ein paar Stunden bis zum Redaktionsschluss. Größere Beiträge lassen mehr Spielraum.

Ausgangsposition – Haltung annehmen

Interviews sind für Ungeübte Stress-Situationen. Also vermeiden Sie unnötigen Ärger durch unbequeme Stühle und schlecht sitzende Krawatten. Findet das Gespräch in Ihren Räumen statt, dann wählen Sie einen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen. Müssen Sie an einen anderen Treffpunkt kommen, entscheiden Sie, ob Sie sitzen oder stehen wollen. Lassen Sie sich bei Filmaufnahmen die Einstellung zeigen. Achten Sie auf angemessene aber bequeme Kleidung.
Üben Sie den festen Stand
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Den Takt halten – Die (Gesprächs-)Führung übernehmen

Jetzt kann der Tanz beginnen. Die größte Falle hierbei ist, dass Sie sich rein darauf konzentrieren auf die Frage zu antworten. Sie haben viele Fakten im Kopf, die Sie meinen, erläutern zu müssen. Sie wollen freundlich sein und füllen jede Gesprächspause mit Wortbeiträgen.  Alles nicht dramatisch, wenn Sie sich an folgendes erinnern: Sie sind der Spezialist in ihrem Fachgebiet und wissen daher immer deutlich mehr als ihr Gesprächspartner. Selektieren Sie und platzieren Sie Ihre Kernbotschaften. Beschreiben Sie Sachverhalte möglichst ohne Fremdworte in kurzen Sätzen. Bringen Sie Beispiele zur Erläuterung. Sprechen Sie wo es sich anbietet in Bildern. Bedienen Sie Emotionen.  Lassen Sie persönliche Erfahrung einfließen. All das ist deutlich spannender als Zahlen und Fakten. Machen Sie sich bewusst, dass Journalisten an Menschen und ihren Geschichten interessiert sind. Bleiben Sie gelassen, auch bei kritischen Fragen. Lächeln Sie freundlich, auch bei Telefoninterviews. Korrigieren Sie ihren Gesprächspartner, wenn seine Aussage falsch ist.

Haltung bewahren bis die Musik aus ist – Die Verabschiedung

Wer nicht regelmäßig Interviews gibt, verliert Konzentration und Anspannung, wenn der Journalist das Ende des Interviews signalisiert. Denken Sie daran, dass alles was Sie danach sagen ebenso im Beitrag erscheinen kann. Bleiben Sie beim Thema. Bieten Sie an, offen gebliebene Punkte oder weiteres Pressematerial nachzureichen. Journalisten haben keine Verpflichtung dazu, bieten im Print-Bereich aber häufig die Zitat-Freigabe an. Fragen Sie proaktiv danach. Notieren Sie sich außerdem den Erscheinungstermin des Beitrags. Printmedien schicken Ihnen auf Anfrage ein Belegexemplar.
Nehmen Sie sich die Zeit das Interview nachzuarbeiten. Welche Kernbotschaften hat der Journalist aufgegriffen? Aus welcher Aussage hat er die Headline abgeleitet? An welcher Stelle bin ich falsch verstanden worden? So lernen Sie aus Erfahrung und machen es beim nächsten Mal noch besser.

Wenn Sie diese Tipps beim nächsten Interview-Termin parat haben wollen, dann können Sie die PowerPoint-Präsentation dazu gerne hier herunterladen. Stöbern Sie noch im Bereich Downloads nach weiteren Empfehlungen.

Aus jahrelanger Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass die Theorie ein guter Anfang ist, besser wäre es allerdings, am konkreten Beispiel zu üben. Dazu können Sie gerne ein Medientraining buchen.